Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
383
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kette, die er durch die Finger gleiten läßt, und ein Lorgnon, das er von Zeit zu Zeit zu den Augen emporhebt; dazwiſchen verbeißt er ein verrätheriſches Gähnen, oder er beugt ſich zu ſeinem Nachbarn und plaudert mit ihm. Endlich zieht er ein Packet Briefe aus der Bruſttaſche ſeines Rockes, über deren Lectüre er bald das ganze Haus und ſeine Verhandlungen vergißt. Fürwahr, dieſer Mann hat ſeiner Vaterſtadt, indem er hierherging, kein kleines Opfer gebracht.

Doch ſelbſt Rothſchild bleibt unbeachtet über den Mann, der jetzt leiſe in den Saal tritt. Er hat⸗ein doppeltes Recht hier zu er⸗ ſcheinen, denn er iſt einmal zum Abgeordneten gewählt und zweitens Präſident des Staatsminiſteriums und der Bundescommiſſare der Herr Bundespräſident, wie ihn bald nachher Herr von Vincke halb im Scherz halb im Ernſt nennt. Es exiſtiren nach Form und Auffaſſung zahlloſe Portraits vom Grafen Bismarck, und die meiſten ſind ähnlich, denn ſeine ausdrucksvollen, gehaltreichen Züge prägen ſich leicht und tief in Jedermanns Gedächtniß und ſind an⸗ ſcheinend nicht ſchwierig zu erfaſſen und wiederzugeben. Aber auch nur anſcheinend! Thatſächlich ſind dieſe Züge ſo bewegt und wechſel⸗ voll, ſo unergründlich und vieldeutig, daß ſie jedes Pinſels und ſelbſt des zauberſchnellen Sonnenſtrahls ſpotten, den der Photograph bei der Aufnahme erhaſcht. Wer den Grafen perſönlich ſieht, wird alle Bildniſſe untreu und mangelhaft und das leibhaftige Original doch ſo ganz anders finden. Oder könnte ein Bild die elaſtiſche Leichtigkeit und chevalereske Umgezwungenheit wiedergeben, mit welcher

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Graf Bismarck jetzt ſein neueſtes und eigenſtes Werk in Augenſchein nimmt, mit welcher er einen Bekannten nach dem andern begrüßt und von Gruppe zu Gruppe wandert, Blicke und Worte nach allen Seiten verſtreuend, Mienen und Blicke von allen Richtungen her auf⸗ fangend? Aller Augen haften neugierig und forſchend an ihm, denn alle kennen oder ahnen doch ſeine Bedeutung, aber er empfängt dieſes Kreuzfeuer, als wenn es ihn gar nicht anginge oder doch die harm⸗ loſeſte Sache von der Welt wäre. Wohl mag ſein Inneres froh⸗ locken und triumphiren, denn er iſt ein Menſch und er hat erreicht, was ſein Herz begehrt und ſein Genius gewollt. Noch vor einem Jahre war die Zahl ſeiner Gegner und Feinde wie Sand am Meere; er hat ſie alle niedergeworfen. Noch vor einem Jahre trug er einen Berg von Haß und Verleumdung: ſeitdem haben ihn Beifall und Be⸗ wunderung bis zu den Wolken erhoben.

Trotzdem und alledem ſuche man in dem etwas blaſſen aber ſonſt wohl ausſehenden Geſicht dieſes Mannes keine Miene des Triumphs, in den blitzenden Augen keinen Blick des Stolzes, um den feinge⸗ ſchnittenen Mund keinen Zug von Hohn oder Spott. Nein, er gibt ſich ganz unbefangen und harmlos, lächelt und plaudert mit dieſem und jenem, läßt hier eine Bemerkung, dort ein Witzwort fallen, und ſcheint nur läſſig den Reden und Verhandlungen zu folgen. Nun macht er gegen den Präſidenten eine Bewegung.Graf Bismarck hat das Wort!

Stille! Er ſpricht.

G Am Jamilientiſche.

Großmutterpädagogik. (Zu dem Bilde auf S. 381.)

