Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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durch vertraute und verſchwiegene Leute den geächteten und gebannten müth ſchlafen ließ? Oder ob in der Minneburg die göttliche Liebe Luther eine Zeit lang aufzuheben trachtete. Gedachter Fürſt aber wollte ihm ein Minnelied voll ſüßen Troſtes ſang? auch ſelber nicht wiſſen, wohin man den Gefangenen führte, damit er, im So geht Luther durch die dort geöffnete Pforte hinein, ſie Falle er gefragt würde,mit vernünftiger Wahrheit ſich entſchuldigen ſchließt hinter ihm ein Stück ſeines Lebens ab. Das iſt aber der könnte. Denn es ſchien ihm bedenklich, gegen große Potentaten Gang Gottes mit ſeinen Knechten. In der Stille werden Perſonen und das ganze Reich einen Menſchen zu vertheidigen, über den bereits und Dinge in Gottes Reich vollendet. Aus tiefem Dunkel die Acht erklärt war. zieht Gott ſeine Werkzeuge, mit denen er Großes verrichten will, hervor; So erklärt ſich unſer Bild in ſeiner ganzen Auffaſſung und ins tiefſte Dunkel ſtellt er ſie wieder zurück, wenn er ſie auf der Welt⸗ ſeinen Details. Auch der dunkle, ſchwarze Eiſenritter ſchlägt vor bühne im hellſten Glanze hat ſcheinen laſſen. Die große Geſtalt uns das Viſir auf und gibt ſich als den andern Edelmann zu er⸗ muß verſchwinden, damit die Umwälzung nicht das Gepräge eines kennen, der zu denvertrauten und verſchwiegenen Leuten gehört, als einzelnen Mannes trage. Der Menſch muß ſich entfernen, damit Burkhard Hund von Venkh eim, Herrn zu Altenſtein. Er Gott allein bleibt, deſſen Geiſt über dem Abgrunde ſchwebt, in welchen iſt's, der ſich dann raſch entfernt, um nicht von den Hausbewohnern die Finſterniß des Mittelalters verſank und der da ſprach:Es erkannt zu werden, das Viſir aber aus eben dieſem Grunde nicht auf- werde Licht! zieht. Er überläßt es den drei anderen verkappten Reitern, Luthern Von der Wartburg aber, wo der geächtete und gebannte Luther auszukleiden und ihm das Junkerkleid anzulegen, ihm zu befehlen, die Bibel überſetzt, wandelt zu den Armen in der Welt eine hehre, Buart und Haupthaar wachſen zu laſſen. Auch ſie reiten in aller himmliſche Geſtalt. Und wer ſie ſieht und ihr begegnet, muß be⸗ Stille wieder weg, und Luther iſt endlich allein in ſeinem Zimmer, kennen: Hier iſt mehr denn die heilige Eliſabeth, die Landgräſin in das wir als dieLutherſtube in der Wartburg kennen. Von den Thüringen. Sie hat Brote die Fülle und theilt ſie reichlich aus, und Fenſtern der hohen Veſte herunter ſieht er in die ſchweigenden ein⸗ ſie mehren ſich unter ihren Händen, und auch ihre Brote werden zu ſamen Fichten⸗ und Tannenwälder Thüringens hinaus. Welch eine unverwelklichen Roſen. Man ſicht ſie an, aber ſie ſchreitet königlich Veränderung! Wenige Tage noch zu Worms vor Kaiſer und Reich, durch die Reihen ihrer Feinde, die ihre großen und langen Blicke nicht von Rittern und vom Volk umdrängt, und nun in die einſame Veſte los werden können. Ihre Diener kann man ächten, bannen und zu Burgvogt und Landsknecht! Dort ein kühner Mönch, der Kutte binden, aber ſie geht auch durch Kerkerthüren und macht die Ihren in ſich nicht ſchämend vor all den Herren in Hermelin und Stahl, jetzt Banden frei. Nimm ſie auf, lieber Leſer, die große Heilige von der ſelbſt ſich kaum kennend ein Junker im aufgeſchlitzten Wamms, in Wartburg, oft ſchon geächtet und gebannt, aber gefeit und unver⸗ Reiterhoſe, Lederſtiefeln und Sporen! Ob ihn in jener Nacht, der wundbar vom Scheitel bis zum Fuße: die aus Gottes lauterem Meeſten in der Wartburg, die Bewegung des Herzens, das wallende Ge⸗ Wort ſproſſende, ſieghafte, göttliche Wahrheit! Fürſt Kanonendonner. 