Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
323
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ſich ſchon einen Plan gemacht, Herr Pater? fragte der Freiherr. Ich denke mir die Sache ſo, begann Wolff eifrig werdend.Seine fortwährenden Widerſprüche müſſen dem Kurfürſten widerwärtig werden, ſein Geiz ſtimmt nicht mit der Prachtliebe des Herrn zuſam⸗ men, man muß ihn fortwährend in Conflicte mit den Cavalieren des Hofes bringen, man muß die Kurfürſtin gegen ihn einnehmen 18 wenn dies von allen Seiten gegen ihn anſtürmt, dann muß ein Mann dem gnädigen Herrn die Augen öffnen, ihm die Plumpheit, die Unbeliebtheit des Menſchen ſchildern, mit beredtem Worte die unangenehme Lage ſchildern, in welche Kurfürſtliche Hoheit durch den plumpen Geſellen kommen, und dieſer Mann, Herr Freiherr, ſind Sie..

Ich fürchte nur, ſagte Kolbe,meine Stellung wird nicht ge⸗ nügen, um ſtets in der Nähe des Kurfürſten ſein zu dürfen. Sie werden bald ſteigen, ſagte Metternich.Schon habe ich die Kurfürſtin auf Sie aufmerkſam gemacht man wird Sie in die Nähe des Kurfürſten bringen.Wird ein Mann auf die Dauer dem Kurfürſten den alten bewährten Freund verhaßt machen können? ich zweifle daran, warf Kolbe ein.Ich hätte einen anderen Plan. Regieren Sie den Herrn durch ein Weib durch ein ſchönes, mäch⸗ tiges, kluges Weib. Werfen Sie einen Blick auf den franzöſiſchen Hof dort regierten fortwährend die Damen. Wenn man ich ſelbſt will mich dazu verſtehen, mit einer ſo bevorzugten Beauté ſich verbände, durch ſie auf den Herrn wirkte, ſicherlich würde der Sieg unſer ſein.Sie haben Recht, ſagte der Pater nach kurzem Ueberlegen,aber welches Weib müßte das ſein? Die Sache ſelbſt iſt gut erſonnen, denn gerade der Hinblick auf Ludwig den Vierzehn⸗ ten wird den Kurfürſten reizen. Der König von Frankreich iſt der Götze dieſer Tage, das goldene Kalb, um welches alle tanzen, der Kurfürſt macht es ihm gern in jedem Stücke nach, es würde nicht vieler Anregung bedürfen, um ihm auch eine fürſtliche Geliebte nach dem Muſter des franzöſiſchen Herrſchers als für ſeinen Glanz noth⸗ wendig hinzuſtellen. Trotz ſeines klaren Verſtandes überwiegt bei dem Kurfürſten die Neigung zu Prunk, Pracht und fürſtlichem Glanz nach allen Richtungen jedes andere Bedenken. Daran wird auch Danckelmann zu Grunde gehen.

