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Krieg und Kultur : Vortrag / von Margarete Bieber
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ihm eine neue Epoche der Strategie datiert. Von seinen großen organisatorischen Plänen konnte er in seinem kurzen Leben nicht alle durchführen; doch genügte die von ihm eingeführte neue Gliederung des Heers und die scharfsinnige Taktik, das Zusammenarbeiten der verschiedenen Waffen- gattungen, um die von seinem genialen Führer hingerissenen Truppen von Sieg zu Sieg zu führen. Ein orientalisches Reich nach dem anderen wurde erobert: Kleinasien, Persien, Syrien und Agypten wurden griechische Reiche, Alexander führte eine Schar von griechischen Gelehrten, Geschicht- schreibern, Dichtern und Künstlern mit sich, die die von ihm durchzogenen Gegenden studieren, die großen Ereig- nisse in Wort und Bild festhalten, neue Städte, wie Alexan- drien in Agypten, erbauen und nach griechischer Weise einrichten und schmücken mußten. So drang infolge von Alexanders Siegeszügen ein breiter Strom griechischer Kultur in zwei neue Erdteile ein. Weiter und weiter entwickelte sich diese Kultur in den von Alexanders Nachfolgern gegrün- deten griechischen Reichen und Städten. Während aber Wissenschaft und Kunst weiter blühten, nahm die politische und militärische Tatkraft und Tüchtigkeit der Griechen ab. Durch Uneinigkeit geschwächt, wurden ihre Reiche leicht ein Raub der Römer.

Die Römer übertrafen die Griechen in den letzten Jahrhunderten vor Christus nicht nur an Kraft und Einigkeit, sondern auch an sittlichem Ernst und strenger Manneszucht. Dagegen fehlte ihnen jede eigene geistige und künstlerische Kultur. In kluger Selbsterkenntnis übernahmen sie nun diese einfach von den besiegten Griechen. Sie haben das überkommene Gut treu bewahrt, in allen ihren Provinzen verbreitet und so der Nachwelt überliefert, während es