Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
374
Einzelbild herunterladen

373

derſelbe hatte ſich das Antlitz vollſtändig geſchwärzt. In dem Herrn Perbom hat man wohl den unheimlichen Wirth des Pater Wolff wieder⸗ erkannt. Es iſt alſo kein Zweifel mehr, daß der Verfolgte der Se⸗ cretär des Herrn von Danckelmann, Oelven ſein mußte. Oelven ver⸗ ſuchte die Straße zu halten, obwohl die Seitenwege häufig beſſer waren, aber in der Nähe des Heerweges konnte er doch ſicherer auf Hilfe rechnen.Wenn ich nur zeitig genug ankomme in Potsdam, murmelte er im Reiten,ich bin ein gemachter Mann, kann ich dem Rathe dieſen Beweis bringen. Die Ringwalds werden ſicherlich den Freiherrn und den Pater nicht ſchonen, wenn ſie ſtraflos ausgehen. Die verfolgenden Reiter wurden auf dem Damme ſichtbar. Sie hielten ihre Pferde zuweilen an, dann aber ließen ſie ihnen deſto freier den Zügel ſchießeen die Stute des Secretärs ſchien nicht für große Kraftanſtrengungen geeignet, ſie keuchte und ſchwitzte.Ich muß drüben ſein, ehe der Freiherr Zeit gewinnt, ſich zu ſammeln ſonſt iſt es vergebens. Der Blitzſtrahl muß aus heitrem Himmel kommen vorwärts, Alte ha, da ſtrauchelt ſie ſchon, alle Hagel, die beiden Kerle ſind dicht an der Waſſerſcheide ſie wollen mir offenbar zu Leib. Er drehte das Rad ſeines Schloſſes und ſtellte es ſchußfertig. Wenn es ſein muß, eine Kugel denn. Neues Reißen des Zügels, dann verſuchte der Reiter die Sporen, die Stute warf ſich wieder in

kurzen Galopp.Er reitet nicht ſicher, ſagte der ſchwarze Karl. Seht nur, wie er ſchon jetzt den Schluß verliert wo ſoll das auch bei dem Federgekritzel herkommen? Wir werden ihn bald haben. Sie ſetzten mit ihren Roſſen auf die Landſtraße.Jetzt ſind wir gerad hinter ihm, ſagte Perbom.Aber was thun wir ihm an, wenn er in unſere Hände fällt?Er muß alles herausgeben, was er hat, ſonſt brenne ich ihm das Gehirn aus, entgegnete der ſchwarze Karl ruhig, ſein Pferd antreibend.Bedenkt, hundert Gulden in gutem Golde, wenn wir ihn beſeitigen. Oelven ritt in die Tiefe einer kleinen Schlucht hinab, die Reiter blieben oben auf dem Wege. Schon vermochte er die Geſichter ſeiner Verfolger zu unterſcheiden. Ein Burſche iſt mohrenſchwarz, ſagte er,ein ächter Landſtraßen⸗ ritter. Gerade in dieſem Augenblicke kam er vor dem breiten Waſſer⸗ graben an, der hier den Weg durchſchnitt, die Ufer waren ſteil und die Brücke hatte ein unglücklicher Zufall zertrümmert. Es blieb ihm nichts übrig, als den kühnen Sprung von oben hinab in das Waſſer zu wagen fiel die Stute, ſchlug ſie mit dem Reiter über, ſo war er verloren. Schon ſchickte er ſich an, das Aeußerſte zu wagen, als hinter ihm ein Schuß fiel.

(Fortſetzung folgt.)

Sin Kbenteuer am wilden Gaisberg.

(Mit Abbildung auf Seite 373.)

Ich ſoll einen Text zu meinem eigenen Bilde ſchreiben. Das Daheim meint, das Bild müſſe ſeine Geſchichte haben, und dieſe Geſchichte würde die Leſer intereſſiren. Allerdings, es hat ſeine Geſchichte, für mich iſt ſie intereſſant genug, ob auch für andere? Nun, es mag ſein, denn es iſt jedenfalls eine der bizarreſten und ſeltenſten Scenen des Thierreichs, die ich in wilder Hochgebirgsnatur zu beobachten das Glück hatte, und die ich dann ſpäter in der fried⸗ lichen Muße des Ateliers aus der lebendigen Erinnerung auf die Leinwand bannen konnte.

Es mag wohl ſelten vergnügtere Menſchen gegeben haben, als uns drei Düſſeldorfer Maler, die wir in dem ſchönen Frühſommer des vergangenen Jahres unſer Standquartier auf der Engſtelen⸗ Alp aufgeſchlagen hatten.

