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„Das iſt der Gaſthof,“ ſagte ſie endlich und wünſchte mir eine gute Nacht.
Es ſah keineswegs„gaſtlich“ aus: das Gebäude ſchien dunkel, und die Hausthüre war geſchloſſen. Wie ich dieſe öffne, fühlte ich mich plötzlich am Arme ergriffen, und eine Frauenſtimme rief:
„Kommſt Du endlich! Ich fürchtete ſchon, es ſei Dir was zugeſtoßen!“
„Ja,“ ſprach eine zweite Stimme, die einem jüngern Weſen anzugehören ſchien;„ſag bloß, wo haſt Du dich ſo lange herum⸗ getrieben?!“
Und jetzt bemächtigte man ſich auch meines andern Arms, den eine weiche warme Hand umſchloß.
„Guten Abend, meine Damen!“ ſprach ich mit möglichſt tiefer Stimme.
„Jeſus Maria! Ein Fremder!“¹kreiſchten ſie und liefen davon.
Erſt nach einer Weile kehrten ſie zurück, eine ältliche Frau und ein junges ſchwarzäugiges Mädchen; aber zögernden Schrittes, mit ängſtlichen Mienen, jede ein brennendes Licht in der Hand, deſſen Schein ſie auf mich fallen ließen, worauf ſie mich wie einen Dieb oder Räuber vom Hute bis zu den Stiefeln muſterten.
„Was iſt Ihnen denn gefällig?“ fragte die ältere.
„Zimmer und Abendeſſen,“ erklärte ich.
„Ah,“ meinte ſie etwas erleichtert;„Sie ſind ein Reiſender. Mein Mann iſt leider nicht zu Hauſe.“
„Wo ſind denn alle Männer von Winkel hin?“ fragte ich, indem ich mich erinnerte, ſchon einmal heute Abend die gleiche Klage gehört zu haben.
„Alle zu Jahrmarkt nach Geiſenheim. Mein Mann hat dort noch ein beſonderes Geſchäft: er hebt für die Preußen Soldaten aus. — Und mein Junge iſt auch noch nicht heim; wie ängſtige ich mich um ihn!“ fuhr ſie fort.
In dieſem Augenblicke erſchien der Vermißte, in etwas beſchmutz⸗ tem, zerknitterten Zuſtande, und wurde von der Mutter mit Vor⸗ würfen und Liebkoſungen überhäuft, worum er ſich jedoch wenig zu kümmern ſchien.
Die Frau führte mich in das Gaſtzimmer und machte im Ofen ein Feuer an.—„Es kommen um dieſe Jahreszeit ſelten Fremde,“ ſagte ſie entſchuldigend.
Alsbald kehrte auch der Hausherr heim. Er war wie ein echter Rheingauer anzuſehen, von unterſetzter, beleibter Geſtalt, mit gemüth⸗ lichem, purpurfarbenem Vollmondsgeſicht und kleinen, runden, braunen Augen, die aus der Maſſe von Fleiſch und Fett klug und behaglich in ris Wol ſahen. Ohne Umſtände begann er vor meinen Augen ſich umzukleiden und nahm dann mir gegenüber Platz.
„Der Gaſthof iſt mir Nebenſache,“ ſagte er im Laufe der Unter⸗ haltung.„Ich habe ihn weniger des Erwerbs, als zu meinem Amü⸗ ſement, um von Zeit zu Zeit mit einem Fremden zu plaudern. Im übrigen bin ich wie Jedermann im Rheingau— Weinbauer. Auch der Tagelöhner ſucht ſich hier nach und nach aus ſeinen Erſparniſſen
einen kleinen„Winger“ oder Weinberg zu kaufen. Der Grundbeſitz i wngenemn: zerſtückelt, und mit dieſer Zerſtückelung geht die Verar⸗ g Hand in Hand, ſo daß von eigentlichem Wohlſtand unter den Rheingauern nicht viel geſprochen werden kann. Jedes Fleckchen Erde iſt bereits benutzt, und mehr Weinberge anzulegen geradezu unmöglich. Auch die Cultur des Weinbaues hat durch die jetzt mehr und mehr ange⸗ pflanzte ſogenannte Rießlingtraube, welche eine reiche, dicht bei einander ſtehende Anzahl von Beeren, dazu überaus ſaftreich und von kräftig ſäuerlichem Geſchmack liefert, durch die Aus⸗ und Spätleſe und die vorzügliche Kellerbehandlung der Weine eine große Hebung und Verede⸗ lung erreicht. Wie einſt im alten Egypten pflegen auch im Rhein⸗ gau regelmäßig 7 ſchlechte Jahre mit 7 guten abzuwechſeln. Gute Weine gedeihen in ſehr trockenen Jahren, und durch künſtliches Faulen⸗ laſſen der Trauben, was Gergens, Weinhändler zu Rüdesheim erfunden, indem er die Trauben auf die Gefahr des Erfrierens hin — iſt auch ſchon mehrere Male eingetreten— bis zum 15. November und länger hängen ließ. 1865 war ein geſegnetes Jahr, neben 1862 das geſegnetſte in der Periode der 7 guten Jahre, aber mit 1866 hat wieder die Reihe der ſchlechten Jahre begonnen. Doch der Rhein⸗ gauer iſt darauf vorbereitet und muß, wenn er ſein Geld zu Rathe hält, die 7 ſchlechten Jahre ertragen können. Wir bauen im Rhein⸗ gau gerade nicht viel Wein, dafür aber faſt gar keinen geringen;
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drüben in der„Pfalz“— wie wir hier zu Lande Rheinheſſen nennen — iſt es gerade umgekehrt: man baut dort zehnmal ſo viel Wein, aber er ſchmeckt auch darnach. Dort wird der Wein ſtark galliſirt, was bei uns noch gar nicht geſchehen; ich bin auch entſchieden dagegen, nach meiner Meinung muß der Rheingauer nur gute Weine verkaufen und Preiſe halten. In guten Jahren iſt es gar nicht ſelten, das Stückfaß (1500 Flaſchen) mit 6— 8000 Gulden, im Einzelverkauf die Flaſche mit 5— 10 Gulden bezahlt zu erhalten. Davon läßt ſich dann ſchon eine Weile zehren.—
„Das eigentliche Unweſen, unter dem der Rheingau verkümmert, iſt, wie ich ſchon ſagte, die unbegrenzte Parcellirung, und hier müßte die preußiſche Regierung durchbeſchränkende Geſetze einſchreiten. Die Bevöl⸗ kerung iſt eine dichte, die Ehe meiſt kinderreich. Da nun der Grundſatz. gleicher Theilung unter den Kindern vorherrſcht, zerſplittert ſich der Grundbeſitz mit jeder Vererbung mehr und mehr. Ueberhaupt ſtrebt jeder Rheingauer nach Grundeigenthum, und in böſen Jahren verkauft ein ſchlechter oder ohne ſeine Schuld heruntergekommener Wirth einen Winger nach dem andern. Wie ſegensreich dagegen das Zuſammen⸗ halten der Grundſtücke wirkt, davon will ich Ihnen eine kurze Ge⸗ ſchichte erzählen.
