De Begriffe Krieg und Kultur scheinen einander auszu- schließen. Wie oft hört man Klagen über die Vernichtung ungeheurer Werte durch den Krieg, über die Verrohung der Menschen, die Zerstörung von Kunstwerken, die Schädigung industrieller Unternehmungen. Alles das ist wahr und ist neben der Einbuße an zahllosen Menschenleben, durch die in Tausenden von Familien alles Glück vernichtet wird, die traurigste Begleiterscheinung des Krieges. Da durch diese Ereignisse der einzelne Mensch am tiefsten getroffen wird, so machen sie zunächst am meisten Eindruck. Betrachtet man aber den Krieg von einem höheren, allgemein mensch- lichen oder historischen Standpunkt, so kann man zwei Wechselwirkungen zwischen Krieg und Kultur feststelllen. Einmal arbeitet die Kultur für den Krieg: Sie befähigt die Nationen zu besserer und erfolgreicherer Kriegführung, indem sie ihnen die wirklichen und die moralischen Waffen dafür liefert. Je höher die Kultur eines Volkes ist, desto mehr Aussicht hat es auf Sieg, Zweitens hat der Krieg immer einen entscheidenden Einfluß auf die Kultur gehabt: In einem siegreichen Volk werden alle schlummernden Kräfte geweckt, entwickeln sich alle Keime zur höchsten Blüte. Die besiegten Völker öffnen ihr Land der überlegenen Kultur des Siegers oder versuchen, sich die Kulturgüter zu erwerben, die ihnen in der höchsten Not gefehlt haben. Mehrfach haben auch die Sieger Elemente der Kultur ihrer Gegner über- nommen und weitergeführt.
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