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216 Concordia.
„Ich konnte mich von einem intereſſanten Buche nicht trennen; auch machte ich mit Adele einen Spaziergang; ſie wollte etwas von der Stadt ſehen.“
„Das ſind allerdings ſehr wichtige Gründe, die Dich von Deinem Verlobten zurückhalten,“ ſagte er etwas empfindlich. „Ein Buch, ein Spaziergang. Für mich blieb Dir keine Zeit übrig!“
„Du biſt ſehr anſpruchsvoll,“ entgegnete ſie.„Schenkte ich Dir nicht in den letzten Monaten meine Zeit, ſo oft Du es wünſchteſt? Und weil ich einmal ein anderes Vergnügen ſuchte, zürnſt Du?“
„Ich zürne nicht, ich bin uur traurig.“
Er ſagte das in einem ſo milden Tone, daß Meta ſich neuerdings verſucht fühlte, an ſeinem Herzen alle ihre Vor⸗ nahmen und Zweifel zu vergeſſen. Da öffnete ſich die Tapetenthür, Adele trat zu den Verlobten.
„Bitte, liebe Meta, hilf mir meinen neuen Hut prüfen,
ich finde die Blumen darauf zu grell. Sie entſchuldigen Ihre Braut wohl, Herr Bergmann!“
Adelens Gegenwart unterdrückte in Meta wieder die warme Liebesregung. Sie ließ ſich willig von ihr fortziehen.
Robert ſtarrte einige Minuten betroffen und in bitterem Unmuth nach der Thüre, durch welche ſich die Mädchen entfernt hatten. Dann ſtrich er mit der Hand über ſeine Stirn und verließ haſtig das Zimmer.
Meta aber barg unter heißen Thränen das Haupt an der Schulter ihrer Couſine.
„Verzeih', daß ich ſo ſchwach bin,“ ſchluchzte ſie.„O, mir iſt, als laſtete ein ſchweres Unglück auf meiner Bruſt.“
„Nur Muth!“ erwiderte Adele.„Das iſt das Gevitter, welches den Himmel Eurer Liebe von den einförmig grauen Wolken der Gleichgiltigkeit reinigt, die ihn zu umziehen begannen.“
(Fortſetzung folgt.)
Plaudereien.
Die Zigennerin.
In England giebt es bekanntlich jetzt noch eine bedeutende An⸗ zahl Zigeuner und Kohl erzählt in ſeinen Reiſen die Geſchichte eines Zigeunermädchens, die ſich in unſerem Jahrhunderte zutrug und die den Stoff zu einem intereſſanten Romane geben würde, wenn Jemand die vielen intereſſanten Details ſammeln wollte, die man heute noch von der ſchönen Charlotte Stanley erzählt, deren Porträt auch noch zu ſehen iſt. Als kleines Mädchen gefiel ſie einer vornehmen kinderloſen Dame ſo ſehr, daß ſich dieſe ihrer annahm, ſie unterrichten ließ, ſie endlich ganz in ihr Haus zog und als ihre Tochter hielt. Sie erhielt ganz die Erziehung einer vornehmen engliſchen Dame und wuchs zu einer ſchönen, talentvollen und kenntnißreichen Jungfrau auf. Ein vornehmer junger Herr gewann ſie lieb und ging mit dem Plane um, ſie zu heiraten. Allein je mehr dieſer Plan ſich der Ausführung näherte, deſto trauriger wurde die junge Braut, und eines Tages war zum Schrecken des Bräutigams und zum noch größeren Entſetzen ihrer Pflegemutter das junge Mädchen verſchwunden. Es waren an demſelben Tage Zigeuner in der Nähe des Schloſſes geweſen. Man forſchte ihnen nach und fand Charlotte Stanley mitten unter ihnen und in den Armen eines langen, braunen, garſtigen Zigeuners,⸗ des Hauptes der Bande. Sie erklärte, daß ſie ſein Weib geworden ſei und daß Niemand die Macht habe, ſie ihm zu entziehen. Ihre vornehme Pflegemutter und ihr Bräutigam waren darüber