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ſagte er mir beim Abſchiede,„was hat dann ein Mann, wie ich, zu hedeuten? Wenn meine Niederlagen, meine Fehler, ja, wenn Sie wollen, meine Unfähigkeit dazu beigetragen haben, den deutſchen Bau um einen einzigen Eckſtein zu bereichern, dann will ich ſie ſegnen und Gott dafür danken.— Leben Sie wohl! Ich danke Ihnen für Ihren Beſuch— ſchreiben Sie über mich, was Ihnen gutdünkt, aber ſeien Sie gerecht gegen die Armee— ſie hat wahrhaftig Tüchtiges geleiſtet, ſich heldenmüthig geſchlagen,— und ſie wird gegen einen fremden
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Feind vielleicht einſt zeigen, daß Baiern von der Natur zu Deutſch⸗ lands„Vorpoſten“ im Süden beſtimmt iſt.— Wenn ich dann noch lebe, dann möge man mir eine Diviſton geben, dann ſind all meine Wünſche auf Erden erfüllt!... Leben Sie wohl!“
.... Ich glaube, daß ich in meinem Leben nie mit größerer Herzlichkeit und aufrichtigerer Hochachtung eine Hand gedrückt habe, als die, welche der General von der Tann— der ſo ſehr Geſchmähte und Verläumdete— mir beim Abſchiede reichte. M.
Das Geheimniß des Fürſtenhauſes. Novelle von Georg Hiltl. (Fortſetzung.)
Uächtliche Straßenſcene.
Der Rathskeller unter dem Rathhauſe des Stadttheiles Köln war ein ſehr großer behaglicher Raum. Früher hatten hier noch Gefängniſſe gelegen, aber ſeit ungefähr zwanzig Jahren war dieſe Benutzung der Gewölbe ganz verſchwunden. Man hatte die trennen⸗ den Wände niedergeriſſen und dadurch eine große, von Pfeilernzge⸗ tragene und an den Gewölbbogen mit Rippen verſehene Halles ge⸗ wonnen. Eine Treppe von ſehr ausgetretenen Sandſteinſtufen führte in den Keller hinab. Dieſe Treppe betrat man durch eine Thüre gehend, welche auf die Straße führte, die heutzutage Ger⸗ trauden⸗Straße genannt wird, damals aber den Namen„hinter dem Bernauer Keller“ führte.
Man erblickte, wenn man den Rathskeller betrat, ein großes „Schenk“ oder einen Credenztiſch mit unzählig vielen Krügen be⸗ ſtellt. Neben dieſem Tiſche lagen auf ausgehöhlten Bohlen große Fäſſer, vor denen zinnerne Maaße ſtanden. Linker Hand führten zwei Thüren in die unterſten Gewölbe des Rathshauſes, welche die Hauptſchätze an Bier und Fleiſch bargen. Der Rathswirth ſtand hinter einem mit Schieferplatten belegten Tiſche. Er trug eine Zi⸗ pfelmütze und befehligte eine ziemliche Anzahl von Kellnern. Die Erleuchtung dieſes großen Raumes geſchah durch Lampen, deren Arme mittels Ketten an der Decke hingen oder durch kleine eiſerne Leuchter mit ſcharfen Spitzen an ihren Unterſätzen, die man in das Holzge⸗ täfel ſtieß, deſſen Platten das Mauerwerk bis zur Höhe eines Mannes etwa bedeckten.
Auf dem Simſe dieſer Vertäfelung ſtanden ſogenannte„Stamm⸗ krüge“ neben alten Hirſchgeweihen und zerbrochenen Thonfiguren, welche Nachbildungen des berühmten Lübecker Todtentanzes darſtellten und jedenfalls eine ſonderbare Verzierung des Bierkellers bildeten.
An jenem Abende, wo die Unterredung der Hofherren mit dem Pater Wolff ſtattfand, war der Rathskeller ſchon frühzeitig gefüllt. Die Ereigniſſe, welche nach dem Tode des großen Kurfürſten ein⸗ getreten waren, hatten jeden Abend die Bürger zur Beſprechung hier verſammelt. Es bildeten ſich kleine Geſellſchaften, die in ihrer Mitte einen der Eichentiſche nahmen und auf dieſen ihr Stein⸗ oder Zinnkrüge poſtirten. Kaum ſchäumte das Bier in den Gefäßen, ſo ging das Kannegießern los. Die Reden wurden von fünf zu fünf Minuten lauter und ſchneller, bis endlich eine allgemeine Discuſſion eintrat und das Geſpräch in Wirrwarr unterging. Die Dampf⸗ wolken aus den holländiſchen Pfeifen wirbelten immer dichter empor, und bald ſah man durch den Rauch nur noch als dunkelrothe Punkte die Flammen der Kerzen und Lampen ſchimmern.
An einem der dem Eingange zunächſtſtehenden Tiſche hatten ſich etwa ſechs bis ſieben Männer niedergelaſſen. Sie waren ſchon im Geſpräche begriffen, als ſie die Treppe hinabſtiegen und ließen es ſich angelegen ſein, ihre Unterhaltung, nicht zu unterbrechen, als ſie die Ueberkleider und Hüte ablegten und an den groben Holzriegeln auf⸗ hingen, die gleich Palliſaden aus dem Getäfel ihnen entgegenſtarrten. Einer dieſer Männer war unſer Freund und Bekannter Oelven, der mehr als jemals ſeinen Kopf hoch trug und ſeinen Mund gebrauchte, dabei aber die Blicke ohne Unterlaß umherſchweifen ließ.
