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als König von Ungarn eine allgemeine Amneſtie erließ, öffneten ſich auch für den Räuberhauptmann die Thore des Kerkers und der Befreite ging in ſein Vaterland zurück. Aber er war zu einem ehrlichen, geregelten Leben untauglich geworden; es zog ihn hinaus auf die Haide, in die wilden Pußten, um auf's Neue ſein unſtätes Räuberleben zu beginnen. Am 8. Dezember 1868 überfiel er mit ſeiner Bande den Eiſenbahn⸗ zug bei Felegyhaza, beraubte denſelben und entkam mit ſeiner Beute, während einige Beamte todt oder verwundet auf dem Platze blieben. Jetzt raffte ſich die ungariſche Regierung zu energiſchen Maßregeln auf; ſie entſandte den Grafen Gedeon Raday nach dem Alföld mit dem Auftrage, dem Räuber⸗ unweſen ein Ende zu machen. Mit Gewalt war dem ſchlauen Bandenführer ſchwer beizukommen, man nahm daher zur Liſt
ſeine Zuflucht und der alte Fuchs ging richtig in die Falle. Nationalhelden unter Glas und
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Rozsa Sandor wurde am 14. November 1869 in die Szege⸗ diner Feſtung gelockt und gefangen. Ein Mönſtreprozeß ent⸗ wickelte ſich und brachte haarſträubende Dinge zu Tage. Ein Stadthauptmann, zwei Stuhlrichter, vier Fiskale und nicht weniger als ſechsundvierzig Sicherheitskommiſſare wurden als Mitſchuldige in die Unterſuchang verwickelt. Vier Jahre dauerte der Prozeß, in der Schlußverhandlung wurde Rozsa abermals zum Tode verurt ilt, die Strafe aber wiederum in lebenslänglichen Kerker 4 vandelt. Hinter den Mauern des Zuchthauſes beſchfß alte Räuber nun auch ſein be⸗ wegtes Leben, aber das u he Volk ſingt die Lieder, die ſeine Thaten verherrlichen, erzählt ſich wunderbare Ge⸗ ſchichten aus dem Leben ſei zblings, deſſen Bildniß in den Bauernſtuben des Alföld ne men Zrinyi's und anderer en prangt.
Plaudereien.
Wunderlich!
Ein Holzbauer brachte ein Fuder Holz nach Leipzig und hielt in der Vorſtadt. Ein Bürger mit Namen Wunderlich handelte darum und wurde um einen gewiſſen Preis mit ihm einig. Da er dringende⸗Geſchäfte hatte, ſo nannte er dem Bauer Namen und Straße, wo er wohnte, mit dem Bedeuten, bald nachzukommen. Dieſer ging indeſſen in das nächſte Haus, trank noch einige Gläſer
Branntwein, und hatte, da er wieder herauskam, Alles rein ver⸗
geſſen. Er fuhr nun auf gut Glück in die Stadt, in der Hoffnung, daß er ſich unterwegs beſinnen werde. Nachdem er ſich in mehreren Gaſſen Haus für Haus beſehen hatte, kam er endlich an eins, aus welchem eine Menge junger Leute herausgingen. Einen derſelben redete er an und bat ihn, ihm doch zu ſagen, wo der Mann wohne, der heute ein Fuder Holz gekauft habe.„Lieber Freund,“ er⸗ widerte der loſe Vogel, der ſeinen Mann erkannte,„ich ſtudire hier, und ſollte eigentlich freilich Alles wiſſen, da ich aber erſt ſeit einem halben Jahre in die Schule gehe, wo man Alles lernt, ſo bin ich noch nicht ſoweit, daß ich ſolche Fragen beantworten kann. In dem Hauſe hier wohnt aber der Mann mit dem großen Buch, dieſer beantwortet für zwei Groſchen jede Frage.“— Froh über dieſe Nachricht, eilt der Bauer In das Haus und trat in die Studirſtube des Profeſſors D...., der einen großen Folianten vor ſich liegen hatte. Die Mütze unterm Arm, legte der Bauer zwei Groſchen auf den Tiſch und bat, das Buch aufzuſchlagen und nach⸗ zuſehen, wo der Mann ſei, der heute ein Fuder Holz von ihm ge⸗ kauft habe. Voll Erſtaunen ſah der Profeſſor den Frager lange an und brach endlich in die Worte aus:„Nun, das iſt doch wunderlich!“—„Richtig,“ rief der Bauer,„Wunderlich hieß er auch, hier ſind noch zwei Groſchen, weil Er diesmal Sein Buch nicht aufgeſchlagen, ſondern es gleich aus dem Kopfe gewußt hat.“
