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auf und abgehen, aber ich war entſchloſſen zu ſchlafen und bald lag ich wieder feſt vor Anker im Meere der Vergeſſenheit.— Mit Tagesanbruch erhoben wir uns. Aber welche Verände⸗ Das Tafeltuch hatte ſich herabgeſenkt, und wir ſtanden in einem ſo dichten Nebel, daß die Gegenſtände nicht auf drei Schritte Entfernung ſichtbar waren. Dennoch mußten wir aufbrechen, denn abgeſehen davon, daß uns daran lag, die Sonnenhitze zu vermeiden, ſo durften wir auch die übliche Neujahrscour an Bord nicht verſäumen, welche präcis Mittag ſtattfand. In aller Eile wurde daher auf den Kohlenreſten ein ſtarker Kaffee gekocht und dabei beſchloſſen, trotz des Nebels die Steinpyramide mit der Logrolle aufzuſuchen. Plötzlich bemerkten wir, daß Willy unter uns fehle. Wir riefen laut nach ihm— keine Antwort. Einige eilten nach ſeiner Lagerſtelle; ſie war leer, auch ſein Plaid verſchwunden. Das beruhigte uns einiger⸗ maßen, zumal ſich gleichzeitig herausſtellte, daß auch Piet, der Hottentot, ſich entfernt hatte. Wir nahmen an, beide ſeien uns zuvorgekommen in der Suche nach dem Ariadnegarn und hofften ſie demnach dort zu finden. Zu dem Ende ſtellten wir uns zu einer Plänklerkette auf, welche ſich allmählich, ſo weit als möglich zu entwickeln hatte, ohne daß irgend einer weitere Diſtanz von ſeinem Nachbar nehmen durfte, als der Zuruf reichte; die Fortbewegung ſollte derartig im Kreiſe ge⸗ ſchehen, daß der innere Flügel der Kette unſeren Lagerplatz als Cen⸗ trum nicht aus dem Auge verlieren durfte. Dies taktiſche Manoeuvre ward pünktlich ausgeführt. Es machte einen wunderbaren Eindruck, dieſes plötzliche Verſchwinden in dem dichten, röthlichweißen Nebel, welcher manchmal die Geſtalten in rieſiger Größe auftauchen ließ, ſo daß ſie Geſpenſtern glichen, während dann wieder im Augenblick der Vorhang ſie verbarg und nur die gedämpften Rufe daraus hervor⸗ ſchallten. Aber die Dispoſition bewährte ſich; nach einer halben Stunde war die Pyramide entdeckt, raſch drang die Kunde bis zum entgegengeſetzten Flügel, und die Linie der Plänkler zog ſich zuſammen auf den Wegweiſepunkt. Aber keine Spur von Willy und Piet! Jetzt erſt entſtand ernſtliche Beſorgniß in uns, wo waren die beiden hingerathen?. Mit dem Malayen war ſich nicht zu verſtändigen, die Mandingos fletſchten die Zähne, lachten, als ob das Luſtigſte der Welt vorginge und radbrechten:„Piet ſlim, Piet Bliſkemboy,“ (P. ſchlau, P. Blitzjunge), woraus wir allerdings entnehmen zu dürfen glaubten, der pfiffige Hottentote habe den Cadetten beredet, ihn auf einem näheren Pfad abwärts zu geleiten, was wir dem letzteren aber übel verdachten; nichtsdeſtoweniger vereinten wir noch mehrere Male unſere Stimmen zu lauteſtem Ruf, ſchoſſen alle Revolverläufe ab— vergeblich, das erſehnte Echo ließ ſich nicht hören. Verweilen durften wir uns nicht mehr, um den Urlaub nicht zu überſchreiten; um aber keine Pflicht zu vernachläſſigen, ward beſchloſſen, daß der Wundarzt mit einem Cadetten und einem Neger oben bleiben ſollten, bis der Nebel ſich gehoben habe; die Logrolle ließen wir ihnen zurück. Uns andere geleitete