Jahrgang 
13-26 (1867)
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der Bäume des kleinen Gehölzes blitzte.Wohin geht es denn eigentlich?Wir ſind zur Stelle, gnädiger Herr, ſagte der dritte der Wandelnden, auf ein einſames Haus deutend, deſſen Umzäunung durch ein ſtarkes Thor geſchloſſen war.Eilen Sie ein wenig voraus, Biedekap, ſagte der Begleiter des Kammerherrn. Biedekap lief, des Weges kundig, den Herren voraus und nachdem er ein wenig an dem Holzthore herumgeſucht hatte, hörte man den ſchwachen Ton einer Glocke. Bald darauf erſchien ein Licht hinter der Hecke, und ein Mann kam zu dem Thore.Wer iſt da? fragte er mit einer Anwandlung von Huſten.Oeffne Joſeph ſchnell, ſagte Biedekap; Ein Schloß ward geöffnet, und als die beiden Herren am Thore angekommen waren, konnten ſie daſſelbe paſſiren, über den Vorplatz ſchreiten und, von Biedekap geführt, eine Treppe hinanſteigen. Kurz darauf öffnete ſich eine Thüre dicht an der Windung der Treppe, und der helle Kerzenſchein, der aus dem Ge⸗ mache drang, ließ die Ankommenden zwei Männer ſehen, welche ſie bereits zu erwarten ſchienen. Die Eintretenden waren Freiherr Kolbe von Wartenberg und der Graf Ernſt Metternich. Als Kolbe in das Zimmer trat und ſein Blick auf den am Tiſche ſtehenden Mann fiel, trat er verlegen einen Schritt zurück:Der Pater Wolff? ſagte der Freiherr, mechaniſch dieſen Namen ausſprechend. Er ſelbſt in optima forma, entgegnete lachend der Pater, ſeine Hand dem Freiherrn entgegenſtreckend.Es iſt lange Zeit her, daß wir uns nicht geſehen haben, Herr Freiherr. Es war zuletzt an dem Tage, wo die hochſelige Frau Pfalzgräfin von Simmern in dem Pots⸗ damer Schloſſe die Aufwartung bei der Frau Kurfürſtin, jetzigen Wittwe machte.Es war eine ernſte Zeit, ſagte Kolbe.Wir alle ſahen es dem gnädigen Kurfürſten an, daß er den Tod im Herzen trage.Wir hätten damals handeln ſollen, ſagte Graf Metternich, ſeinen leichten Mantel abwerfend.Damals ſtand alles günſtig.Die Zeit zum Handeln iſt noch nicht vorüber wir ſind deshalb hier, entgegnete der Pater, einen Seſſel herbeiſchiebend. Freiherr von Kolbe wird uns unterſtützen.Ich bin auf Ihre Eröffnungen begierig, ſagte Kolbe, ſich in den Seſſel zurücklehnend. Sie werden kurz ſein, unterbrach Wolff.Mit einem Worte, Herr Freiherr! wollen Sie ſteigen? Kolbe ſchüttelte leiſe das Haupt.Wer möchte das nicht? antwortete er.Ich bin ledig⸗ lich deshalb an den neuen Hof gekommen.Gut denn. Jeder, der ſich ein Ziel geſteckt hat, ſieht, wenn er darauf zuſchreitet, nach beiden Seiten aus, wo ſeine Feinde ſich befinden welches glauben Sie, Herr Freiherr, ſind die Ihrigen? Kolbes Antlitz verfinſterte ſich.Ich meine hier nur einen Feind zu haben, verſetzte er. Aber dieſer Feind ſcheint mir Euer aller Gegner zu ſein meinen Sie nicht, Graf Wittgenſtein? ſagte er, ſich zu dem Manne wen⸗ dend, der mit Wolff im Zimmer geweſen war, als die drei Beſucher anlangten.Ich ahne, wen Sie meinen, entgegnete Wittgenſtein. Es bedarf keines Beweiſes, daß wir alle die Beſeitigung dieſes Einen wünſchen müſſen: es iſt der Kammerrath des Kurfürſten, Danckelmann.Getroffen, riefen die Anweſenden.Ihn gilt es zu ſtürzen, fuhr der Pater fort.Er iſt jedem ein Stein des Anſtoßes. Hochſtrebende Pläne hat der Kurfürſt wer iſt dagegen? Danckelmann. Denkt, Ihr Herren, wenn ein günſtiges Geſchick, eine glückliche Wendung der Dinge dem Herrn Kurfürſten eine Königskrone auf das Haupt drückte welch eine Stellung für Euch alle welch ein Emporblühen dieſer Reſidenz, die neuen Stellen, die erhöhete Pracht gegen dieſes Project des Herrn arbeitet der finſtere Danckelmann mit all ſeinem Einfluſſe, den er auf den Kurfürſten ausübt. Gelingt es ihm, den Herrn von dieſem er⸗ habenen Gedanken abzubringen, dann bleiben Ihnen die Stellen bei einem kleinen deutſchen Fürſten. Sie werden nicht die mächtigen Vaſallen eines Königs; der allgewaltige Miniſter, denn das wird Danckelmann nächſtens, läßt ſicher die überflüſſigen Cavaliere ſpringen, meine Herren, und mit Carrieren und Stellungen iſt es vorbei. Denken Sie ſich die Tyrannei dieſes finſtern Burſchen, der, wie ich höre, ver⸗ mocht hat, Ihnen, Herr Freiherr, den Eintritt in die Säle des kur⸗ fürſtlichen Schloſſes zu verbietenEr hat es aber nicht durch⸗ geführt, rief Kolbe erzürnt aufſpringend.Weshalb, Herr Pater, berühren Sie das? ich bin durch den Vorgang gedemüthigt genug worden, aber die Huld des Kurfürſten hat mich aufgerichtet. Beruhigen Sie ſich, Herr Freiherr, ſagte Wolff.Es geſchah nicht, um Sie zu erregen. Ich führte den Vorfall nur an, weil er

