Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
331
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vierundfünfzigſtes Duell hatte.. großen Ahnherrn, des Fürſten Franz II. Racoczy bürgen.... Wie da das trampelte vor närriſchem Entzücken über den koſtbaren Fürſten

liebe Publikum lachte und klatſchte und fuß⸗

Kanonendonner dort auf der Bühne... und wie es dann wieder lachte und klatſchte und fußtrampelte vor raſendem Enthuſiasmus über den famoſen Fürſten Kanonendonner dort im Parquet, der mit ſo köſtlichem Humor auf den Poſſenwitz einging und über ſeine Caricatur dort auf der Bühne ſo herzlich lachte und klatſchte und fußtrampelte, daß ihm die hellen Thränen die Wangen niederliefen...

Oder... oder ſah der famoſe Fürſt Kanonendonner dort im Parquet in dieſem Augenblicke etwa vor ſeinen flimmernden Augen in weiter weiter Ferne einen kindlichen Knaben, der in einem alten, ſchönen Schloßparke an der Elbe im Graſe liegt und ſpielmüde zu den Bienen hinaufſchaut, die um die blühenden Linden ſummen... und dann mit einem Mal ins lächelnde Mutterauge voll warmer Liebe?... Oder klang es ihm wohl gar durch den lärmenden Jubel vatermilde ins Ohr:Träume weiter, glückliches Kind!... und darum liefen dem armen Fürſten Kanonendonner die hellen Thränen die Wangen nieder?

Mit ſolchen Spitzfindigkeiten verdirbt ſich kein lachluſtiges Poſſenpublikum die gute Laune... o, das war ein koſtbar amüſanter Abend im Friedrich⸗Wilhelmſtädtiſchen Theater!

Das war kurz vor dem Ende: der armſelige Komödiant gab ſeine letzte Erdenrolle... nach eigener Wahl!

Es war um die heilige, fröhliche Weihnachtszeit 1861. Fürſt Kanonendonner trank bei einer Wette 33 Seidel Bier und die Speiſekarte drei Mal von oben bis unten durch... er hatte die Wette gewonnen. Beſinnungslos wurde er in ſeine Wohnung ge⸗ bracht. Er fiel in eine ſchwere Krankheit. Als der treue Finanz⸗ miniſter Omnipotens ſah, daß die Krankheit zum Tode ging, meldete er ſeinen Freund in der Armenſtation der Charité an.

Die Krankenträger trugen ihre ſchwere Laſt fluchend die enge Treppe hinunter. Ich ſtand oben am Treppengeländer und ſah ihnen nach. Aus dem Tragekorbe ſtöhnte und keuchte es in Fieberphanta⸗ ſien:Verdorben geſtorben....

Das waren die letzten Worte, die ich aus dem Munde des Fürſten Kanonendonner hörte.

Am andern Tage ſtarb er troſtlos einſam in der Armenſtation der Charité... er, der letzte Sproß aus dem fürſtlichen Geſchlechte der Racoczy!

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* In der Dämmerung des heiligen Chriſtabends bewegte ſich ein

Von der Slbe bis zur Tauber.

Obigen Titel hat unſer allen Leſern wohlbekannter Bericht⸗ erſtatter von der früheren Mainarmee, der Verfaſſer der Beſuche bei Dreyſe, Moltke, Vogel von Falkenſtein, Goeben und demnächſt auch bei von der Tann, wie wir heute ſchon verrathen wollen, ſeinem Buche über den Feldzug der Mainarmee im Sommer 1866 4) gegeben. Wir erfüllen einen Act der Dankbarkeit und Gerechtigkeit, wenn wir auch aus ſeinem ſo eben erſchienenen Werke unſeren Leſern einige Proben geben.

Es iſt ein merkwürdiges Buch, dieſer Feldzug der Mainarmee, und wir ſind überzeugt, es wird Aufſehen machen. Denn der Ver⸗ faſſer bringt zum erſten Male Klarheit in das Dunkel der Ereigniſſe, und in der erſten Abtheilung ſchon finden ſich wichtige Aufſchlüſſe über Räthſel, an denen man ſich bis jetzt vergebens den Kopf zer⸗ brochen hat. Der Leſer wird ahnen, auf, welche Weiſe der Verfaſſer in den Stand geſetzt wurde, ſo tief zu blicken und ſo wichtige Auf⸗ klärungen zu geben.

