Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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entgegen. Schon ſeit einigen Jahren war er verlobt mit einem lie⸗ benswürdigen, außerordentlich ſchönen Mädchen, der Zwillingstochter eines ungariſchen Grafengeſchlechts; die Kinder waren Waiſen, befan⸗ den ſich aber in liebevoller und vielverſprechender Obhut ihres Oheims, eines einflußreichen Hofrathes, in der Reſidenz. Dies und ſein, den anderen Cadetten gegenüber ſchon etwas vorgerücktes Alter und doch war er erſt zweiundzwanzig Jahre alt mochte der Grund ſein, daß Willy von H. viel ſtiller, in ſich gekehrter, ernſter war, als die Herren Seejunker gemeiniglich zu ſein pflegen; er machte niemals mit, wenn ein Streich ausgeführt ward, entzog ſich zwar nicht den burſchikoſen Gelagen der Midſhipmen⸗Meſſe, hielt ſich dabei jedoch ſtets völlig reſervirt und wußte zugleich Spöttereien oder Neckereien ſehr gemeſſen von ſich fern zu halten. Darum hieß er denn auch der ernſte Willy, ſtand aber in hoher Achtung bei der ganzen Equipage, vom Capitän an bis hinab zu den Schiffsjungen, welche letztere ſonſt bekanntlich von den Cadetten auf alle nur erdenkliche Weiſe geplagt werden. Wie geſagt, er hatte, aufgefordert, erklärt, er wolle nicht mit von der Partie ſein; dies war übrigens den jüngeren Cadetten ganz recht, welche ſich auf ein Bacchanal gefreut hatten, aber die ſtrenge Aufſicht ihres Meßvorſtandes fürchteten. Es war daher Waſſer auf ihre Mühle, als der alteOnkel Tom, der Hochbootsmann, be⸗ dächtig ſein Garn abſpann, wie er ſchon vor zwanzig Jahren als Leichtmatroſe den Tafelberg beſtiegen, dabei in eine Schlucht geſtürzt und volle drei Tage lang darin liegen geblieben ſei, bis ihn endlich ſeine Kameraden gefunden, halb verhungert, mit gebrochenen Gliedern herausgezogen und an Bord gebracht hätten.Nicht Tafelberg, Teufelsberg ſollte die ſtarre, rothe Klippe dort mit ihrer weißen Ka⸗

puze heißen, ſchloß Onkel Tom giftig, indem er ſein Lady Twiſt

energiſch von einer in die andere Wange ſchob,und eine ganze ge⸗ ſegnete Nacht dort oben zuzubringen, iſt eine Verſündigung, hört Ihr's, Ihr Gelbſchnäbel? Eine Verſündigung, und Ihr werdet's ſchon kriegen dafür! Natürlich lachten wir den grämlichen Alten aus und beſtanden um ſo feſter auf unſerem Plan; aber die naſe⸗ weiſen Cadetten hatten das Wort aufgeſchnappt und gebrauchten es nun mit mehr oder minder Geſchick den ganzen Tag:Willy bleib, Willy begeh keine Verſündigung! bis der geärgerte junge Mann es endlich ſatt und herausbekam, daß ſie ihn gern los ſein wollten. Da überwand er denn raſch ſein Mißbehagen:Ich verſündige mich mit Euch! ſagte er halb lachend, halb wehmüthig,die kleinen Meer⸗ kater haben etwas vor, wobei ſie mich nicht brauchen können; ich bin von der Partie. Natürlich waren wir andern um ſo zufriedener damit, als der ernſte Willy ſtets am beſten bei Kaſſe war, und daher von ihm ein erklecklicher Beitrag zu den nicht unbedeutenden Koſten der Expedition erwartet werden durfte.

