Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
316
Einzelbild herunterladen

316

Das Nachtgefecht von Podol beginnt.

Allmählich ſeine Poſten von Swierzin aus gegen Podol vor⸗ ſchiebentz, hatte General Horn ſehr bald in Erfahrung gebracht, daß Van gzezina aus die öſterreichiſchen Truppen zur Deckung und Beſetzung Podols ihm entgegengeworfen wurden. General Clam⸗ Gallas wollte hier die eiſerne Brigade, die wäh⸗ rend des Gefechtes von Liebenau nur theilweiſe mit eingegriffen hatte, in ihrer ganzen Gewalt wirken laſſen, wenngleich ſein Plan nur darin be⸗ ſtand, der erſten und Elbarmee der Preußen einen Aufenthalt zu bereiten. Schwerlich beabſichtigte der General hier noch einen Offenſivſtoß, obwohl der Brigade noch das Regiment Ramming(Nr. 72) beigegeben war; er konnte ſich keinen großen Erfolg mehr für die Offenſive verſprechen.

Als Avantgarde der vorrückenden Diviſion ſtießen die Leute des Magdeburgiſchen Jäger⸗ bataillons Nr. 4, zwei Compagnien ſtark, auf den Feind, etwa tauſend Schritt von der Podoler Eiſenbahnbrücke. Das Feuer begann ſofort. Man hatte trotz der Finſterniß vollkommene Fühlung des Feindes und zugleich die Gewißheit erlangt, daß Podol ſtark verbarrikadirt war.

Hinter den preußiſchen Jägern befanden ſich Truppen des 72. Infanterie⸗ Regiments(Füſiliere) in der Stärke eines Bataillons. Die Jäger warfen ſich unter dem Feuer des immer zahlreicher heran⸗ drängenden Feindes in die zunächſt liegenden Gebüſche, welche dem Kampfplatze gegenüber ſich befanden, und ſetzten ſich bald in der Liſière feſt. Die Füſiliere des 72. Regiments detachirten zwei Com⸗ pagnien nach links, um die Flanke zu decken, zwei andere Compagnien drangen gegen die Brücke vor. Während deſſen war das Feuer von beiden Seiten ſehr lebhaft geworden, die Kugeln pfiffen durch die halbhelle Nacht, ohne noch des Treffens gewiß zu ſein, da die Schützen nur unſicher zu zielen vermochten. Um die in der Li⸗ ſiere feſtgeſetzten Jäger zu vertrei⸗ ben, unternahmen die böſterreichiſchen Regimenter Mar⸗ tini und ein Theil des Regimentes Ramming einen ſehr heftigen An⸗ griff, ſie wurden aber mit bedeu⸗ tendem Verluſte zurückgewieſen, und die erſte ſchreckliche Wir⸗ kung des Zünd⸗

nadelgewehrs äußerte ſich hier in grauenerregen⸗ der Weiſe. Gleich⸗ wohl vermochten die Preußen nicht, weiter vorwärts zu dringen. Die Beſetzung Podols war durch mindeſtens 8 Bataillone bewerkſtelligt. Gleich beim Anrücken der Preußen hatten die zurückgehenden Vorpoſten der Oeſterreicher ſich in das rechts von der Straße gelegene Niederlagsgebäude von Podol geworfen. Dieſes Haus deckte die dahinterliegende Brücke. Vereint mit den bereits hier aufgeſtellten Truppen eröffneten ſie nun ein verheerendes Feuer auf die Preußen, und zwar ne⸗ mtlice Weeen Augenblicke, als von Podol her die Regim urmen d Mar⸗ tini ſich gegen die Liſière warfen Seſehrenter Ramming un. förmiges Gebäude, des-n, gewählt Das Haus iſt ein großes ein⸗

verwahrt* 4 fe w gen offe

Den und Hin

ne Fenſter durch ſtarke Eiſentraillen

General Horn.

