Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
375
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noch fernen ſcharf wie ein Zahnſtocher emporragenden wilden Gaisberge zu, der unſer Ziel war. Geſprochen wird nicht, kaum geathmet. Es folgte nun eine jener beſchwerlichen Wanderungen über Geröllfelder, über Grate und an Abgründen vorbei, die ſo oft beſchrieben ſind, daß ich ſie meinen Leſern erſparen will. Der Tag war inzwiſchen heraufgekommen, und wir hatten uns dem wilden Gaisberge immer mehr genähert, der jetzt bei beſſerem Lichte, ſchnee⸗ bedeckt gegen den dunkelen nördlichen Himmel mit ſeinen ſcharfen pikanten Formen ſich abhob. Faſt hatten wir das Ende eines ſchmalen, unangenehm ſteil abfallenden Grates erreicht, als ein Rucken an dem Seile, an das wir uns längſt gebunden hatten, uns aufforderte, ſtille zu ſtehen. Auf der uns entgegengeſetzten Seite des Berges war ein Schuß gefallen. Eine dumpfe Verwünſchung entfuhr den Lippen unſeres Alten. Wir blieben indeſſen ruhig, hielten Wort und Athem an und lauſchten mit Auge und Ohr; da deutete der Alte nach der

gegenüber liegenden Felswand, und ich gewahrte an dem Rande der⸗

ſelben mehrere kleine Weſen, die bald confus hin⸗ und herrannten, bald lauſchend ſtehen blieben. So gut mein Auge in die Ferne ſieht, für Gemſen hätte ich die Thiere doch nicht gehalten. Keiner von uns wandte indeſſen ein Auge von der Richtung ab. Ich war in einer Aufregung, daß ich glaube, man hätte mein Herz müſſen klopfen hören können. Da, mit einem Male ſetzte ſich das ganze Rudel in Bewegung und floh mit unbeſchreiblicher Schnelligkeit die ſchräge Felswand hinab; die Köpfe hintenüber gelegt, die Hinterläufe ſcharf gegengeſtemmt, kamen ſie mehr fliegend als laufend in unſerer Richtung den Berg heruntergefahren. Jetzt erkannte ich deutlich, daß es Gemſen ſeien. Zwiſchen ihrem ſchrägen Felſen und unſerem Grat dehnte ſich in⸗ deſſen noch ein breites zerklüftetes Plateau aus, das von dem friſchgefallenen Schnee bedeckt war. Gingen ſie über dieſes herüber, ſo mußten wir zum Schuſſe kommen, aber es war noch ein bedeuten⸗ des Stück, das ſie zu paſſiren hatten, und da nun mit der höher ſteigenden Sonne gleichzeitig auch die Nebel aus den Thälern ſtiegen, ſo verloren wir ſie ſtellenweiſe aus den Augen. Die unruhige Flucht deutete uns indeſſen an, daß ſie entweder nicht recht wußten,

nach welcher Seite ſie fliehen ſollten, oder daß der Feinde mehr als

einer ſeien. Gewöhnlich iſt die Gemſe dann, wenn ſie den Jäger ſehen kann, ruhig und wird nur unruhig bei unerklärlicher oder zwei⸗ ſeitiger Gefahr. Wir ſollten indeſſen nicht lange im Zweifel dar⸗ über bleiben, wo hier der Grund zu ſuchen ſei. Schräg über der

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Spitze des ſonderbar geſtalteten Berges waren ſchon gleich nach dem erſten Erſcheinen der Gemſen zwei Punkte bemerkbar geworden, die, in großen Kreiſen ſich bewegend, den erſteren immer näher kamen. Meine Vermuthung beſtätigte ſich in kurzer Zeit; ich hatte ſie für Raubvögel der größten Art gehalten, als welche ſie ſich auch näher kommend auswieſen. Ob ſie nun von dem vorhin gefallenen Schuſſe aufgeſcheucht worden, weiß ich nicht, wohl aber ſah ich, daß ſie, ebenſo wie wir ſelbſt, Abſichten auf die Gemſen hatten, die ſie nur etwas un⸗ verholener darthaten. Ich hatte ſchon beim Näherkommen der Gemſen bemerkt, daß eins der Thiere nicht mit der vollen Elaſticität ſich be⸗ wege, wie dies ſonſt, ſelbſt bei ſchwerverwundeten, wenn die Wunde noch friſch, der Fall iſt. Auch unſere Rivale ſchienen dies zu wiſſen, denn ich bemerkte, daß ſie nur immer eine der Gemſen im Auge behielten und verfolgten. Ja, ſie ſtürzten ſich einige Male mitten zwiſchen die geängſteten Thiere, um nur der einen nahe zu kommen. Bei dem Verwirrenden dieſer Jagd hatten wir alle Ausſicht zum Schuſſe aufgegeben, trotzdem wir noch mit geſpannt vor uns liegender Büchſe, unſere Stellung feſthielten. Endlich wurde durch wiederholte Anfälle der Adler(denn ſolche waren die Verfolger der Gemſen) das ganze Rudel geſprengt, und die eine Kranke allein von denſelben getrennt. In abwechſelndem Angriffe, mit ihren furcht⸗ baren Fängen das Thier anfallend, mit ihren gewaltigen Flügel⸗ ſchlägen es verwirrend, hatten ſie daſſelbe ſchließlich ſo abgehetzt, daß es ſeinem Schickſal nicht mehr entgehen konnte. Athemlos ſtürzte das ſchöne Thier an dem jähen Abſturz des uns gegenüberliegenden Felſen nieder, und im ſelben Augenblicke ſaß ihm auch ſchon einer der Räuber auf dem Rücken, mit ſeinem ſcharfen Schnabel nach den großen, ſchmerzlich blickenden Augen hauend. Meine ganze Auf⸗ merkſamkeit war dieſem Schauſpiele zugewandt. Ich hatte meine Nachbaren total vergeſſen, und war nicht wenig erſtaunt, zwei Schüſſe in meiner nächſten Nähe fallen zu hören. Aber der Erfolg dieſer Schüſſe war ein ſo vollkommener, als ſei er zwiſchen den beiden Schützen verabredet geweſen. Der eine Adler ſtürzte todt zu Boden, während der andere das Weite ſuchte, die Gemſe aber, aufs Blatt von meinem alten Freunde getroffen, zuckte noch einmal auf und fiel durch ihre letzten Bewegungen hinab in die tiefe Schlucht, aus der ſie ſpäter von meinen Begleitern abgeholt wurde. Das war meine erſte Gemsjagd im Gebirge, die ſo zufällig zu einer doppelten ge⸗ worden. L.