Iſt's denn wahr, daß Großeltern und insbeſondere Großmütter eine ſolche Neigung haben, ihre Enkellinder zu verziehen? Geglaubt und geſagt wird es allgemein, und ſo muß wohl etwas an der Sache ſein. Wie erklär⸗ lich und verzeihlich iſt überdem dieſer Hang? In den ſehnſüchtig erwarteten Kindern ihrer Kinder ſehen die alten Leute noch einmal das Leben anbrechen, in dem ihr eigenes, abnehmendes wieder aufzublühen ſcheint. Und dieſe Kinder ſehen ſie in die Welt kommen und ſich entwickeln, ohne die endloſen Sorgen und Schmerzen, ohne die ſchlafloſen Nächte, welche auch ſie einſt durchgemacht bei den eigenen Kindern, die ſie aber jetzt längſt vergeſſen haben. Wie ſollten ſie nicht die Unarten des jugendlichen Alters milder beurtheilen, als die Eltern, die erſt zu erziehen anfangen und darum die Zügel ſtraffer halten!

Und doch welch ein Segen kommt von ihren ehrwürdigen Häuptern über eine jede Familie, in der ſie weilen! Wie viel entbehrt das Haus, in dem ſie fehlen! Es iſt, als ob das Bild eines glücklichen Hausweſens ohne ſie unvollſtändig und unvollkommen wäre. Wie friedlich blickt uns ein ſolcher Raum an, in dem die Mutter rüſtig arbeitet und ſchafft, während die Alte am Spinnrocken ſitzt und ein Lied vor ſich herſummt, oder den Kindern, die ihre Suppe eſſen, von alten Tagen erzählt!

So mag es wohl kurze Zeit zuvor in dem Zimmer unſeres Bildes aus⸗ geſehen haben, ehe der Künſtler uns einen Blick in daſſelbe thun ließ.

Ein geringfügiger Umſtand genügt oft im Leben, den Frieden und die Eintracht zu ſtören. So auch hier. Wie auch der kleine Maleficant, der ſo ängſtlich und ſcheu ſich hinter die Großmama birgt, es angeſangen, den Milch⸗ napf umzuſtoßen, daß derſelbe in Scherben daliegt, der reinlichen und ſpar⸗ ſamen Hausfrau zum doppelten Aergerniß, auf welche Weiſe noch dazu der ſchwere Stuhl umgefallen und in ſeinem Sturze die Schiefertafel zertrümmert der kleine Burſche wird wohl nicht ganz unſchuldig an alle dem ſein. Um⸗ ſonſt hat wohl die Mutter den Stecken nicht ergriffen, von dem er vielleicht ſchon ginige Streiche beſehen, ehe es ihm gelang, hinter die zur begütigenden Intervention aufgeſtandene Großmutter zu flüchten.

Sollen wir Erziehung oder Verziehung unter das Bild der alſo ein⸗ ſchreitenden Großmutter ſchreiben? Iſt es das weich und nachſichtig gewordene Großmutterherz, das hier ungerechterweiſe den Enkel gegen die klügere Mutter in Schutz nimmt? Wie oft das auch im Leben vorkommen möge, hier dünkt uns ſetzt die alte Frau das Werk der Erziehung fort an ihrer eigenen Tochter. Im Zorn vielleicht mehr über das zerbrochene Geſchirr und die verſchüttete Milch, als über den Ungehorſam ihres Sohnes, hat das junge Weib den Stab Wehe ergriffen; kommt es da dem Alter nicht zu, ſie mit ſanfter Hand zurückzuhalten und eine weitere Strafe, im Aerger ausgeführt, zu verhindern? 3

Wo alſo ausgleichend, beſänftigend, vermittelnd in wichtigſten Momenten das reifere Alter zwiſchen Eltern und Kinder tritt, da wird auch weder der Einfluß der erſteren noch die Hochachtung der letzteren darunter leiden. Wohl den Eltern, die, ſo noch forterzogen, die ſchwere Kunſt der Erziehung immer beſſer auszuüben lernen! Das zukünftige Geſchlecht wächſt da wohlbehütet und fromm geleitet heran unter dem ſegensvollen Einfluſſe und dem liebenden Auge der aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinragenden Gene⸗ ration. 3

Unter den Malern der Düſſeldorfer Schule verſteht Wieſchebrink es beſonders gut, uns in farbenreichen, anmuthigen Compoſitionen Scenen aus dem Stillleben der Familie vorzuführen, wovon das Bild, welches heute das Daheim bringt, unſern Leſern gewiß eine willkommene Probe liefert.

