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macht Euch rar. Sollte das Gezänk mit der Tina daran Schuld ſein? Kümmert Euch doch darum nicht. Henning wird mir täglich ſtiller.—„Ich habe genug zu thun,“ ſagte Oelven,„und weiß, daß ich der Jungfer nicht willkommen bin. Henning iſt verliebt— je nun, ich kann's ihm nicht verdenken, aber da bin ich füberflüſſig.“ —„SHenning liebt Euch auch, Oelven.“—
„Ich weiß es, Papa Ringwald, ich weiß es, aber Weiber brin⸗ gen alles auseinander, Henning iſt ein braver Junge, aber zu ſtill, zu in ſich gekehrt. Komme ich nun mit einem heitern Witze, fordere ich ihn auf, mit mir herumzuſtreifen, gleich iſt die ſchöne Tina dahinter und ſchreit mich bei Muhmen und Baſen als Verführer aus. Sie wird gewiß eine gute Hausfrau, aber ob ſie für Henning ein Weib ſein wird, wie es in Eurem Geſchäfte ſein ſollte,— ich zweifle.“ „Wie meint Ihr das?“—„Je nun, ich meine, eine Frau, die mit ihrem guten Kopfe arbeitet, die auf Unternehmungen ausgeht, die dem Manne ein Sporn iſt, daß ſein Geſchäft ſich erweitere und Früchte bringe. Henning muß einen Treiber hinter ſich haben, er iſt zu läſſig und läßt Gott einen guten Mann ſein; wenn ſich ihm irgend eine gute Gelegenheit aufthäte, etwas Großes zu leiſten, etwas Außerordentliches, was ſelbſt mit Gefahren oder mit Riſicos verknüpft wäre, würde er es unternehmen? nein, ſage ich. Er ſcheut die Bewegung, und daher bleibt er wie eine Schnecke im Hauſe, hebt ſein Geſchäft nicht, wird ein Philiſter. Heutzutage muß man wagen, unternehmen, ſonſt hilft alles nichts. Seht mal die Franzoſen an, die laſſen es darauf ankommen, in die Baſtille zu Paris geſperrt zu werden wegen ſchlimmer Schriften— was thut's? im ärgſten Falle reißen ſie aus nach dem Haag, dort drucken ſie aufs neue— ganze Bibliotheken werden dort gemacht, und das Geld fließt ihnen nur ſo zu. Es gibt Druckerfirmen, die gar nicht exiſtiren— da iſt Herr Marteau in Köln am Rheine— wer iſt es? Niemand hat ihn je geſehen. Hinter dieſem falſchen Namen birgt ſich ſicherlich ein ganz tüchtiger Kerl— der ſchreibt von Ludwig dem Vierzehnten die tollſten Dinge und packt die Jeſuiten an, daß es eine Luſt iſt.“
Oelven warf einen Blick auf Biedekap, der mit einem Gaſte im Geſpräche war, aber dennoch aufmerkſam Oelvens Reden be⸗ horchte und leicht zuſammenfuhr.
„Ja— aber,“ entgegnete der alte Ringwald,„was ſollen wir denn drucken? wir können doch nicht Dinge in die Welt ſchleudern, die uns am Ende den Hals brechen.“—„Pah, man bricht ſo leicht nicht den Hals. Ich habe es Henning oft genug geſagt: Ein recht merkwürdi⸗ ges Ding müßt Ihr drucken. So eine ſonderbare Schilderung vom Pater La Chaiſe oder von den Pulververſchwörungen oder Mord⸗ anſchlägen gegen Wilhelm von Oranien— oder was es iſt, da könnt Ihr Geſchäfte machen, da kommt Geld ein, aber mit Eurem Fibelkram oder mit den Poſtillen werdet Ihr nicht lange dauern, denn ſchon macht Euch Rüdiger die Hölle heiß. Er öffnet bald ſeine Officin, und dann heißt es die Ohren ſteif halten. Ich würde
mich über alles hinwegſetzen, wenn ſich ein gutes Geſchäft böte.“—
„Ihr habt Recht, ganz Recht,“ ſeufzte der Alte,„man muß was wagen. Die Einnahmen ſind ſchlecht genug.“
„Geht Ihr, Meiſter Ringwald?“ fragte plötzlich Biedekap auf⸗ ſtehend.