Aber welches iſt das kühne und geiſtvolle Weib, deſſen Reize und Verſtand gegen die Kurfürſtin Sophie Charlotte in die Schranken treten könnten? fragte Kolbe.Wiſſen Sie eine ſolche an dieſem Hofe? ich möchte zweifeln, daß eine der hieſigen Damen den Kur⸗ fürſten zu feſſeln vermöchte.Ueberlaſſen wir es der Zeit, ſagte Wittgenſtein.Mit nichten, Graf, fiel Wolff ſchnell ein.Ich habe gemeſſene Befehle. Schon habe ich verſchiedenes vorbereitet, das Sie in dieſen Tagen ſehen und hören werden, aber ich muß ſchnell handeln. Wir müſſen zunächſt etwas verhindern, deſſen Ausführung dem Kaiſer nicht genehm ſein dürfte. Ich weiß, daß der Kurfürſt in Unterhandlung mit Wilhelm von Oranien ſteht. Es gilt den Ab⸗ ſchluß eines Bündniſſes zwiſchen dem Oranier und Brandenburg, um König Jakob von England, einen gläubigen, treuen Anhänger der katholiſchen Kirche, vom Throne Englands zu ſtoßen. Danckel⸗ mann betreibt dieſes Bündniß, welches dem Kaiſer und der Kirche gleich fatal iſt, mit aller ihm zu Gebot ſtehenden Macht. Wir müſſen ihn ſtürzen, ehe es zu ſpät iſt. Der Pater war in leidenſchaftlicher Aufregung durch das Zimmer geſchritten, ſeine Stimme hatte ſich faſt bis zum Schreien erhoben, und Graf Wittgenſtein ſuchte ihn zu beſchwichtigen.Hüten Sie ſich, hochwürdigſter Herr, ſagte er, Ihre Perſon darf nicht zu ſehr den Angriffen ausgeſetzt werden. Glauben Sie mir, man würde Sie keinen Augenblick reſpectiren, ſondern die ſchärfſten Maßregeln ergreifen, wenn Sie entdeckt würden. Ein Mann vom Orden Jeſu in Berlin, der hier im Verborgenen lebt welch ein Futter für die Scandalſüchtigen, welch eine will⸗ kommene Gelegenheit für die Aufklärungsmänner, welche unter dem Banner des Herrn Leibnitz ſich zuſammenſcharen!Man kennt Ihren Aufenthalt doch nicht? fragte Kolbe etwas ängſtlich.Ohne Sorge, ſagte der Pater.Unſer Vertrauter, Biedekap allein weiß darum. Aber Sie irren, meine Herren, wenn Sie mir Aengſtlichkeit zutrauen. Ich wage alles. Es wäre freilich ein gewaltiger Quer⸗ ſtrich, wenn ich aufgehoben, aus Berlin gewieſen oder gar nein, nein, das wagt niemand. Außerdem würde ich mich in den

Schutz des Geſandten begeben aber wer würde mich antaſten?

Wer? Danckelmann! rief Wittgenſtein.Er kennt keine Rück⸗ ſichten, er läßt Sie greifen, wenn nur der geringſte Verdacht auf

