Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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immer näher kommen ſie an Podol heran, immer deutlicher hörbar wird das Feuer des Gefechts; als ſie faſt angelangt ſind, iſt das

Schießen matter geworden wer ſtellt den Kampf ein? Die Freunde

oder der Feind? Halt! da ſtößt man auf Truppen. Die Spitzen Ses Woſeſchen Corps haben die zurückgehenden Jäger und 72er er⸗

icht. s iſt unmöglich, das Dorf zu halten.Wir haben ſchon Liſiere geſteckt.Die Uebermacht iſt zu groß, ſo tönt es von allen Seiten.Wir müſſen Podol haben ohne alle Wider⸗ rede, ſagt Generalmajor von Boſe.Ich bringe Hilfe. Es braucht nicht langer Auseinanderſetzung, die Hilfe iſt da alſo man wendet ſich, und wenige Minuten ſpäter krachen die Salven wieder durch die Nacht, der Feind fühlt, daß Verſtärkung gekommen iſt, er muß ſich rüſten, den Kampf wieder zu beginnen, neues Hurrah donnert ihm entgegen, friſche Truppen dringen mit den alten Gegnern vereint auf ſeine Scharen, und zahlreicher werden die Leichen.

Während deſſen hatte der Commandeur des 3. Thüringiſchen Infanterie⸗Regiments, Oberſt von Avemann, die beiden Füſilier⸗ Bataillone der Brigade zur Unterſtützung mit in das Gefecht gezogen, deſſen Hitze nun immer ſtärker angefacht wurde. Die Preußen, durch das Hinzukommen der Hilfe jede Ermattung vergeſſend, drangen gegen die Dorfſtraße vor.

Als die Jäger und die Füſiliere des 72. Regimentes mit den herbeieilenden Truppen des Generalmajors von Boſe vor dem Dorfe zuſammentrafen, riefen ſie den Einunddreißigern den Willkommen zu und zugleich die Ermahnung:Zielt tief, haltet nicht zu hoch! Die Oeſterreicher ſchießen alle zu hoch! Dieſer Hinweis der Truppen auf die unrichtige Handhabung der Feuerwaffe erklärt die bis gegen 11 Uhr Nachts noch ziemlich geringen Verluſte der Preußen. Nunmehr aber nahm das Gefecht durch ſeine außerordentliche Hartnäckigkeit den Charakter einer Schlacht an.

Zuerſt dringen zwei Compagnien des 31. Regimentes vor, während das zweite Bataillon unter Major von Hagen ſich mit den Jägern vereinigt. Unterſtützt durch dieſes Bataillon gelingt es den vereinten Kräften, die Oeſterreicher hinter das berüchtigte Gebäude zu drängen. Man iſt bis an die Häuſer des Dorfes gekommen, wo⸗ ſelbſt der Feind einen ſtarken Verhau von Weidenbäumen errichtet hat. Unterdeſſen hatte man die 6. Compagnie des 31. Regimentes in die rechte Flanke detachirt, von wo aus die Salven jener Com⸗ pagnie höchſt vortheilhaft gegen den Feind wirkten.

Unter einem furchtbaren Toben, vom Knattern des Gewehr⸗ feuers und dem ſchrecklichen Lärmen, der einen der verzweifeltſten Kämpfe begleitet, forcirten die Preußen endlich den Eingang des Dorfes.* Hier wurde häufig in einer Entfernung von fünf Schritten Feuer aufeinander gegeben. Eine vollkommene Dunkelheit lagerte über dieſer großen Scene des Grauens, der Vernichtung, nur die unaufhörlich blitzenden Schüſſe zerriſſen augenblicklich den ſchwarzen Mantel, welchen die Nacht um die Kämpfenden breitete. In langen Schwingungen rollt das Feuer der Preußen dahin dieſem Krachen folgt Todtenſtille. Es iſt eine ſtumme, grauſige Anerkennung, mit welch ſchrecklicher Genauigkeit die Schüſſe der Preußen gewirkt haben. Es iſt, als müſſe der Feind erſt eine Pauſe machen, um Athem zu ſchöpfen, um die Gefallenen flüchtig abſchätzen zu können, welche die Kugeln der gefürchteten Zündnadelgewehre niedergeſtreckt haben. Noch ſchwebt der Dampf zwiſchen den Gegnern. Jetzt hört man die Signale der Oeſterreicher. Sie ſammeln aufs neue ihre Leute, und bald antwortet eine Salve des Feindes den Preußen

