Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
351
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Das perſönliche, Element, die Charakteriſtik der handelnden Peſſönlichkeiten iſt nicht minder ein Mittel, den Stoff dramatiſch zu beleben. Denn auf der lebendigen Wechſelwirkung des perſönlichen und allgemeinen Lebens ruht die ganze Geſchichte. So ſoll auch der Geſchichtsſchreiber etwas von einem Herzenskündiger haben, der die That durchſchaut und bis zum Sein, der Quelle der That, hindurchzudringen ſucht. Ranke hat nicht ſelten kleine Meiſterſtücke individueller Charakteriſtik geliefert: hiſtoriſche Porträts wie von Philipp II., von den Königinnen Maria und Eliſabeth von England, von Ludwig XIV., von einer ganzen Reihe von Päpſten, von mancher andern Größe der Geſchichte. Doch iſt er auch hier ſpröde und ent⸗ haltſam. Er ſagt ſelbſt einmal(Engl. Geſch. III., 427):Nicht allerlei Zufälligkeiten, Sitte und Art des Lebens, noch einzelne Aeuße⸗ rungen oder auf einen beſtimmten Zweck berechnete Reden legen den Charakter eines hiſtoriſchen Mannes dar; in ſeinen Handlungen und großen Momenten erſcheint derſelbe. Aber auch hier, auf dem ver⸗ führeriſchen Gebiet ſubjectiver Gefühle, des Haſſes oder der Liebe, iiſt er der echte, objective und realiſtiſche Hiſtoriker. Er räſonnirt nicht, er malt durch Aneinanderreihung ſchlagender thatſächlicher Züge faſt moſaikartig und bewegt ſich ſo ſtets auf dem feſten Boden des Factiſchen. Freilich fühlen wir bei dieſem Verfahren mitunter einen Mangel..

Wo der Geſchichtsſchreiber großen ſchöpferiſchen Naturen, oder gar fanatiſch und dämoniſch wirkenden gegenübergeſtellt iſt, muß er über die Schranken des äußerlich Thatſächlichen hinausgehen. Einem Luther, Cromwell, Knox, der Gewalt der Leidenſchaften, dem Gähren und Stürmen in der Seele großer Menſchen, den Ge⸗ burtswehen weltgeſchichtlicher Thaten gegenüber ſcheint Rankes Art und Kunſt nicht immer auszureichen. Aber freilich, was heißt es auch, bei Charakteren von ſolchem Gepräge, auf der ſchwindelnden Höhe des Lebens geboren oder zu ihr hinaufgehoben, die vor allem doch in Thaten reden, Blicke in das Werden und die innere Werk⸗ ſlatt zu werfen! Hier liegt für eine wahrhaftige und gewiſſenhafte

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Natur die Reſignation ſo nahe und die Anerkennung, daß die

menſchliche Perſönlichkeit und in ihren höchſten Erhebungen am weiſten hinausragt über die Dieſſeitigkeit der Geſchichte. Manch⸗ mal ſcheint uns Ranke nicht genug mitzuleben mit den Perſön⸗ lchkeiten, ſie faſt antheillos, als wären es Naturerſcheinungen, zu hetrachten und zu behandeln. Aber bei einem Manne, deſſen Leben und Weſen eins geworden iſt mit geſchichtlichem Leben, ſollte da dieſe ſcheinbare Kälte nicht vielmehr eine Unterdrückung natürlicher Gefühle, als Reſultat eines wiſſenſchaftlichen und ethiſchen Proceſſes ſein?

Das dritte Mittel, deſſen ſich Ranke bedient, um die Geſchichts⸗ maſſen in Fluß zu bringen, iſt die Gliederung, Grup⸗ pirung und innere Belebung der Ereigniſſe. Dieſe Kunſt iſt bei ihm ungemein. Alle ſeine Werke heben mit weit ausgeholten Ein⸗ bitungen an, in denen die allgemeinſten und früheſten Zuſtände der Nation gezeichnet werden. Nur in den weiteſten Grundlinien tritt

