Jahrgang 
1 (1879)
Seite
168
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168 Concordia.

Meta erhob ſich und wollte zur Thür eilen.

Bleibe nur, mein Kind, wurde ſie von Adele zurück⸗ gehalten.Ich habe mir es überlegt, daß es doch eine Sünde gegen Dich wäre, ſchon heute außer Deiner Geſellſchaft etwas zu bedürfen. Führe mich in Dein Zimmer. Dort giebt es gewiß allerlei zu ſehen.

Wir brauchen nicht weit zu gehen, erwiderte Meta fröh⸗ lich.Betrachte nur, Couſinchen, wie hübſch ich dafür geſorgt habe, daß wir recht oft beiſammen ſein können.

Sie öffnete eine Tapetenthür und ließ Adele in ein Zim⸗

mer treten, deſſen hellblauen Möbel im Vereine mit den ſchneeweißen Bett- und Fenſtergardinen und den blühenden, wohlgepflegten Pflanzen auf dem Blumentiſche einen außer⸗ ordentlich freundlichen Eindruck hervorbrachten. In der Mitte des Gemaches ſtand ein Flügel und daneben ein Ständer mit elegant gebundenen Notenbüchern.

Das iſt mein Heim, ſagte Meta, einen liebevollen Blick über all' die lebloſen und ihr doch ſo vertrauten Gegenſtände hinſendend.Ich habe ſchon viele glückliche Stunden hier verlebt.(Fortſetzung folgt.)

Plandereien.

Das unheimliche Schloß.

Es mag nahe an fünfzig Jahre her ſein, als an einem ſchönen Sommernachmittage auf dem Schloſſe C. bei Paris eine heitere Geſellſchaft verſammelt war. Die Tochter des Hauſes, ein blühen⸗ des, jugendfriſches Mädchen, feierte ihre Hochzeit mit dem Marquis M., einem reichen, eleganten und liebenswürdigen Kavalier, und die Freunde und Verwandten des jungen Paares waren erſchienen, ihre Glückwünſche darzubringen und den frohen Tag verherrlichen zu helfen. Es war vor dem Feſtmahle und die Geſellſchaft ver⸗ gnügte ſich in den herrlichen Parkanlagen des Schloſſes mit Spielen. Eine muthwillige junge Dame ſchlug das Verſteckſpiel vor, welcher Vorſchlag jubelnd angenommen wurde; die jugendlichen Theil⸗ nehmerinnen des Spieles verſteckten ſich und die Herren ſuchten dieſe in ihren verborgenen Aſylen auf. Alle waren nach Verlauf einer Stunde wieder beiſammen, nur die junge Frau fehlte; man wartete und wartete ſie erſchien nicht, man ſuchte, aber ver⸗ gebens; die Dienerſchaft wurde endlich aufgeboten, das Schloß und der Park bis in die entfernteſten Winkel durchforſcht, keine Spur von der Vermißten war zu entdecken, ſie war und blieb ver⸗ ſchwunden. Der troſtloſe Bräutigam ließ Leute ans dem Dorfe kommen und begann auf's Neue jedes herabgefallene Blatt im Garten umzuwenden, jede nur annähernd denkbare Möglichkeit, wo die junge Frau verborgen ſein könnte, zu prüfen daſſelbe Reſultat, nirgends auch nur der geringſte Anhalt über den Ver⸗ bleib wurde entdeckt. Trauernd verließ die zu einem Freudenfeſt gekommene Geſellſchaft das Schloß, das ſein Geheimniß treulich bewahrte. Man hörte nie wieder von der auf ſo räthſelhafte Weiſe verſchwundenen jungen Frau; unter den Schloßbewohnern und im Dorfe bildeten ſich allerhand unheimliche Sagen, und die Klügſten unter ihnen flüſterten ſich grauſige Geſchichten in's Ohr, deren Heldin die im Brautſtaate auf unerklärliche Weiſe unſichtbar gewordene Tochter des Hauſes war. Allmälig begannen die grauen, düſteren Mauern des Schloſſes zu verfallen, der Beſitzer mied das finſtere Ge⸗ bäude, welches ein ſo ſchreckliches Geheimniß barg, und als er endlich geſtorben war, beeilten ſich die Erben, es zu verkaufen. Der neue Eigenthümer, ein reicher Privatmann aus Paris, beſchloß, das Beſitzthum mit ſeinem ſchönen Park wieder in wohnlichen Zuſtand ſetzen zu laſſen, um es für die warme Jahreszeit als Sommer⸗ friſche zu benutzen. Er ließ die Pläne zu einigen Vergrößerungs⸗

