Wie viele laſſen frühzeitig ihr Ohr altern, durch zu langes Verweilen im Fluſſe, oder durch Mißbrauch der Seebäder und Kalt⸗ waſſerbehandlung, vor allem durch Begießen des Kopfes.
Freilich ſündigt ſo mancher, ohne daß die Strafe folgt!
Es iſt bekannt, daß der Mann ſich faſt regelmäßig den Schnupfen holt, wenn er ſich die Haare ſchneiden läßt— ſo ſoll auch die Frau nicht der Mode zu Liebe unnütz die Haartracht wechſeln.
Vorſichtiger iſt die Maria mit ſittſam geſcheitelter Stirn, als eine Magdalena mit rückwärts wallendem Haar.
Man ſollte beim Baden das Ohr ſtets mit Fettwolle verlegen, ſo manche übel verlaufene Entzündung folgte ſchon dem eindringen⸗ den Waſſer in den Gehörgang.
Nach dem Bade, ſchon nach der täglichen Reinigung, muß man die Haare wohl abtrocknen, ſo wie die ganze Umgebung des Ohres, denn Verdunſtung an der Oberfläche entzieht noch mehr Wärme als Kälte.
So wären wir jetzt zu den ſchädlichen inneren Reizen gelangt.
Es iſt natürlich, daß jeder denkbare Reiz im Organismus unter Umſtänden eine Schädlichkeitsurſache für das Gehövrorgan abgeben kann. So hat man bereits Trichinen nachgewieſen in den winzigen Muskeln der Trommelhöhle, und leider nicht ganz ſelten berſten im Stickhuſten durch die übermäßige Anſtrengung beim Huſten die zarten Capillare in der Trommelhöhle und im Labyrinthe.
Indem es der Zweck dieſer Zeilen iſt, auf die„Gefahr der Ver⸗ ſäumniß“ aufmerkſam zu machen, wollen wir nur die Krankheiten erwähnen, die leider eine ſpeciſiſche Schädlichkeitsurſache für das Ge⸗ hör bekunden. Dies trifft, u Ghrunde genommen, nur bei drei Krank⸗
heitsformen zu, die alle drei zu den epidemiſchen gehören, nämlich
bei der Grippe, bei dem Scharlach und bei der Genickſtarre.
Wie bereits mehrfach erwähnt, iſt die Trommelhöhle ein Aus⸗ läufer der Athmungsorgane und behält dadurch Beziehungen zur Naſe.
Das Weſen der Grippe beſteht darin, daß der Katarrh der Naſe(Schnupfen) ſich auf die anliegenden Höhlen(Stirnhöhlen) ausdehnt, und Taubheit tritt ein, wenn in gleicher Weiſe die Euſtachiſche Röhre und die Trommelhöhle angegriffen wird. Während aus der Naſe und Stirnhöhlen das Ausgeſchwitzte herabfließen kann, geſtatteten ſolches die mechaniſchen Verhältniſſe der Trommelhöhle leider nicht. Wird es alſo nicht eingeſogen, ſo wächſt die Taubheit, indem Verdickungen der Trommelhöhlenwände, Verwachſungen des Trommelfelles mit dieſen und zuletzt allmählich Schwund der elaſtiſchen Faſern des Trommelfelles ſelbſt eintritt.
Das Gefährliche dieſes einfachen Proceſſes liegt nun noch mit darin, daß er ſchmerzlos beginnt, alſo in der erſten Zeit, wo ſich noch ſo vieles verhüten läßt, nicht gehörig beachtet wird.
Niemand, der nach der Grippe nur etwas an Hörkraft verloren hat, ſollte das Zimmer verlaſſen, bevor er durch zweckdienliche Be⸗ handlung das volle Gehör wieder gewonnen hat.
Hierzu eignet ſich am beſten die Anregung der Hautthätigkeit durch Trinken von heißer Milch mit Selterswaſſer und Einreiben der Umgebung des Ohrs mit warmem Olivenöl ꝛc.
Im Scharlachfieber iſt es ein doppelter Proceß, welcher das Ge⸗ hörorgan befällt, der eine, bei weitem häufigere, führt zu einer Schwer⸗ hörigkeit von verſchiedenem Grade, der andere, zum Glück ſeltenere, bedingt abſolute Taubheit und Taubſtummheit.
Im erſteren Falle deutet der heftige Ohrenſchmerz auf eine beginnende ſcharfe Entzündung der Trommelhöhle.
Anſtatt nun eine ſolche, wie jede Entzündung edler Organe, durch Blutentziehungen und ſogenannte antiphlogiſtiſche(entzündung⸗ ſtillende) Mittel zu bekämpfen, befördert man ſie durch Wärme und veranlaßt den Ohrenfluß.