zuerſt die Volksgeſchichte auf und ihre Phyſiognomie. Dann ſchwillt die Stoffmaſſe an, der Strom vertieft ſich, je näher der Autor an ſeinen Hauptgegenſtand heranrückt. Und hier verfährt er nie blos annaliſtiſch oder chronologiſch, vielmehr nach inneren Gründen und Geſichtspunkten. Da iſt es denn für den Leſer ein wahrer Genuß, der durchdringenden Spürkraft zu folgen, mit welcher Ranke durch das Labyrinth der europäiſchen Politik des 16. und 17. Jahrhunderts den Faden und die Leuchte trägt. Die Geheimniſſe der Cabinette werden mit dem Feinſinn des Diplomaten enthüllt, die Actenſtücke, auf denen er fußt, gleichſam belebt, indem er ſie an die handelnden Perſonen anſchließt. ſich in des Meiſters Hand, der bei ſeinem univerſalen Ueberblick nie an der Politik eines Staates haften bleibt, immer auf das Ganze der europäiſchen Politik den Blick gerichtet hält, den Zuſammenhang innerer und auswärtiger Politik wie kein anderer durchſchaut. In dieſer Combinationsgabe ſteht Ranke auf unerreichter Höhe.

Die Kritik hat unſere Geſchichtsſchreibung von der Philologie gelernt, die Auffindung der leitenden Geſetze von der Theologie und Philoſophie, die ſchöne Darſtellung(mehr noch als von der Antike) von der klaſſiſchen Zeit unſerer Dichtung. Ohne Leſſing und Goethe kein Ranke! Er hat die Muſe der Geſchichte gleichſam erſt reden gelehrt. Sein Stil feſſelt durch Wohllaut und Anmuth. Da er mehr ſchildert und charakteriſirt als erzählt, ſo nimmt ſein Ausdruck die Farbe thatſächlicher Kürze an, eine Sprache, die, von der Schwere des Stoffs und dem ſubjectiven Ringen des Autors frei ge⸗ worden, leicht und licht dahinſchwebt. Nicht gerade ſprachbildneriſche Fülle und Tiefe herrſcht in ſeinen Werken. Die klargeſchliffenen Sätze, der geſammte Wortſchatz ſchließt ſich dem gebildeten und hergebrachten Sprachgebrauch an. Kein Pathos, keine kühnen Bilder, kein Salz draſtiſchen Witzes, keine markige Diction, aber elegant, durchſichtig, ſachlich, dabei beſonders in den früheren Werken unge⸗ mein friſch und feſſelnd.

Ich breche ab. Hier und heute kam es nur auf eine kurze Skizze und einen einfachen Act der Pietät, hoher Verehrung an.

Ranke ſagt ſelbſt einmal(Engl. Geſch. I., 469):In jedem großen Leben wird ein Augenblick eintreten, wo die Seele empfindet, daß ſie nicht in der gegenwärtigen Welt aufgeht, und ſich von der⸗ ſelben zurückzieht.

Mitten unter dem Glanz ſeines Ehrentages, der weit über die vaterländiſchen Grenzen hinaus ein vielſtimmiges Echo gefunden hat, mögen ihn verwandte Stimmungen beherrſcht hyaben. Auch wir haben uns dem Zuge ſeiner Schüler und Verehrer, die am 20. Februar nach dem Haus in der ſtillen Luiſenſtraße zogen, in Gedanken ange⸗ ſchloſſen. Die Nation beſitzt in dieſem Manne viel, unendlich viel, den Vater der modernen Geſchichtsſchreibung auf deutſchem Boden. Der Doctorhut, der ihm vor 50 Jahren auf die jugendliche Stirn gedrückt wurde, iſt auf dem grauen Haupte zum Lorbeerkranz geworden. Und der wird bei Mit⸗ und Nachwelt unzerpflückt darauf ruhen bleiben.