„Gleich, gleich,“ ſagte der Alte,„gute Nacht, Oelven, laßt Euch bald ſehen.“—„Nehmt mir's nicht für ungut,“ lachte Oelven, „aber ich bin nun ſo. Ich muß Bewegung ſehen, Leben, und wenn Henning mir folgte, wir hätten ſchon längſt etwas unternommen,— ein gutes, tüchtiges Werk, das auch Geld brächte— vielleicht machen wir's noch, wenn die ſchöne Tina vernünftig geworden iſt. Gute Nacht.“
3 Ringwald nahm ſeinen Hut von dem Nagel und ſah ſich halb um, ſchob ſeine Zahlung neben ſeinen Krug und ſagte dann:„Ch, Biedekap, ich denke, Ihr wollt mich geleiten?“—„Ich bin bereit,“ ſagte haſtig der Kammerdiener,„gehen wir.“ Sie ſtiegen, nach Ab⸗ ſchied von den Gäſten, die Treppe hinauf und kamen in die Straße. „Oh— oh—“ ſagte Ringwald, ſich reckend,„welche ſchöne Nacht. Die Luft iſt köſtlich. Da drunten war's toll und heiß.“—„Es iſt wahr,“ meinte der Kammerdiener,„wir haben heute lange gezecht. Ihr hattet zuletzt noch eine Art Streit mit dem lüderlichen Oelven?“ Ringwald blieb ſtehen und ſtieß ſeinen Stock auf den Boden.„Auch Ihr? ſagt mir nur, weshalb ſoll denn der Oelven mit Gewalt lüderlich ſein? ich habe immer nichts als luſtige Dinge von ihm geſehen— nichts Lüderliches, und doch ſchreit alle Welt über
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ihn.“—„Ja— das wird wohl gute Gründe haben,“ verſetzte Bie⸗ dekap.„Ich weiß, daß er ſpielt und mit den Weibern verkehrt.“— „Ihr übertreibtR. Weshalb hätte ihn denn Danckelmann in die Kanzlei genommen?“—„Na— da kommt mancher hinein, der wo anders ſein ſollte. Was ſprach er da vom Drucken?“—„Er ſagte— und mit Recht— daß wir mit der Zeit vorſchreiten, Bücher und Schriften drucken ſollten, die das Volk begierig leſen müßte und wollte, gleichviel, welchen Inhaltes ſie ſeien, nur müßten die Leute eben neugierig und erpicht auf derlei Dinge ſein.“—„Er hat nicht Unrecht,“ ſagte Biedekap nachdenklich.„Ich war lange nicht bei Euch, Ringwald, aber ich höre, Ihr druckt ſehr viel alten Kram, die Hausapotheke von Paulini, die Kinderfibeln mit dem grimmen Bären vom Honigbaume und ſolcher Dinge mehr. Wenn Ihr nur einmal mit etwas Außeror⸗ dentlichem herauskämet.“—„Hm— was ſollte das ſein? bei uns zu Lande iſt die Zahl derer Poeten noch gering und ich bringe doch, was zu bringen iſt, den im Irrgarten der Liebe taumelnden Cavalier, die ſchöne Meluſina ꝛc. Ich habe doch erſt vom Hofe Auftrag erhalten.“ „Gut— ja. Man will Euch wohl— aber das bringt doch nicht ſo viel ein, als Ihr verdienen könntet. Ihr müßtet zum Beiſpiel — auch Dinge drucken, die— ich brauche das Wort— gefährlich ſind. Solche Sachen werden am beſten bezahlt.“ Biedekap beobachtete das Geſicht des alten Druckers aufmerkſam.—„Ich verſtehe Euch nicht ganz,“ ſagte Ringwald.—„Nun,“ fuhr der Kammerdiener fort.