Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
363
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laſſen mit der peinlichſten Scrupuloſität erfüllt hat; er ſchwur, nie wieder eine Waffe zuberühren. Nach ſechs Duellen, in denen er ſich, ſelbſt ſeine Gegner betheuern es, mit großer Tapfer⸗ keit geſchlagen, durfte er dies ſchon wagen, ohne daß der ſo ſpöttiſche Geiſt der Franzoſen ihm Feigheit vorwerfen konnte.

Schon im nächſten Jahre ſollte dieſes Gelübde auf eine harte Probe geſtellt werden, als der Schriftſteller Bergeron im Theater der großen Opera, Angeſichts des Hofes und der Elite des Pariſer Publi⸗ cums, ihn öffentlich... ohrfeigte. Girardin forderte ihn nicht, und die Gerichte rächten allein den ſo ſchimpflich beleidigten Chefredacteur derPreſſe.

X*

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Unſer Raum geſtattet uns nicht, das Schickſal derPreſſe Schritt für Schritt zu verfolgen. Ein Blatt ohne politiſche Färbung, deſſen einziges Beſtreben das iſt, immer mehr Abonnenten zu ſam⸗ meln, und das, um zu dieſem Zwecke zu gelangen, heute dem Strome der öffentlichen Meinung ſchmeichelt und morgen ihm reſolut ent⸗

gegentritt ein ſolches Blatt hat eine Geſchichte für ſich, über die man

ein ganzes Werk ſchreiben könnte.

Herr von Girardin iſt Millionär, alle Oppoſition der Schrift⸗ ſtellerwelt iſt ihm gewichen; von allen gehaßt, von den meiſten ſelbſt verachtet, beugen ſich dennoch alle vor ſeinem unbeſtreitbaren Einfluß auf die öffentliche Meinung. Von ſeinen Collegen in der Depu⸗ tirtenkammer mit beleidigendem Stillſchweigen geduldet, wagt es den⸗ noch niemand, ihm entgegen zu treten. Wir könnten Seiten um Seiten ſchreiben, hunderte von Thatſachen erzählen, die das ſo eben Geſagte beſtätigen, doch, wie geſagt, der Raum fehlt uns hier dazu.

Da bricht der Sturm des Jahres 1848 los der Sturm, den Herr von Girardin vorhergeſehen und dem er ſich geſchickt entzogen, in⸗ dem er 14 Tage vor dem Ausbruche der Revolution ſeine Entlaſſung als Deputirter genommen hatte. Beim erſten Zeichen der Revolution eilt er in die Tuilerien, und der Rath, den er dem Könige zu ertheilen wagt und der natürlich mit Verachtung abgewieſen wird iſt der einzig richtige, der einzig annehmbare, zu dem man ſechsunddreißig Stunden nachher ſeine Zuflucht als einzige Rettung nimmt im Augen⸗ blick, wo es zu ſpät iſt. Der Redacteur derPreſſe verlangte: Ab⸗ dankung des Königs Louis Philipp, Regentſchaft der Herzogin von Orleans und ein liberales Miniſterium. Es war zu ſpät, als man alles dieſes gewährte; der Thron des Sohnes Philipp Egalités ſtürzte morſch zuſammen, und die Republik zog mit Lamartine in das alte Königsſchloß. Jetzt wird diePreſſe ſocialiſtiſch, ſie ver⸗ theidigt den Arbeiter gegen den Arbeitgeber und hier findet Herr von Girardin einen ſo empfänglichen Boden, daß die Abonnenten wieder in Maſſen zuſtrömen und General Cavaignac, dem das Par⸗ lament eine discretionäre Gewalt gegeben hat, ihn während der Junirevolution verhaften und elf Tage im Zellengefängniß ſitzen läßt. Er rächt ſich, indem er nach ſeiner Befreiung den ganzen Ein⸗ fluß ſeines Journals dem Prinzen Louis Napoleon zur Verfügung ſtellt und ſo deſſen Candidatur zur Präſidentſchaft der Republik weſent⸗ lich fördert. Als der General Cavaignac das Staatsruder nieder⸗ legt und der jetzige Kaiſer die Oberleitung der Republik übernimmt, wird Girardin eine einflußreiche Perſönlichkeit; jedoch diePreſſe ſcheint bald ihre Rolle ausgeſpielt zu haben, ſie ſinkt während der Präſidentſchaft bis auf 8000 Abonnenten, und das alte Manöver, ſich der Oppoſition in die Arme zu werfen, ſcheint nichts mehr zu helfen. Da bricht der Staatsſtreich aus, und der künftige Cäſar ſpielt dem Herrn von Girardin den böſen Streich, ihn unbehelligt zu laſſen, was ihn in den Augen des Publicums gänzlich discreditirt. Nachdem die Ruhe wieder hergeſtellt iſt, ergreift er noch einmal das Steuerruder derPreſſe, bringt ſie durch eine übermenſchliche Kraft⸗

anſtrengung auf 35,000 Abonnenten, und als er dieſes Reſultat er⸗

zielt, verkauft er ſie für 400,000 Franken.

