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Die menschliche Kultur ist ja kein einheitlicher Bexgriff, sondern erstreckt sich auf die verschiedensten Gebiete. Es gibt politische, geistige, künstlerische, religiöse, moralische, Herzens- und Körperkultur. Ein Volk, das auf allen diesen Gebieten die erste Stelle einnehmen würde, würde unbe- siegbar sein, denn ein jedes davon ist wertvoll für siegreiche Kriegführung. Politische Kultur gewöhnt die Bürger an Ordnung und Gehorsam, organisiert schon im Frieden das Heer, schafft die für die Kriegführung so nötigen Geldmittel, einigt die Parteien zum Besten des Vaterlandes, erwirbt Freunde im Ausland. Geistige Bildung schmiedet die tech- nischen Waffen. Wissenschaft verwertet die Ergebnisse der Vergangenheit und der Forschung für die Gegenwart; sie und die Kunst halten den Verlauf und die Resultate der Kämpfe für Gegenwart und Zukunft fest. Die Religion und starkes moralisches Pflichtbewußtsein verleihen Mut und Beharrungsvermögen im Kampf. Herzensbildung weckt Kameradschaftlichkeit, Hülfsbereitschaft der Krieger unter- einander und der Daheimgebliebenen für die Krieger und ihre Angehörigen. Ausbildung des Körpers, Stählung der Muskeln und Abhärtung befähigt den Soldaten, die Strapazen im Felde zu ertragen. Nur in Ausnahmefällen können sich alle diese Eigenschaften in ein und demselben Menschen vereinigen. Nur in wenigen Nationen finden sich mehrere davon in hohem Maße ausgeprägt. Fragt man, welche davon die Völker am meisten zum Siege geführt haben, so ant- wortet die Weltgeschichte mit Entschiedenheit: die moralische Kultur, vereint mit geistiger Kultur.
Das lehrt gleich der erste Krieg, der für die ganze Kulturentwicklung Europas ausschlaggebend geworden ist: der Krieg zwischen Griechenland und Persien im V. Jahr-


