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büſche— behutſam ausſpähend ſchmiegt er ſich das Thal entlang aus dem it einili Bereich des Pfarrhauſes und vorwärts geht es!„Wo willſt an henn hin, Ein Abenteuer mit civiliſirten Wilden.. Wilhelm?“ fragt Kantors Lisbeth!—„Dem Fritz entgegen!“—„Kommt Vor einiger Zeit wurde ein junger Franzoſe, der San Plas, einen Hafenort dder heute bei Euch?“—„Ja,“ iſt die lakoniſche Antwort, und vorwärts geht in Californien bewohnt, durch dringende Geſchäfte nach San Juan, etwa es!„Es wäre wirklich Unrecht,“ murmelt er für ſich hin,„wenn niemand 12 Stunden davon entfernt, gerufen. Er brach früh morgens auf und hoffte deem Fritz entgegenginge! So lange nicht dageweſen! Der Vater kann abends bei guter Zeit an ſeinem Ziele anzulangen. Sein Weg führte durch nicht böſe ſein! Die alten Präpoſitionen! Na, ich lerne ſie heute Abend eine waldreiche Gegend, welche die Grenze zwiſchen der civiliſirten Welt und
noch! Ach! und wenn der Fritz kommt, da iſt der Vater gut 14 den Wohnſtätten der Wilden bildet, wo der Amerikaner und die Rothhäute Annchen und Franz merken auch nichts, daß der kleine Lateiner ausge⸗ gar oft einander begegnen. 4 4 ’ kniffen iſt! Die haben mehr zu thun!„Meine jungen Hunde muß er zuerſt Die Reiſe ging ohne Aufenthalt von Statten. Einige Ranchos(Farm⸗
ſehen,“ ruft Franz und ſo ſehr auch der alte Bello ſich zur Wehr ſetzen will, häuſer) boten hier und da dem jungen Manne einen gaſtfreundlichen Ruhe⸗ ſie werden doch aus der Hütte yervorgeholt, dort neben der Regentonne wird punkt, und er hatte mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt, als ein ent⸗
der Milchnapf hingeſetzt, und da manſchen und tolpeln nun die drei kleinen ſetzliches Unwetter losbrach, das ihn lange Zeit in einem gluͤcklich noch er⸗ Köter darin herum, der Schnarps und der Schnorr und der Spitz!“—„Nein, reichten Rancho zurückhielt. Die Wichtigkeit ſeiner Geſchäfte trieb ihn indes meine Küchelchen,“ ſchreit Annchen!„Geh weg mit deinen garſtigen Hunden, trotz der nahen Dunkelheit vorwärts, ſobald der Sturm vorüber war. die kleinen Buttchen fürchten ſich!“ Seit zwei Stunden wanderte er an dem Saume eines dichten Tannen⸗ Da mit einem Male:„der Fritz, der Fritz iſt da!“ ſtürzen die Kleinen und Eichenwaldes entlang; von Zeit zu Zeit verſetzten ihn eine Antilope, ein durchs Hofthor. Aber ſchon eilt die Mutter, welche den Kommenden durchs Schakal oder andere wilde Thiere in Schrecken, doch kam er unverſehrt vorbei, Küchenfenſter erblickte, ihrem Sohne entgegen. Selig ruht der Blick auf der da.. plötzlich erblickt er in geringer Entfernung fünf oder ſechs Apaches, ſchlanken, ſchmucken Geſtalt, und was iſt das erſte, das die Mutter thut, nach die ſich mit einander zu berathen ſchienen. der erſten Umarmung? Sie ſtreicht ihm die langen Locken aus dem Geſichte Er ſah auf den erſten Blick, daß ſie zu jener als ſehr grauſam bekannten und blickt dem Sohne ins Auge. Noch iſt es rein, noch kann es der Mutter Völkerſchaft gehörten; er unterſchied deutlich ihre Geſtalten und ihre fanta⸗ Zlick ertragen, und nun preßt ſie den Sohn voller Freude an ſich! Man ſtiſch