untröſt⸗ lich. Doch kam Charlotte in ihrem Zigeunerkoſtüme ſpäter wieder zu ihnen und erklärte ihnen, wie es ihr in den ſchönen Räumen des Schloſſes allmälig zu eng geworden ſei und wie eine un⸗ widerſtehliche Sehnſucht nach ihrem freien Zigeunerleben ſie mehr und mehr ergriffen habe, je näher ſie die Zeit habe heranrücken ſehen, welche ſie auf ewig in feſte Mauern habe bannen ſollen. Der Mann, den ſie unter den Zigeunern ausgeſucht hatte, ſoll einer der wildeſten und häßlichſten geweſen ſein und er behandelte ſeine ſchöne, zarte und verwöhnte Frau auf die barbariſchſte Weiſe. Er wurde eines Diebſtahls wegen zum Strange verurtheilt. Char⸗ lotte, die ihren Peiniger über alle Maßen liebte, ſetzte ihre vor⸗ nehmen Bekannten für ihn in Bewegung und wußte es dahin zu bringen, daß ſeine Todesſtrafe in Galeerenſtrafe verwandelt wurde. Während der Zeit ſeiner Gefangenſchaft beſuchte ſie ihn fleißig und
Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden.— Verlag von Okto Freikag in Dresden.— Druck von F. W. Gleißner in Dresden.
wußte ihm auf mannigfache Weiſe ſeine Lage zu verbeſſern, ohne daß jedoch dieſer Barbar nur im Geringſten durch ihre Liebe ge⸗ rührt wurde. Er nahm ihre Liebeszeichen wie den Tribut einer Sklavin an und mißhandelte ſie ſogar oft bei den Beſuchen, die ſie ihm im Gefängniß abſtattete. Sie hingegen arbeitete fortwährend an ſeiner Freilaſſung. Ihren ehemaligen vornehmen Geliebten und ihre Pflegemutter beſchwor ſie mit Bitten und wußte durch deren Einfluß wirklich die Freilaſſung ihres Tyrannen zu bewirken. Aber ſelbſt in dem Augenblicke ſeiner Freilaſſung bewies dieſer, wie wenig er ſolche Bemühungen verdiene. Als ſeine Frau, deren Liebe ihm läſtig war, ihm entgegeneilte und ſogar das Boot betrat, auf dem er vom Galeerenſchiffe aus zum Lande hinüberſchritt, ſtieß er ihre Liebkoſungen ſo rauh und heftig zurück, daß ſie dabei in's Waſſer fiel. Alle Leute waren darüber empört und wollten ihn zur Strafe feſthalten. Allein Charlotte, die man aus dem Waſſer wieder aufgefiſcht hatte, bat ihn los und folgte ihm abermals zu dem wilden Leben, das er mit ihr in dem Newforeſt und auf den Märkten um London herum führte. Wenn ich mich recht erinnere, wurde ihr Tyrann zuletzt dennoch eines anderen Verbrechens wegen hingerichtet und ſie ſelbſt iſt ganz vor Kurzem geſtorben. Der Freund ihrer Jugend lebt aber noch dieſen Angenblick und ſoll ihr Porträt heute noch in ſeinem Zimmer haben.
Der Lehrer der vierten Klaſſe einer höheren Töchterſchule in X. hatte den Kindern erklärt, daß es Thiere mit und ohne Skelet giebt, und forderte dieſelben auf, ihm ein Thier ohne Skelet zu nennen. Als Beiſpiel nannte er ihnen die Fliege. Schnell meldete ſich eine Kleine.
die haben ſtatt des Skelets nur ein Stück Holz im Leibe.“
Reiſender:„Schaffner, iſt in der nächſten Station Zeit, ein Glas Bier zu trinken?“— Schaffner: Wenu's nit weiter⸗ fahren, ja.“
Lehrer:„Wann lebte Gottfried von Bouillon?“— Jakobchen
(nach längerem Beſinnen):„Wenn er welche hatte.“
„Nun, Emmy, welches Thier meinſt Du denn?“ fragt ſie der Lehrer.—„Rollmöpſe“ erwiderte Emmy,„denn
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