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Krieg und Kultur : Vortrag / von Margarete Bieber
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Napoleon konnte Deutschland politisch erniedrigen und knechten, aber nicht seinen moralischen und geistigen Auf- stieg hemmen. Bald nach der tiefsten Demütigung Preußens wurde 1810 die Berliner Universität eröffnet. Große Männer bereiteten die Befreiung Preußens und damit die Deutsch- lands und ganz Europas vom französischen Joch vor. Fichte, Schleiermacher und Ernst Moritz Arndt bewirkten durch ihre Reden und Schriften eine Hebung aller sittlichen Kräfte, Der Freiherr vom Stein und Hardenberg bezweckten und erreichten durch ihre weisen Reformen auf den Gebieten des Rechts und der Verwaltung Erziehung zur Selbständig- keit und Selbstverantwortung. Scharnhorst und Gneisenau vermehrten nicht nur das Heer durch Einführung der allge- meinen Wehrpflicht, sondern veredelten es vor allen Dingen, Vor dem reinen deutschen Geist, vor der hohen sittlichen Kultur und dem feurigen Idealismus Deutschlands brach im Kriege 1813-14 das hohle Reich des kalten Usurpators zusammen..

Der siegreiche Krieg brachte Deutschland Befreiung, aber noch nicht die Erfüllung aller Wünsche. Die von den Besten ersehnte und erstrebte Aufrichtung eines deutschen Nationalstaates wurde alsProfessorengedanke verspottet und scheiterte an vielfachem Widerstand. Ohne diesen Einheitsstaat war die freie Entfaltung deutscher Größe und deutscher Kultur jedoch undenkbar, und er mußte daher in dem Krieg 1870-71 erkämpft werden. Der glückliche Ausgang des Kampfes war zweifellos, denn die Geschicke Deutschlands vor und während der gewaltigen Zeit lagen in den Händen von drei zielbewußten, klarsehenden Geistes- heroen: des mit umfassender wissenschaftlicher Bildung aus- gerüsteten Kriegsministers von Roon, des genialen Strategen