Vielleicht nur ſehr wenigen mag dieſes maleriſche Plätzchen be⸗ kannt ſein. Ganz in der Nähe des Titlis, circa 5800 Fuß über dem Meere liegt dieſe Matte, eingeengt von den phantaſtiſchſten Berg⸗ formen, die man ſich nur denken kann. Wir, nämlich Profeſſor L., einer unſerer größten Landſchafter, ein andrer Freund und ich, be⸗ fanden uns ungemein wohl an dieſem abgelegenen, noch wenig von der Touriſtenwelt heimgeſuchten Plätzchen, wir ſchlürften in langen Zügen die Bergluft, malten Studien und füllten unſre Skizzenbücher, und die kleine Geſellſchaft, welche der Zufall außer uns noch zuſam⸗ mengeführt hatte, gab uns die nöthige Abwechſelung. Sie beſtand aus den gewöhnlichen Elementen der Schweizerreiſenden, bis auf zwei Menſchen, die mich bald in höherem Maße intereſſirten. Es waren offenbar Vater und Sohn. Sie waren ohne Führer und Gepäck⸗ träger angekommen, und ſchienen mit dem Wirthe, bei dem wir wohnten, ſehr bekannt zu ſein. Der ältere war eine kernige, derbe Figur mit wettergebräuntem Antlitz; ſtill und einſilbig wie der Vater war auch der Sohn, und dennoch ſprach ſich eine Herzensgüte in den Blicken der beiden aus, daß man gezwungen war, ihre Wortkargheit zu bedauern. Beide waren keine Ausländer, ſondern geborene Schweizer, und obgleich es mir nicht möglich war, ihren Dialekt zu verſtehen, ſo verſtanden ſie doch alles, was wir ſprachen.

Die beiden zogen mich in hohem Grade an, umſomehr, als ich bald vom Wirth erfahren hatte, daß der Zweck ihres Hierſeins die Jagd und zwar die Gemsjagd war. Mein Jägergeblüt wallte bei dem Gedanken, mich dea beiden anſchließen zu können, und ich ver⸗ ſäumte keine Gelegenheit, hier und da ein Wort von meinen Bären⸗ lagden in Norwegen, von dieſer und jener Waidmannsthat fallen zu laſſen, um mich als einen erfahrenen Nimrod zu documentiren. Aber es verfing nichts bei dieſen ſtillen, verſchloſſenen. Leuten, ſo daß ich

mich ſchließlich faſt verletzt zurückzog und mich mit verdoppeltem Eifer

dem Studium des Alpenviehs, der prächtigen, maleriſchen Kühe, Ziegen u. ſ. w. hingab.

So ſaß ich eines Tages malend an der Farbenſkizze des großen, mächtigen Muni, des Stiers, der die Bewunderung, aber auch die geheime Furcht aller Anweſenden erregte. Da ſiel von rückwärts

ein Schatten auf das Blatt vor mir es war der Alte, der auf

dem weichen Raſen unhörbar ſich genähert hatte. Er betrachtete mit Wohlgefallen die beinahe fertige Skizze und meinte, der kleine Herr müſſe ein Freund und Kenner der Thiere ſein, auch ein Jäger müſſe er ſein, und wenn er einmal was Rechtes ſehen wolle, ſo ſolle er mitkommen, wenn ſie'naufmachten, ihnen ſolle es recht ſein. Das Eis war gebrochen, der Muni hatte mir die Thür zum Herzen des Alten aufgeſchloſſen.

Ich bedankte mich für ſeine gute Meinung von mir, und einige Tage ſpäter, nachdem wir inzwiſchen recht vertraut geworden waren, legte ich mich eines ſchönen Abends um 8 Uhr mit dem Bewußtſein nieder, daß wir am nächſten Morgen mit Tagesgrauen unſern erſten Pürſchgang auf Gemſen machen würden.

Mein Schlummer war nicht von langer Dauer. Die Aufre⸗ gung trieb mich ſchon um eilf Uhr hinunter, wo ich den Alten und ſeinen Sohn, eine Pfeife rauchend, am Feuer ſitzend fand.

Er ſowohl wie ſein Sohn hatten ſich nicht zur Ruhe gelegt. Hab's mir ſchon gedacht, daß Sie nicht ſchlafen würden, ſprach er;

ſchauen's meine Prophezeihung, fügte er, aus dem Fenſter zeigend,

hinzu. Die ganze Alp, die, als ich mich niederlegte, noch im ſaf⸗ tigſten Grün prangte(es war am 20. Juli), war mit einer fußhohen Schneedecke belegt.Nun, haben's noch Luſt? fragte er lächelnd weiter.Ei gewiß, Kommandant, erwiederte ich, ihn bei ſeinem Titel nennend, den er als Scharfſchützenführer im Sonderbundkriege erhalten;Gewiß geh' ich mit, ich fürchte die Kälte nicht und bin darauf eingerichtet. Wir ließen uns vom Werthe Kaſſee machen, und hierdurch ermuntert und erwärmt, traten wir unſere Wan⸗ derung an.

Es war 1 Uhr, und der Mond verſchwand eben im Nordweſten hinter den Abſchiedshörnern, als wir auf dem Paſſe des Titlis an⸗ kamen. So großartig die Gebirge bei Tage auch wirken, ergreifender iſt der Eindruck und von demüthigendem Ernſte in der nächtlichen Stille. Kein Laut läßt ſich vernehmen, nicht das geringſte Geräuſch; keine Spur von Vegetation iſt zu gewahren, denn die kleinen verkrüppelten Stauden verdeckt der friſchgefallene Schnee. In der Ferne, gen Oſten lichtet ſich ſchwach der Horizont. Die gewaltigen Formen des Titlis trennen ſich kaum von der Luft, nur der Schnee bringt einzelne in ſchwachen Umriſſen zur Geltung. Doch wir laſſen den Titlis rechts liegen, und wenden uns links über Felsblöcke und durch Geröll dem

4

noch f Gais geathn üter bechri war i Gaisb bedeckt pikant unang Seile, zu ſteh Schuß unſeres an und gegeni ſelben bald! für C wandt Aufre könne und hinab kamen herunt Zwiſch deſſen friſche ſo mu des S ſteigen ſo ver Flucht nach u mer ſehen ſeitige über l