ſich all die fröhlichen Kinderköpfe angeſtrengt hatten im Erſinnen des glänzenden Blumenſchmuckes. Den Kleinen in der Gemeine galt das Feſt!
Nach Tiſch verſammelte ſich die Gemeine zum zweiten Mal: diesmal aber betrat der Prediger den Lehrſtuhl nicht, um die Ver⸗ ſammlung in Gottes Wort zu unterweiſen, ſondern nach einem kurzen Dankgebet wurde ein Liedervers nach dem andern geſungen; dazwiſchen ertönte Orgelſpiel, und zu beiden Thüren traten die Diener und Dienerinnen der Gemeine ein; ſie trugen auf breiten Platten zierliche Taſſen, in welchen Thee eingeſchenkt war, und weiße Körbe mit Brötchen gefüllt; mit freundlichen Blicken durchſchritten ſie die Reihen der Gemeineglieder und bedienten einen jeden mit der einfachen Koſt. Während der Mahlzeit wurde auf der Orgel, unter Be⸗ gleitung von Poſaunen und Flöten, eine Feſtcantate aufgeführt. Die Kinder, die in bunten Reihen auf niedrigen Bänken zu den Füßen ihrer Mütter ſaßen, griffen begierig zu; auch die Erwachſenen ließen ſich's wohl ſchmecken— alles trug den Stempel wohlgeordneter Sitte, und der Anblick dieſer Feier war ein vollkommen erbaulicher. Zum Schluſſe wurde noch ein Danklied geſungen, und in größter Stille ging die Verſammlung auseinander.
Wir haben einer„Agape,“ einem„Liebesmahle“ beigewohnt, wie es nach dem Vorbild der apoſtoliſchen Kirche die Brüderge⸗ meine heute noch hält. Voll des Eindrucks dieſer Feier, durch⸗ wandern wir nun das Dorf, und ſehen uns die Niederlaſſung der „Brüder“ an.
Wahrlich, wer nach einem Leben voll Mühſal und Arbeit einen ſtillen Platz ſuchen wollte, wo ſich Leib und Seele ausruhen können in ungetrübtem Frieden, der müßte ihn in Königsfeld finden.
Beim Anblick dieſer Bergeshöhen, dieſes Dörfleins, das ſo traulich geborgen iſt im Schutze des Waldes, klingen unwillkürlich in unſerer Bruſt die Worte unſeres größten Dichters nach, wenn er ſingt:
Der Du von dem Himmel biſt,
Alles Leid und Schmerzen ſtilleſt,
Den, der doppelt elend iſt,
Doppelt mit Erquickung fülleſt,—
Ach! ich bin des Treibens müde;
Was ſoll all der Schmerz und Luſt? Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Bruſt!
Das lautet wie ein Nachklang aus Goethes Umgang mit Fräu⸗ lein von Klettenberg und aus ſeinen Berührungen mit der Brüder⸗ gemeine, von der er in ſeinem Buche„Wahrheit und Dichtung“ ſagt: „Die Brüdergemeine hat hierin etwas Magiſches, daß ſie den Zuſtand der apoſtoliſchen Kirche fortzuſetzen, ja zu verewigen ſcheint. Sie knüpfte ihren Urſprung an die erſten Zeiten an, ſie war niemals fertig geworden, ſie hatte ſich nur in unbemerkten Ranken durch die rohe Welt durchgewunden; nun ſchlug ein einzelnes Auge unter dem Schutz eines frommen, vorzüglichen Mannes Wurzel, um ſich abermals aus unmerklichen, zufällig ſcheinenden Anfängen weit über die Welt aus⸗ zubreiten. Der wichtigſte Punkt hierbei war der, daß man die religiöſe und bürgerliche Verfaſſung in Eins zuſammenſchlang, ja, was noch mehr war, das göttliche Oberhaupt der Gemeine ward auch zur Len⸗ kung weltlicher Angelegenheiten berufen, und ſeine Antwort durch den Ausſpruch des Looſes mit Ergebenheit vernommen.... Die treff⸗ lichen Männer, die ich auf dem Synodus zu Marienborn kennen lernte, hatten meine ganze Verehrung gewonnen, und es wäre nur auf ſie angekommen, mich zu dem ihrigen zu machen.“ Die einfachen Herrnhuter Bruder, die nicht einmal den Namen des Dichters richtig zu ſchreiben wußten, mögen wohl nicht geahnt haben, welch berühmter Gaſt ſich unter die Abgeordneten der ihnen befreundeten Städte ge⸗