Anſtatt dieſen gefährlichen Feind mit Stumpf und Stiel aus⸗
zurotten, ſo lange es noch geht, durch zuſammenziehende Mitte— 8
hätſchelt man ihn, als liebes Kind, mit lauwarmem Thee— man
wird thatſächlich zum Mörder des Gehörs!
Ein Drittel aller Ohrenflüſſe ſind unnütze, läſtige Folgen des ℳ Scharlachfiebers. So lange als dieſer nur von der Deckhaut der Trommelhöhle ſtammt, indem er die Zellen derſelben t unl
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Eiterzellen verwandelt, ſtört er das Gehör wenig, er b fährlich und iſt leicht zu entfernen. Greift er aber in die Tiefe, zerſtört er das Untergewebe, ſo vereitert das Trommelfell und die Knöchelchen, es kommt zu Polypen und Knochenfraß, und— zu einer unheilbaren Taubheit. In ſolchen Fällen läßt er ſich kaum noch beſeitigen.
Die abſolute Taubheit nach Scharlachfieber hat mit der erſchreck⸗
lich häufigen abſoluten Taubheit nach der Genickſtarre, jener neuen epidemiſchen Krankheit, Vaterlandes heimſucht, gleiche Urſache.
Die Taubheit tritt ſchmerzlos ſchlagartig auf, wie nach einer
Erſchütterung.
Das äußere und mittlere Gehörorgan bleibt unbetheiligt, und nach der Reconvalescenz erfreuen ſich die davon Betroffenen einer be⸗ neidenswerthen Geſundheit.
Dieſe Taubheit befällt faſt nur Kinder und iſt Folge eines Blutaustrittes auf der Netzhaut. Bei der Hirnhautentzündung, ſo⸗ wohl des Scharlachfiebers, als auch der Genickſtarre, ſtrotzen die Gefäße der Hirnhäute von Blut, die Natur hat es ſo eingerichtet, daß die Gefäße der Hörnetzhaut Ausläufer ſind der Gefäße der hinteren Hirn⸗ haut, und ſo berſten dann leicht die Capillare der Hörnetzhaut, zu⸗ mal bei unvorſichtiger Anwendung der Kälte.
Wir müßten den Blutaustritt gleich im Beginne bekämpfen, wie dieſelben, wenn ſie nach Lufterſchütterung eintreten.
Indem aber die Kinder gleichzeitig bewußtlos ſind, tröſten wir uns mit der täuſchenden Hoffnung, die Taubheit werde mit dem
Wiedereintritt des Bewußtſeins wieder verſchwinden. Taub⸗ ſtummheit iſt die geſetzliche Folge abſoluter Taubheit bei
Kindern.
Forſchen wir in Taubſtummenanſtalten nach den Urſachen der Taubheit, ſo finden wir ſie ſelten angeboren— faſt immer iſt ſie nachweisbar erworben. Sie iſt nicht erblich, aber ſie wird als an⸗ geborene unbeſtreitbar häufiger beobachtet bei Kindern blutsver⸗ wandter Ehen, ſie iſt ſomit häufiger bei den Juden, weil da häufi⸗ ger der Onkel die Nichte heirathet.
Faſt immer laſſen ſich ſolche Urſachen nachweiſen, die zu Blut⸗ austritten der Hörnetzhaut und zum Schwund derſelben führten (Scharlachfieber, Genickſtarre, Sturzbäder, Fall auf den Hinter⸗
kopf ꝛc.) Es achte deshalb jeder auf die erſten Anzeichen der nahenden Taubheit und zögere nicht, den Arzt zu Rathe zu ziehen; denn leicht kann es zu ſpät und keine Hilfe mehr möglich ſein. Hin iſt hin!
Auflöſung des Rebus in Nr. 16.
Vier Elemente innig geſellt, bilden das Leben, bauen die Welt.
Das Geheimniß des Fürſtenhauſes. Novelle von Georg Hiltl. (Fortſetzung.)— Bürgers Lenore und der Hainbund(Schluß). Mit Illu⸗ ſtration von L. Pietſch.— Aus meiner Neſterſammlung. Von Baldamus.— Schweizeriſche Verkehrs⸗ und Culturbilder. II. Meine Freunde, die Führer. Von Feierabend. Mit 2 Jlluſtrationen von Mosengel.— Die Urſachen der Taubheit und ihre Verhütung. Von Dr. Erhard.
Inhalt:
Briefen und Sanunaa ſind z zu n richten an an die Redaction des deham in Lehnu. Gutneue r. 17.
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher* Wittig in Leipzig.
welche ſeit Jahresfriſt den Norden unſeres
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III. Jahrga
In ſeinem C ſcritt Kurfürſt F ſom entfernt lehnt,
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„Ich ſteh he wi arſt F Friddrich; in ſe Teſtamente n weines kennen. Gott wi als ich! hinter dem ſrüchen Majeſtät dieines Lnndes.
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