ihr Faden ſicher, aber in angſtvoller Gemüths⸗ ſtimmung bis zu der Felſenſpalte, welche den Weg in die Ebene bildete. Ueberall ſuchten wir nach Spuren der Verlorenen, aber das harte Geſtein hatte keine Eindrücke angenommen; dennoch klammerten wir uns an die Hoffnung, ſie unten im Thale wohlbehalten zu finden und uns auslachen zu hören— aber dann wollten wir—! Auf die wundervollen Effecte des Nebels gaben wir unter dieſen Verhältniſſen wenig Acht. Manchmal zerriß, ſcheinbar ohne jeglichen Anlaß, mit einem Male das Tafeltuch, und wallte gleich rauchenden Waſſerfällen oder geballtem Pulverdampf Fels ab, Fels auf— aber nur einen Augenblick ſchaute der blaue Himmel herab, dann umhüllte uns gleich wieder der feuchte Mantel. Und ganz überraſchend war es, als plötzlich die geſchloſſene Nebelwolke ſich zu heben ſchien, wir waren nur unterhalb ihrer Grenze angelangt, und nun die lachende, vom azurblauen Himmel überwölbte Landſchaft und das tiefgrüne, leis ge⸗ wellte Meer im prachtvollſten Panorama vor uns lag. Aber wir ſahen kaum hin. Schweigend ſtiegen, ſtolperten, rutſchten, fielen wir bergabwärts, denn ein Gehen war dies nicht mehr zu nennen. Wehe dem, der keine beſonders ſtarke Fußbekleidung angelegt hatte; einigen fielen die Schuhe geradezu in Stücken vom Fuße, anderen hatten die ſcharfen Steine empfindliche Beſchädigungen zugeführt; zu den letzteren gehörte auch ich, ein Fehltritt, der mich bis an die Bruſt in eine ſcharfe Spalte warf, hatte mir das rechte Schienbein blosgelegt und wochen⸗ lang mußte ich an der ſchmerzhaften Verwundung leiden. Bald hinkte
rung!
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haftere Hornhaut.
ſeine unverletzbar feſten Baſtſchuhe, die Neger um ihre noch dauer⸗ Endlich, endlich waren wir wieder an dem ro⸗ mantiſchen Bergſee angelangt, hatten aber für ſeine Reize keinen Blick mehr, ſondern waren nur froh, die brennenden Glieder darin einen Augenblick lang kühlen zu können. Noch war es zu früh für das fröhliche Gewühl der Capſtadtwäſcherinnen— wir trafen nicht eher auf Begegnende, als in der Nähe des botaniſchen Gartens— niemand hatte unſere Verlorenen geſehen. Wir eilten zu dem Director, er wollte uns mit einem Glückwunſch empfangen— aber das Wort erſtarb ihm auf den Lippen, als er unſere Fragen vernahm. Er rief alle ſeine Leute zuſammen— die meiſten waren ſeit Morgengrauen in dem Garten beſchäftigt geweſen, hatten aber keine Seele, vom Ge⸗ birge herkommend, wahrgenommen. Indeſſen war ein unbemerktes Paſſiren immer noch möglich; jedenfalls verſprach der Director, ſofort bewährte Männer zuſammenzubringen, um nöthigenfalls eine Streife in das Gebirge vornehmen zu können. Mittlerweile hatte Tippoo von einem Bekannten in der Nachbarſchaft einen ſechsſpännigen Wagen aufgetrieben, den er ſelber lenkte; wir krochen mühſam hinein —„Tirr, Katall!“ ſchrie es, der Schambock knallte, und dahin flogen wir bis zum Molo. Glücklicherweiſe harrte unſerer hier ſchon das Boot von der Carolina, deren Bord wir nach halbſtündiger Fahrt mühſam erklimmten. Wir hatten von der Bemannung ſchon leider erfahren, daß der Cadet nicht zurückgekehrt war.
