ſolchen Untie fen tagtäglich bewegt hatte. Zu welcher Partei dies Journal gehörte, konnte niemand ſagen— Herr von Girardin war nicht der Mann, ſich irgend einer Partei unterzuordnen; er mußte ſeine eigne Partei haben— er mußte ſie ſich ſchaffen, ſie führen, ſie täglich vergrößern, und dieſe Partei, die man mit Unrecht in irgend einer politiſchen oder ſocialen Nüance ſuchen würde, nannte er ſelbſt eben ſo cyniſch wie... genial:—„die Partei der Abon⸗ nenten.“— Was lag ihm daran, ob das, was in ſeiner Zeitung ſtand, wahr oder unwahr, recht oder unrecht, ſchön oder unſchön, tactvoll oder geſchmacklos war? er nahm alles, was pikant, was dem immer ſich erneuernden Drange der Leſer nach Aufregung, nach Neuig⸗ keiten Vorſchub leiſtete. Er war es, der die populäre Medicin neben der populären Wiſſenſchaft in Frankreich einführte, und der Stadt⸗ klatſch der„Preſſe“ machte der„Gazette des tribunaux“ eine fühlbare Concurrenz. Tauchte auf irgend einem Felde, das der Oeffentlichkeit unterliegt, irgend eine Capacität auf, ſo legte Herr v. Girardin vor allen Dingen den Maßſtab ſeiner Protection oder ſeiner Verwerfung an den Charakter des Menſchen. War es ein energiſcher, aben⸗ teuerlicher, unverſchämter Charakter, der dem ſeinen glich, ſo konnte man eins gegen zehn wetten, daß er ſich ſeiner annahm und einen großen Mann aus ihm machte, indem er ihn und ſeine Leiſtungen tagtäglich in die Welt hinauspoſaunte;— war es dagegen eine jener ſchüchternen, beſcheidenen und oft ſo reellen Capacitäten, wie es deren in allen Ländern gibt, die aus Gewiſſenhaftigkeit die Reclame ſcheuen und ihre Gaben der Wiſſenſchaft oder dem Wohle des Landes zu Liebe ausbilden und ſogar häufig... opfern— ſo hatte ein ſolcher Mann den Chefredacteur der„Preſſe“ ſicherlich zum Feinde.— Er iſt der Er⸗ finder dieſes abſcheulichen, ſchändlichen Syſtems, was wir in Deutſch⸗ land noch bezeichnender als die Franzoſen:—„Todtſchweigen“ nennen!— Er gab ſeinen Redacteuren und Mitarbeitern Befehle, wie ein Paſcha ſeinen Janitſcharen— und auf der Stelle entließ er den, der es wagte, irgend eines Mannes zu erwähnen, dem er nicht wohl wollte... und wenn auch dieſer Mann ganz Paris in Aufre⸗ gung verſetzte... Herr v. Girardin ignorirte in ſeiner Zeitung, die es einmal bis zu 120,000 Abonnenten gebracht hat— dieſen Mann, .. und wie man ſagt, hat mehr als einer ſein Haupt im Stillen vor dem Redacteur der„Preſſe“ gebeugt, den man gewohnt war, den Stürmen der Tribüne und der öffentlichen Meinung eine trotzige Stirn bieten zu ſehen.— Wir führen hier zwei Namen an, die den Leſer gewiß in Erſtaunen ſetzen werden: Guizot und Thiers.
Doch daß in einem Lande, wie Frankreich, die Schriftſteller⸗ welt, welche ſich die„geiſtige Elite der Nation“ nennt, und die trotz aller Verhältniſſe ſich ein gewiſſes Decorum zu erhalten gewußt hat, nicht ohne Oppoſition ſich dieſes Aufdringen des“„literariſchen Schwin⸗ dels“ gefallen ließ, kann ſich der Leſer wohl vorſtellen.
