10
Daher übernahm Gallien die römische Kultur, wurde der Hauptvertreter der hieraus entwickelten romanischen Kultur und als solcher lange Zeit— aber jetzt auch wohl die längste Zeit— die geistige Vormacht von Europa. Schwerer wurden die Römer mit unseren Vorfahren, den Germanen, fertig. Zwar gestattete es ihr Hauptfehler, die Uneinigkeit, den Römern, sich vorübergehend sogar bis zur Elbe festzusetzen., Doch bald erhoben sich freiheit- liebende Stämme unter Arminius, Hermann dem Cherusker, und vernichteten die römischen Legionen im Teutoburger Wald, wie es Kleist in der Hermannsschlacht geschildert hat. Die überlegene moralische Kultur ermöglichte es den Germanen, die sowohl an Zahl wie an politischer, militärischer und geistiger Bildung so weit überlegenen Römer zurück- zudrängen. Der große römische Geschichtschreiber Tacitus schildert die unverdorbene Einfachheit, Sittlichkeit und Kraft der noch ungebildeten und unverbildeten Germanen im Gegensatz zu dem verderbten römischen Leben mit seiner überfeinerten Kultur. Nur bis zum Rhein und bis zur Donau konnten die römischen Heere durch ihre siegreichen Feld- züge die Grenzen des römischen Reichs ausdehnen. Im Anschluß an die Heerlager entstanden in diesen Grenz- gebieten zahlreiche Städte wie Köln, Mainz, Trier, Worms, Speier, Straßburg, Basel, Augsburg und Wien, die im Alter- tum Stätten der römischen, in Mittelalter und Neuzeit Stätten der deutschen Kultur geworden sind. Man kann nicht von Romanisierung dieser Gegenden sprechen wie in Gallien; vielmehr entwickelte sich in den von Rom gegründeten Städten von Anfang an eine originelle Kultur, Später wurden sie durchaus germanisiert, als zur Zeit der Völkerwanderung die germanischen Stämme ihrerseits über die römischen


