glorreichſten Schlachten Friedrichs des Großen und Napoleons vor⸗ gekommen!— Sehr richtig!— der Stieg über die Saale hätte an⸗ ſtatt drei Viertheil, ganz zerſtört werden müſſen! Aber wer mag daran Schuld ſein? Vielleicht ein Korporal!— Uebrigens unterliegt es keinem Zweifel, daß Oberſt von der Goltz dennoch den Uebergang bewerkſtelligt hätte; höchſtens hätte es 50 Preußen mehr kampfun⸗ fähig gegeben! Das wäre der ganze Unterſchied geweſen!— Der Kampf bei Kiſſingen iſt gegen meine Meinung angenommen worden; denn wenn General Beyer, anſtatt bei Hammelburg zu kämpfen, den Uebergang bei Aura und Euerdorf, der mit der größten Leichtigkeit hätte ausgeführt werden können, bewerkſtelligt, wäre die ganze bairiſche Armee, welche auf einer Ausdehnung von 8 Stunden ſtand, umgangen worden, und wir hätten eine entſetzliche Niederlage erlitten. Später erſt begriff ich, warum General v. Beyer das nicht gethan hatte— er erwartete die Ankunft der Diviſion Manteuffel, die nicht ankam; ſo wie wir die Ankunft der Diviſion Hartmann erwarteten, die bei Poppenhauſen ſtand und gleichfalls ausblieb. Schmerzliche Stunden verlebte ich; zwei Mal hatte der Prinz dem General Hartmann den Befehl geſandt, in aller Eile zu kommen;— von Minute zu Minute erwartete man ihn, um die Offenſive zu ergreifen... und er kam nicht! Der Prinz ritt verzweifelnd auf und nieder; wir mußten jeden Augenblick befürchten, daß General von Manteuffel erſcheinen würde... und General Hartmann kam nicht mit ſeiner Diviſion!— Da gab General von Zollern, der ſich nicht mehr zu halten glauben konnte, den Befehl zum Rückzug!— die Schlacht war verloren, als General von Stephan mit der erſten Diviſion von Neuſtadt kam... und nichts weiter konnte als die Preußen aus Nüdlingen werfen!
Der General hielt einige Augenblicke erſchöpft inne!—„Der 10. Juli hat mir meinen militäriſchen Ruf gekoſtet,“ ſagte er mit tiefer, ernſter Stimme;„aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich an den großen Fehlern dieſes Tages unſchuldig bin!— Das Grab deckt viele, die ihn verſchuldet haben!“
„Dürfte ich Excellenz um den Grund des Ausbleibens des General Hartmann fragen?“ ſagte ich.
„Es iſt mir nicht geſtattet, denſelben zu veröffentlichen“— erwiederte der General;—„es genüge Ihnen zu erfahren, daß der Prinz und ich an dieſem Ausbleiben unſchuldig waren, und ebenſo unſchuldig wie wir beide war... General Hartmann!— Und überdies weiß ich auch nicht, wenn Goeben ſich in Kiſſingen feſtgeſetzt hätte, ob der Prinz den Befehl gegeben hätte, die ſchöne und treue bairiſche Stadt zu bombardiren.“
„Waren Sie ſehr enttäuſcht, als General von Falckenſtein Sie zwiſchen Poppenhauſen und Schweinfurt ſtehen ließ und auf Aſchaffenburg marſchirte?“ fragte ich.
„Ja... wie aus den Wolken gefallen!“— erwiderte der General;„ich glaubte faſt— ſicher, daß wir dort angegriffen werden würden; zumal da unſere Emiſſäre im Meiningſchen Telegramme eines Majors Preuß— wenn ich nicht irre, auch eines Kameraden der Schleswig⸗Holſteiniſchen Kriege— aufgefangen hatten, aus denen hervorging, daß eine Colonne von wenigſtens 10— 12,000 Mann mit vollſtändigem Brückentrain verſehen, uns in die Flanke kam, und alle Nachrichten beſtätigten das. Das beſtärkte uns alle im Glauben, daß Falckenſtein uns über den Main zu werfen verſuchen werde.“
„Glauben Excellenz, daß Sie in dieſer Stellung wirklich Er⸗ folge erzielt hätten?“ fragte ich..
„Mit voller Beſtimmtheit!“
„Ich habe gehört, daß die preußiſche Diviſion, welche beſtimmt war, damals in der Avantgarde gegen die bairiſche Armee zu mar⸗ ſchiren, ſich bitter darüber beklagt hat, daß es ihr nicht gegeben ge⸗ weſen wäre, ſich dort mit den Baiern zu meſſen!“
Der General ſchüttelte traurig den Kopf.—„Hätte man ſie nur angreifen laſſen!“ ſagte er—„ich glaube, ich wäre heute zehn Jahre jünger!— ich kann hier mit Beſtimmtheit behaupten, nicht allein, daß die Diviſion, von der Sie ſprechen, hier eine vollſtändige Niederlage erlitten hätte, ſondern daß ich in den Stellungen, die ich mir bei Poppenhauſen gewählt, es mit der ganzen Mainarmee hätte aufnehmen können. General Falckenſtein hat mir hier noch ärger mitge⸗ ſpielt, als bei Kaltenſundheim, indem er eine Schlacht vermied; und glauben Sie mir ſicherlich, daß dieſe Tactik des Generals, die ich trotz des Leides, die ſie mir gethan, anſtaunen muß, am meiſten zu dem abſurden Gerüchte beigetragen hat, wir ſpielten mit den Preußen
unter einer Decke!“
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„Und warum folgten Excellenz nicht den Preußen?“ fragte ich. „Weil ich einem plötzlichen Kehrt des Generals von Falcken⸗
ſtein nicht gewachſen war, da ich bedeutend gegen jene Colonne, die
aus dem Meiningiſchen kam, detachiren mußte!— Und wiſſen Sie
— dieſe Colonne hat plötzlich Kehrt gemacht, iſt von unſeren Truppen nie geſehen worden, und nun wirft man mir hier, wie mir erzählt
wird, vor, daß eine ſolche Colonne nur ein Hirngeſpinnſt von mir ge⸗ weſen ſei... daß dieſelbe nie exiſtirt habe.“
„Das Gegentheil kann ich ſelbſt bezeugen, Excellenz!“ ſagte
ich—„während einer ganzen Nacht fuhr ich ſelbſt mit dem Major
Preuß, der genug räſonnirte, als der Befehl zum Rückzuge kam, ohne Dieſe Colonne war aus den vier Ba⸗ taillons mehrerer Regimenter gebildet, hatte, wie Sie ſagen, einen 1
die Baiern geſehen zu haben.
