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Friedrich bei Potsdam erbauten Landhauses„Sanssouci“ und des von ihm gestifteten höchsten militärischen Ordens„pour le mérite“. Aber gerade Friedrich der Große hat gezeigt, wie man fremdes Gut in echt deutsches verwandeln kann. Alles, was er geschrieben hat, ist durchaus deutsch gedacht. Als im siebenjährigen Krieg ringsum Feinde das kleine Preußen bedrohten, hat sich erwiesen, was wohlausgerüstete Deutsche unter der Führung eines genialen, aufgeklärten, scharf beobachtenden und scharf denkenden Königs zu leisten verstanden. Der siegreiche Friede gab den Deutschen stärkeres nationales Bewußtsein und Preußen das moralische Recht, die führende Stellung in Deutschland einzunehmen.
Das Recht, die führende Stellung in ganz Europa ein- zunehmen, erwarben dann die deutsche Wissenschaft und Kunst zu derselben Zeit, als Frankreich unter Napoleon Deutschland zu zertrümmern versuchte und sein Kaisertum tatsächlich allmählich vernichtete, Deutsche Literatur und Musik erreichten damals ihre höchsten Gipfel in Goethe und Schiller, in Beethoven und Schubert, Literatur und Kunst gaben den Deutschen die Einheit, zu der sie sich in politischer Beziehung erst soviel später wieder zusammen- schlossen. So hat die geistige Kultur gewissermaßen die Neugründung des Reiches vorbereitet, In der tiefsten nationalen Erniedrigung fühlten die scharfblickenden großen Männer die geistige Bedeutung der Zeit. Als Goethe bald nach Ausbruch der französischen Revolution den Feldzug mitmachte, den er in seiner„Campagne in Frankreich“ so lebendig geschildert hat, tröstete er während des unglück- lichen Rückzugs die entmutigten Offiziere mit den Worten: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Welt- geschichte aus, und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen.“


