Jahrgang 
13-26 (1867)
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den Ankömmling, noch über den ganzen Zug.

ſang und Spiel ſammt des deutſchen Reiches Herrlichkeit mit hinab⸗ genommen. Die Zeiten ſind ehern geworden. Fauſtrecht, Raub⸗ ritterthum und Krieg haben die Veſte zum einſamen, feſten Zufluchts⸗ ort gemacht, darin die Landgrafen ſich und ihre Kleinodien bargen, oder wo ſie den trotzigen Vaſallen, der den Landfrieden brach, auf Waſſer und Brot ſetzten und hinter Eiſengittern oder im Verließe zum Nachdenken brachten. Laß hinten am Thorweg das ſpitzige Gatter fallen und die eichenen Thüren ſich ſchließen, und Du biſt in eiſerner Haft, daraus kein Entkommen iſt.

Doch zurück zu den ankommenden, mitternächtigen Gäſten. Sie kommen von keinem Feſte. Da unten die Scene im Thorweg ſagt's deutlich.Nur zum Thore hinein! Sehe jeder, wie er's treibe, ſehe jeder, wo er bleibe, iſt hier Parole und Feldgeſchrei. Da iſt kein geordneter Zug, kein Fähnlein, das in Reih und Glied einzieht, kein lautes Commandowort. Jeder ſitzt ab, wie er eben kann, mühſam ſchleppt ſich der Zug herauf, und die letzten mit dem überſpannten Wagen drängen nach vorwärts, ungeduldig über den Aufenthalt, den es da vorne durchs Abſitzen der Herren gibt.

Auch der Empfang iſt nichts weniger als feſtlich. Die drei Honoratioren der Burg haben ſich nicht feierlich aufgeſtellt. Sie ſind eben aufgeſtanden vom Plaudern, womit ſie ſich das Warten und die Langeweile vertrieben haben. Es iſt ihnen ja nichts Ungewöhn⸗ liches, daß Einer nächtlingseingebracht wird. Der alte Burg⸗

knappe findet mit Kennerblick den gleich heraus,dem's galt und

leuchtet ihm ins Geſicht hinein; beſinnt ſich, ob er ihm nicht ſchon einmal im Leben vorgekommen und macht eine Miene, als wollte er ſagen:Haben wir dich endlich: wie iſt doch heuer die Welt ver⸗ dorben! Untervogt und Landsknecht ſaßen noch am Humpen, als das Horn blies. Sie ſtehen nicht mehr in der erſten Jugend: darum vom böſen Zeitlauf, vom finſtern Spanier und vom kühnen Witten⸗ berger Mönch mag die Rede gegangen ſein. Da kommt der Troß, der Vogt greift nach ſeinen Schlüſſeln, ſein Amt beginnt, den Käfig aufzuſchließen bei dieſem wie bei den andern, die ſchon zu ihm in Koſt und Herberg gekommen. Hinten aber an der Mauer, auf den Quadern ſitzt die liebeNeugier unter dem Schutz der alten Matrone. Wer neugieriger iſt, die Junge oder die Alte, iſt nicht zu entſcheiden. Mag der Alte mit der Laterne über dasWeibervolk gebrummt haben,das alles ſehen müſſe und ſie ins Bett commandirt, weil dasnichts für Weiber ſei, gefruchtet hat's nichts. Iſt's nicht ſüß, einen Gefangenen zu ſehen, wenn man ſelber frei iſt? Oder iſt des Mägdleins Liebſter beim Fähnlein, auf den es wartet? Und dort die Geſtalt am Fenſter über dem Thorweg iſt ſie auch wider Verbot aufgeblieben oder aufgeſtanden vom erſten Schlaf und auf den Zehen leiſe ans Fenſter geſchlichen?