miſſcht hatte, und wie fein das Urtheil war, das er über ſie in ſein
weltverbreitetes Buch aufgenommen hatte!*)
Friedlich und freundlich ſieht alles in und um Königsfeld aus: ſowohl das Dorf ſelbſt, als die Anlagen, die es auf der einen Seite begrenzen; überall ſind Ruheplätze für Spaziergänger angebracht, da wandeln in den ſchattigen Alleen die„Schweſtern“ in Geſpräche vertieft, weiter tummelt ſich eine Schar fröhlicher Kinder auf dem
*) Im Diarium von Marienborn heißt es am 21. September 1769: „Der Herr Legations⸗Rath Moritz, der den jungen Herrn„Jedde“ in ſeiner Geſellſchaft hatte, und nebſt demſelben recht vergnügt bei uns geweſen war, retournirten heut nach Frankfurt.“
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360 V Raſen umher; wir ſchlagen den Weg ein, der zum Friedhof der Ge⸗
meine führt. Auf dem weißgemalten Thore leſen wir die Worte: wir, ſo leben wir dem Herrn, ſterben wir, ſo ſterben wir dem Herrn.“
Es iſt ein blühender Garten, in den wir eingetreten ſind; zu unſern 1 Füßen ſchlummern die Gemeineglieder; wie in ihrer Kirche, ſind ſie
auch auf ihrem Gottesacker in Gruppen getrennt: der breite Weg ſcheidet die Männer von den Frauen, und jede Altersſtufe und Lebeus⸗
lage hat ihre eigens angewieſene Stelle. Alle Gräber ſind mit einem
liegenden Steine von derſelben Form bezeichnet, auf welchem nur der Name des Verſtorbenen und der Tag ſeiner Geburt ſtehen; darunter
leſen wir das Datum des Todes, mit dem Worte:„Heimgegangen.“
— Die einfachen Leichenſteine, umgeben von vielen Blumen und von hohen Tannen beſchattet, verleihen dieſem Friedhof ein Gepräge von wohlthuender Ordnung, der uns an keinem andern Ort in ähnlicher Weiſe entgegengetreten iſt.
Das ſtürmiſche Herz, das in dem Dörfchen den Lebensfrieden finden möchte, könnte nirgends eine ſtillere Ruheſtätte finden, als in dieſem Garten, wo der Tod alle ſeine Schrecken verloren hat.
Ueber dieſem„Gottesacker“ hin, tönen an jedem Oſtermorgen die Klänge des Liedes:„Chriſt iſt erſtanden,“ und an den Gräbern ihrer vorangegangenen Lieben ſingt die Gemeine die troſtesvollen Worte von der Auferſtehung und vom ewigen Leben.— Sobald der Oſterſonntag graut, ſtrömt Jung und Alt in den Betſaal; Poſaunen⸗ töne zittern durch die tiefe Stille der Frühlingsnacht, und nach dem Gruße:„Chriſtus iſt auferſtanden,“„Der Herr iſt wahrhaftig auf⸗ erſtanden,“ ordnet ſich die ganze Gemeine zu einem langen Zug, der beim Strahlen des Morgenrothes hinauswallt auf die Gräber der Heimgegangenen. Mit gefalteten Händen umgibt ſie die geſchmückten Grabhügel; nun fällt der erſte Strahl der Sonne auf die Berggipfel, die Poſaunen erheben ihre feierliche Melodie, die Gemeine ſtimmt ein mit vollem Geſang, und zwiſchen Prediger und Gemeine wird die Oſterliturgie geſprochen, in welcher die Verſammelten ihr feſtes Vertrauen auf die ſelige Auferſtehung bekennen. Inſonderheit werden die Namen der im verfloſſenen Jahre verſtorbenen Brüder und Schweſtern einzeln genannt:„Ich glaube, daß unſer Bruder N. N. zur obern Gemeine gefahren und eingegangen iſt zu ſeines Herrn Freude, ſein Leib iſt hier begraben, den wird Chriſtus einſt beim Erwachen ſeinem verklärten Leibe ähnlich machen.“— An dieſen Gräbern werden nie Thränen hoffnungsloſen Leides geweint, nie Worte verzweifelten Abſchiedsſchmerzes ausgeſtoßen: in hellen Kleidern betritt eine Trauer⸗ verſammlung den Friedhof; ſelbſt die Wittwe trägt kein anderes Zeichen äußeren Leides, als ein weißes Band. Der Tod iſt für ſie alle nur der Eingang in eine bleibende Heimat nach einer kurzen Wanderzeit.