Nachmittags um zwei Uhr brachen wir von Widdows Maſonic Hotel aus auf. Wir waren fünf Officiere, einbegriffen Doctor und Wundarzt, drei Cadetten, ein Führer und zwei Träger. Der Führer, ein ſchlanker Malaye, mit rothem Turban und einen bunten Shawl maleriſch über die Schultern geworfen, hatte einen ſo ganz unaus⸗ ſprechbaren Namen, daß wir ihn ſofort der Bequemlichkeit halber Tippoo tauften, was er ſich ſchmunzelnd gefallen ließ, dagegen lehnte er ſehr würdevoll ab, ſich mit unſeren Plaids zu bepacken, und da die beiden Träger, ſogenannte Preisneger von Mandingovollblut, mit den Mundvorräthen und Geräthſchaften ſchon über Gebühr be⸗ packt waren, ſo blieb uns nichts übrig, als die Decken ſelber zu tragen, was bei einer durch die Ekliptik höchſt intenſiv wirkenden Sonne keine Kleinigkeit war.

Als wir den botaniſchen Garten, an deſſen Pforte der gaſtfreie Director mit ſeiner liebenswürdigen Gattin wackere Landsleute uns die Hände geſchüttelt und glückliche Reiſe gewünſcht, im Rücken hatten, hörten wir plötzlich hinter uns herkeuchen, und erblickten einen nachgelaufenen Pepperkopp wie Capcſtädter die Hotten⸗ totten wegen ihrer mit Warzen beſäeten Kopfſchwarte nennen der uns in einem radebrechenden Idiom zwiſchen Holländiſch und Engliſch ſeine Dienſte als Träger anbot. Die Gelegenheit war zu willkom⸗ men, um an dem Schmutz und üblen Dunſt des ſchiefäugigen, zer⸗ lumpten Individuums Anſtoß zu nehmen; wir wurden bald Handels einig, dem Pepperkopp wurden die Plaids aufgebürdet, und der kleine Kerl ſchritt ganz wacker damit voran. Den trefflichen Weg begrenzen hübſche Villen und Gärten bis zum Fuße des ſteil aufſteigenden Berges. Hier angelangt verfolgten wir im Indianer⸗, alias Gänſemarſch einen ſchmalen Pfad neben einem klaren, anmuthigen und ziemlich breiten

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Bache; in ſeinem Waſſer ſtanden hunderte von Weibern und Mädchen, lauter Malayinnen und reinigten die Wäſche der Capſtadtbewohner. Aus einiger Entfernung gewährte die enorme Maſſe Weißzeug, welche

(ringsum über niederem Geſträuch und Felsblöcken zum Trocknen hing,

einen ganz ſonderbaren Anblick. Unſer Marſch aber war ein Spieß⸗ ruthenlaufen zwiſchen den böſen Zungen der Wäſcherinnen eigen⸗ thümlich, daß dies naſſe Gewerb überall in der Welt den gleichen Leumund hat! und Kichern und Lachen verfolgten uns über eine halbe Stunde Weges lang, bis dahin, wo der Pfad ſich in völlige Felſeneinſamkeit verliert. Leider verſtanden wir die Lazzi nicht, welche man uns zurief; ſie mußten draſtiſch genug ſein, denn unſer Führer vergaß gänzlich ſeiner Würde in ſchüttelndem Gelächter, war jedoch der engliſchen Sprache zu wenig mächtig, um uns als Dolmetſcher dienen zu können. Doch blieben wir, zumal unſere Cadetten, den zum Theil charmanten Spötterinnen, wenigſtens ſo weit die Finger⸗ und Ge⸗ berdenſprache reichte, auf ihre Grimaſſen nichts ſchuldig. Da, wo der Weg in ſchroffer Steilheit abbiegt, bildet zur rechten der Bach einen Tümpel oder kleinen Teich, der von üppigſter Vegetation umwuchert, ein überaus reizendes Bild bot. Der elegante Silberbaum ragt hier maleriſch hervor aus Dickichten von wilden Kaſtanien, breitblättrigem Taxus und immergrünem Lorbeer; Schlingpflanzen mit blauen und rothen Blüthen, gleich großen Faltern, ſpannen zierliche Feſtons von Wöipfel zu Wipfel; ſchillernde Vögel jagen ſich in den Zweigen umher; das ſaftige Unterholz aber wird gebildet von ſcharlachblühenden Ge⸗ ranien, deren ſeltſam verknotete Stämme oft Durchmeſſer bis zu einem Fuße haben.