Als man begriff, daß die Angriffe in den Journalen nur dazu dienten, der„Preſſe“ neue Abonnenten zu ſchaffen, hielt man ſich an Herrn von Girardin ſelbſt, und es verging faſt keine Woche, wo nicht ein beleidigter Schriftſteller das Recht zu haben glaubte, dem Re⸗ dacteur der„Preſſe“ eine Forderung zuzuſchicken.— Doch hatte Herr von Girardin ſich bald das traurige Recht erworben, alle Forderun⸗ gen zurückweiſen zu können. Er hatte ſich ſchon viermal duellirt, als Herr Degouve⸗Denuncques ihn öffentlich beſchuldigte, er habe ſich und ſein Journal dem Miniſterium verkauft. Die geſellſchaftliche Stellung des Anklägers, von welchem man wußte, daß ſeine ſich weit erſtreckenden perſönlichen Beziehungen ihn in den Stand ſetzten, vieles zu wiſſen, was anderen verborgen war, gab dieſer Anklage ein ganz beſonderes Gewicht. Herr von Girardin durfte nicht war⸗ ten, bis ihn die öffentliche Meinung dazu zwang, ſich eine Genug⸗ thuung zu verſchaffen, ſondern er mußte ihr zuvorkommen; zum erſten Male in ſeinem Leben war er der Fordernde in einem Duelle, zum erſten Male in ſeiner journaliſtiſchen Carriere ſchien man ihm wirk⸗
lich Unrecht gethan zu haben, und Herr von Girardin war nicht der.
Mann, der unterlaſſen konnte, dieſes Unrecht zu Gunſten ſeines ge⸗ ſchäftlichen Vortheiles auszubeuten. Herr Degouve⸗Denuncques nahm die Forderung, welche auf Piſtolen lautete, augenblicklich an;— es wurde ihm nachgeſagt, daß er in der Hantirung jeglicher Waffe eine nicht gewöhnliche Geſchicklichkeit beſäße... vierundzwanzig Stunden lang war Herr von Girardin wirklich in einer Gefahr, von der er ſelbſt vielleicht keine Ahnung hatte und die ſeine Freunde alle Sorge trugen, ihm zu verbergen. Auf dem Kampfplatz, wo das
36² fahr noch um das Doppelte, denn das glückliche Loos traf den Gegner 3
des Redacteurs der„Preſſe“.
einer Geſellſchaft geſagt haben:„Ich bin überzeugt, daß ich nicht allein Frankreich, ſondern der Menſchheit einen Dienſt erweiſe, wenn ich auf dieſen Menſchen ſchieße, denn Girardin iſt nicht ein Menſch, er iſt eine Krankheit, die bald Frankreichs Grenzen über⸗ ſchritten und das Herzblut der Literatur vergiftet haben wird.“
Und er ſchoß mit ruhigem Gewiſſen und mit ruhiger Hand auf dieſen Mann, deſſen Leben dem Tode geweiht zu ſein ſchien und... fehlte.— Keine Muskel hatte auf dem Geſichte des Journaliſten ge⸗ zuckt, und als ſeine Secundanten ihm ein Zeichen gaben, daß er jetzt ſchießen ſollte, nahm er ſeine Piſtole in die linke Hand, verbeugte ſich kalt vor ſeinem Gegner und... feuerte in die Luft. Jetzt bemäch⸗ tigte ſich dieſes eine unbeſchreibliche Wuth, er forderte, er verlangte, daß Girardin noch einmal auf ihn ſchöſſe, doch nichts konnte ihn dazu bewegen:„Ich bin bereit,“ ſagte er,—
ſchießen.“
die„Preſſe“ gewann tauſende von neuen Abonnenten. Herr von
Girardin, dem es gelungen war, ſich durch dieſes Duell eine Stellung zu gewinnen, in der ſelbſt der ſerupulöſeſte Ehrenmann nicht den
geringſten Tadel finden konnte, unterließ es natürlich nicht, dieſelbe
genugſam zu Gunſten ſeiner Intereſſen auszubeuten und wie ein Alp
auf die geſammte franzöſiſche Literatur zu drücken.
