Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
274
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zu ſprechen, winkte er Danckelmann zu ſich, dann ſtützte er ſeine Arme auf den Rand der Tafel und ſagte:Du weißt, daß zwei Teſtamente in dem Archive meines Vaters gefunden wurden von uns. Das erſte datirt vom ſechſten März des Jahres eintauſend ſechshundert und vierundſechzig das zweite, verderbliche, vom ſechzehnten Januar eintauſend ſechshundert und ſechs und achtzig.Ich weiß es, ſagte Dankelmann.Nun, das iſt glücklich beſeitigt! Wahr rief ſchmerzlich der Kurfürſt.Aber in den geheimen Pa⸗ pieren Fiedrich Wilhelms hat ſich ein drittes Teſtament gefunden,

ſchrecklichen Inhaltes, weil es die Religion, die wir angenommen

haben, die wir vertheidigen ſollen, die evangeliſche Lehre, dem Papſt⸗ thum opfert. Danckelmann erbleichte.Sie täuſchen ſich, gnädig⸗ ſter Herr. Der Kurfürſt zog mit zitternder Hand ein Pergament hervor und hielt es dem Freunde hin.

Danckelmann ergriff mit der Miene geſpannteſter Erwartung das Pergament. Es waren Blätter von etwa zwei Fuß Länge in Folioformat und zuſammengerollt. Die Rolle ſelbſt war mit einer rothſeidenen Schnur gebunden, von welcher ein bleiernes Siegel her⸗ abhing. Der Rath entfaltete die Blätter, und ſeine Augen irrten über die Schriftzüge. Aufmerkſam beobachtete der Kurfürſt die Züge ſeines Getreuen.

Das Geſicht Danckelmanns nahm den Ausdruck des Zweifelns, der Entrüſtung und des Staunens wechſelweiſe an; nachdem er die Schrift geprüft hatte, faßte er das Siegel, drehte es nach allen Richtungen hin und her und betrachtete dann wieder die Unter⸗ ſchrift des großen Herrſchers, welche am Fuße des Schriftſtückes prangte. Dieſe Unterſuchungen währten wohl eine Viertel⸗ ſtunde, dann rollte Danckelmann die Pergamentblätter ruhig zu⸗ ſammen, reichte ſie dem Kurfürſten hin und ſagte mit feſter Stimme:

Dieſes Document iſt gefälſcht. Der Kurfürſt trat einen Schritt zurück.Wer könnte das wagen? weshalb geſchah es? rief er. Danckelmanns Stimme ſank zu einem Geflüſter herab,

ſein großer Kopf wendete ſich auf dem Nacken, als wollten ſeine Augen irgend ein in dem Gemache verborgenes Weſen erſpähen. Gnädigſter Herr, begann er,laſſen Sie uns alles in Ruhe er⸗ wägen. Dieſes teufliſche Schriftſtück, welches Sie in Ihren Händen halten, fand ſich unter den Papieren des hochſeligen Herrn, deſſen Hinterlaſſenſchaft erſt geſtern eröffnet ward das iſt richtig. Aber der Inhalt iſt ein ſo verderblicher für dieſes von Friedrich Wilhelm geſchaffene Land, daß unmöglich der große Fürſt dem Schreiber die Worte in die Feder dictirt haben kann. In dem Schriftſtücke redet der Herr Kurfürſt ſelig von den Wohlthaten des Papſtthums, er ſagt, daß die päpſtlichen Einrichtungen die beſten auf Erden ſeien, er rühmt ſich, ein beſonderer Freund des großen römiſchen Herrn, des Papſtes, zu ſein, er gibt Danckelmann ergriff aufs neue das Pergament und deutete auf die fraglichen Stellener gibt ſeinen Kindern Erlaubniß, ihren heiligen Glauben zu ändern, ſagt, der Papſt möge ihnen ein Vater ſein und fleht ſie an, nicht auf Cal⸗ vins, Zwinglis und Luthers Stimme, ſondern auf ihre eigene innere Mahnung zu hören, er nennt den Proteſtantismus, die Reformirten eine Secte und legt ihnen allen ans Herz, nach höherem Lichte zu ſtreben. Welches iſt der Sinn dieſer Worte, gnädiger Herr? Der Nachfolger des großen Kurfürſten ſoll dem Papſtthum Eingang in die Marken verſchaffen das will es beſagen, das iſt der Zweck dieſer Schrift, und ein ſolches Gebot hätte der Herrſcher erlaſſen, an deſſen Hofe ſich die freieſten Denker bewegten? der ein Schirm der Proteſtanten auf dem Feſtlande Europas war, der es wagte, dem großen, mächtigen Könige Ludovico dem Vierzehnten zu trotzen und den vertriebenen Proteſtanten ſein Reich als Heimat öffnete, nachdem jener Monarch das Edict von Nantes aufgehoben und die Glaubens⸗ treuen in die Verbannung geſtoßen hatte? Nimmermehr, ich ſage, das Codicillum iſt eine Fälſchung, ein untergeſchobenes Schriftſtück.