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Ihnen laſtet, irgend eine Verwirrung, eine Verſchwörung gegen ge⸗ wiſſe Perſonen, zu einem beſonderen Zwecke eingeleitet zu haben. Der Pater wurde trotz ſeiner Sicherheit unruhig.Es liegt nichts an mir, ſagte er ruhiger.Aber meine Miſſion wäre geſcheitert vielleicht für immer. Dennoch muß ich es wagen. Das Volk hier muß genährt werden in dem Glauben an die Gewalt der Kirche, es muß ihm gezeigt werden, daß ſelbſt die Größten, die Mächtigen auf dem Throne ſich in ihren letzten Stunden in unſere Gewalt geben, das iſt meine erſte Aufgabe. Dafür habe ich geſorgt. Es beſindet ſich in den Händen des Kurfürſten ein Teſtamentsanhang, in welchem der Hochſelige ſeinem Sohne die Annahme der katholiſchen Religion empfiehlt, ihm den Papſt als einen Herrn und Vater vorſetzt und dafür die Erhebung ſeines Hauſes verheißt dieſes Teſtament iſt mein eigenes Werk, meine Herren, ich habe es verfaßt und in des Kurfürſten Hände geſpielt. Die Anweſenden traten erſchreckt zurück, der Kehle Wittgenſteins entfuhr ein heiſerer Schreckensruf nur Metternich blieb ſtumm.Sie ſpielen um Ihre Freiheit mindeſtens, Herr Pater, verſetzte der Graf nach einer Pauſe. Sie ſind kühn und verwegen.Mag ſein, fuhr Wolff fort. Ich ſtand im Kugelregen der türkiſchen Batterie vor Wien, eben ſo ruhig als im Peſtlazarethe von Joppe, ich fürchte nichts für mich. Aber ich gehe deshalb noch weiter. Jenes Teſtament wird nicht geheim bleiben, es wird unter das Volk von Berlin und Branden⸗ burg kommen, es wird geleſen werden, denn es iſt nothwendig, daß die Gemüther ſich beſchäftigen mit dem Gedanken an die Bekehrung, welcher ein ſo mächtiger Geiſt wie der Friedrich Wilhelms war, ſich nicht entziehen konnte. Dann komme ich an die Löſung meiner zweiten Aufgabe, den Sturz Danckelmanns und die Verhinderung des Bündniſſes mit dem Oranier. Wer hilft dazu? eilen wir, denn Sie alle an dieſem Hofe müſſen den übermüthigen Kammerrath ſtürzen helfen, der Ihnen den Fuß auf den Nacken ſetzt.Wenn es möglich wäre, durch Hilfe einer Frau, das wäre der ſchnellſte, der geeignetſte Weg, ſagte Wittgenſtein nachdenklich.Aber unſre Damen ſind gar zu tugend⸗ haft und nicht gewandt genug, um ſich in den Windungen der Politik und Intrigue zurechtzufinden.Suchen Sie, meine Herren, ſuchen Sie, rief der Pater.Jede Stunde bringt uns dem Unheil näher. Welch ein Ereigniß, wenn das Bündniß mit dem Oranier zu Stande kommt!Wir müſſen handeln, ſagte Kolbe ent⸗ ſchloſſen.Nicht allein für Sie, Herr Pater, ſondern für uns eben⸗ falls. Schon habe ich eine bedeutende Zahl der jungen Hofcavaliere für mich gewonnen. Es bedarf nur noch eines Anſtoßes, eines be⸗ ſonderen Ereigniſſes, auch das werden wir herbeiführen, und der Kur⸗ fürſt wird gezwungen ſein, den kecken Günſtling zu entfernen. Suchen Sie das Weib, Herr Freiherr, rief der Pater.Sie iſt tauſendmal wichtiger und gefährlicher als Ihre ſämmtlichen Bundes⸗ genoſſen.Ich werde ſie finden, rief Kolbe,ſie wird für uns alle arbeiten, aber der Kammerrath muß gedemüthigt werden, wenn ſein Anſehen gelitten hat, iſt der Sturz nicht weit.Gut denn, gehen wir alle ans Werk. Während Sie den Günſtling ſtürzen, werde ich die Geiſter erregen wir arbeiten einander in die Hände aber eilen Sie, meine Herren.Vielleicht in zwei Tagen ſchon haben wir Danckelmann geſtürzt! ſagte Wittgenſtein,und die Gaſſe zum Miniſter für Sie, Herr von Wartenberg, iſt frei. Gedenken Sie dann Ihrer Bundesgenoſſen, ſchreiten Sie muthig vorwärts. Sie beſitzen alles, was erforderlich iſt für dieſen Kampf: Jugend, Kraft, Schön⸗ heit und Talent, deshalb haben wir Sie erkoren, unſer Werkzeug zu ſein, Sie ſollen Ambos und Hammer zugleich werden.Es ſei alſo! ſagte Wolff.Wir werden triumphiren. Nun ade, Ihr Herren und laßt bald von Euch hören. Man reichte ſich die Hände, die Männer ſtiegen die Treppe hinab, und niemand blieb im Zimmer, als Wolff und Biedekap.

Der Pater horchte noch einige Minuten aufmerkſam, dann, als die Tritte der Weggehenden verhallt waren, ſagte er zu dem Kammer⸗ diener:Jetzt eilt voraus in den Rathskeller und bleibt mit dem Manne nicht zu lange aus.Verfehlt den Weg nicht, Herr Pater, ſagte Biedekap.Ihr geht durch das Stralower Thor, die Stralower Straße entlang, dann über den Mühlendamm bis zur Petrikirche, von hier aus wendet Euch und geht die Grünſtraße gerade hinunter. An der Ecke wartet, denn dort ſoll es geſchehen.Ich kenne den Weg, entgegnete der Pater.Laßt mich nicht allzulange warten. Zehn Uhr hört Ihr? jetzt eilt Euch. Biedekap verließ das

Zimmer und nach einigen Minuten rüſtete ſich der Pater, ihm zu