Jahrgang 
1 (1879)
Seite
192
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Hiften.

wollen.

Concordia.

andere Lehren giebt es! Es zeigt, daß ein Mädchen dem Manne weit anziehender wird, wenn ſie ihm mit Kälte, Trotz und Unnahbarkeit entgegentritt. Die Kälte reizt ihn; das Eis durch ſeine Zärtlichkeit zu ſchmelzen, den Trotz begehrt er zu brechen, und die ſtolze Unnahbarkeit endlich in ſeine Arme, an ſein Herz zu zwingen, wird zu ſeinem höchſten Wunſche. Was bleibt übrig für die Sanfte und Hingebende ihres Ge⸗

ſchlechtes? Sie findet wohl auch einen Bräutigam, weil Nie⸗ mand fürchten muß, unglücklich mit ihr zu werden; aber in

der Ehe ſinkt ſeine nie allzu warme Neigung zur Gleichgiltig⸗

keit herab und die wenigen ſtillen Reize der Gattin, wie bald

erregen ſie ihm Langweile und Ueberdruß.

Ein heftiges Schluchzen erſtickte Meta's (Fortſetzung folgt.)

Stimme.

Plaudereien.

Der patentirte Spitzbube.

Während der Belagerung von Kopenhagen durch Friedrich den Erſten, König von Dänemark, hörte eine Schildwache, welche vor dem Zelte des Generals ſtand, daß Befehl gegeben ward, ein Detachement ſolle ſechshunderttauſend Thaler, aus Schweden kommend, geleiten; Geld, welches beſtimmt war, die Truppen, die ſchon Unruhen begannen, zu bezahlen. Dieſer Soldat deſertirte ſogleich. Als er zum däniſchen General geführt wird, beorderte dieſer, ſobald er das Geſchehene hörte, eine dreimal ſtärkere Kolonne, und das Geld ward erbeutet. Der König von Dänemark, höchſt erfreut über den Fang, ließ den Deſerteur kommen und fragte, was ihn zu jenem Verrathe bewogen habe.Sire, ſagte er, die Furcht, gehangen zu werden, ſo wie geſtern einer meiner Kameraden gehangen wurde.Und der? Er hatte ge⸗ ſtohlen.So mache Du's ihm nicht nach!Das kann ich nicht laſſen; darum bin ich lieber zu Ihnen gekommen, weil ich weiß, daß man in Ihren Staaten nicht ſo ſtreng damit verfährt! Den König beluſtigte diesmal eine ſolche Freimüthigkeit und er ſagte:Nun, ich werde Dir zwanzigtauſend Gulden geben, dann wirſt Du nicht mehr an's Stehlen denken!Danke ver⸗ bindlichſt, Sire; aber ich bedauere, das würde mich nicht heilen! Wenn ich Ew. Majeſtät um eine Gnade bitten darf, ſo wäre es nur die, daß Sie mir erlauben, überall in Ihren Staaten frei zu ſtehlen, wie es mir beliebt, verſteht ſich, nicht mit Gewalt, ſondern mit Manier! Aber kein Richter, kein Vogt müſſe mir je etwas anhaben dürfen; ich will nur die Schläge aushalten, die mein Ungeſchick oder meine Unvorſichtigkeit mir von den Leuten zuzieht! Die Dreiſtigkeit des Kerls gefiel dem König ſo, daß er ihm wirklich ein Patent verlieh.

Butz in Neuſüdwales.

Die Schwänze der Biſamkatze werden von den Frauen in Neu⸗ ſüdwales an ihre fettigen Haarlocken befeſtigt, und ihren Nacken

iert eine Schnur, auf welche Bruchſtücke von Thonpfeifen, die mit bunten Knöpfen abwechſeln, gereiht ſind. Um ihre Schultern hängt ein ſchmuziger Mantel vom Felle der Biſamkatze, und ein Bündel

von Lumpen, deren Stoff nicht leicht zu erkennen iſt, umgiebt die Ein Sack auf ihrem Rücken iſt zur Aufnahme von Eß⸗ waaren beſtimmt, aber außerdem ſo mit kleinen Thierchen angefüllt daß wir, um nicht Ekel zu erregen, dieſe nicht weiter nennen Auch die Männer zieren ihr Haupt mit einem Biſam⸗ 1 atzenſchwanze und wenden Fett und rothe Farbe im Ueberfluß an,

