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„Schulz gemalt wurden, an denen jedoch die Licht⸗ und Farbeneffecte
„England gefolgt war, im Verlauf von noch nicht ganz ſechs Wochen
dort die erſten Skizzen ſämmtlicher Malereien, kehrte im Mai 1844
künſtleriſch unternommen wurde und galt in den Augen der Bevöl⸗ kerung faſt als des Königs einflußreichſter Freund. Unbekümmert um den ſteigenden und immer mehr die Mode in Deutſchland be⸗ herrſchenden Ruhm der Düſſeldorfer Schule, ſowie um das mehr und mehr ſich entwickelnde europäiſche Anſehen der realiſtiſchen und naturaliſtiſchen belgiſchen und franzöſiſchen Künſtler, fuhr er fort, in ſeiner Weiſe zu ſchaffen und in ſeinem Geiſte neue hoffnungsvolle Schüler auszubilden. Nur wenige Reiſen ins Ausland hatten ſeine unermüdliche Thätigkeit unterbrochen; von 1830 bis zum Sommer 1831 war er in Italien, wohin ihn ſeine Gemahlin, eine geborene Römerin begleitete; 1835 beſuchte er Paris, wo ihm die Mitglieder der Akademie ein ſolennes Feſt gaben, und König Ludwig Philipp ſelbſt ihn in den Verſailler Gärten umherführte; 1838 endlich ver⸗ trat er die münchener Kunſtwelt bei der Enthüllungsfeier des Schiller⸗ Denkmals in Stuttgart und wurde auch dort mit außerordentlichen Ehren empfangen. Da trat plötzlich eine Wendung in ſeiner Stel⸗ lung zu König Ludwig ein, deren Grund dunkel geblieben iſt. Genug, Cornelius legte am 12. April 1841 ſeine Stelle nieder und folgte einem Rufe Friedrich Wilhelms IV. nach Berlin, wo er fortan ohne Amt lebte, zunächſt auch ohne beſtimmte ſelbſtändige Kunſtaufgaben, nur beſchäftigt, dem kunſtſinnigen preußiſchen Monarchen in ſeinen Projecten mit Rath und That beizuſtehen. Beim Berliner Publikum fand Cornelius nicht entfernt die be⸗ geiſterte Aufnahme und Verehrung, die er erwarten mochte und an die er von München her gewohnt war: man zeigte ſich kühl und ab⸗ wartend. Eine eigene Stadt, dieſes alles negirende und alles zer⸗ ſetzende Berlin! Nirgends ſonſtwo kann man leichter und ſchneller berühmt werden: jedes Talentchen findet hier Aufmunterung und Anerkennung, Ehre und Lohn; aber andererſeits hat Berlin vor der bloßen Autorität nicht den geringſten Reſpekt: auch die größte, all⸗ gemein anerkannte Celebrität muß ſich hier von neuem ausweiſen und beſtätigen, will ſie nicht auf Unglauben und Gleichgültigkeit ſtoßen. Des nun ſchon faſt 60 jährigen Meiſters nächſte Arbeiten nahmen aber faſt geradezu gegen ihn ein. Er begann mit den Fres⸗ ken am alten Muſeum, welche unter ſeiner Leitung nach Schinkelſchen Entwürfen hauptſächlich von Stürmer, Eggers, Däge und Hermann
durchaus nicht befriedigten. Dann entwarf Cornelius, nachdem er kurz vorher einer Einladung ſeines Verehrers, Lord Monſons nach
die Zeichnungen zu dem„Glaubensſchild,“ welchen der König dem am 25. Januar 1842 von ihm zu Windſor aus der Taufe gehobenen Prinzen von Wales beſtimmt hatte; und fertigte außerdem für den Grafen A. Raczynski das Oelbild„Chriſtus in der Vorhölle;“ zwei Arbeiten, die von der Kritik ſcharfen Widerſpruch erfuhren und im Volke keinen Anklang fanden. Noch weniger geſchah das mit den Stenen aus Taſſos„Befreitem Jeruſalem“; man tadelte laut, daß di Formen der über neun Kopflängen großen Geſtalten weder nach doer Natur gebildet waren, noch irgend dem herkömmlichen Idealismus entſprachen.