Wie ganz anders, als wir geſtern gehofft, geſtaltete ſich unſer Empfang! Der Capitän war auf unſern Rapport hin in die größte Aufregung gerathen; der junge Mann, deſſen Verluſt wir jetzt ſchon befürchten mußten, war ihm von ſeiner Familie ganz beſonders an⸗ empfohlen geweſen. Es fehlte nicht an bitteren, ſtrafenden Bemer⸗ kungen, die wir ruhig hinnehmen mußten, wenn ſie gleich großentheils ungerecht waren. Aus der feierlichen Neujahrscour wurde natürlich nichts. Der Capitän beſchloß, ſich ſelber an die Spitze einer Expe⸗ ditionscolonne zu ſtellen, um den Verlorenen zu ſuchen, die Zurück⸗ gebliebenen abzuholen; die beſten Leute unter den Matroſen wurden ausgeſucht, die Vorbereitungen ſorgſam mit Benutzung unſerer Erfah⸗ rungen getroffen, und kaum eine Stunde nach unſerer Ankunft ging ein abermaliger Zug von der Carolina nach dem Tafelberg ab. Nur zwei von den Unſrigen begleiteten ihn; wir andern waren in der That allzu erſchöpft; Tippoo, der Malaye dagegen, kehrte ſogleich wieder um und betheuerte, daß er für den erhaltenen Lohn täglich, jahraus jahrein, den gefährlichen Felſen erklimmen wolle. Am Bord herrſchte eine trübe, gedrückte Stimmung; zwar verſuchten einige leichtſinnige Cadetten allerlei Unfug, allein es war uns zu ernſt zu Muthe, um darüber lachen zu können; im Gegentheil dauerte es gar nicht lange, ſo ſtanden in den Sahlingen unnütze Bürſchchen und konnten während ihrer Strafwache daxüber nachdenken, was das für ein Neujahr ſei!
Um Mittag kam ein Gig von der Stadt und brachte einen Herren an Bord, der mich um eine Unterredung erſuchen ließ. Als Stellvertreter des Capitäns führte ich ihn in deſſen Cajüte. Hier entdeckte er ſich mir als ein Mitglied der Detective⸗Cappolizei und bat mich um genaue Mittheilung über meine Wahrnehmungen hin⸗ ſichtlich der Vermißten. Ganz beſonders eingehend erkundigte er ſich nach dem Hottentotten; immer und immer wieder ließ er ſich denſelben beſchreiben, aber die Pepperkoppe ſehen dermaßen einer wie der andere aus, daß die wenigen Perſonalien, die ich geben konnte, dem Detective nur ein Achſelzucken abgewannen. Endlich ſchloß er ſein Verhör, indem er es gerade heraus ſagte:„Ihr Freund iſt wahrſcheinlich das Opfer eines Böſewichts geworden. Sie haben ſehr unüberlegt gehandelt, daß Sie den erſten beſten Piet als Diener angenommen haben; dieſe Menſchenklaſſe iſt zu allem fähig, weder Zahl noch Wach⸗ ſamkeit ſchützt gegen ihre Tücke. Und ich fürchte, Sie haben einen der allerverworfenſten unter ihnen aufgegriffen. Ahnung nicht ganz täuſcht, ſo iſt es der berüchtigte Clas Afrikander ge⸗ weſen, der Sie begleitet hat. Dieſer gefürchtete Räuber hat mehr Unthaten auf ſeiner Seele, als Warzen auf ſeinem Schädel und wäre längſt dem Strange verfallen, wenn ihm nicht die aufſäſſigen Booren, die dem engliſchen Gouvernement zum Trotze thun, was ſie nur können, in ihren entlegenen„Plätzen“ Unterſtand gäben, ſobald er gezwungen iſt ſich zu verbergen. Dabei iſt der Burſche ſo ſchlau und ortskundig, daß er uns bis jetzt immer noch getäuſcht hat. Haben Sie denn gar
faſt die ganze Geſellſchaft in um die Füße gewickelten Tüchern und Bandagen aller Art und beneidete nicht wenig den Malayen um
nichts Verdächtiges an ihm bemerkt?“ Mir fiel der gierige Blick des Hottentotten auf Willys Kleinod ein; ich erzählte die Beobach⸗
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