363 Gelübde, das er ein jeder muß ihm die Gerechtigkeit widerfahren

.... Bis 1859 zieht ſich Herr von Girardin aus dem jour⸗ naliſtiſchen Leben zurück und widmet ſich gänzlich den Speculationen; er kauft eine große Menge Häuſer in alten Straßen zu ſehr niedrigem Preiſe, und es findet ſich merkwürdiger Weiſe faſt immer nach einiger Zeit, daß dieſe Straßen von der Stadt beſtimmt ſind, niederge⸗ riſſen zu werden und ſo die Beſitzer, wie man weiß, ſtets überaus hoch entſchädigt werden. Es iſt genug über dieſe Speculationen des Herrn von Girardin geredet und geſchrieben worden, und auswärtige Blätter haben zur Genüge dieſes unerhörte Glück ihren Betrachtungen und Anſpielungen unterworfen. Wir wiſſen nicht, welche Geſchäfte Herr von Girardin außerdem noch trieb, doch im Jahre 1859 können wir mit Beſtimmtheit behaupten, daß er ein Vermögen beſaß, welches man auf ein Minimum von 300,000 Franken jährlicher Einkünfte berechnete. Im nächſtfolgenden Jahre kaufte er diePreſſe, die jetzt bei 6000 Abonnenten vegetirte, für den Preis von 70,000 Franken, und wie ſehr dieſer Mann den Stempel ſeiner Individualität auf das Publicum gedrückt hat, geht klar genug aus dem Umſtande hervor, daß die bloße Anzeige, er übernehme wieder die Redaction, dem Journal in einer Woche 10,000 neue Abonnenten zuführte.

Herr von Girardin hatte nach dem italieniſchen Feldzuge be⸗ griffen, daß ein neues Feld ſich in Frankreich für einen napoleo⸗ niſchen Liberalismus darböte; er wandte ſich dem Prinzen Na⸗ poleon zu, und unter ſeinen Auſpicien brachte er diePreſſe wie⸗ derum dermaßen zur Geltung, daß er dieſelbe vor zwei Jahren um das Dreifache wieder verkaufen konnte.

Der perſönliche Einfluß des Herrn von Girardin, der es jetzt zur Aufgabe ſeiner Feder gemacht zu haben ſcheint, den Franzoſen die Wohlthaten des Friedens in allen Tonarten zu preiſen, iſt in den letzten Jahren ſo gewachſen, daß er, wie der Leſer weiß, in der Wen⸗ dung der kaiſerlichen Politik der letzten Tage eine bedeutende Rolle geſpielt hat. Doch iſt hier nicht der Ort, dieſes weiter zu erörtern.

Herr von Girardin iſt heute 61 Jahre alt, iſt einer der reichſten Particuliers Frankreichs, ſein Name iſt für alle Zeiten der Vergeſſen⸗ heit entriſſen er hat ſich nach dem Tode ſeiner erſten Frau mit einer Dame, die, wie man ſagt, von väterlicher Seite aus einem jüngſt depoſſedirten deutſchen Fürſtengeſchlechte ſtammt, verheirathet; er hat den fabelhafteſten Traum, den wohl je ein von Vater und Mutter verſtoßenes Kind geträumt hat, realiſirt; die Welt, welche dem Götzen Geld huldigt, betrachtet ihn als einen Hohenprieſter ihres Cultus und doch... doch iſt dieſer Mann vielleicht der unglück⸗ lichſte, den Gottes Sonne beleuchtet. Der Schmerz Carrels dauerte 24 Stunden, ehe ihn des Allmächtigen Hand von ſeiner Todesqual erlöſte; der Schmerz Girardins nagt ſeit Jahren an ſeinem Geiſte, und je mehr er ſich in den Strudel des öffentlichen Lebens ſtürzt, deſto tiefer faßt in ihm der alles zernagende Gedanke Wurzeln, daß all ſein Wirken und Schaffen und Ringen und Streben nach irdiſchen Glücksgütern umſonſt geweſen iſt. Herr Emil von Girardin hatte fünfmal die Freude gehabt, Vater zu ſein und wie die, welche ihn kennen, es bezeugen, war dies die größte, die berauſchendſte Freude, die jener Mann, dem ſeine Gegner Herz und Gewiſſen abſprechen, je gefühlt hat!Eine Million für einen Sohn, ſoll er bei ſeiner zweiten Vermählung gerufen haben! und Gott ſchenkte ihm dieſen Sohn... und nach 18 Monaten öffnete ſich ein ſechstes Grab, in das die letzte Hoffnung auf Verwirklichung ſeines heißeſten Wunſches geſenkt wurde.

Er loß ſich einen ganzen Monat in ſein Zimmer ein nach dieſem iahd z niemand ſelbſt ſeine Frau nicht, hatte Zutritt zu ihm; und als er bleich und abgemagert endlich wieder ans Tages⸗ licht kam,.. ging er hin und übernahm die Redaction derLiberté, die 2500 Abonnenten hatte... und die heute zehnmal ſo viel hat!!

Das war würdig desKönigs der Journaliſten den wohl kein Mann von Herz und Gewiſſen um ſeinen Ruhm beneidet.

Schweizeriſche Verkehrs- und Culturbilder.

III.

Im Urwald.

Die Gotthardſtraße ſtiegen wir vor kurzem hinan, gingen ſeitab Waſen, Geſchenen, die Teufelsbrücke, das Urnerloch, Andermatt,

in das Maderanerthal und verweilten in Amſteg. Heute wandern

Hoſpenthal ſind die Namen, an welche ſich eine Fülle von Erinnerungen

wir weiter am Ufer der Reuß auf dem großen Touriſtenwege. Intſchi, knüpft, für jeden, der dieſe großartige Alpenſtraße zu Fuß paſſirte.