bauten ausarbeiten, die er dem Schloſſe hinzufügen wollte. Als

die Arbeiter kamen, um in einem von dem früheren Beſitzer un⸗ benutzt gebliebenen Theile des Schloſſes mit Niederreißen einer Mauer zu beginnen, fanden ſie in einer verſtaubten Ecke einen großen Koffer, den ſie aus Neugier öffneten. Wie groß war aber ihr Schreck, als ſie darin ein menſchliches Gerippe, Spuren und

Ueberreſte von Frauenkleidern und Schmuckſachen fanden. Am Brantſchmuck wurde in den Ueberreſten das unglückliche, vor faſt fünfzig Jahren verſchwundene junge Weib erkannt. Die Sache ließ ſich auf ſehr einfache Weiſe erklären: beim Verſteckſpiel hatte die Unglückliche ſich in den Koffer verborgen, der ſchwere Deckel war zugeklappt und hatte die Gefangene lebendig darin begraben. Der an ſich ſchon unbenutzte Theil des Schloſſes, in welchem man die Vermißte nicht vermuthete, war nicht mit der gebotenen Sorg⸗ falt durchſucht worden und am wenigſten dachte man an die Möglichkeit, daß die alte Truhe das Geheimniß bergen könne; die jugendliche Braut hatte auf dieſe Weiſe den ſchrecklichen Erſtickungs⸗ tod erleiden müſſen.*

In einem Dorfe in der Nähe von Paris, durch welches zur Zeit der Jagdſaiſon häufig viele Jagdliebhaber ihren Nachhauſe⸗ weg nehmen mußten, hatte ein Wildhändler(man nannte ihn auch nicht ſelten, wenn auch nicht gerade öffentlich, Wilddieb) ein ſehr einträgliches Geſchäft errichtet. Ueber der Thüre ſeines Hauſes hing nämlich folgendes Schild:Hier verkauft man friſches Wild für Jäger, die auf der Jagd nicht glücklich waren. Natürlich machten viele Sonntagsjäger von dieſem verlockenden Anerbieten Gebrauch, um mit reicher Beute in Geſellſchaften und bei den Frauen prahlen zu können. Probatum est! Die Nachahmung dieſes Gewerbes iſt nicht wohl ſelten auch heute noch eine glückliche Spekulation vieler Wildhändler.

In Dresden wurde im Jahre 1523 ein Mann, Namens Jobſt Weißbradter, der eine Schmähſchrift gegen die Geiſtlichkeit ge⸗ ſchrieben hatte, an den Pranger geſtellt und mußte zur Strafe dieſe Schrift eſſen, worauf man ihn einige Zeit in's Gefängniß ſetzte und dann des Landes verwies.*

Als kürzlich ein Reiſender nach Frankſurt am Main kam, fragte er einen dortigen Einwohner nach dem Hauſe Goethe's. Der Gefragte, zufällig ein Kaufmann, erwiderte naiv:Haus Goethe? Exiſtirt nicht, muß wohl fallirt haben.*

Pierius, ein gekrönter Dichter des ſiebzehnten Jahrhunderts, machte einſt ein Gedicht auf Chriſtus, worin jedes Wort mit einem C, und ein Gedicht auf Kaiſer Maximilian I., worin jedes Wort mit einem M anfing.*

Die Zahl der Krankheiten, denen der Menſch unterworfen iſt, beträgt nach der Berechnung eines Arztes zweitauſend.*

Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden. Verlag von Otto Freitag in Dresden. Druck von F. W. Gleißner in Dresden.

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