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Krieg und Kultur : Vortrag / von Margarete Bieber
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Ostsee Länder entvölkerte, Ernten zertrat, Städte und Dörfer in die Asche legte; ein Krieg, in welchem viele tausend Streiter ihren Untergang fanden, der den aufglimmenden Funken der Kultur in Deutschland auf ein halbes Jahrhundert ver- löschte und die kaum auflebenden besseren Sitten der alten barbarischen Wildheit zurückgab. Aber Europa ging ununter- drückt und frei aus diesem fürchterlichen Krieg, in welchem es sich zum erstenmal als eine zusammenhängende Staaten- gesellschaft erkannt hatte; und diese Teilnehmung der Staaten an einander, welche sich in diesem Krieg eigentlich erst bil- dete, wäre allein schon Gewinn genug, den Weltbürger mit seinen Schrecken zu versöhnen. Die Hand des Fleißes hat unvermerkt alle verderblichen Spuren dieses Krieges wieder ausgelöscht; aber die wohltätigen Folgen, von denen er begleitet war, sind geblieben. Eben diese allgemeine Staaten- sympathie, welche den Stoß in Böhmen dem halben Europa mitteilte, bewacht jetzt den Frieden, der diesem Krieg ein Ende machte. So wie die Flamme der Verwüstung aus dem Innern Böhmens, Mährens und österreichs einen Weg fand, Deutschland, Frankreich, das halbe Europa zu entzünden, so wird die Fackel der Kultur von diesen Staaten aus einen Weg sich öffnen, jene Länder zu erleuchten.

Die Religion wirkte dieses alles.

Das Resultat des harten Krieges war Glaubensfreiheit, die beste Beförderin der Kultur. Zwar mußte zunächst die überlegene Kultur des Auslandes der danieder liegenden deutschen aufhelfen. Damals sind sehr viele Fremdwörter bei uns eingedrungen. Noch Friedrich der Große hatte rein fran- zösische Bildung. Er schrieb und dichtete in dieser Sprache, er lud geistreiche französische Gelehrte wie Voltaire an seinen Hof. Zeugen jener Zeit sind z. B. die Namen des von