Der Kurfürſt beruhigte ſich allmählich.Aber gib mir mit Deinem klaren Verſtande, in Deiner ruhigen Weisheit einen Grund an, weshalb man, vorausgeſetzt, daß es eine Fälſchung iſt, dieſes Schriftſtück entſtehen ließ?

Danckelmann trat einen Schritt näher und faßte vertraulich die Hand des Fürſten.Wollen Sie mir nicht zürnen, gnädigſter Herr, ſagte er,wenn ich offen ſpreche, wenn ich einen Punkt berühre, der Ihnen ſchmerzlich iſt, ſobald man darauf drückt mit der Wucht der Gegenrede?

Sprich, Eberhard, ich gebe Dir Freiheit.

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Wiederum ergriff Danckelmann die Schrift und deutete auf eine Stelle.Haben Sie nicht dieſes hier geleſen? Es heißt: Wenn mein Nachfolger alſo verfährt zum Heil der hohen, alleinſeligmachen⸗ den Kirche, ſo wird er gekrönt, er wird geſalbet. Kurfürſt Friedrich, Sie haben ſeit Jahren ſchon nach Einem getrachtet, dieſes Eine iſt: Die Königskrone. Die Agenten der Bekehrerrotte, welche in den Wirren dieſer Zeit ihr Weſen treibt, arbeiten eifrig. 2 land und Holland hat die alte Kirche täglich mehr den Boden, e⸗ noſſen verloren. Schweden und Dänemark ſind längſt von ihr abge⸗ fallen, der Norden Europas iſt nicht mehr in ihrer Gewalt. Wenn ein Fürſt erſchiene, der im Intereſſe des Katholicismus wirken wollte welch ein Gewinn für Rom, man würde jedes Opfer bringen, man würde die ausſchweifendſten Pläne begünſtigen, und ein ſolcher Plan, mein Fürſt, iſt der Ihrige. Die gewandten Späher der geheimen Arbeiter haben ſicherlich längſt Ihren Lieblingsplan erfahren, ſie bauen große Hoffnungen darauf, und darum ſage ich: dieſes Docu⸗ ment iſt hervorgegangen aus den Werkſtätten, welche die Väter der Geſellſchaft Jeſu in allen Ländern errichten, in denen ſie ihre Waffen ſchmieden. Es iſt eine Lockung, und wenn ich das, was in vielen räthſelhaften Worten dieſes Schriftſtück enthält, in ein gutes, ehr⸗ liches, märkiſches Deutſch überſetzen ſoll, ſo will man ſagen: Wende Dich der heiligen Mutterkirche zu, tritt zu dem Papſtthum, ſtehe gegen den Andrang der Lehre Luthers, Calvins oder Zwinglis, gib in Deinen Staaten Geſetze, welche der Lehre Roms den Sieg über die Herzen verſchaffen, und Dein Lieblingswunſch ſoll erfüllt werden, Du wirſt gekrönet, Du wirſt geſalbet. Für die Opferung Ihres Glaubens bietet man Ihnen die Krone dieſes Document iſt beſtimmt, auf Ihr Gemüth, auf Ihr Gewiſſen zu wirken, wenn Sie das erfüllen, was in dieſen Zeilen Ihnen anbefohlen wird, dann werden Sie König ſein im Norden. Wollen Sie um dieſen Preis eine Krone auf Ihre Stirne drücken?