Ahre Reize zu erhöhen. An dem Kinn ſteht ein Büſchel Barthaare,

und die Farbe ihrer Haut läßt ſich unter der dicken Lage von Schmuz und Holzkohle, die ſie bedeckt, kaum erkennen. Durch die

aſe ſtecken die Männer ein Metallſtäbchen. Auch ſie tragen einen fürte von Pelzwerk. Nie ſieht man ſie ohne die Pfeife, und die

ropar können ihnen kein angenehmeres Geſchenk machen als bak.

Die Reiſe um die Erde beträgt vierzigtauſend Kilometer. Ein Mann, der Tag und Nacht in gewöhnlichem Schritt marſchirte, würde, um den Weg zurückzulegen, vierhundertachtundzwanzig Tage

brauchen, eine Eiſenbahn fünfunddreißig bis vierzig Tage, der

Schall zweiunddreißig und eine halbe Stunde, eine Kanonenkugel einundzwanzig und dreiviertel Stunde, das Licht etwas mehr, die Elektrizität etwas weniger als eine zehntel Sekunde.

(Seit wann trauern wir ſchwarz?) Am 27. Januar 1517 ſtarb Anna, Gemahlin Kaiſer Ferdinands des Erſten, Schweſter Ludwigs, Königs von Böhmen, mit deren Hand Böhmen an das Haus Oeſterreich gekommen war. Bei ihrem Leichenzuge erſchien man zum erſten Male in ſchwarzen Kleidern, welche von da ab für alle Zeiten als Trauerzeichen beibehalten wurden.

Unteroffizier:Bomben⸗ und Granaten⸗Donnerwetter! wie ſchlapp geht das wieder! Das muß peu⸗-à-pen gehen wie ein Donnerwetter. Lieutenant lleiſe zu ihm):Aber Unteroffizier Schulz, laſſen Sie doch den Unſinn mit den fremden Wörtern. Sie blamiren ſich damit. Unteroffizier:Thut nichts, Herr Lieutenant. Das importirt die Leute doch hölliſch.

In Delitzſch befand ſich in früheren Zeiten eine Uhr, an welcher ein ergötzliches mechaniſches Kunſtwerk angebracht war. Es ſtellte Adam und Eva dar, die am Fuße des Baumes der Erkenntniß ſtanden. Adam hielt den Apfel, den ihm Eva gegeben,

in der rechten Hand und warf ihn beim zwölften Glarkenſclage 1

ſeiner theuren Gattin zwölfmal an den Kopf.

(Abſchiedsſzene.) Auf dem Bahnhofe in Chicago ſteigt ein junger Gatte in den Wagen und nimmt zäértlichen Abſchied von

ſeiner Frau.Leb' wohl, gedenke mein und vergiß mich nicht,

ſagt er.Niemals, niemals, verſichert die junge Frau, nimmtt

ihr Taſchentuch und macht einen Knoten hinein, um nur ja nicht ihr Verſprechen zu vergeſſen.

(Ein See⸗Advokat.) Der Advokat Elias Jumpey ſah auf ſeiner Rückreiſe von Indien, auf dem Verdeck des Schiffes herum⸗ gehend, an der Seite deſſelben einen Haifiſch.Was iſt das? fragte er einen Matroſen.Ich weiß nicht, wie man das Thier auf dem Lande nennt, erhielt er zur Antwort,wir nennen's hier einen See⸗Advokaten.

Wer nicht gelitten, hat nur halb gelebt;

Wer nicht gefehlt, hat wohl auch nicht geſtrebt; Wer nie geweint, hat halb auch nur gelacht; Wer nie gezweifelt, hat wohl kaum gedacht.

Lerantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden. Verlag von Otto Freitag in Dresden. Druck von

F. W. Gleißner in Dresden.

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