5 Originalzeichnung nach einem Original von Arnold Wellmer. (Schluß.) Noch oft ſah ich den armen Fürſten Kanonendonner. Begeg⸗) und keuchte angſtvoll nach Luft. Kaum aber war er meiner anſichtig, naeten wir uns auf ver Treppe, ſo grüßte er mich wie einen alten ſo rief er mir mit dem alten flotten Tone zu:Hic haeret aqua, 9 Du⸗Bruder mit einem Witzworte oder mit Verſen aus einem alten fratercule ein Königreich für einen Eimer Waſſer! Studentenliede. Unwillkürlich ſtreckte ich die Hand nach dem leeren Eimer aus Ich ging mit einem ernſten, ſtummen Gruße an ihm vorüber. und ſagte:Herr Baron, ich... Ich konnte es nicht übers Herz bringen, in den allgemein üblichen,O, machen Sie doch keine Umſtände, Nachbarchen ſagen oerhöhnenden Ton gegen den alten Baron einzuſtimmen. Sie nur immer kurzweg: Durchlaucht! Auf der Straße hatte er ſtets eine Schar Kinder hinter ſich, Ich hatte aber ſchon den Eimer in die Hand genommen und die ihm zuriefen:Guten Tag, Fürſt Kanonendonner, ſchenk mir ſprang damit die Treppe hinunter... ſprachlos ſchaute der Ueber⸗ ein Bonbon! Dann griff er wohl in die Taſche und gab den raſchte mir nach. V Kindern, die ihn verlachten, Bonbons oder Kuchen. Als ich die letzte Treppe mit dem Waſſer wieder hinaufſtieg, ſah V Wenn er einige Groſchen oder Pfennige im Vermögen hatte ich meinen Nachbar noch an der Treppenbrüſtung ſtehn er zitterte und ein Bettler begegnete ihm auf der Straße ſo gab er ihm ſein aber, wie von einem inneren Sturme geſchüttelt, und in ſeinen großen Letztes... er ſelber ein Bettler. Ja, ein Bettler, denn er be⸗ dunklen Augen zuckte und flimmerte es, wie beim Wetterleuchten die ſuchte die Hotels und bettelte bei den Fremden auf ſeinen vornehmen See. Und er ſchluckte und würgte, bis er mit unſicherer Stimme Namen. Sprach ihn in der Bierſtube ein Bettler an und er war hervorbrachte:Warum haben Sie das gethan? einmal wieder vollſtändig abgebrannt, ſo borgte er ſchnell von demWeil es Ihnen ſauer wird und mir nicht! erſten beſten Paſte einige Groſchen, um ſie dem Bettler zu ſchenkenUnd ich ſah Sie nie über den alten lächerlichen Fürſten Ka⸗ lunnd nie zurückzuzahlen. nonendonner lachen ich hörte nie, wie Sie Ihren Witz an ihm Nicht ſelten wanderten ſeine ſilberne Sporen und Kleider ins verſuchten warum thaten Sie das nicht? Leihhaus. Dann blieb er nothgedrungen zu Hauſe. Im SommerWeil mir das Herz immer ſo weh thut, wenn ich andere über 1 litt mein Nachbar viel von der Hitze; er wurde vom vielen Bier⸗ den Fürſten Kanonendonner lachen und witzeln höre weil mir das trinken immer fetter und puſtete und ſtöhnte vor äußerer und Herz noch weher thut, wenn ich ſehe, wie willig und luſtig Fürſt Ka⸗ innerer Glut Tag und Nacht entſetzlich. Hatte dieſe Bierhitze nonendonner ſich jedem Gelächter und Witze Preis gibt! ſagte faſt den Brennpunkt erreicht, dann nahm er in der allereinfachſten ich leiſe und ohne ihn anzuſehn. Dann ſtieg ich ſchnell die Treppe Weiſe ein kühles Bad. In bloßen Füßen ſtieg er die Treppe wieder hinab. hinnunter und holte ſich vom Hofbrunnen zwei Eimer kühles Waſſer. Hinter mir ſchluchzte es krampfhaft auf:O o mein 1 Sorgfältig wurde das fürſtliche Gemach verſchloſſen die Perrücken Gott Erbarmen! und das Treppengeländer zitterte unter und der Schlafrock ſanken. Mit dem einen Eimer begoſſen Durch⸗ den Händen des alten Barons. laucht die Dielen, die Wände und die Decke des heißen kleinen Zim⸗ mers das andere ergoß ſich plätſchernd über den kahlen Kopf und Am Abende der Mondſchein lag hell auf den Dächern der verwiſchte jede Spur von Kanonendonner⸗Augenbrauen. gegenüberliegenden Häuſer ſaß ich am offenen Fenſter meines 1 So traf ich den armen Fürſten ein Mal wieder, als ich an Stübchens und ſchaute ſinnend in das flimmernde Mondlicht hinaus. einem glühenden Julinachmittage ausgehen wollte, vor ſeiner Stuben⸗ Da klopfte es leiſe... und der, den ich heute Abend aus meinen thür an der Treppe ſtehen. Er war in bloßen Füßen, ohne Perrücke, trüben Gedanken nicht wieder bannen konnte, ſtand vor mir Fürſt ohne Augenbrauen, ſein Schnurrbart hing wie eine verdurſtende Kanonendonner! Und doch war es nicht Fürſt Kanonendonner, der Blume melancholiſch nieder. In der Hand hielt er einen Blecheimer faſt ſchüchtern, demüthig auf mich zutrat dieſer alte Mann mit j ef

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