Gefecht bei Hünerwaſſer. Angriff des 32. öſterreichiſchen Jägerbataillons.

Schritte Entfernung Feuer abgebend, avanciren ſie gegen die Preußen.

benähnliche Vertiefung, die nach Podol zu von einer kleinen Brücke überſpannt wird. Hier entbrannte ſogleich ein wüthender Kampf. Klatſchend ſchlugen die Kugeln gegen das Mauerwerk, in den Sand ſtürzten die preußiſchen Männer, von den öſterreichiſchen Jägern, welche im Hauſe eine ſichere Stellung hatten, genau auf das Korn genommen, aber auch mancher Burſche im grauen Rocke, mit dem Federhut auf dem Haupte, hing in den Eiſen⸗ gittern. Einige Male verſuchten die Truppen des 72. Füſilier⸗Bataillons, gegen dieſes Ver⸗ derben ſpeiende Gebäude anzudringen, dann war es, als tauchten aus dem Graben hunderte von Feinden auf, und wenn dieſe Geſtalten kaum er⸗ blickt worden waren, knatterte ſchon die tödtliche Salve durch das Halbdunkel. Getrennt von zweien ſeiner Compagnien hatte der übrige Theil des Füſilier⸗Bataillons in dieſem mörderiſchen Feuer eine äußerſt gefahrvolle Stellung. Na⸗ mentlich war die von der 10. und 11. Com⸗ pagnie zur Beſetzung des Eiſenbahndammes detachirte Hälfte in großer Bedrängniß. Aber dieſe tapferen Männer harrten mit eiſerner Ruhe in der von den Kugeln umſauſten Poſition aus, fortwährend ihr Feuer gegen den Feind ſendend. Der ſchmale Damm führte ſie den Feinden gerade entgegen, die hier nur auf 80 Schritt Entfernung aus ſicherer, gedeckter Stellung ihr Feuer ab⸗ geben konnten. Das Krachen der von allen Seiten aufblitzenden Schüſſe war fürchterlich. Ohne zu wiſſen, wo der Feind lag, drängten die Preußen vorwärts, um wieder die Chauſſee zu erreichen, welche ſich mit der Brücke verbindet. Die Lagen des Zündnadelgewehrs folgten immer ſchneller auf einander, das Schreien und Toben ward immer lauter.

Unter fortwährendem Feuern gelang es den Füſilieren des 72. Regimentes, auf der Chauſſee zu avanciren, welche von den feind⸗ lichen Kugeln beſtrichen wurde. Merkwürdiger und faſt unerklär⸗

licher Weiſe hat⸗ ten die 72 er bis zu dieſem Augen⸗ blicke erſt den Verluſt von ſieben Todten zu bekla⸗ gen, obwohl aller⸗ dings manche Ver⸗ wundung vorge⸗ kommen war. Vollſtändig ohne jene Deckung, ge⸗ wahrte man plötz⸗ lich beim Blitzen des Gewehr⸗ feuers, daß die Chauſſee etwa fünfzig Schritte vor den Füſiliren eine tiefe Senkung machte. Unmit⸗ telbar nach dieſer Entdeckung zeigte es ſich ſogleich, daß die Oeſterrei⸗ cher ſich dieſes Terrainvortheils bedient hatten, denn bei dem Vorgehen der Preußen erhoben ſich plötzlich aus der Sen⸗ kung die feindlichen Infanteriſten und rückten mit lautem Rufe gegen die Füſiliere. Der Angriff der Oeſterreicher erfolgt bei ſolchen Ge⸗ legenheiten auf ein beſonderes Zeichen. Der ſchrille Ton einer Pfeife gibt das Signal. Hierauf ſtürzt alles vorwärts. Ihre weißen

formen leuchteten geiſterhaft durch das Dunkel und, auf 50

*

Die Salve der 72er knattert, die vorderſten der Feinde ſinken,