tätowirten Körper, ihre mit Federn geſchmückten Köpfe und ihre herab⸗ ſteht's dem Burſchen auch an, daß er noch geſund iſt an Leib und Seele, der fallenden Kleider; mit Bogen und Flinten bewaffnet ſaßen ſie im Kreiſe be⸗ freie Blick, das ſtrahlende Geſicht voll jugendlicher Freude, keine Spuren wild rathend zuſammen. Am meiſten aber beunruhigte den jungen Mann ein auf durchſchwelgter und verlüderter Nächte, die freie Bruſt, die knappe Kleidung, der Erde ausgeſtreckter Körper, den er nicht näher zu erkennen vermochte, der die Hände nicht verhüllt mit läſtigem Glacé, die Haare nicht à la mode ge⸗ aber ganz verhüllt und feſtgebunden zu ſein ſchien. 4 ſcheitelt, auf dem Rücken das leichte Ränzchen! Aber damit der Vater auch Was konnte dieſer Körper ſein? war es ein Gefangener, der Leichnam ſieht, daß der Herr Sohn ſtudirt hat, da ſind wohlweislich die Collegienhefte eines Schlachtopfers? Indes das war die geringſte Sorge des Franzoſen. unter die Decke gepackt, daß ſie ſofort ins Auge fallen! Mit welchen Sorgen Er ſann nur darauf, vorbeizukommen, ohne von den Wilden geſehen zu wer⸗ hat das liebe Mutterherz den Sohn in die Jenaer Univerſitätsſtadt entlaſſen!! den— erblickten ſie ihn, ſo war es um ihn geſchehen: was vermochte er allein,
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drängt ſich eben Annchen zwiſchen Mutter und Sohn, ihre Händchen hoch⸗ und fern zu ſehen.. er tritt weiter heraus, ſchreitet ein wenig vorwärts..
V Der Vater vermag ſie zu beruhigen, er hat auch ſtudirt! Aber oft hat ſich des ſo gut bewaffnet er auch war, gegen ein halbes Dutzend ſolcher Feinde? l Nachts ein heißes Gebet emporgeſchlichen zu Gottes Vaterherzen:„Erhalte Vorſichtig ſchlüpfte er hinter das Geſträuch, indem er am Boden hin⸗ mir ihn geſund an Leib und Seele!“ Und welche Gedanken beſchäftigen ſie kroch, wenn daſſelbe zu niedrig war, um ihn genügend zu verbergen. Ver⸗ jetzt? Was das heißeſte Sehnen ihres Herzens war, ſie ſieht es erfüllt vor gebliche Anſtrengung! Die Wilden, deren Geſicht und Gehör ſo überaus de ſich ſtehen. Ein Blick hat ſie deſſen belehrt, der Blick ins Auge! ſcharf iſt, waren bereits auf ihn aufmerkſam geworden— ſie ſtürzen dem Im Hintergrunde in der Thür ſteht des Pfarrers würdige Geſtalt, ſtill⸗ Orte zu, wo er ſich weiterſchleichen will— nur zwei bleiben bei dem erwähn⸗ vergnügt über den Anblick zur Nichte gewandt:„Sieh, dasit der Fritz!“ Und ten Gegenſtand zurück. In Todesangſt ſetzt der Unglückliche ſeinen Weg fort. die? Verlegen hat ſie ſich an der Seite des Onkels eingefunden bei der Freuden⸗— endlich gewahrt er einen ausgehöhlten Baum und verbirgt ſich darin. III. 3 nachricht! Die rechte Hand macht ſich etwas zu ſchaffen am Halskräuschen, Unbeweglich, faſt athemlos wartet er in ſeinem Verſteck... ganz nahe hört er und in Gedanken legt ſie die linke auf den Onkel. Was ſind denn das für die ſich einander zurufenden Feinde— dann wird alles plötzlich ſtill. Er Gedanken?„Ei! Studenten ſehen hübſch aus, und beſonders der Vetter wartet, wartet... endlich wagt er es, aus ſeinem Verſtecke ein wenig her⸗ Fritz! Was ſollſt Du zu ihm ſagen? Wie ſollſt Du ihn begrüßen?“ Da auszublicken und die nächſte Umgebung zu recognosciren... niemand nahe