R. K.

Aus der Heimat der Cigarren. Wer die ſtolzen Annoncen der täglich zahlreicher werdenden Cigarren⸗ läden unſerer großen und auch kleinen Städte lieſt, möchte verſucht

ſein, zu glauben, daß Jedermann heutzutage echte, importirte Havanna⸗

cigarren rauche und daß die bekannten Waſunger ꝛc. Sorten nur in Er⸗ zählungen als humoriſtiſches Beiwerk noch zu finden ſeien. Wir wollen dir, freundlicher, rauchender Leſer, die Illuſion nicht rauben, daß die bläulichen oder gräulichen Wölkchen, mit denen du dieſe Zeilen anbläſeſt, direct aus der Havanna ſtammen, nein, wir wollen ſogar deinen Genuß erhöhen, indem wir dich zu einem kleinen Ausfluge in die Heimat deiner heiß⸗ glühenden Freundin einladen.

Alſo auf nach Havanna! Wir ſind ſogleich da denn die Phantaſie übertrifft ja noch den Telegraphen an Schnelligkeit wir rufen die erſte Volante herbei, deren dunkelfarbiger Roſſeleiter uns einzuſteigen bittet, und fahren nach der weltberühmten Cigarrenfabrik:La Hija de Cabanna y Carvajal, deſſen gegenwärtiger Beſitzer indes nicht Cabanna, ſondern Anſelmo del Valle heißt. Gut empfohlen machen wir ihm zunächſt unſere Aufwartung, ehe wir in ſeine Fabrik gehen.

Sennor Anſelmo, ein nicht ganz junger Mann mit glänzendem buſchigen Schnurrbart, empfängt uns, zurückgelehnt in einen niedrigen Stuhl, in⸗ mitten wohlriechender Cedernkiſten und noch anmuthiger duftender Cigarren. Von Kopf bis zu Fuß in weißes Linnen gekleidet, ſitzt er da wie ein Fürſt und iſt er es nicht? zahlen ihm nicht tauſende in gutem, klingendem Golde den Tribut für ſeine leichte, ſo raſch in Aſche und Dampf verſchwindende Waare? Sennor Anſelmo drückt unſere Hand, reicht uns eineCabanua Regalia und läßt uns nach einer kurzen Unterredung in die Fabrik führen.

Die Fabrica iſt ein großartiges Gebäude, ganz aus weißem Stein er⸗ baut, mit Säulengängen und Veſtibülen; über tauſend Arbeiter ſind darin beſchäftigt. Dieſe Zahl iſt übrigens kein Beweis für die Bedeutung einer Cigarrenfabrik, denn in der Reale Fabrica de Tabacos von Sevilla ſind über 4000 Arbeiter und Arbeiterinnen, in dem Regio von Algier 1500

in Thätigkeit, ähnlich in franzöſiſchen, italieniſchen und wenn ich nicht

irre in deutſchen Fabriken; aber die Hija de Cabannas y Carvajal be⸗ arbeitet ausſchließlich auserleſene Rollen des allerfeinſten Tabaks, während jene nur untergeordnete Sorten und Ausſchuß zur Verwendung haben.

Wir wandeln durch die hohen, weiten Räume, deren Decken alle aus Cedernholz beſtehen, und ſchauen uns gemächlich das allmähliche Entſtehen einer Cigarre an. Da werden ungeheure Ballen und Bündel Tabaks, die direct aus den Plantagen kommen, berbeigeſchleppt und ſogleich von einer Schar Negerweiber gewogen und aufgeſtapelt. In einem anderen Raume

werden die Blätter gereinigt, ausgeleſen und ſortirt die beſten zu Deck⸗

blättern zurückgelegt, die geringeren für die Füllung der Cigarren, oder las tripas wie die Cubaner ſagen, aufbewahrt. Doch wir wollen nicht die verſchiedenen Proceſſe der Cigarrenentſtehung weiter beſchreiben; nur das wollen wir erwähnen, daß dieſer Gang durch Cabannas Fabrik uns von einem abgeſchmackten Irrthum über dieſelbe heilte. Allgemein verbreitet iſt bekanntlich das Gerücht, daß die Art und Weiſe, in der der Tabak ge⸗ rollt und geformt wird von weiblichen Sklaven, eine ganz abſcheuliche ſei. Nun mag es ſein, daß in Havanna kleine Fabrikanten leben, die zwei bis drei

Sklaven oder Sklavinnen beſchäftigen, welche ihre Arbeit auf eine rohe,

ſchmutzige Weiſe treiben; aber in der Hija de Cabannas y Carvajal haben wir nur die ſcrupulöſeſte Reinlichkeit, ja Zartheit bewundern können, womit jede einzelne Phaſe in der Cigarrenfabrikation geleitet wird. In einem un⸗ gemein ſauberen und ordentlichen, luftigen Gemache ſitzen die Arbeiter und

machen die Cigarren allerdings mit ihren Fingern, aber ohne ſie auf den

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