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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.
Erſcheint wöchentlich und iſt durch alle Buchhandlungen und Poſtämter vierteljährlich für 18 Sgr. zu beziehen. Kann im. des Wuchhandels au in Mongisheſten bezogen werden.
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III. Zahrgang.
Sonräie: am 2. Feem 1867.
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Der Jahrgang Rauſt vom Oetober 1866 bis is Dahin i 1867.
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1867 Nℳ 18.
Das Geheimniß des Fürſtenhauſes.
Novelle von Georg Hiltl. (Fortſetzung.)
Ein Theil des Geheimniſſes.
In ſeinem Gemache, deſſen Fenſter auf die Spree hinausgingen, ſchritt Kurfürſt Friedrich heftig auf und ab. Einige Schritte von ihm entfernt lehnte an der Umfaſſung des Kamins Eberhard von Danckelmann. Zwiſchen beiden Männern befand ſich ein trachttger Tiſch mit gedrehten Füßen, den eine mit Blumen durchwirkte Decke aſt ganz verhüllte. Auf dieſer Decke lagen große Stöße beſchriebener, dalbvergilbter Papiere, von den meiſten derſelben hingen ſeiden Fäden berab, an denen ſich Siegel in Kapſeln ſchaukelten. Verſchiedene Bücher, Briefe, Pergamente waren durcheinander geſchoben, dazwiſchen plänzten Ringe, Ketten und ſilberne Röhren, welche Schriftſtücke enſchloffen
„Ich ſtehe wie vor einem verzauberten Schloſſe,“ fuhr Kur⸗ fürſt Friedrich in ſeiner Rede zu Danckelmann fort.„Ich kenne die Teſtamente meines ſeligen Herrn Vaters oder ich glaubte, ſie zu ſennen. Gott wird mir das Unrecht vergeben, welches ich gethan, ils ich hinter dem Rücken meines Vaters und Gebieters mit der kai⸗ ſerlichen Majeſtät jenen Vertrag einging, aber es geſchah zum Heile meines Landes. Dennoch habe ich mir genug Gewiſſensbiſſe darob eemacht, und ſo iſt vielleicht dieſes räthſelhafte Embarras eine Strafe ſlir meine heimliche Bandlung 4
„Wollen ſic der gnädigſte Herr Kurfürſt doch nur erinnern, pie alles alſo gekommen,“ begann Danckelmann.„Die gnädigſte
Stiefmutter wollte— ſagen wir es kurz— die Kinder ihrer Ehe
zu Souveränen machen— das Reich zerſtückeln, welches dereinſt (lorreich daſtehen wird und ſoll. Durch eine Wendung haben Eure Durchlaucht erreicht, daß gegen Rückgabe gewiſſer Länder in Schleſien dieſes verderbliche ſeeſamant umgeſtoßen wurde, die Theilnahme am Kriege gegen Frankreich haben Sie dem Kaiſer zugeſichert— wes⸗ falb wollen Sie, gnädigſter Herr, ſich ein Gewiſſen daraus machen? Permochte die Frau Kurfürſtin ihre Pläne durchzuſetzen, ſo waren ſlatt des guten brandenburgiſchen Landes eine Menge kleiner Herren geſchaffen, die alle zuſammen dem Kaiſer die Schleppe nachtragen knnten. Ein großes Unheil iſt verhütet worden.“
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„Du haſt wahr geſprochen, Eberhard,“ ſagte der Kurfürſt. „Aber dennoch bin ich von beiden Seiten ſchändlich betrogen worden. Hätte ich geahnt, daß mir ein ſolcher Streich geſpielt werden könnte? Sie nennen es Coup in Paris— oh! ich werde ihnen einſtmals die Gegenrechnung machen. Und dennoch— war es nicht mein Vater, der das unheilvolle Teſtament aufſetzen ließ, beſtätigte, der es in die Hände des Kaiſers niederlegte? Mein großer— geliebter Vater war es, der mich faſt gebunden den heimlichen Neidern über⸗ lieferte.“ Die Augen des Kurfürſten füllten ſich mit Thränen. Er ſtand einen Augenblick vor dem Bilde des großen Vaters ſtill und ſchüttelte leicht das Haupt.
„Faſſen Sie ſich, gnädigſter Herr. Der große Fürſt war doch nur ein Menſch, wie wir alle,“ ſagte Danckelmann.„In ſeinen letzten Tagen übermannte ihn die Schwäche. Die Liſt der Diplo⸗
maten hat dieſe Stunden, in denen der Große den Kleinen gleich
wurde, genützt— ſie haben das erreicht, was ſie wollten. Es iſt ein Glück, daß nicht noch Schlimmeres entſtanden iſt.“ Der Kurfürſt ging auf Danckelmann zu, legte ſeine Hand anf deſſen Schulter und ſah ihm ins Geſicht.„Eberhard,“ begann er,„Du biſt mein Freund, mein Lehrer geweſen. Ich weiß gewiß, daß ich Dir mein Leben ver⸗ danke; als ich Gift genoſſen hatte,“ ſagte er mit gedämpfter Stimme, „hat Deine Entſchloſſenheit mich gerettet. Wie ſollte ich vor Dir ein Geheimniß haben? Du ſiehſt mich ängſtlich, faſt verzagt, wie einer von den Hohenzollern nicht ſein ſollte. Aber es iſt mehr die Entrüſtung, als die Furcht, welche mich zittern macht. Du weißt nicht, bis wohin ſie den ſterbenden Kurfürſten getrieben, wohin die düſtere Frau, meine Stiefmutter, es gebracht— Du weißt nicht alles.“
Danckelmann trat erſchrocken einen Schritt rückwärts.„Gn digſter Herr,“ rief er,„Sie ängſtigen mich. Was wäre denn ge⸗ ſchehen? was kann der Hochſelige Herr, ein Fürſt, ein Chriſt, ein Mann und Vater, wie ſelten einer gelebt, gethan haben, um Blut aus den Wangen ſeines geliebten Sohnes zu drängen?“
Der Kurfürſt trat an den mit Papieren bedeckten Tiſch.
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