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Krieg und Kultur : Vortrag / von Margarete Bieber
Entstehung
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hundert v. Chr. Das ungeheure orientalische Reich überfiel das kleine, eben aufblühende Griechenland mit unzähligen Truppen, in der Überzeugung, daß diese Masse das kleine Vollc erdrücken würde, genau so wie jetzt Rußland, Frank- reich und England hofften, uns durch ihre dreifache Über- macht zu zerschmettern. Aber wie bei uns bisher und voraussichtlich bis zuletzt, so hat auch damals die Disziplin, die gute Leitung, der Geist der einheitlichen Truppen über die träge, willenlose, bunt zusammengesetzte Masse gesiegt. Das Riesenheer wurde bei Marathon, die ungeheure Flotte bei Salamis durch geschickte Taktik und opferfreudigen, mutigen Angriff vernichtet. Die Folgen dieses Sieges reichen bis in unsere Zeit herein. Die Siegesfreude, das erstarkte Selbstbewußtsein, die reiche Siegesbeute erweckten in dem so überaus begabten Voll einen märchenhaften Aufschwung. Es wurde die geistige Kultur geschaffen, die nicht nur in unseren Gymnasien, sondern vielen unbewußt auch im Leben noch immer die Grundlage unserer heutigen Kultur bildet. Die Wissenschaft, die Dichtkunst und die bildende Kunst erhielten Richtungen, die sie bisher in ständigem Weiter- schreiten nicht verlassen haben.

150 Jahre nach den großen Siegen über die Perser führte Alexander der Große, der König von Mazedonien, die geeinigten Griechen wieder gegen den Erbfeind. Alex- ander ist von dem größten Gelehrten Griechenlands, Aristo- teles, erzogen worden. Aristoteles war der erste große Organisator wissenschaftlicher Arbeit. Die Fachwissen- schaften, in die er das Gesamtgebiet einteilte und die er teilweise erst begründete, sind noch immer die Hauptgebiete gelehrter Forschung. Sein königlicher Schüler übertrug die wissenschaftliche Methode auf die Kriegskunst, so daß von