Ausgabe 
1.1.1918
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Nummer 4.

1. Januar 1918.

Der (Seist der Zeit.

Von H. v. Borcke.

AuS dem gewaltigen Sturme,

Ter über die Erde braust.

Fürsten und Völker schüttelt Wie mit gepanzerter Faust,

Schallt unS des Herrgotts Stimme Mahnend und tröstend zugleich.

Uns sür ihn zu gewinnen Und sein heiliges Reich.

Wohl, wenn klar wir erkennen Den Geist der eisernen Zeit.

Daß wir im Leben und Sterben Sind für den Herrgott bereit.

(Aus: Konservative Monatsschrift, Jahrg. 75.)

Jahreswende 1918.

Weihnachtssest und Jahreswende in Zeiten friedlichen Dahinlebens zwei Haltepunkte der Selbst­besinnung und geruhigen Freude in Erinnerungen und frohen Hoffnungen l Erst daS gewaltig-erschüt­ternde Erleben oeS Weltkrieges hat auch hier hinein störend eingegriffen und gezeigt, wie wenig alle die von den Menschen aufgerichteten und festgesetzten Schranken und Ordnungen der Zeit für das Ge­schehen selbst zu bedeuten haben. Unerbittlich gehen die Geschicke der Völker wie der einzelnen ihren Gang, hier wird vernichtet und zermalmt, dort emporgerissen und hinausgetragen aus schwindelnde Höhen des Glückes und der Macht. Wozu soll darum das Stehenbleiben und Zurück- und Vor- würtSschauen dienen, wenn doch das Schicksal als unwiderstehliche Gewalt alles und alle durcheinan­derwirbelt, wieein Tyrann nach Laune und Gunst ? Von jeher sind die Menschen bei d eser Erklärung ihrer Geschichte nicht stehen geblieben, schon immer hat sich ihr freier Grift dagegen gewehrt, nur das willenlose Werkzeug unpersönlicher Willkür bedeuten zu sollen. Gerade in der Drangsal der Not und des Leids, wenn undurchdringlich in ihrem Sinn eine Welle des Unglücks der andern folgte, haben sie gekämpft und gerungen um die Gewißheit, daß hinter allem eine persönliche Macht steht, Menschheit und Mensch nach einem großen Plan, zu einem großen Ziel zu lenken und zu führen. Dieser stets mit neuer Hingabe und Inbrunst wie­derholte Versuch, der Dinge und des Lebens Herr zu werden, hat überall da, wo religiöses Denken und Empfinden sich regt, seinen erhabensten Aus­druck gesunden. Darum ist der wahrhaft fromme Mensch auch der sichere, gewisse,' der seinen Weg geht einem ewigen, bleibenden Ziele zu. Ohne sich beirren zu lassen in seiner Ruhe weiß er, daß sein und seines Volkes Schicksal nicht nach .Zufall' sondern nach ewigen Gesetzen einer Vollendung entgegengeht. WeihnachtSfest und Jahreswende. wieder soll uns daS Fest von dieser Vatergüte eines Gottes, der die Welt regiert, eine Botschaft sein, wer sie aufnimmt wird beim Wechsel der Jahre, trotz Not und Tod die Welt durchzogen und durch­ziehen, für seine und seines Volkes Zukunst den rechten Glauben gefunden haben. H. Sch-r.

Durchhalten!

Hin Mahnruf aus dem Schützengraben.

In der .Christlichen Freiheit' teilt D. Traub folgenden Brief aus dem Felde mit:

Verehrter Herr Traubl

Da kommt mir eines Ihrer Eisernen Blätter in die Hand: Losung. Das veranlaßt mich. Ihnen zu schreiben.

.Man rede den Frieden nicht zu Tod. Je mehr wir dem Frieden nachlaufen, je eher entschlüpft er uns.'