Ein Bild ins Familienzimmer. (Zu dem Bilde auf Seite 341.) Es war wieder einmal im alten, lieben Eiſenach! Wieder einmal der Beg nach der Wartburg eingeſchlagen! Oben, wo das enge Gäßchen rechts obbiegt vom Markt, blickt uns das Schaufenſter eines Photographen entge⸗

Veen, und eilig ſuchen wir Thüringer Schönheiten, von denen Wahrheit und

Dichtung ſo Mannichfaches berichtet hat! Aber wir ſehen meiſt, wenn auch

ute, nur Wild⸗, Wald⸗ und Weidmannsbilder, d. h. Porträts Eiſenach

hat eine Forſtſchule nur in der Mitte des Fenſters feſſelt ein Genrebild unſern Blick! Das iſt nett, ſehr nett!Ja wo habe ich denn das ſchon ge⸗ ſhhen? Ja wo denn nur gleich? So bei uns grübelnd bemerken wir krum die lächelnde Miene eines jungen Mannes, der neben dem Photographie⸗ krſten in die Thüre getreten iſt.Ja wo hab' ich denn das ſchon geſehen? Nirgends noch als hier antwortete derſelbe.Wie ſo?Beliebt's dem Herrn einzutreten, ſo ſollen Sie den Grund erfahren!

Wir folgen ihm und befinden uns in dem Atelier eines Malers, ein Ate⸗ ler, wie das manches anderen! Die Wände mit Bleiſtift⸗, Kohlen⸗ und Krei⸗ tezeichnungen(meiſt Genre) bedeckt, aber mitten unter denſelben neben den Porträts von alten Graubärten und Charakterköpfen, neben dem Engelsgeſichte eener aufblühenden Jungfrau, neben Oelgemälden heitern und traurigen Cha⸗ iacters, da erblicken wir das Original, deſſen Photographie uns ſo anzog! Ein Stück Leben aus einer Familie, ein Stück Leben aus unſerer fröhlichen Pünglingszeit; eine ganze Geſchichte, ein Meer von Erinnerungen!Wie rennen Sie das Bild?Suchen Sie ſich ſelbſt den Namen!

Am Jamilientiſche.

Und in der That, hier ſteigt in geſunden, unverkümmerten, lebensfriſchen Herzen die lebendige Erinnerung auf an die herrliche Studienzeit, als wir das erſte Mal als Studenten die erſte Ferienreiſe in die liebe Heimat antraten, als wir von den Lieben mit lautem Jubel empfangen wurden! Den ganzen Morgen ſchon hat das kleine Annchen, der kleine Franz den Vater, einen wür⸗ digen Geiſtlichen, der emſig an der Sonntagspredigt arbeitet, gequält mit Fragen:Kommt nur der Fritz noch nicht bald? Das ſtille, liebe Mutter⸗ herz ſucht in raſtloſer Geſchäftigkeit ſeine freudige Unruhe zu bergen! Sis iſt eben dran, noch einen guten Kuchen zu backen! Die Nichte, die ihr ſonſt zur Hand geht, räumt eben das Studierſtübchen für den Fritz ein, manchmal durch die Weinreben ausſpähend auf die Landſtraße, ob denn derBruder Studio noch nicht ſich zeige! Sie hat den Vetter Fritz lange, lange nicht ge⸗ ſehen! Damals war er noch ein Kind, ſie mit! Jetzt iſt er ein Student! Und ſie? Was hat nicht der Onkel ſchon alles von den Studenten erzählt! Ach, ſie ſchauen auch gern nach hübſchen Mädchen und raſch wirft ſie einen Blick in den Spiegel, leiſe erröthend ſie iſt eine Jungfrau geworden. Sorglicher wird das Lätzchen am Buſen feſtgeſteckt, und das kleine Kämmchen glättet die ſchwellenden Haare. Wo iſt denn aber Wilhelm nur?Nach⸗ mittag, ſo hatte der Papa zu dem kleinen Springinsfeld im ernſten Tone geſprochen,wirſt du im Bröder die Präpoſitionen auswendig lernen. Aber auf meinem Zimmer! Nach langem Bitten läßt ſich der Vater erweichen, daß er's unten in der Malvenlaube thun darf. Der⸗Vater klopft die lange Pfeife aus, und laut erſchallt es an ſein Ohr:Ante, apud, ad, adversum! Aber kaum iſt das Fenſter zugeklappt huſch, iſt Wilhelm durch die Malven⸗

Das vielverſchlungene wirre Gewebe entwirrt