„Als ich noch ein Kind war, ſtarb hier am Orte ein Winzer. Der hinterließ ſieben erwachſene Söhne, aber nur einen mäßig großen und dazu noch ziemlich verſchuldeten Weinberg. Da ſprach der älteſte zu den Brüdern, die Verkauf oder Theilung verlangten: Wenn wir verkaufen, bleibt uns wenig mehr übrig, als die Schulden zu be⸗ zahlen. Wenn wir theilen, erhält jeder einen Fetzen Landes, von dem allein er doch nicht leben kann, ſondern er muß bei größeren Weingärtnern tagelöhnern. Darum iſt mein Vorſchlag: Laßt uns zuſammen bleiben und unſer Erbe gemeinſam bewirthſchaften; freilich darf keiner von uns einſtweilen heirathen, ſondern wir alle müſſen ſelber und fleißig arbeiten und ſparſam haushalten.— Es koſtete ihm nicht wenig Ueberredung, ehe die Brüder auf ſeinen Plan eingingen. Als ſie ſich aber einmal dazu entſchloſſen hatten, thaten ſie auch dar⸗ nach und ſchafften wacker und geduldig. Sie wohnten in ihrem Häuschen friedlich beiſammen, man ſah ſie nie in der Schenke, aber ſtets in ihrem Weinberg, wo ſie vom frühen Morgen bis ſpäten Abend gruben, hackten und Dünger trugen. Es war gerade die Periode der ſieben ſchlechten Jahre, allein ihr Schweiß und ihre Umſicht blieb doch nicht ohne Frucht; ſchon im dritten oder vierten Jahre beſaßen ſie ihr Erbe ſchuldenfrei. Dann kamen die ſieben guten Jahre und mit ihnen reiche Leſe und herrliche Trauben. Die Brüder legten ein hübſches Stück Geld bei Seite und konnten ſich trotzdem jetzt manches gönnen, was ſie bisher entbehrt hatten. Endlich meinten ſie, daß der älteſte nun wohl auch heirathen könne, und er that's; ein Paar Jahre darnach nahm auch der zweite eine Frau, und allmählich folgten ihm auch die anderen dann nach. jeder ſein eigenes Haus, wo er mit Weib und Kind behaglich lebte, aber den Weinberg beſtellten und ernteten ſie gemeinſam nach wie vor und bis an ihr ſpätes Ende. Jeder von ihnen wurde im Laufe der Zeit ein wohlhabender Mann, ein Mann von etwa 50— 60,000 Gulden. Einer lebt noch heute in dieſen glücklichen Umſtänden, die anderen ſind geſtorben; deren Kinder haben wieder getheilt und ſind natürlich dadurch um vieles zurückgekommen.“
„Eine höchſt lehrreiche Geſchichte,“ ſagte ich,„deren in die Augen ſpringende Moral Ihre Landsleute mehr beherzigen ſellt 4
„Das liegt nicht im Charakter des Rheingauers. Er ei
Lebemann und Genußtmenſch, und er nimmt das Wort:„Sorget ni icht 3
für den nächſten Morgen“ buchſtäblich. Das Blut rollt ihm gar leicht und warm durch die Adern, denn er trinkt den Wein, den er baut. Schon dem Neugeborenen wird ein Löffel des heimiſchen Gewächſes in den Mund geſchüttet. Der Rheingauer trinkt gern und viel, und wegen des feurigen, ſchwer verdaulichen Charakters unſerer Weine muß er ſtark und gut eſſen; kein Wunder, daß ſein ganzer Erwerb meiſt von Speiſe und Trank verzehrt wird. Er erreicht ſelten ein hohes Alter und neigt zu Schlagflüſſen, zumal er den jungen, im Leibe noch nachgährenden Wein zu trinken liebt. Unter der jüngeren Ge⸗ neration freilich fängt dieſer Gebrauch an, vernünftigerweiſe mehr und mehr in Abnahme zu kommen.“
„Auf den Rheingau!“ unterbrach ich meinen Berichterſtatter, dem die Zunge zuſehends trockner wurde, und ſtieß mit ihm an.— „Sie ſcheinen im Lande gründlich Beſcheid zu wiſſen. Was ſagen
Mit der Verheirathung baute ſich
die Leute zu der Annexion, ſind ſie gern Preußen geworden?“