„Denkt Euch, es gäbe am Hofe eine Partei, der viel daran läge, dieſes oder jenes in die Welt, unter die Leute gebracht zu ſehen, dieſe Partei hätte nun aber Urſachen ſich zu verbergen, weil— ihre Gegner mächtig ſind, ſie würde aber das Schriftſtück, welches ſie ge⸗ druckt haben wollte, ſchwer— ſehr ſchwer zahlen und der Drucker würde ein gewaltig reicher und angeſehener Mann werden, wenn die Partei dereinſt zum Siege käme— wenn Ihr nun der auserwählte Mann wäret, würdet Ihr Euch beſinnen?“—„Es käme drauf an“ ſagte Ringwald unruhig.—„Denkt Euch den Ruhm— aus Eurer Officin wäre ein Werk hervorgegangen, welches eine große Verän⸗
derung in der Politica hervorbrächte— Ihr hättet das Verdienſt, dieſe Schriften unter die Leute gebracht zu haben, würdet mit tauſenden
von Gulden belohnt und——“—„üUnd könnte Gefahr laufen, in den Kerker zu ſpazieren,“ ſagte Ringwald.—„Muß denn Euer Name auf dem Papier ſtehen?“ fragte Biedekap.—„Laßt Eure Anerkennung ſpäter kommen. Firma anzugeben, drucken.“
In dieſem Augenblicke ſchallte ein gellender Pfiff durch die öde
Straße.„Das war kein Wächterruf,“ ſagte Ringwald. der Nähe zu ſein. Habt Ihr Euren Stock? der meine iſt ſchon bei
der Hand.“ Er ſchwenkte ſein Rohr einige Male durch die Luft.—
Die beiden Spaziergänger horchten auf.
„Was ſagte ich zuletzt?“ fragte Biedekap.—„Ihr ſprachet von dem
Drucken ohne meinen Namen.“—„Richtig, Ihr könntet— wenn Ihr mir folgen wollt, viel verdienen— Ihr wollt ja ohnehin die Gründe bis zum Spitz in Neu⸗Köln kaufen— ja, da müßt Ihr Geld haben.“
Man war unter dieſen Geſprächen bis in die Nähe der Grün⸗ ſtraßenecke gekommen. Die Häuſer warfen lange Schatten über den Damm hin, am Eck der einſamen Gaſſe zogen ſich die Gärten bis gegen das Ufer des Spreefluſſes. Dazwiſchen ſtreckte das kölniſche Rectoratshaus ſeine Giebel in die Lüfte, und die dunkle Mauer des Hoſpitales von St. Gertraud lief wie eine ſchwarze Linie an der
rechten Seite der Straße entlang, nur durch einige Gitterſtäbe unter⸗
brochen, welche den Blick in das Innere des Gartens gewährten. Die beiden Männer ſchritten, ohne zu reden, im leichten Nebel der Nacht weiter.
Wieder pfiff es laut und ſchrillend.„Seht Ihr nicht dort unten an der Ecke etwas?“ fragte Ringwald.„Eure Augen ſind jünger als die meinigen.“—„Wo? ha— da an dem Zaune, der gegen das Waſſer zu hinausgebaut iſt?“—„Ja dort.“„Es iſt ein Mann in der Gaſſe. Was wäre da Seltſames?“—„Man denkt jetzt immer an Geſindel. Die Straßen müſſen gründlich geſäubert werden von ſolchem Geſchmeiß.“ Sie gingen weiter. An der Ecke trat eine zer⸗ lumpte Geſtalt auf ſie zu. Es war ein ſchmächtiger Kerl, der in der Linken ſeinen ſchäbigen Hut hielt und mit kläglicher Stimme um ein Almoſen bat. Ringwalds Hand fuhr in die Taſche ſeines weiten
Rockes.—„Gebt ihm nichts,“ ſagte Biedekap, ſich umwendend.
„Dieſe Leute ſind auf Bettelei eingeübt.“—„O Herr,“ rief der
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