Brückentrain, obgleich in ziemlich defectem Zuſtande, und ward vom
General von Korzfleiſch geführt.— Wie ich gehört, war ihr Zweck
— den ſie auch erfüllt zu haben ſcheint, den Abmarſch des Generals von Falckenſtein zu maskiren, und die Baiern durch Scheinbewe⸗ gungen um Schweinfurt herum feſtzuhalten. Nach dem Gefecht von Aſchaffenburg— nachdem der Marſch auf Frankfurt geſichert war, bekam ſie Befehl zum ſchleunigen Rückmarſch!“
„Das war geſchickt!“ ſagte der General nach einigen Augen⸗
blicken ernſten Nachdenkens—„ſehr geſchickt!— und ich bin wie— derum in Unrecht, dies nicht durchſchaut zu haben!— Ja ja, ich
habe kein Glück... und doch,“ fügte er mit düſter gefurchter Stirne
und traurigem Blicke hinzu,„ich könnte noch gar viel zu meiner Vertheidigung ſagen— ſogar über dieſen Punkt, wenn ich mich ver⸗
theidigen wollte... wenn ich ſprechen könnte.. dürfte!“ 4 **
* Ich glaube das Intereſſe der Leſer des Daheim zu ermüden, wenn ich fortfahren würde, ihm das, was der General von der Tann mir über den zweiten Theil des Feldzuges erzählte, anzuführen. Es
waren meiſt nur Aufklärungen über einige ſtrategiſche Punkte, die mir unklar waren und die er die Güte hatte, mir zu geben.— Noch einmal hatte ihn die Reichsarmee ſelbſt nach der Vereinigung
im Stich gelaſſen, als er dem zweiten preußiſchen Obercommandirenden General von Manteuffel bei Waldbuttel eine Schlacht liefern wollte, und es als einzigen Beweis der Cooperation verlangte, daß das 8. Bundescorps die Diviſion Goeben dermaßen beſchäftige, daß ſie nicht mit ins Gefecht eingreifen könne! Bitterkeit, wenn er von den Verbündeten der Baiern ſprach!
„Und das Reſultat des ganzen Feldzuges iſt nicht ſo erſchreckend, wie man es hier ſich ausmalt“— ſchloß er ſeine Erzählung.„Nach allen Niederlagen kann ich es bezeugen, und jeder Officier mit mir,
daß die bairiſche Armee am Ende des Feldzuges um 50% beſſer
war, wie am Anfange. Man vergleiche ſie mit der öſtreichiſchen, die vollſtändig aufgelöſt war. Wahrhaftig, die bairiſche Armee hat kein Jota von ihrem Waffenruhm eingebüßt, denn ich glaube, daß
kein preußiſcher General behaupten wird, daß die Armee ſich nicht Ich allein bin der, der die Schuld von allem tragen muß!— Wie Gott will!— Sei es! Wenn ein anderer Feldzug gegen das Ausland uns bedroht, ſoll man
mit der äußerſten Bravour geſchlagen hat.
mir meine Diviſion wiedergeben— da wird man den alten Tann wiederſehen!... Doch bei alle dem können wir Gott noch danken,
daß Frankreich uns ſeine Hilfe nicht angeboten hat... wer weiß—
wir wären vielleicht gezwungen geworden, dieſe Hilfe anzunehmen, da die Diplomatie eine ſo alles umfaſſende Rolle in dieſem Feldzuge geſpielt hat— und dann— dann, Sieger oder Beſiegte, Verbündete des Auslandes gegen Preußen wären wir entehrt geweſen und...
mein Wort zum Pfande.. kein Menſch hätte den Generallieutenant von
1u
der Tann aus einem ſolchen ſchmählichen Feldzuge zurückkommen ſehen
Mein Gedächtniß iſt mir, glaube ich, ziemlich treu geblieben, in⸗ dem ich dem Leſer dieſe Unterhaltung, die ich mit dem General von
der Tann gehabt, wieder erzähle, aber unmöglich iſt es mir, wieder⸗
zugeben, wie tief und innig ich den in der Bruſt des biedern und loyalen Soldaten verborgenen Kummer mitfühlte!
„Der Laie hat keinen rechten Begriff, was das heißt, ein beſieg ter Feldherr!“ ſagte mir General Moltke, und ich glaube, er täuſcht ſich. Ein Unglück, das ſo män nlich getragen wird, wie der bai⸗ riſche General das ſeine trägt, dringt tief in das Herz eines jeden ein,
der ſich ihm nähert.
„Wenn Deutſchlands Neugeburt aus allen dieſem hervorgeht,“
Seine Worte waren nicht ohne
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