„Und ich ſage Euch,“ rief einer der Männer, ein ſchon bejahr⸗ ter Stammgaſt,„der Kurfürſt wird in ſeines Vaters Fußtapfen treten — Heda— Bier, Auguſt! Bier! Er iſt nicht gewillt, ſich vom Franzoſen drohen zu laſſen, der da gar zu gern mit dem engländi⸗ ſchen Könige verhandeln möchte.“„Bravo, bravo!“ ſchrien die
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andern,„Müller hat Recht— ganz Recht.“—„Silentium!“ herrſchte Oelven.„Hurrah der Kurfürſt;“ ſchrien die andern. In dieſem Augenblicke trat Herr Joachim Ringwald in den Keller.
Die am Tiſche Sitzenden begrüßten den alten Buchdrucker auf das herzlichſte. Es wurden friſchgefüllte Krüge herbeigerückt, die Pfeifen mit neuem Tabak verſehen, und bald umgab auch dieſen Tiſch eine jener behaglichen grauen Wolken. Die Unterhaltung drehte ſich um die von Frankreich heranziehenden Kriegswolken, um die kleinen oder größeren Vorfälle bei Hofe, welche der Regierungswechſel mit ſich geführt hatte, einige der Anweſenden verſtiegen ſich bis zum An⸗ erbieten von Wetten, daß der oder jener aus dem Kreiſe des alten Hofes bald entfernt ſein werde, oder daß ein Hoffräulein den Grafen von ſo und ſo heirathen müſſe.
Wider alle Gewohnheit war Oelven nach und nach ſehr ſtill ge⸗ worden. Er hatte ſich mit ſeinem Schemel in die Nähe des Ein⸗ ganges bugſirt und betrachtete aufmerkſam die Ankommenden. Man hatte bereits ſeit einer Stunde gezecht und geplaudert, als von den Stufen der Treppe der kurfürſtliche Kammerdiener, Herr Biedekap, in das Gewölbe trat.
„Guten Abend— ah— Herr Biedekap,“ riefen die Gäſte.— „Je länger der Tag, deſto ſchöner die Leute,“ ſo tönte es bunt durch⸗ einander. Biedekap grüßte verbindlich und fragte, ob ihm ein Plätzchen am Tiſche gegönnt ſei— worauf natürlicherweiſe die Her⸗ ren zuſammenrückten, um dem Kammerdiener Platz zu machen. Nun erſt begann die Unterhaltung lebhaft zu werden. Biedekap, der lange Zeit nicht den Rathskeller beſucht hatte, ſollte Auskunft über alles geben. Er hielt ſich vorſichtig genug in den Schranken und belächelte oft genug die Anſichten der Streitenden, wie ein Gutunterrichteter die falſchen Gerüchte belächelt. Oelvens Geſicht war bei dem Er⸗ ſcheinen des Herrn Biedekap ſehr ernſt geworden. Er konnte ſich nicht recht ſagen, weshalb die heutige Anweſenheit des Kammer⸗ dieners ihm ſo bedeutſam erſchien. Der im Rathskeller ſo lange ver⸗ mißte Gaſt ſchien um einer beſonderen Sache willen hier zu ſein, denn durch den Tabaksqualm hindurch bemerkte der Secretär Danckel⸗ manns eine gewiſſe Unruhe an dem ſonſt ſo gemächlichen Biedekap. Er ſah auf die im alten Gehäuſe befindliche Wanduhr, nippte nur mäßig von ſeinem Bierkruge und antwortete zerſtreut auf die Fragen, welche ihm vorgelegt wurden. Oelven brachte dieſe Unruhe mit dem be⸗ rüchtigten Abend in der Nicolaikirche in Verbindung, aber er ver⸗ mochte ſich dem Kammerdiener nicht zu nähern, der von den Neuig⸗ keitskrämern förmlich belagert war. Erſt als einer der Gäſte den Krug erhob und auf Danckelmanns Wohl trank, erhob ſich Biedekap, um in ſteifer Weiſe anzuſtoßen.„Ihr dürft noch nicht gehen, Kam⸗ merdiener, ſagte der breitſchultrige Breſe, ein Schlächtermeiſter aus der Kloſterſtraße,„wir binden Euch an dem Stuhle feſt. Setzt Euch wieder, wir haben lange genug nichts von Euch gehabt.“—„Nie⸗ derſetzen! niederſetzen!“ riefen alle.
„Ihr Herren,“ antwortete Biedekap,„ich muß nothwendig fort, aber, da es aller Wille iſt, gebe ich noch ein Paar Minuten zu und erkläre, daß ich gehen werde, wenn hier unſer alter, würdiger und ehrbarer Freund, Herr Ringwald, aufbricht. Ihn will ich, mit ſeiner Erlaubniß, geleiten.“—„Spaßt doch,“ lachte der alte Ringwald, „ich gehe feſter, wie Ihr, ich brauche keinen Führer.“—„Eigentlich ſollte der Herr Sohn den alten Papa abholen,“ bemerkte einer der Gäſte.„Henning hat in der Druckerei zu thun,“ ſagte Ringwald, ſeine Hand nach Oelven ſtreckend und ihm„guten Abend“ wünſchend. „Ich habe Euch lange nicht geſehen, Oelven,“ fuhr er fort,„Ihr
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