Es war nicht eine Epoche, wie die heutige, wo der Geiſt commer⸗
cieller Speculation alles beherrſcht, und wo man, anſtatt ſich mit
Herrn von Girardin zu duelliren, einfach verſuchen würde, ihm Con⸗
currenz zu machen. und nicht allein der Journalismus, ſondern auch die Buchhändler und Verleger, denn Herr von Girardin hatte das Feuilleton der Pariſer Welt in ſeiner jetzigen Geſtalt erfunden und hatte die beſten und in⸗ tereſſanteſten Arbeiten der beliebteſten Romanſchreiber zu Preiſen an ſich gebracht, die damals einem Buchhändler als das Non plus ultra des Märchenhaften erſchienen.
Wir müſſen jetzt einer entſcheidenden Epiſode im Leben Girardins erwähnen,— und nicht ohne Schmerzen erwähnen— einer Epiſode, von der man anfangs glaubte, ſie würde ſeinem Leben als Wende⸗ punkt dienen, die jedoch für ihn kein anderes Ergebniß hatte, als ſein Leben auf jener unheilvollen Bahn, die er einmal betreten, un⸗ widerruflich zu fixiren. Armand Carrel, der Director des Journals „Le National“, das edelſte ſchriftſtelleriſche Genie ſeiner Epoche,
den Angriffen des Redacteurs der„Preſſe“ widerſtehen; er ſchickte ihm eine Forderung, und als ſeine beſten Freunde ihm darüber Vor⸗ würfe machten, antwortete er:
Händen ſeines Arztes ſich befand; dieſer erhob ſeinen Kopf, und als
Carrel eine Leiche.
Es war ein Glück für Herrn von Girardin, daß ſeine Gen⸗ ſung einige Monate dauerte und daß ſo die Zeit den Eindruck minderte, den dieſe grauſe That ſelbſt auf den Geiſt des ſo lei fertigen Pariſer Publicums hervorbrachte. Er oder wenigſtens Unternehmen wären ſonſt ſicherlich der allgemeinen Erbitterun⸗
—
Loos den bezeichnete, welcher den erſten Schuß hatte, wuchs dieſe Ge⸗
terlegen. Nach ſeiner vollſtändigen Geneſung that er ein öffe
—*
Herr Degouve⸗Denuncques ſoll am Abend vor dem Duell in
„das Duell von neuem anzufangen, aber nichts ſoll mich vermögen, auf jenen Herrn zu
Ganz Paris, wie leicht vorauszuſehen, war in Bewegung, und
Der Journalismus ſah ſich ernſtlich bedroht,
der loyalſte und biederſte Charakter ſeiner Zeit, konnte nicht lange
„So lange die Geſellſchaft noch keine Geſetze hat, um einen ſolchen Menſchen aus ihrer Mitte zu ver⸗ bannen, bis dahin iſt das einzige Recht, unter deſſen Schutz man ſeine beleidigte Ehre ihm gegenüber ſtellen kann... das Fauſtrecht.“
Das Duell fand Statt; Carrel ſchoß zuerſt, und ſeine Kugel traf Herrn von Girardin oberhalb des Knies. Mit zitternder Hand, mit trübem Blicke drückte Girardin die Piſtole ab, und mit einem Schmerzensſeufzer, im Unterleib getroffen, ſank Armand Carrel, der in ſo vielen Schlachten dem Tode entronnen war, zuſammen. Man trug ihn faſt leblos an der Stelle vorbei, wo Girardin unter den
er die vor Schmerz verzerrten Züge Carrels ſah, ſagte er mit leiſer, mitleidsvoller Stimme:„Sie leiden gewiß ſehr viel, Herr Carrel.“ Der Sterbende richtete ſich mit ſeiner letzten Kraft in die Höhe: „Mögen Sie, Herr von Girardin,“ entgegnete er mit klangloſer Stimme, doch mit klarem, ruhig leuchtendem Blicke,„mögen Sienie in Ihrem ganzen Leben mehr zu leiden haben, als ich von meiner Todeswunde!“— Selbſt die Secundanten Girardins beugten das
Haupt, Girardin ward ohnmächtig... und am andern Morgen war
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