Neben dieſen Arbeiten liefen noch andere kleinere, bis der Künſt⸗ ler ſich 1843 an das Rieſenwerk machte, das ihn fortan bis auf das Sterbelager beſchäftigte, das ihn auf der Höhe ſeiner Entwickelung und in der Hauptbethätigung ſeiner Individualität zeigt, das ihm aber zu vollenden weder Zeit noch Umſtände vergoͤnnten. Friedrich Wilhelm IV. wollte einen neuen Dom auf der Stelle des heutigen erbauen, daneben ein Campo Santo, d. h. einen Begräbnißplatz für die königliche Familie. Vier Hallen, nach außen hin durch glatte Mauern abgeſchloſſen, umgeben einen in ihrer Mitte liegenden freien Hof. Die Innenſeite dieſer vier Wände war für die Gemälde be⸗ ſtimmt. Vier Wände, jede 180 Fuß lang und 40 Fuß hoch, boten ſich dar und ſollten die Fresco⸗Compoſitionen des Meiſters aufneh⸗ men: eine Rieſenarbeit, die ſchon dem äußern Raume nach eine größere Fläche eingenommen hätte, als alles zuſammengenommen,
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die ganze Wand dann doch wieder organiſchen Zuſammenhang ge⸗ winnt. Zu dieſen Hauptmittelbildern ſtehen die Lünetten und Pre⸗ dellen in Beziehung. Immer drei bilden einen Gedanken, immer eine ganze Wand abermals einen Gedanken, ſchließlich alle vier Wände zuſammen die letzten Gedanken der Religion und Philoſophie, indem ſie in 17 Haupt⸗, 15 Lünetten⸗, 15 Predellenbildern und 8 Koloſſalgruppen, im ganzen in 55 Ent⸗ würfen eine ſymboliſche Darſtellung des Chriſtenthums und der letzten Dinge geben.
Zeigen die Fresken in der Ludwigskirche noch, den Intentionen des königlichen Beſtellers gemäß, einen katholiſch⸗kirchlichen Charakter, ſo ſind die Entwürfe zum Campo Santo dagegen frei von allen con⸗ feſſionellen Schranken; Katholiken wie Proteſtanten finden hier kei⸗ nen Anſtoß, ſondern nur Erhebung und Erſchütterung, denn der Meiſter ſteht diesmal auf dem Evangelium ſelber, und auf dieſer Baſis er⸗ baut er eine religiöſe Dichtung, die durchaus ſeine eigene ſchöpferiſche That iſt.
Der zuerſt vollendete Carton„Die vier apokalyptiſchen Reiter“ gilt auch für den bedeutendſten. Die Peſt, der Hunger, der Krieg und der Tod ſauſen über die Erde hin, vor ſich alles Lebendige ver⸗ nichtend und von den Geiſtern der Erſchlagenen gefolgt. Rieſige, furchtbar großartige Reiter, von denen die beiden letzten, der ju⸗ gendliche Krieg mit dem Ausdruck trotziger Wuth und der greiſe Tod, diaboliſche Wolluſt blickend, den Preis verdienen. Als Lü⸗ nette darüber gießen Engel die Schalen des Zornes aus; ſie ſind gleichſam die Ueberſchrift, die Gewitterwolken, welche über der ver⸗ heerten Landſchaft ſchweben.
Im Herbſt 1846 ward dieſer Carton zu Rom ausgeſtellt, wo⸗ hin er auch ſpäter geſchickt wurde und wo er alle Werke neben ihm verdunkelt hat. Mit der Rückkehr aus Rom ſiedelte Cornelius aus ſei⸗ ner Miethswohnung, Lennéſtraße 2, nach dem auf Staatskoſten für ihn neben dem Raczynskiſchen Palais erbauten Hauſe am Königsplatz Nr. 1 über, wo nun Carton auf Carton entſtand: die Erſcheinung des himmliſchen Jeruſalem, die Auferſtehung und der Fall Babylons, alles Gemälde, die mit den Predellen, welche die Werke der Barm⸗ herzigkeit enthalten, den Reitern der Apokalypſe zwar nachſtehen, aber ihnen doch nicht unebenbürtig erſcheinen.
