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die in den Schützengräben mit feineren oder gröberen Effekten durch ihren Rhythmus die angestrengte Arbeit erleichtern oder die Langeweile vertreiben. Daheim tröstet die Musik die Trauernden und Angstlichen und lenkt die Verwundeten für Augenblicke von ihren Schmerzen ab. Diese große Rolle, die die Musik jetzt spielt, ist nur bei einem innig und warm empfindenden Volk möglich.
Der Krieg hat auch vor allem das tiefe religiöse Gefühl und das starke moralische Pflichtbewußtsein der Deutschen offenbart. Man hört von ergreifenden Feld- gottesdiensten, von rührender Kameradschaftlichkeit in Ge- fahr und Not draußen im Feindesland. Die deutsche Mannes- zucht, der vielberufene Militarismus, erntet Sieg auf Sieg. Dieser Militarismus steht nicht im Gegensatz zur deutschen Geistesbildung, wie unsere Feinde behaupten. Derselbe Geist, dieselbe straffe Disziplin, dieselbe strenge Selbstzucht, dieselbe selbstlose Hingabe, dasselbe eiserne Pflichtbewußt- sein herrscht in der deutschen Wissenschaft wie in dem deutschen Heer. Wie 1813 und 1870 hat sich auch jetzt wieder die akademische Jugend in erster Reihe freiwillig zu den Fahnen gemeldet. Den Wert der Küultur für die Kriegführung hat kürzlich ein russischer Hofbeamter richtig erkannt, indem er sagte:
„Wir hätten den Krieg nicht eher beginnen sollen, als bis auch der russische Bauer lesen und schreiben gelernt hatte. Die Größe der elementaren Unkenntnis des gemeinen Soldaten kann uns die Niederlage und den Zusammenbruch, kann uns die Revolution bescheren, wenn nicht noch Wunder geschehen. Bedenke, es fehlen Mechaniker, Techniker, es fehlen die gelernten Arbeiter, die Handwerker, ohne die wir keine Kanonen, keine Munition, keine Flugzeuge,