Gleich dem Anfange des Werks, welcher ſich über die im all⸗ gemeinen weit unterſchätzte und viel zu wenig bekannte Betheiligung der Flotte an den kriegeriſchen Ereigniſſen verbreitet, entnehmen

*) Von der Elbe bis zur Tauber. Der Feldzug der preußiſchen Main⸗ armee im Sommer 1866. Illuſtrirt von Emil Hünten und andern. I. Ab⸗ .,56. te eeen. ees 25 Sgr. Bielefeld und Leipzig. Verlag von

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trübſeliger Leichenzug von der Charité aus durch das Neue Thor dem fernen Charité⸗Kirchhofe zu. ſarge mit dem flachen Deckel lag das, donner hier auf Erden übrig geblieben war.

bekannten Nachbars

In dem bekannten ſchaurigen Armen⸗ was von dem Fürſten Kanonen⸗ Selbſt die Sporen fehlten nicht, aber ſie waren ſchon längſt von Neuſilber. Wie der armſelige Leichenwagen über das Straßenpflaſter rumpelte, klirrten die Sporen leiſe in dem Sarge... o, wie melancholiſch das klang! Nur wenige getreue Unterthanen folgten ihrem Bierfürſten.

Dicht vor dem Brunnen des Charité⸗Kirchhofes war ein Grab gegraben, ſchmal und kurz. Die eine Seitenwand bildeten die ſchwarzen, ungehobelten Breter von dem letzten Häuschen eines un⸗ dort unten das ſchwarze, ungehobelte Bretter⸗ häuschen eines anderen unbekannten Erdenpilgers, der am Ziele der Ruhe angelangt iſt, wird ſich morgen auf der anderen Seite nachbar⸗ lich eng anſchmiegen.

Dort hinab ward der Baron gebettet. Keine Blume keine Thräne fiel auf den dürftigen Sarg nieder... flog über das offene Grab ein inbrünſtig Gebet für die entfeſſelte arme Seele zum Chriſthimmel empor? Wer weiß es! Mechaniſch nahm der Todtengräber ſeinen umflorten Hut letzter Garnitur vor die Lippen und ſagte mit ſeiner kühlen, müden Geſchäftsſtimme:Nun laßt uns einen ſtillen Seufzer thun!

Und die hartgefrorenen Erdſchollen donnerten auf den Sarg nieder.

Zu Häupten des Sandhügels ſteckte der Todtengräber einen Pfahl mit einer Nummer in die Erde... und alles war vorbei!

Durch die Abenddämmerung klangen lieblich feierlich fröhlich Kirchenglocken herüber zu dem friſchen Grabe auf dem Charité⸗Kirchhofe ſie riefen zur Chriſtfeier... wie einſt vor vielen, vielen Jahren in jenem Dörfchen an der Elbe, da in dem alten reichen Herrenſchloſſe ſich ein weihnachtsfröhlicher Knabe jubelnd ans Mutterherz warf und die glückliche Mutter flüſterte:Mein Conſtant, bleib gut und fromm!...

Verdorben... geſtorben...

Stand dies grauſige Lebensmotto jenem weihnachtsfröhlichen Knaben wirklich ſchon auf die reine Stirn geſchrieben... unwider⸗ ruflich... unauslöſchlich..?

Nein, nein, mein Gott, das wäre furchtbar.. ein Gott der Liebe!

Ja, Du biſt ein Gott der Liebe, und auf jener reinen Kinder⸗ ſtirn lächelte noch das ſtrahlende Motto:Glauben Erlöſung! Frieden Hoffen!... aber dies Motto iſt nicht unauslöſch⸗ lich.. die Sünde, die Sünde vermag es wegzuwiſchen... die Sünde, die Sünde meißelt dafür hinein ihr blutrothes, ewiges:

Verdorben..

. und Du biſt ja

geſtorben!

wir einige Illuſtrationen. Sie ſind von Emil Hünten in Düſſeldorf, welcher als Landwehrlieutenant den ganzen Feldzug mitmachte und der deshalb ſeinen Zeichnungen einen ſo unverkennbaren Stempel des Selbſterlebten und der Originalität aufdrücken konnte. Mit Intereſſe werden unſere Leſer hier dem ihnen durch ſeine Seebilder wohlbekannten Capitän Werner begegnen, der als Commandant des PanzerſchiffsArminius weſentlichen Antheil an der Einnahme der Küſtenbefeſtigungen nahm. Die charakteriſtiſchen Worte, welche er zu ſeinen Leuten, den Säbel in der Fauſt, am Fuße einer feindlichen Batterie ſprach, lauteten:Jungen, ich weiß, daß Ihr Euch gut halten werdet; wenn Ihr es aber nicht thut, Jungen, dann ſoll Euch das Donnerwetter regieren! Ein lautes Gelächter war die Antwort, und vorwärts ging's.

Den Hauptinhalt der ſplendid ausgeſtatteten und reich illuſtrir⸗ ten erſten Abtheilung bildet die Schlacht von Langenſalza. Um eine Probe von der Art und Weiſe zu geben, wie der Verfaſſer, dem unſere Leſer ſo oft auf belletriſtiſchem Gebiet begegnet ſind, ſich auf hiſtoriſchem Boden bewegt, wollen wir ihn ſelbſt reden laſſen und wählen dazu die Darſtellung des Quarrés des Oberſtlieutenants de Barres.

Wenn ſchon bis jetzt das Gefecht blutig geweſen, ſo ſollte doch in der letzten halben Stunde alles Schreckliche noch über⸗ --. 8