Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
271
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Die gefährliche Wirkung der Lufterſchütterung wird noch da⸗ durch geſteigert, daß ſich die Luft in einem geſchloſſenen Raume befindet, ſich nicht ausbreiten kann, oder daß ſie feſte Wände trifft und als Echo zurückprallt.

Wir ſehen daher den Soldaten nicht taub werden in offner Feld⸗ ſchlacht, auch nicht beim Sturme der Schanzen(wie Düppel lehrt), ſ ur, wenn er in den Caſematten die Geſchütze bedient, ja 4 wenn er als Inſpector in Gewehrfabriken die Schußkraſt neuek Feuerwaffen im derdecktem Raume zu prüfen hat, wie z. B.

in Sömmerda.

Wir werden nicht taub, wenn das Dampfſchiff ſeine Salutſchüſſe gibt bei flachen Ufern, doch wir werden es nur allzu leicht auf einem

geſchloſſenem See.

So wurden z. B. in einem Sommer drei bekannte Perſönlichkeiten aus Berlin taub durch das Fahren über den Königsſee, der be⸗ rühmt iſt durch ſein zu fürchtendes Echo.

Der Jäger wird nur dann taub, wenn der tückiſche Wind, der hm das Wild zwar zuführt, beim Abfeuern ſeiner Büchſe zu ſcharf ihm entgegenweht.

Der Hammerſchmied ſollte alſo nur bei geöffneter Thür in einem möglichſt geräumigen Kotten arbeiten, und wir alle ſollten im Moment ſelbſt einer kleinen Pulverexploſion mehrfach ſchlucken.

Beim Schlucken öffnet ſich die Euſtachiſche Röhre,*) es kann gleich⸗ ſeitig die verdichtete Luft von innen zum Trommelfell dringen und ſomit den Stoß von außen abhalten. Iſt aber die Taubheit ſchmerz⸗

oos plötzlich, ſchlagartig aufgetreten, ſo ſäume man nicht, denn jede

de Taubheit V Stunde iſt koſtbar.

Man ſetze ſofort einige Blutegel unterhalb des Ohres, man ſorge für Ableitung, damit der Blutaustritt eingeſogen werde.

Iſt nämlich der Blutaustritt ſchon länger dort vorhanden, ſo

ſpwindet, wie bemerkt, darunter durch Druck die Hörnetzhaut

inheilbarbleibtdie Taubheit..

Es iſt ein ſonderbarer, weit verbreiteter Leichtſinn, ſich einen Zahnſchmerz dadurch vertreiben zu wollen, daß man ein ſo edles Organ, pie das Ohr, in Verſuchung führt, d. h. reizt.

So wie im Leben überhaupt, ſo wird auch hier nicht jeder Leicht⸗ inn beſtraſt, doch auch wie im Leben, ſo hier, muß gar mancher einen 6 anfachen Fehltritt gar ſchwer büßen. Vorſicht bleibt daherdie

k elfen i u helfen; iſt

re Kinder

en. Was Nlänzenden

ſe kennen dergleichen dungen und

Kitmenſchen

und ihnen

Nutter der Weisheit.

des Kohlen⸗ Um ſich den vergänglichen Zahnſchmerz zu kürzen, legt ſich der araan ine rohe Kartoffeln, der andere Taback und Knoblauch ins Ohr; die 3 4 eine tränkt ſich die Watte mit Eau de Cologne, die andere mit Aether kian 1g daſ und Chloroform; reineren Teint will man erzielen durch Tragen von 4 Schwefel und Bernſtein; im Ohre: das Sauſen ſoll eine unwirkſame, galvaniſche Pille daſelbſt heilen und die Taubheit ſchwinden durch dfic koſtſpielige Geheimmittel, Gehörliqueurs, Eehien Pi len zc. e er Alles das hat nur den Beutel des einen zu füllen geholfen, deer es ſchamlos zu rühmen wagte. xftrliha Miitunter juckt uns das Ohr. ſcen Landeſ Wemes juckt, der kratze ſich hinter den L Ohren, doch nimmer d war, tro⸗ im O abe ich niſ n hre.. 4 cbſchon 4 Der eine nimmt einen Kamm, der andere eine Nadel(Steck⸗,

Hut⸗ oder Haarnadel), der dritte eine Stahlfeder; alle drei durch⸗ bohren ihr Trommelfell. Heutzutage muß alles ſehr fein ſein

rauſchende ein Bleiſtift ohne Knopf iſt nicht mehr modern; der Knopf haftet

Felge dee nur loſe und ſo konnte es kommen, daß ich in einer Woche dreimal

beuerwaffen einen Bleiſtiftsknopf zu entfernen hatte, der im Ohre ſitzen geblieben

war, denn der Gehörgang iſt gebogen und was die höhere Mitte

ung der Luf deſſelben überſtiegen hat, fällt, ſich ſelbſt überlaſſen, nach unten in

ſell und. die Tiefe.

u ſtark auff Können wir nun einmal das Kratzen nicht laſſen, ſo nehmen wir

rerbih am beſten einen kleinen, mit reinem Mandelöl getränkten Tuſchpinſel, in auf de der reizt doch am wenigſten.

Es iſt unglaublich, was für eine Hülle und Fülle von fremden

bald dabet Körpern Kinder ſich ſpielend in den Gehörgang bringen und leider

Da

-est ver aus Furcht vor Strafe ſo lange als möglich verheimlichen. Blatꝛusti ſinden wir Getreidekörner und Hülſenfrüchte aller Art, Sit Brot, Fanz anali

oder unt*) Vergl. I. Jahrgang S. 532 ff.