Die Herzogin von Berry lebte mit der Marquiſe Gailard in der vertrauteſten Freundſchaft. Beide wurden aber von einander getrennt und erſt nach vielen Jahren kam die Marquiſe wieder zu der Herzogin. Einer von den Hofleuten, der ſich immer gern auf Koſten Anderer luſtig machte, fand die Marquiſe im Vorzimmer, als ſie gerade im Begriff war, der Herzogin ihre Aufwartung zu machen.„Madame,“ ſagte er,„ehe Sie zu der Herzogin gehen, muß ich Ihnen noch einen freundſchaftlichen Wink geben. Ihre Freundin iſt ſeit einiger Zeit mit einem Kopffluſſe befallen, weshalb
Verantwortlicher Redaktenr: Otto Freitag in Dresden.— Verlag von Otto Freitag in Dresden.— Druck von F.
echen, ſo müſſen z, um ihr den r hinzu, daß
u man mit
ſie äußerſt ſchwer hört. Wenn Sie alſo mit
Sie ſehr laut reden.“ Sogleich eilte er zur d Beſuch der Marquiſe zu melden, zugleich ſetzte ſie ihr Gehör faſt ganz verloren habe, und dag
ihr ſprechen wolle, man ſchreien müſſe. Die H bedauerte ihre Freundin wegen dieſem Unglück und ließ ſie d etzt eilte der Hofmann zum Herzog und ſagte ihm, was er fü Poſſen geſpielt habe. Der Herzog begab ſich ſogleich in das, binet ſeiner Gemahlin und horchte dem Geſpräche zu. Beide 8 men
ſchrieen ganz gewaltig, und dies thaten ſie ſolange, Herzogin ganz heiſer geredet hatle und mit einem leiſete* ſagte:„Liebe Freundin, Sie haben nicht nöthig, ſo zu ſchrer
höre Gottlob! gut.“„uUnd ich auch,“ verſetzte die Marquiſe, habe nur deshalb ſo laut geſchrieen, weil ich erfahren hatte, Sie am Gehör litten.“
In einer kleinen Stadt gab man ein Schauſpiel. Der Lieb⸗ haber lag zu den Füßen ſeiner Dulcinea und verſchmachtete ſchier in Liebespein; aber die Grauſame wollte ihn nicht hören. Schon drohte er, ſein unglückliches Leben mit einem Piſtolenſchuß zu enden, als ſchnell im Parterre ein alter gutherziger General auf⸗ ſtand, den endlich das ſpröde Weſen der Liebhaberin ärgerte. „Herr, rief er auf's Theater hinauf, ſein Sie geſcheut! Drücken Sie ihr einen Dukaten in die Hand, und ſie wird ſich nicht weiter ſperren. Machte mir's die kleine Hexe geſtern doch auch nicht beſſer.“
Ein ſüßer und roſenwangiger junger Herr führte, weibiſch und buntſcheckig gekleidet und duftend von feinen Pommaden und Eſſenzen, ſeine Braut zum Altar, die ſich ebenfalls auf das Uebertriebenſte herausgeputzt hatte. Der Prieſter ſah eine Weile ganz unentſchloſſen das Paar an.„Kinder,“ ſagte er endlich,„ehe ich den Segen ſpreche, müßt Ihr mich aus meiner Ungewißheit reißen; welches von Euch Beiden iſt denn die Braut?“
Buchhändler L— und ſein Ladendiener geriethen einſt in einen heftigen Wortwechſel.„So grob hätte ich gegen meinen Herrn nicht ſein dürfen,“ ſchrie L— ganz erhitzt.—„Ja, Sie mögen auch einen ſchönen Herrn gehabt haben,“ erwiderte der Ladendiener.— „Doch einen beſſeren, als Sie,“ ſagte L—.
W. G leißn er in Dresden.
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