Der Kurfürſt war während dieſer Rede in einen Seſſel ge⸗ ſunken, er ſchränkte ſeine Arme in einander und ſah auf den Boden nieder. Danckelmann hatte in der That den wundeſten und empfind⸗ lichſten Fleck berührt. Friedrich ſtrebte von dem Augenblicke ſeiner Mündigkeitserklärung an nach dem hohen Ziele, die Königskrone zu erringen. Er hatte verſchiedene Male in Wien ſondirt, hatte wäh⸗ rend der Lebzeiten ſeines Vaters ſich Unterhändler geworben, um die Stimmung zu erforſchen, welche in der Kaiſerburg bezüglich dieſes ſeines glühenden Wunſches herrſchte die Nachrichten lauteten nicht erfreulich. Der Kaiſer ſah die Schöpfung einer neuen Königswürde nicht gern. Kurfürſt Friedrich mußte ſich gedulden. Seine Stief⸗ mutter hatte beſſer operirt. Begierig, die Kinder ihrer Ehe mit dem verſtorbenen großen Kurfürſten als Souveräne zu erblicken, hatte ſie den Kaiſer zum Teſtamentsvollſtrecker ernennen laſſen, die Schwäche des ſterbenden Helden trefflich nutzend, war es ihr gelungen, dieſen zur Verzichtung auf ſeine Anſprüche für die ſchleſiſchen Herzog⸗ thümer Jägerndorf, Liegnitz, Brieg und Wohlau zu bewegen. Um dieſen Preis wollte der Kaiſer die Kinder zu regierenden Herren machen, und für die Abtretung der genannten Länder ſollte der Kur⸗ fürſt den Kreis von Schwiebus erhalten ein Almoſen für einen Schatz. 2

Der kaiſerliche Hof ſpielte aber zugleich eine Doppelrolle. Wäh⸗ rend er ſo durch die intrigante Stiefmutter mit dem dahinſterben⸗ den Kurfürſten unterhandelte, ließ er den Kurprinzen wiſſen, daß er nicht gewillt ſei, Schleſien zu zerſtückeln. an wußte, daß Friedrich um jeden Preis die Zertheilung ſeiner Länder verhindern werde, und ſo bot der Hof von Wien ihm die Annullirung des Teſtamentes, wel⸗ ches er zur ſelben Stunde im Intereſſe der Kurfürſtin befürwortet hatte, wenn Friedrich ſich verpflichten wolle, bei ſeinem Regierungs⸗ antritte den Kreis von Schwiebus zurückzugeben, allen Anſprüchen auf die ſchleſiſchen Herzogthümer entſagen und ſich am Kriege gegen Frankreich betheiligen wolle.

Friedrich willigte mit Schmerzen in dieſe Vorſchläge aber vor ſeinen Augen ſtand ein hohes, glänzendes Ziel, in dem Nebel der Zukunft ſah er eine Königskrone, ſie funkelte fortwährend vor ſeinen Blicken, er ſah ſie im Traume, eine prophetiſche Stimme rief ihm zu: Einſt wird die Krone dieſes kleinen Reiches ihre Strahlen weit hinein in das deutſche Land werfen aber haben muß ich ſie, auf meinem Haupte muß ſie ruhen.

Wie wäre es möglich geweſen, dieſen Wunſch erfüllt zu ſehen, hätte die Zertheilung des Landes Brandenburg ſtattgefunden? Alſo

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