Das iſt aber auch der Abſchied von dem reichen Pflanzenleben der Ebene und der feuchten Sonnenwärme; nunmehr beginnt die Herrſchaft des nackten Steins, vor uns erhebt ſich faſt ſenkrecht die zerriſſene Wand des Tafelberges. Seine Plattform iſt von dieſer Seite aus nur zu erreichen in einer einzigen, ausgewaſchenen Rinne, welche in beinahe gerader Richtung emporführt; doch überſieht man die zu erklimmende Strecke niemals eher, als bis man einen gewiſſen Punkt erreicht hat. Oft iſt der Pfad ſo ſchwierig, daß man die Hände zu Hilfe nehmen muß; anderthalb Stunden hatten wir von der Capſtadt bis zu der Quelle des Baches gebraucht, eine Stunde lang mußten wir ſteigen, bis wir die muldenförmige Vertiefung er⸗ blickten, in welcher unſer Steg am Rande des Plateaus mündete. Aber noch beinahe drei volle Stunden ſahen wir dieſen Felſeneinſchnitt vor uns, ohne ihn erreichen zu können, er erſchien uns immer gleich groß und gleich entfernt. Je näher man derTafel rückt, um ſo ſchroffer rücken die Felſenmaſſen zuſammen, ſie bilden eine enge Schlucht mit ungeheuren, oben überhängenden, ſich gegen einander neigenden Wänden, von deren Rand das Waſſer unaufhörlich nieder⸗ tropft, das der Niederſchlag des täglichen Tiſchtuchnebels erzeugt. Unter ſeinem Einfluß hatten ſich da und dort wundervolle Mattenflecke an⸗ geſiedelt, auf deren bunten Blüthen und intenſiv grünen Blattpflanzen Millionen Tropfen Thaus gleich Diamanten im ſchräg einfallenden Sonnenſtrahl funkelten. Aber wir hatten zu wenig Zeit, dergleichen Felſengärtchen längere Aufmerkſamkeit zu widmen, kaum ſo viel, um hier und da einmal etwas zu verſchnaufen; unabläſſig trieb der Führer zum Vorwärtsklimmen an, damit wir unſer Bivouac vor Einbruch der Dunkelheit, welche die Gefahr verdreifacht hätte, zu erreichen vermöchten. Unſere Expedition war, je nach den Kräften der einzelnen, weit, weit auseinander. Endlich waren die zwei jün⸗ geren Cadetten, die den ganzen Weg entlang die Tote gebildet hatten, auf der Höhe angelangt und verkündigten mit weithin ſchallendem Hip, hip, hip, Hurrah! den errungenen Sieg. Es dauerte aber noch geraume Zeit, bis die letzten Nachzügler gleichfalls oben ange⸗ kommen waren; dieſe traf das harte Loos, unmittelbar weiter wandern zu müſſen. Gleich einem rieſigen Denkſtein ragt auf der linken Seite des Portals ein hoher Felsblock ſenkrecht in die Lüfte; er war über und über mit Inſchriften und Namen bedeckt; auch die deutſche Sprache war vertreten, und wir Vorderen hatten hinlänglich Zeit zur Copie mehrerer Sentenzen aus der Heimat, worunter folgende, charakteriſtiſch für den Hamburger Humor, unſere Heiterkeit, trotz der Ermüdung, unwiderſtehlich weckte:O Tafelberg, o Tafelberg, wie weh thun mir die Sohlen der Kukuk ſoll den Tafelberg und alle Berge holen! Wilhelm Schmeltzkopff, Barkſchiff Nanny.

Nach einer kurzen Ruhe brachen wir weiter auf, um den für ein Nachtlager paſſenden Platz zu ſuchen, der. dicht am Nordrande des Plateaus befindlich ſein ſollte. Dieſes iſt aber nichts weniger, als

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