Steinchen, Kalk, mannigfaltige Perlen und aus der Schule her⸗ ſaunnend Papierrollen, gekaute Federn, abgebrochene Tafelſteine u. dgl. Verhältnißmäßig ungleich ſeltener will es der Zufall, daß fremde Körper, beiſpielsweiſe Inſecten, hineingerathen.

Nur einmal traf ich einen Ohrwurm.

Erkältungen des Gehörgangs heilen ſich auf naturgemäßem Wege durch Abſchilfirung der Oberhaut und ſtärkere Abſonderung aus den Drüſen, ähnlich, wie ſich die Erkältung der Naſenſchleim⸗ haut durch einen Schnupfen heilt.

Der Unterſchied iſt einfach der, daß beim Schnupfen die mehr wäſſerige Abſonderung abfließen kann, im Ohre aber dieſelbe verhärtet und drinnen liegen bleiben muß.

Auch entſtehen ſolche Verhärtungen mitunter allmählich, namentlich bei ſolchen Individuen, deren Hautdrüſen viel Talg ab⸗ ſondern.

Alle dieſe, theils dort entſtandenen, theils eingedrungenen fremden Körper ſtören das Gehör nur inſoweit, als ſie den Gehörgang luft⸗ dicht verſchließen, finden ſich alſo auch bei ausreichendem Gehör.

Ebenſo verſchieden iſt der Reiz, den ſie ausüben; meiſt ſind ſie reizlos, ſelten veranlaſſen ſie Entzündungen und Verſchwärungen.

Dennoch iſt ihre ſofortige Entfernung immer geboten und wird es der kundigen Hand eines erfahrenen Arztes ſtets gelingen, dieſelben

einzig und allein durch Ausſpritzen mit lauem Waſſer, ohne Schmerz

zu verurſachen, zu entfernen.

Nur mehr zufällig werden es einmal die mechaniſchen Verhält⸗ niſſe der Euſtachiſchen Röhre geſtatten, daß bei einer kräftigen Ein⸗ athmung fremde Körper von der Naſe aus in die Trommelhöhle dringen.

Daß dem ſo ſein kann, lehren zwei Fälle. Ein junger Mann wollte ſich den Schnupfen vertreiben durch Aufſchlürfen von kaltem Waſſer und verſpürte ſofort eine heftige Kälte mit Schmerz in der einen Trommelhöhle. Ein anderer ſchlürfte zu behaglich eine Priſe, und da die Trommelhöhle mitathmet, ſo gelangte der Tabak dahin.

In beiden Fällen folgte eine heftige Entzündung der Trommel⸗ höhle, die nur dadurch ſo günſtig verlief, daß ſie noch im Entſtehen behandelt werden konnte.

Ungleich häufiger entſteht Taubheit, indem ein Katarrh des Schlundes den Ausgang der Euſtachiſchen Röhre durch Schleim ver⸗ legt. Dieſen Katarrh treffen wir am meiſten bei blondhaarigen, blauäugigen Kindern mit zartem Teint und reizbarer Haut, gleichzeitig mit Anſchwellung der Mandeln. Die Schwerhörigkeit wechſelt

das eigentliche Gehörorgan iſt ja zum Glück unberührt ſobald der

verſtopfende, die Schwingbarkeit der Trommelhöhle verhindernden Schleim an der Tubaöffnung durch Schlucken, Huſten, Schnauben ꝛc. eaerm wird, kehrt wie mit einem Knalle das Gehör wieder, um wieder zu verſchwinden wenn das Gegentheil eintritt. Und ſo hören ſolche Kinder auch heller bei heller Witterung, als bei trüber. Kann das Kind den Schleim nicht entfernen, ſo kann es ſicher der Arzt durch eine ſchmerzloſe, einfache Operation.

Chroniſch(langwierig) treffen wir dieſen Zuſtand bei einer ſcrophulöſen nder blutleeren oder ſonſt geſchwächten Schleimhaut; letzteres häufig nach Maſern.

Deshalb genügt es nicht, den Schleim mechaniſch zu entfernen; man muß die Schleimhaut ſelbſt ſtärken durch kräftige Gurgelungen, wie z. B. mit Alaunwaſſer und durch Behandlung des Grundleidens.

Bei ſcrophulöſer Anlage benutzen wir Soolbäder, bei Blut⸗ leere und zurückgebliebener Schwäche geben wir innerlich Eiſen.

Unter allen atmoſphäriſchen Schädlichkeiten ſteht obenan die Kälte.

Kälte iſt der Wolf des Gehöres und um ſo gefräßiger, je näher dem Ohre. Kälte entzieht Wärme, in der Kälte altert das Ohr es verirden und ſchwinden die Gewebe.

Die Organe vertragen um ſo weniger die Kälte, je mehr ſie des ſchützenden Fettes entbehren. Kein Organ iſt fettloſer und wäre des⸗ halb der Kälte ſchutzloſer Preis gegeben, als das Ohr, wenn nicht der ſorgſame Schöpfer das Fett durch die Haare erſetzt hätte.

Wir treffen Taubheit ungleich häufiger im Norden, als im

Süden, häufiger im rauhen Gebirge, als im geſchützten Thale, häufiger

am ſtürmiſchen Strande, als im ruhigeren Binnenland.

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