Von allen Seiten wälzt ſich der Kampf geger Immer dichter dringen die Preußen in der engen Oeſterreicher, immer zahlreicher werfen dieſe ſich den Anſtürmenden entgegen. Die Bekleidung der Mauern, die Glasſplitter der zer⸗ ſchmetterten Fenſter, Steine und Bretter fallen auf und neben die Kämpfenden. Geſchrei und Stöhnen überſchallen häufig das Knattern der Einzelſchüſſe. Aber nun ſind die Preußen inmitten der Straße, und der blutige Knäuel ſchiebt ſich vorwärts gegen die Brücke. Hauptmann von Prittwitz hat die 5. Compagnie zur Attaque geführt, kaum hat er das Commandowort ausgeſtoßen, als er ſchwer, tödtlich verwundet niederſinkt.Kinder, ruft er den Lazarethgehilfen zu, laßt mich nicht in Gefangenſchaft gerathen! Man ſchleppt ihn aus dem wüthenden Gefechte. Ueberall blitzen jetzt die Schüſſe auf. Aus den Fenſtern feuern die Oeſterreicher, von den Dächern, hinter den Hofthüren hervor pfeifen die Kugeln. vertheidiat die Dorfſtraſte Schritt für Schritt, jeden Fuß breit müſſ

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Die Hauptmacht des Feindes⸗

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die Preußen den tapfer kämpfenden Gegnern abringen. In dieſer Verwirrung bewahren die vordringenden Bataillone einen unerſchüt⸗ terlichen Muth. Die Zündnadelgewehre zeigen auch hier die Ueber⸗ legenheit; die Oeſterreicher, dicht auf einen Punkt zuſammengedrängt durch die vorn anſtürmenden Preußen, ſind im Rücken durch ihre eigenen Leute, welche zum Kampfe gegen die Feinde geführt werden, an der freien Bewegung dergeſtalt gehindert, daß die feuernden Glieder in dem engen Raume kaum noch den Ladeſtock zu gebrauchen ver⸗ mögen, das Zündnadelgewehr aber geſtattet den Preußen, dieſe Waffe in jeder Lage zu handhaben, und ſo praſſelt das Feuer unaufhörlich.

Die Todten und Sterbenden häufen ſich an den Seiten und in der Mitte der Straße, neben und vor den Oeſterreichern, aber auch in die preußiſchen Peihen ſauſt das Geſchoß des Feindes; nicht nur fechten die Gegner mit großer Todesverachtung und Hartnäckigkeit in der offenen Straße, ſie wiſſen auch jeden Hinterhalt, jedes Haus, den kleinſten Pfahl, ein Heiligenbildſtöckchen oder dergleichen zu nützen, um von dorther ihre wohlgezielten Schüſſe in die Glieder der preu⸗ ßiſchen Soldaten zu ſenden. Vorzüglich gefährlich war das aus den Häuſern abgegebene Feuer, deſſen Wirkung häufig genug verderblich wurde. Auch vermochte man den Schützen nichts anzuhaben, da die Finſterniß das Erkennen der Verdecktſtehenden hinderte. 84

Indeſſen waren die Preußen unermüdlich in der Straße vor⸗

gedrungen, die Oeſterreicher wichen langſam zurück. Hierbei war es

natürlich, daß die in den Häuſern am linken Iſerufer befindlichen Schützen in die Gewalt der Preußen gerathen mußten. feuerten dieſe Leute ohne Zaudern auf die Gegner, deren Vorrücken ihnen doch nicht zweifelhaft ſein konnte, denn ſchon hörte man das Hurrah der Preußen faſt am Ende der Dorfſtraße, und die Pauſen zwiſchen den öſterreichiſchen Salven wurden immer länger. Die preußiſchen Verluſte waren auch bis jetzt, trotz des wüthenden Feuers der Oeſterreicher, verhältnißmäßig gering, obwohl mehrere Officiere bluteten und von den Soldaten ſo mancher auf der blutgetränkten Erde von Podol, ſtumm gemacht für ewig, ruhte.