Kus vielen Meeren.

Erinnerungen eines deutſchen Seeofficiers.

VI. Die Neujahrsnacht auf dem Tafelberg.

Mit weſtlichem Winde durchfurchten wir, von Buenos Ayres kommend, mit der CorvetteCarolina das äthiopiſche Meer und wurden glücklicherweiſe von dieſem Winde ſo ſehr begünſtigt, daß wir bis zum Cap der guten Hoffnung die Schoten und Braſſen nur ſelten loszumachen nöthig hatten. Demnach war auch die Fahrt höchſt ein⸗ fach, zumal am Bord kein irgend bemerkenswerthes Ereigniß vorkam. Am 8. December bekamen wir den Tafelberg in Sicht; es war am Morgen, und das Plateau des Gebirges mit dem bekanntenTafel⸗ tuch(table-cloth) verhüllt, mit welchem Spitznamen die Seefahrer jene weiße, dichte Wolke bezeichnen, die an jedem Morgen und Abend ſich auf dem Scheitel des Berges lagert. Da wir in der günſtigen Jahreszeit waren, in welcher man bei der Capſtadt unbeſorgt ankern kann was, der dort herrſchenden Stürme halber, keineswegs immer gerathen iſt ſo ſteuerten wir auf deren Rhede zu und ließen am Abend des 9. December die Anker fallen.

Wir blieben, da die Corvette verſchiedener Ausbeſſerungen be⸗ dürftig war, einen Monat lang in der Tafelbai. Von der Capſtadt

will ich nicht erzählen, das haben ſchon andere beſſer und ausführ⸗

licher gethan, als mir's vergönnt iſt; ſie muthete mich in ihrem ganzen Aeußeren immer nördlich heimiſch an, mehr als irgend eine andere Stadt auf der ſüdlichen Hemiſphäre und trotz ihres unbeſchreiblichen Völkergewühls in allen Hautfarben, die es nur gibt: Europäer darunter die holländiſchen Booren, mit ihrenPavianspooten(ſchwere

Standbüchſen) die ſeltſamſte hinterwäldiſche Menſchenklaſſe, die mir

nur jemals aufgeſtoßen Malayen, Neger und deren Abkömmlinge: Mulatten, Meſtizen, Terzeronen, Quarteronen ꝛc. Hottentotten, Buſchmänner, Griquas, Koraunas, Kaffern, Finguhs, Tam⸗ buhkis, Mozambiker es fehlten ſogar nicht Chineſen, Aleuten (Matroſen eines ruſſiſchen Wallfiſchfängers) und Südſee⸗Inſulaner, letztere auf der Rückreiſe von Europa, wo mit ihnen in London oder Paris ich weiß nicht recht mehr, wo? die bekannte Komödie aufgeführt worden war, welche gewöhnlich gerade ſo endigt, wie ber den unglücklichen Maori auf Neuſeeland. Ich will hier nur eines Ereigniſſes gedenken, welches uns tiefen Kummer koſtete und ſeinen Schatten weit hinauswarf in das alte Heimatland!

Die Zeit unſeres Aufenthaltes in der Tafelbai nahte ihrem Ende und noch hatten wir, mit Ausnahme des Zahlmeiſters und zweier Cadetten, den berühmten Tafelberg nicht beſtiegen. Wir waren aber um ſo geſpannter auf dieſe Expedition, als der erſtere uns die Schwierigkeiten einer ſolchen in den grellſten Farben ge⸗ ſchildert und unter anderem erzählt hatte, er habe ſich verirrt und ſei fünf Stunden lang im Nebel herumgeſtolpert, ehe er den einzigen Pfad gefunden habe, der auf dieTafel des Berges führt. Die Beſteigung ward auf den 31. December feſtgeſetzt und beſchloſſen, die Neujahrsnacht auf dem Gipfel zu feiern; zu dieſem Endzweck wurden verſchiedene Vorbereitungen, auch Verabredungen mit den auf der Corvette Zurückbleibenden getroffen. Zu den letzteren zählte an⸗ fänglich auch der älteſte der Cadetten, derernſte Willy geheißen. Er gehörte einer vornehmen und reichen Familie an, war aus der Artillerie in den Dienſt der Marine getreten und ſah den Epauletten

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