Klar aber und im Reinen ſind die Burgleute nicht, weder über DerEingebrachte koſtet ſie einiges Kopfbrechen, und daß es hier nicht mit ganz richti⸗ gen Dingen zugehe, das laſſen ſie ſich nicht nehmen. Warum iſt das gute, vielleicht das beſte Zimmer der Burg ſorgſam hergerichtet zum Empfang? Wer ſind die ſchwarzen vermummten Ritter im Thor⸗ weg und das fremde Volk dabei? Ihren Burgherrn, den Ritter Hans von Berlepſch, den Mann mit dem ehrenfeſten, treu⸗ herzigen Geſicht, das aus dem aufgeſchlagenen Viſir entgegenſchaut, ihn kennen ſie. Um ſo räthſelhafter aber iſt der Fremdling, der an ſeiner Hand hinaufſteigt. Er hält ihn feſt, nicht wie einen Gefangenen, ſondern wie einen Freund, deſſen Linke in ſeiner Rechten haltend, ihn vorwärts ziehend, um ihn andern vorzuſtellen. Die ganze Art und Weiſe, wie Berlepſch den fremden Mann heraufbringt, will doch be⸗ deuten:Dem ſollt Ihr kein Leides thun, ſondern ihnwohl und ehrlich halten. Wollt Ihr ſeinen Namen wiſſen, ſo mag's Euch genug ſein, daß er Junker Georg heißt. So möget Ihr ihn auch nennen, aber Euch des weiteren nicht um Perſon und Herkunft bekümmern.

Aber eben ſolch Einbringen macht ſie nur noch irrer. Wozu der ganze Aufzug? Thaten's nicht ihrer ein oder zwei handfeſte Ge⸗ ſellen auch, den blaſſen, ſchmächtigen Mann aufzuheben? Wozu das vermummte Reitervolk, bewaffnet bis an die Zähne mit Schwert, Par⸗ tiſane und Streithammer, und der Troß mit Hunden, wenns nur dem unbewaffneten, wehrloſen Junker galt? Was haben die ver⸗ kappten Reiter noch nächtlings mit dem Junker zu handeln, und was heiſchen ſie ſo faſt herriſch von ihm? Nun, Hans von Berlepſch wird wiſſen, den Leuten und auch den Weibern reinen Mund zu

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lehren. Aber hernachmals ſollen ſie's erfahren, um weß willen der Troß aus der Burg gezogen und verſtärkt durch einen andern und etliche vermummte Herren in aller Stille mitten in der Nacht wieder kam. Sie werden's verſtehen, warum ſich's lohnte, ſo wohlbewaffnet auszuziehen, wenn ſie erfahren haben, welch edles Wild im Thüringer Walde gefangen worden; dann, wenn der Adler dem Käfig ent⸗ flogen, und alle Welt denJunker Jörg bei ſeinem rechten Namen wieder nennt.

Wir aber kennen den Mann, der hier an Berlepſchs Hand hinaufſteigt. Auf dem blaſſen Geſichte Luthers liegt nicht blos der Mondſchein, noch daß erder neue Reiter, wie er ſich ſelbſt nennt,müde und hellig iſt des langen Rittes die Kreuz und Quer durch den Wald auf dem Reiterſteig, ſeitdem man ihn dort an der ein⸗ ſamen Kirche bei Altenſtein mit Ungeſtüm überfallen und aus dem Wagen geriſſen und auf ein Pferd geſetzt nein, das nicht blos. Die ganze innere Erregtheit und Abſpannung zugleich, die die jüngſt⸗ vergangenen Wochen mit ſich brachten, die großen Stunden mit ihren ernſten Entſcheidungen, mit ihren demüthigen Gebeten und kühnen trotzigen Worten vor Kaiſer und Reich, haben ihm tiefen Furchen ins Antlitz gezogen. Ungewohnt iſt ihm die übergeworfene aufgenöthigte Tracht, lieber und bequemer ſein Zeugenkleid, die Mönchskutte ſammt ſeinem Geiſterſchwert, der Bibel, die der Knappe hinterdrein trägt. Aber er,dem bei dieſem Verſtecken und Aufheben nicht wohl zu Muthe war und lieber ſeinen Herrn des weiteren öffentlich bekannt, auch lieber auf glühenden Kohlen gelegen, Gott und ſeinem Wort zu Ehren und Beſtätigung er hat ſich auch zu dieſem Rettungs⸗ wege willig finden laſſen. So hat er denn auch die Hand auf der Bruſt ſelbſt, das Obergewand über ſeinem eigenen zuziehend und mahnend an den Tag zu Worms und an ſein Wort:Hier ſtehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! denn auch im Entſagen zeigt ſich der Mann. Sieh ihm recht ins Angeſicht. Er ſieht ſo milde und demüthig drein und doch iſt er's, auf deſſen Haupt des Papſtes Bann und des Kaiſers Acht liegen. Höre des Kaiſers Wort über ihn, und du wirſt begreifen, daß hier auf ein ſonderliches Wild gefahndet worden war. Des Kaiſers nachgeſandter Steckbrief aber lautet:

Martinus Luther, Auguſtiner⸗Ordens, wiewohl von uns vermahnt, hat ſich wie ein Wüthender auf die heilige Kirche

geworfen und ſie durch viele Bücher voll Gottesläſterungen unter⸗

drücken wollen. Er unterſteht ſich, die weltlichen, laiſchen Per⸗ ſonen zu bewegen, ihre Hände in der Prieſter Blut zu waſchen und nimmt gänzlich hinweg den Gehorſam und ſchreibt beiläufig nichts anderes, das nicht zu Aufruhr, Krieg, Todſchlag, Räuberei, Brand und zu ganzem Abfall des chriſtlichen Glaubens weiſt. So hat dieſer einiger, nicht ein Menſch, ſondern als der böſe Feind in Geſtalt eines Menſchen mit angenommener Mönchskutte, mancher Ketzer aufs höchſte verdammte Ketzereien, die lange Zeit verborgen geblieben ſind, in eine ſtinkende Pfütze zuſammen verſammelt und ſelbſt etliche von neuem erdacht.

Weil Martinus Luther, von allen denen, die Gottesfurcht und Vernunft haben, als unſinnig oder daß er mit dem böſen Geiſt be⸗ ſeſſen wäre, geachtet wird, haben wir ihn von unſerm Angeſicht hin⸗ wegziehen laſſen, damit nach Ablauf des Geleits zu füglichen Reme⸗ dien wider dieſe ſchwere, giftige Sucht gegriffen werde.

Wir wollen, daß Ihr ſämmtlich und ſonderlich unter Ver⸗ meidung der Strafe des Verbrechens der beleidigten Majeſtät nach Ab⸗ lauf der obberührten zwanzig Tage, den vorgemeldeten Martin Luther nicht hauſet, hofet, äzt, tränkt noch enthaltet, noch ihn mit Worten oder Werken, heimlich oder öffentlich, keinerlei Hilfe beweiſet, ſondern wo Ihr ihn annehmen mögt, ihn gefänglich annehmen und uns wohl⸗ bewahrt zuſendet oder ihn gefänglich behaltet, bis Euch von uns Be⸗

ſcheid gegeben, was Ihr ferner gegen ihn handeln ſollt und Ihr um⸗

ſolch heilig Werk ziemliche Ergötzlichkeit empfangen werdet. Ob aber jemand, in was Würden, Stand oder Weſ en der wäre, wider dieſe unſere chriſtliche und kaiſ erliche Meinung freventlich handelte, ſo ſoll wider denſelben nach Form des Bannes und kaiſerlicher Acht gehandelt werden. Darnach wiſſe ſich männiglich zu richten.

Nach ſolch kaiſerlicher Meinung galt's nicht zu warten, ſondern raſch zu handeln; und ſo gab Gott, von dem aller guter Rath, That und Einfall kommen, dem hochweiſen Churfürſten von Sachſen ein, daß er

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