Halb zwölf Uhr! Da bricht zwiſchen den Wolken der Mond hervor, jetzt erſt kann man die ganze Scene des Grauens, der Ver⸗

wüſtung überſchauen, jetzt erſt vermag man, ſich genau zu erkennen, das

milde Licht des Himmels zeigt, wohin die Gegner zu feuern oder zu ſtoßen haben, es zeigt die Sterbenden, die Todten, und als ob der Schein des Mondes nur erwartet worden ſei, um ein neues Gemetzel zu beginnen, ſtoßen die Kämpfenden mit doppelter Gewalt aufeinander. Um jeden Preis wollen die Oeſterreicher die Brücken behaupten, welche die Preußen ihnen abringen müſſen, koſte es, was es wolle. Die Mannſchaften wetteifern an Muth und Ausdauer, über Leichen und Verwundete hinwegſtolpernd und ſtürzend, dringen ſie vor; aber das Beiſpiel ihrer Officiere feuert ſie auch doppelt an ſich nicht um ein Kleines mehr werth ſchätzend als ihre Leute, ſtürzen die Officiere in den Feind, jeder will es den Kameraden an Muth und Entſagung zuvorthun, es iſt eine Freude, ein Glück, heut mit dem Gewehre, mit dem Bajonett, mit dem Säbel Mann gegen Mann an dem Gefechte theilnehmen zu können, heut ſind die Führer nicht nur zum Comman⸗ diren da, ſie wollen thätlich, blutig eingreifen in den Gang der Ent⸗ ſcheidung, und ſo erfaßt Generalmajor von Boſe das Gewehr eines Gefallenen und ſtürmt der Commandeur einer Brigade 8 neben ſeinen Lauten auf die Feinde. Lange Schatten werfen die Häuſer im Mondlicht auf die Kämpfenden, aber dieſe dunkeln Stellen erhellt das Feuer der Schützen, röchelnd verſcheiden die zum Tode Getroffenen, ihre brechenden Augen auf den Mond gerichtet, deſſen Schein vielleicht dazu diente, dem Feinde ihre Bruſt als Ziel zu bieten. Die Wellen des Fluſſes zittern im Mondlichte, als bebten ſie angſtvoll in ihrem Bette vor dem Toſen des Kampfes, der ihnen jetzt ganz nahe gerückt iſt, denn die ausgeſchwärmten Schützenlinien ſenden ſich von den gegenüberliegenden Ufern her die Kugeln zu. Jetzt ſteht das Gefecht cinige Zeit lang, ſelbſt auf der Landſtraße wüthet der Kampf, und die preußiſchen Reſerven haben ſich ſeitwärts an der Dorfſtraße aus⸗ gebreitet, immer drückender, heißer wird die blutige Umarmung, in welche die Oeſterreicher geſchloſſen werden ſollen. Während des Vordringens haben ſich die oft gelockerten Glieder wieder feſt ge⸗

ſchloſſen. Nach dem Falle des wackeren Prittwitz hat Lieutenant von

Egloffſtein die 5. Compagnie des 31. Regimentes übernommen, ruhig rangirt der Feldwebel ſeine Leute.

dringt nun gegen die Häuſer vo eſen

aus denen noch inzner

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Dennoch 5 Ddi erſten

Mit der 5. Compagnie vereinigt ſich die ſiebente, Hauptmann von Wurmb führt dieſe, und man

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