haltend:„Aber Fritz, gib mir doch'ne Hand 1 und Franz, ſeiner Schütz⸗ da mit einem Male taucht ein tätowirter Kopf empor, das Schreien und die linge vergeſſend, der zerrt den Fritz am Rocke:„Ach, der ſchöne Rock und die Jagd beginnen aufs neue... einen Augenblick hofft er ihnen entwiſcht zu ſein E vielen Schnuren darauf! Zu was ſind denn die? Höre, Fritz(da fällt's... nicht die mindeſte Spur ſeiner Feinde mehr zu entdecken... da, als er ihm wieder ein) der Bello hat drei Junge!“ und der Bello, das alte Familien⸗ dennoch mit Vorſicht längs eines Pfades dahinſchreitet, hört er auf ein Mal I ſtück, tanzt auf zwei Beinen vor Freude! Der kleine Spitz guckt ſeiner Nama einen Schrei vor und hinter ſich. Jeder weitere Gedanke an Flucht war Der 9 ganz verwundert zu, er hat ſie blos zanken hören, wenn der ſtolze Haushahn unmöglich— ein Kampf war unvermeidlich, und es blieb ihm nichts übrig, von N jfeinmal zu nahe der Hütte kam, aber dieſer Taumel vor Freude, der will ihm als ſein Leben theuer zu verkaufen. So lehnte er ſich denn gegen eine Eiche, on Neu⸗. nicht in den Kopf. Schnorps, ach was kümmert ihn das Geräuſch, jetzt hielt ſeine Flinte bereit und wartete. den Man gehört ihm die Milch allein, denn Schnorr kämpft mißmuthig mit ſchwarz⸗ Die Wilden kamen näher, ſchreiend und alle Arten von Zeichen machend, er den S vooctigen Soldaten. Aehnlich verhält ſich die Gruppe der Küchelchen. Nur die er nicht verſtand. Als ſie nahe genug waren, um verſtanden zu werden, der Pate ein kleines Hühnchen ſchaut ſich keck die Familie und ihre Herrin an. Der hielt einer von ihnen an und warf ſeine Flinte zu Boden. 3 1 beſorgte Vater hat ſchon längſt wegen Bellos ungeberdigen Betragens ſeine„Haben Sie keine Furcht,“ ſagte er in gutem Engliſch;„wir wollen nühungen ” ſchrillende Kriegstrompete ertönen laſſen und hebt bedächtig den geſpornten Ihnen nichts zu Leide thun.“ zurück— Fuß; nur ein Küchelchen hat des Vaters Ruf verſtanden, der Stolz deſſelben, Der Reiſende ſtutzte— der tätowirte Wilde ſprach engliſch viel beſſer des Patere V und hebt in gleichem Schritte die Beinchen, gerade ſo wie Wilhelm, der eben als er ſelbſt. Dennoch war ſein Mißtrauen nicht ganz gewichen. Da warfen nete Sid durchs Hofthor mit majeſtätiſchem Schritte eintritt. Er hatte den Vor⸗ alle ihre Flinten nieder, um ihn vollends zu beruhigen, und er folgte ihrem e 2 if ſprung benützt, um dem Fritz Stock, Pfeife und Mütze abzulocken; vor Beiſpiel. Bald war er in ihrer Mitte— ſeine Hand ruhte indes noch auf preeufer dem Hofthore hatte er die Hoſen aufgeſtreift und Kanonenſtiefeln gemacht, einem Revolver, den er in der Taſche trug, um ihn bei der erſten verdächti⸗ die Diefe wie ſie der Fritz trägt, und nun die Mütze auf dem Kopfe, den ſchweren gen Bewegung herauszuziehen. wpollte übe Ziegenhainer in der Hand, die lange Pfeife im Munde, den Blick verächt⸗„Wenn Sie uns gleich angehört hätten, anſtatt zu fliehen,“ ſagte nun dehnte 6 lich auf alles hingeſchleudert, ſtolzirt der kleine Student herein, des Momen⸗ der erſte Sprecher unter den Wilden,„würden weder Sie noch wir ſo viel u 5 tees erharrend, wo die Augen der Familie ſeiner anſichtig werden. Wie zu laufen nöthig gehabt haben. Kommen Sie von San Plas?