Wie sehr haben Sie recht mit diesen Worten! Neulich schrieb mir ein Bekannter, der mit Iran- j zosen kürzlich zusammen gewesen war, sie rechnen '

auf nichts mehr als aus Revolution in Deutsch­land. DaS jammerbare Friedensgewinsel und die schändliche Drohung im Reichstag mit Rrvolution, diese beiden Punkte sind es, die unglaublich schäd­lich wirken. Die militärische Lage ist gut, und da­heim ist's auch noch lange nicht so schlimm wie vor 100 Jahren. Und da sind es deutsche Men­schen, die den Gegnern immer wieder den Nacken steifen und tun, als ob wir vor dem Zusammen­bruch ständen und der Feind nur noch ein paar Monate warten müßte. Gerade umgekehrt: wir

müssen noch eine Zeitlang Geduld haben, dann wird sich in Ost und West alles klären. Ich habe auch Weib und Kmd zu Hause und lechze nach einem echten deutschen Friedensdasein mit ihnen. Aber es wäre doch kindlich, unreif, schimpflich, nun, nach­dem wir drei Jahre lang geduldet haben, die Ge­duld zu verlieren und unS selbst um allen Sieger­preis zu bringen. Wir haben gewiß manchen ge­schäftskundigen Mann am Ruder. Der muß wissen, wie schädlich e8 ist, den Gegner allzusehr in die Karlen gucken zu lassen, ihm gar zu sagen, das Geschäft müsse um jeden Preis zu stände kommen. Wie machten's denn England und Frankreich?... Wer weiß, wie dringend sie in Wirklichkeit den Frieden wünschen. Aber ihr großschnauziger Ton hat Erfolg, er macht den Unkundigen unter uns doch leicht bange. Wir fühlen, in Frankreich gärt es. Wo sind die rechten Männer, um da zu han­deln, nun wo es gilt, England zu isolieren? Offensive! Den Briten haßt ja doch die ganze Welt im stillen, Freund und Feind. Was sind wir sür ängstliche, bescheidene Gemüter! Was muß denn noch kommen, um uns stolz und selbstbewußt zu machen, wenn nicht die Leistungen der letzten drei Jahre! . . . Nitionalbrwußtsein, mit offen­siven Zwecken wirviel können wir da von den Gegnern lernen, in dieser ihrer höchsten Tugend, wir, die wir so gerne ihre Fehler uns aneignen l Frankreich war vor 1914 offensiv im Reichsland, in der Schweiz, in Belgien, mitten im fremden Land. Italien hatte seine Jrredenta in Südtirol. Und wir? Wir duldeten das großmütig, statt zum Gegenstoß vorzugehen. Mülhausen, Colmar wie­viel hat der Franzose da gewühlt, in deutschem Land und Sprachgebiet! Man denke sich den Fall umgekehrt: Deutschland wühle in Frankreich unter französischer Bevölkerung im französischen Sprach­gebiet. Unerhört, 1a Franco würde Mordio schreien. Wir können und müssen Frankreich von England losreißen, die Leute im Volk drüben Haffen den Briten. Wer macht's, wer kann's? Mut und Geld und Geschicklichkeit.

Und während dem Michrl sein Haus brennt, will er darüber beraten, wie es neu zu verputzen ist: Verfassungsfcagen! Jetzt? Ich bin, wie nur ein Schwabe sein kann, liberal bis in die Knochen. Aber wenn ich um mein Leben mit einer Räuber­bande zu kämpfen habe, dann hat nichts für mich mehr Bedeutung, als der Gesellen Herr zu werden. . . . Nachher eine so freie Verfassung, wie wir politischen Kinder sie irgend verdauen können, aber jetzt? Müssen wir denn daraus hereinfallen, wenn das Ausland immer wieder ein neues Schlagwort gegen uns ersinnt? Sie sollen doch vor ihrer eigenen Tür kehren, die Bringer der Freiheit Griechenlands usw. Und unsere Führer müssen das dem Volk sagen . . . Jedermann weiß, daß ein starker volkstümlicher Führer unser ganzes Volk hinter sich hätte. Ganz gewiß. Man lechzt ja förmlich nach dem Hindenburg in Zivil. Schreiben Sie diese Ihre Losung an den deutschen Himmel, daß die ganze deutsche Welt sie lelcn kann, und werden Sie nicht müde, gerade dem Arbeiter zu sagen, wie gerade er am meisten bei einem starken Frieden zu gewinnen hat. Wäre ich Bürger da­heim, und könnte reden, wie mir ums Herz ist, ich würde jeden Deutschen Bruder heißen, der seine Pflicht tut, und würde ihn herausholen auS der Flaumacherei und ihm Stahl ins Blut gießen, und möchte im stände sein, noch jetzt im Krieg einen großen, allumsaffenden Volksbund, den Bismarckbund zu schaffen, der alle deutschen Menschen umfaßt.