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aufs neue das Sündenregiſter des Herrn Danckelmann belaſtet.

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Wir wollen Sie rächen, Herr Freiherr, wir wollen Sie heben, damit Sie den dreiſten Mann in den Grund ſtoßen können. Danckelmann iſt uns allen ein Hinderniß. Ihnen für den Glanz und die Würde

Ihrer Stellung, mir für meine Pläne zum Heile der Kirche.

Will's da hinaus? lachte der Freiherr,die Herren ſind wahrlich ſchlau, aber wir werden uns nicht überrennen laſſen. an ſich.Herr Freiherr, ſagte Wolff, zu Kolbe tretend,Sie ſprechen das in dem heiteren, leichtfertigen Tone, der die heutige Geſellſchaft kennzeichnet, aber Sie bedenken nicht, welch eine ernſte Lage ſich rings um uns alle herzieht. Sie lächeln, wenn Sie an die geſtickten Meßgewänder, an Weihrauchwolken und Proceſſion denken und dennoch iſt Ihre Zukunft, Ihr Heil mit dem der Kirche eng verbunden. Die geſtickten Gewänder bringen Ihre ge⸗ ſtickten Cavalierkleider zur Geltung, die Weihrauchwolken werden dem Parfüm der hohen Geſellſchaft nicht hinderlich ſein, und mit der Proceſſion zieht die Macht über das ganze niedere Volk in die Hallen des kurfürſtlichen Schloſſes. Danckelmann iſt der Proteſtant, wie er im Buche ſteht, der nüchterne, alles mit dem kahlen Verſtande er⸗ faſſende Rechner; er kennt keinen unnützen Prunk er bucht die Ausgaben und ſtreicht nach dem Abſchluſſe eines Jahres, was ihm überflüſſig ſcheint. Meinen Sie, daß er Ihre Geſellſchaft für noth⸗ wendig erachten wird? wenn der Kurfürſt den Königstitel annimmt, wenn mit dieſer Erhöhung eine erhöhete Pracht eintritt, dann glänzt nach alter Weiſe der Klerus, denn nur gegen eine große Conceſſion für die heilige katholiſche Kirche wird Kaiſerliche Majeſtät in dieſe Umwandlung des Kurhutes willigen, die alten Mauern erheben ſich und die Kloſterglocken ſchallen, die Hallen, welche heute in Schutt und Trümmern liegen, werden aufgerichtet daſtehen wenn dieſe Zeit gekommen ſein wird, dann werden Sie, Herr Freiherr, nicht mehr vor dem Rathe von Danckelmann die Honneurs zu machen brauchen, die Herren in der Umgebung des Hofes brauchen nicht mehr zu zittern, wenn der wuchtige Tritt des finſtern Mannes durch die Vorzimmer ſchallt, und mit dem Triumph der Kirche ſteigen die, welche ihre Feinde vernichten halfen. Wollen Sie den Kammerrath ſtürzen?