“—„Ja.“ vohnte de G ein Lauffener verbreitet es ſich natürlich im Dorfe, daß„Pfarrſch Fritze“—„Wir wollen dorthin. Können Sie uns ſagen, ob der Steamer Eldora⸗ Holzladun 7 oder„Pfarrſch Studioſes“ da iſt. Und wie ſollte es auch nicht? Der alte Krug⸗ do ſchon abgefahren iſt?“—„Nein, er fährt erſt übermorgen ab; aber was derte. H G wiirth ſchenkte eben dem„Schandarm“ en Spanſchbittern ein, als er die Straße kümmert Sie das?“—„O, ſehr viel. Sehen Sie dort unſere zwei Freunde?6 daßl Rherkam, und Bürgermeiſters Jette, die dort auf dem Geländer mit dem—„Ja; gerade jener ſo feſtgebundene Körper, den ſie bewachen, hat mich ſo luſſe Kleekorbe ruhte, die hat's ja geſehen, und Bäckers Ludwig ſagte ja auch gleich erſchreckt; ich glaubte, es ſei die Leiche eines Weißen.“— Die Wilden brachen zunderte n zu ihr:„Siehſte Jette, Du guckſt doch nur heute nach dem hübſchen Studenten, in ein lautes Gelächter aus.—„Die Leiche eines Weißen! Wiſſen Sie, was Nende de ddenn Du haſt mir nicht einmal Heil geboten, als ich Dich grüßte.“—„Ach es iſt? Ein Modell unſerer in einen Cederſtamm geſchnittenen Bote mit llche big 1 geh nur!“ ſagte ſie.—— ſeinen Rudern und Fiſchgeräthſchaften.“—„Aber warum führen Sie das ih d 17 Wie uns die beredte Sprache des Bildes mit ſeinen dem Leben ſo treu mit ſolcher Sorgfalt in den Wäldern umher?“—„Um es in San Plas au 4 8: abgelauſchten, naturwüchſigen Zügen mächtig angezogen, wird ſie ſicher auch dem Eldorado einzuſchiffen; wir wollen es zur Weltausſtellung nach Paris ſas Boc eeinen gleichen Anklang finden in dem großen Leſerkreiſe des Daheim, und wird ſenden. Der Sturm hat uns aufgehalten— deshalb war uns ſo viel daran der Kah dem jungen Künſtler Härtel, einem Schüler Prellers und Wislicenus, gelegen, zu wiſſen, wann der Eldorado abfahren würde.“ 1 ehntt
Bf n 3— 3 1 Ekde 5 4. überall Freunde gewinnen. Solch ein Bild gehört in der That in das Fa⸗ Man kann ſich das Erſtaunen des jungen Franzoſen vorſtellen, der es in⸗ über milienzimmer; denn wie es einem offenen Sinne für die einfachen Freuden des doch für gerathen fand, mit ſeinen neugewonnenen Freunden die Nacht.
ddes Familienlebens entſproſſen, ſo wird es auch ſicher dazu beitragen, einen zuzubringen, da nicht alle Apaches ſo civiliſirt ſind, daß ſie die Pariſer Welt⸗ der Se ſoolchen in rechter Weiſe zu pflegen und zu fördern. C. F. ausſtellung beſchicken. P. J. ifen, ———— 5 Gr Inhalt: Ein Beſuch beim General von der Tann.— Das Geheimniß des Fürſtenhauſes.(Fortſ.) Von Georg Hiltl.— Leopold v. Ranke. neha Mit Porträt.— Am Familientiſche: Ein Bild ins Familienzimmer. Zu der Illuſtr.: Die Heimkehr des Studenten.— Ein Abenteuer. u⸗ —— ſen 7
Vaahl Vaut de ſ
Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.
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Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Delhagen* Klafing in Bielefeld und Bertin.— Druck von Liſcher a Wittig in Leipzig..
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