vom Konservativen bis zum Sozialdemokraten, alle, wenn sie nur deutschen Herzens sind. Man muß das Eisen schmieden, solange es noch heiß ist ; noch ginge es. . . . Wir Soldaten haben's ja gut, so­lange noch Hindenburg lebt. Wir haben unfern Führer, dem wir folgen, mag kommen. waS will. Aber daheim? Wer führt so stark, so gut, so auf allgemeinstes Vertrauen gestützt? So wie die Uniform den militärischen Hindenburgbund sozu­sagen verkörpert, so müßte daheim die Vaterlands­liebe den Bismarckbund bringen aus allen Stün­den, aus dem ganzen Volk heraus, und alles, was ein Herz hat, sollte, wenn es den Frieden erleben darf, dem größten, allumfassenden Volksbund an­gehören.

Nun genug! Möge der Himmel unS den Führer deS Volks und dem Volk die Gesinnung schenken, die England am meisten zu fürchten hat. Das wäre mir der rechte Prüfstein für daS, was wir brauchen. Das Vaterland über alles (auch über die Partei).

Mit deutschem Soldatengruß!

Ihr sehr ergebener.

Walkwerwüstung in England.

Unter der Ueberschrist .Die Verwüstung deS Krieges' berichtet .Morningpost' vom 30. Oktober 1917, daß ein drei Meilen sich hinstreckender Wald in dem malerischen, alsThe Lake District bekannten Seengebiet Westenglands von der Regie­rung ausgekaust worden ist, um sür kriegswirt­schaftliche Zwecke abgeholzt zu werden. Es handelt sich um Eichenbestände. Nach der gleichen Zeitung findet sich in dem Bericht der Kommission über die königlichen Domänen und Forsten usw., der mit dem 31. März 1917 abgeschlossen und jetzt ver­öffentlicht worden ist, folgende Bemerkung über die Holzoersorgung des Landes: Um zur Lieferung des nationalen Bedarfs an Eisenbahnschwellen, Gruben­holz usw. beizutragen und die Holzeinsuhr zu be­schränken, wurden weiterhin in großem Maßstabe Fäll- und Sägearbeiten in verschiedenen königlichen Forsten, besonders New Forest, ausgesührt und große Mengen an den Ausschuß für inländische« Holz und andere Stellen verkauft. Für die Auf­forstung abgeholzten Geländes und anderer, neu auszubeutender Gebiete wurden 17 bis 18 Millionen Pflanzen von der Aussaat des 1915er und 1916er Samens gezogen.

Man kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen in der englischen Bevölkerung, die in den spärlichen Wäldern des Landes Erholung zu suchen pflegte, derartige Maßnahmen ausgenommen werden.

(Aus .Kriegsamt' Nr. 36, 1916s 17.)

Aeier im Oießener Soldatenheim.

Am Sonntag, den 2. Dezember, nachmittags, fand im Soldatenheim eine Nachfeier von Groß- herzogs Geburtstag statt, die von Angehörigen der Garnison und der Lazarette gut besucht war. Herr Professor Strecker feierte in zündender Ansprache den heffischen Landessürsten und das innige Ver­hältnis zwischen Fürst und Volk im Deutschen Reiche und wies auf die deutsche Einigkeit als die Quelle unserer unerschütterlichen Widerstandskraft und unserer glänzenden Erfolge hin. Den übrigen Teil der Feier hatten die Damen VetterS (Vorträge von Dichtungen), Zufall (Klaoier) und Zimmer (Violine), sowie die Herren Junker (Cello), Storch (Violine) und Vogel (Gesang) übernommen. Gleich dem Festredner fanden auch die übrigen Vortragenden lebhaften Beifall. Es ist zu hoffen, daß in der Weihnachtszeit, jedenfalls aber zu Kaisers Geburts­tag eine ähnliche ansprechende Feier veranstaltet wird.