Der Freiherr Kolbe von Wartenberg blickte den Anweſenden be⸗ fremdet in die lauernden Geſichter.Ich? ſagte er,wie käme ich dazu, mich einer ſolchen That zu vermeſſen? noch bin ich nur halb und halb ein Gaſt am hieſigen Hofe. Wie traute ich mir ſolche Ge⸗ walt zu?Sie kennen ſich ſelbſt ſchlecht oder ſind in der That noch ein Neuling, ergriff nun Metternich das Wort.Wer wie Sie die offenbare Gunſt des Kurfürſten beſitzt, kann ſchon einen Schritt vorwärts thun. Haben Sie wirklich nicht überlegt? wie? der

allmächtige Günſtling des Kurfürſten, Danckelmann, der mit voller

Gewalt bekleidet iſt, weigert Ihnen den Eintritt zu dem Empfangs⸗ ſaale, dieſen Befehl macht der Kurfürſt vor dem verſammelten Hofe dadurch zu Schanden, daß er ſeine Freude darüber ausſpricht, Sie an ſeinem Hofe begrüßen zu können Sie werden zum Reichs⸗ marſchall ernannt, wenn der Kurfürſt ſich in die Länder ſeines Reiches begibt iſt das nicht der klarſte Beweis? ein aufdämmern⸗ der Stern ſind Sie, Herr von Wartenberg zerſtreuen Sie mit feſter Hand das Gewölk, welches Ihre Strahlen verhüllt. Vereinen Sie ſich mit uns gegen Danckelmann. Der Freiherr warf unwill⸗ kürlich ſeinen Kopf in den Nacken. Er ſagte ſich ſofort ſelbſt, daß ſeine Perſon eine bedeutende für die Zukunft war.

Die hier verſammelten Männer mußten ihm große Gewalt zu⸗ trauen, ihre Stellung am Hofe, die des Pater Wolff in den geheimen Gängen und Gemächern der Diplomatie bürgten ihm für einfluß⸗ reiche Hilfe.Dies iſt alſo der Grund, weshalb ich heute hierher⸗ geführt ward, ſagte der Freiherr.Kein anderer, entgegnete Wolff.Sie ſollen der Schild werden, der Danckelmanns Hiebe gegen die Cavaliere parirt, Sie ſollen die Lanze werden, die ihn in den Sand rennt.Es iſt alſo eine Verſchwörunga gegen den Kammerrath.Gewiß. Freilich iſt es kein Hotel Chevreuſe oder Soubiſe, wie es in der Hauptſtadt Frankreichs ausgewählt wird, um von da aus die Verſchwörung zu leiten. Es iſt nur ein ſtilles, halbverfallenes Häuschen, welches ich, fern von dem verrätheriſchen Treiben der Hauptſtadt, bewohne. Aber was wir hier ausmachen und mit einander beſchließen, iſt von eben ſo großer Wirkung auf dieſes kleine Land, wie es die Beſchlüſſe in jenen Paläſten von Paris auf die großen Ereigniſſe geweſen ſind, welche ſich in Frankreich zu⸗

Jeder denkt

getragen haben.Aber wie wie ſtürzen wir ihn? haben Sie

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