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Krieg und Kultur : Vortrag / von Margarete Bieber
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Grenzen brachen, um die Provinzen des römischen Welt- reichs und schließlich Rom selbst zu erobern. Schon längst waren viele Germanen freiwillig als Söldner in das römische Heer eingetreten. Jahrhunderte lang bildeten sie die Kern- truppen des Heers und als solche zuletzt infolge ihrer unge- brochenen Kraft und ihrer berühmten Treue gegenüber dem selbstgewählten Herrn die einzige Stütze des morschen, verrotteten römischen Kaisertums. Mit Recht wurden daher die Germanen die Erben des zusammenbrechenden Reichs. Sie übernahmen die Idee des Kaisertums und die damit zusammenhängenden kulturellen Aufgaben. Mit Recht setzte sich schließlich Karl der Große als Erbe der Caesaren, als römischer Kaiser deutscher Nation, die Kaiserkrone aufs Haupt.

Die politische Kraft der Deutschen war jedoch zu gering, um die Macht des Reiches dauernd zu erhalten. Während deutscher Handel und deutsche Bildung sich entfalteten und östlich bis über die Memel, nach Rußland hinein, nördlich bis in die skandinavischen Reiche vordrangen, führte der deutsche Grundfehler, die Uneinigkeit zwischen den Stämmen und Ständen, zur Schwächung und zum Verfall der Staats- einheit. Nur die hohe geistige und sittliche Kraft, die Reli- giosität und tiefe Innerlichkeit der deutschen Nation haben es bewirkt, daß selbst unglückliche Kriege zum höheren Aufstieg der deutschen Kultur beigetragen haben. Über den Dreißigjährigen Krieg, der das größte materielle Elend über Deutschland brachte, konnte daher Schiller folgende herrliche Worte sagen:

Schrecklich zwar und verderblich war die erste Wirkung,.. ein dreißigjähriger verheerender Krieg, der von dem Innern des Böhmerlandes bis an die Mündung der Schelde, von den Ufern des Po bis an die Küsten der