Aus dem Friedhof heraus führt uns eine prächtige Allee in das Dorf zurück; wir treten in einen ganz anderen Hof ein: es iſt der⸗ jenige, der die Knabenanſtalt umgibt. Vierzig, fünfzig Buben, von kräftigem Ausſehen, ſonnenverbrannt und luftgebräunt ſpielen da in derſelben Weiſe, wie ſonſt in der ganzen Welt; ſie laufen, ſpringen, toben, ſchreien deutſch, franzöſiſch und engliſch durcheinander, tummeln
ſich umher und rennen auf und ab in unbeſchränktem Vergnügen.
Mitten unter ihnen bemerken wir einige junge Männer, die ſich in die Spiele miſchen, und an denſelben in der ungezwungenſten Weiſe Theil nehmen. Ueber dem Lärm hört man ſein eigen Wort nicht;
da plötzlich ſchlägt die Stunde, einer der Lehrer gibt ein Zeichen, und
wie mit einem Schlag ſtellen ſich die Knaben in Reih und Glied und
ziehen ganz ordentlich und ruhig in ihre Stube. Daß hier keine
Kopfhänger erzogen werden, haben wir zur Genüge geſehen, und was wir von der Erziehungsweiſe der Brüdergemeine wiſſen und von ihren Erfolgen geſehen haben, reicht hin, um uns dieſelbe als eine höchſt zweckmäßige erſcheinen zu laſſen. Mit großer Feſtigkeit die unermüdlichſte Geduld zu verbinden, iſt ein Hauptaugenmerk der Er⸗ zieher; Eingehen auf die Gemüths⸗ und Geiſtesanlagen jedes einzelnen Zöglings der große Vorzug ihrer Methode, dadurch ermöglicht, daß an jeder Penſionsanſtalt eine hinreichende Anzahl von Arbeitern be⸗
ſchäftigt iſt. Zu den äußeren religiöſen Uebungen, zu den Religions⸗
ſtunden und den Gottesdienſten, die in den Gemeinen öfter als ſonſt irgendwo ſtattfinden, werden die Kinder, die von fremden Eltern ihrer Erziehung anvertraut ſind, in keiner Weiſe gezwungen; die ganze Lebensweiſe der Anſtalten iſt ſo eingerichtet, daß der Beſuch der ge⸗ meinſamen Andachten von ſelbſt bald die liebſte Freude der Kinde
„ Leben
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Eeminar i bildt. Di der Gemein gehören, d niſſen aufs
Wir Inſpectori ſonſt allent betreten w gemeinſam der Gemeit wir treffen! ſcheinlich g wird, was große Bach reitet wir welcher m Inſpectori und aus g ſonderheit richt anven hier die M zoe Kohr ſchauen fu ihre Zeit unnd die C Feſſte unte Außer de nmit unged bevorſtehe Ikein Wei eit; da Iaus Stei leſenen K Spiele g. viel mach und leben Schar kle walds a Anführu in vollen Wi
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