Inzwiſchen war der koloſſale Bau des Domes und Campo Santo liegen geblieben, Cornelius ſelber ſah ſich durch die Schöpfun⸗ gen ſeines Schülers Kaulbach, deſſen ganze ſpätere Richtung ihm als der entſchiedenſte Abfall von ſeinen eigenen Grundſätzen erſchien, ver⸗ drängt, in Berlin ſelber in Schatten geſtellt; aber er ließ keine An⸗ klagen, Vorwürfe, Bitterkeiten hören, ſeine Liebe zu der größten Schöpfung ſeines Lebens ließ nicht nach, das zweifelhafte Schickſal ſeiner Compoſitionen hielt ihn nicht ab, immer neue zu entwerfen, vereinſamt aber reſignirt arbeitete er fort. Wieder ſtieg er in den fünfziger Jahren über die Alpen, verlebte heitere, glückliche Tage zu Rom in dem ſchönen Palaſt Poli an der Fontana Trevi und ver⸗ mählte ſich zum zweiten Male und wieder mit einer Landestochter, die ſich durch Schönheit und aufopfernde Liebe zu ihm auszeichnete. Hier wurde ihm auch der erſte Enkel geboren. Aber dieſem ſeligen Glücke folgte bald die äußerſte Vereinſamung. Um Pfingſten 1859 ſtarb auch die zweite Gemahlin Geltruda und kurz darauf ſeine ein⸗ zige mit dem Grafen Marcelli verheirathete Tochter. Doch auch
für dieſen ſchweren Verluſt ward ihm Troſt und Erſatz. Am 14. April
1861 reichte ihm, dem 78jährigen, eine begeiſterte junge Freundin
aus Urbino die Hand zum neuen Ehebunde, und folgte ihm vier
Wochen ſpäter nach Berlin, wohin ihn neue Verſprechungen zurück⸗
zogen, die aber wieder unerfüllt blieben.
Cornelius freute ſich nun ſeines ſchön und ſtill gelegenen
Hauſes mit den einfach edlen Räumen und dem Blick in das Grün
des Thiergartens. Hier lebte er an der Seite ſeiner jugendlichen
Gattin Thereſa, die ihm in der Krankheit eine treue Pflegerin war.
Früher pflegten faſt allabendlich Künſtler, Gelehrte und Freunde von
was Cornelius bis dahin geſchaffen. Er ging nach Italien, zeichnete
zurück und begann die Cartons der einzelnen Theile. Die Einthei⸗ lung der Wände iſt in ihrer Einfachheit den ungemeinen Räumen glücklich angepaßt. Es ſtehen immer je drei Bilder über einander, ein Hauptbild in der Mitte, eine Lünette über ihm, eine ſchmale
ſeiner wahrhaft großartigen Gaſtlichkeit zu zehren, während er ſelbſt in
einer Sophaecke ſaß und ſich dort herzlich freute, daß es in ſeinem Hauſe ſo fröhlich herging. Offenheit, Leutſeligkeit und Harmonie ſprachen aus ſeinem Weſen. Nie mochte er über gleichgültige Dinge reden, und am liebſten ſprach er über Kunſt. In den letzten Jahren wurde der Kreis kleiner. Aber
Er liebte eine zwangloſe Geſelligkeit;
Predella unter ihm. Koloſſale Figuren trennen die Compoſitionen
und laſſen jedes Gemälde als ein Werk für ſich erſcheinen, während III. Jahrgang.
nach wie vor empfing er jeden, der zu ihm kam, gütig und gewinnend. Der jüngſte Künſtler durfte dem gefeierten Meiſter ohne Bangen ent⸗.
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