Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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tochter eine Unterhaltung anzuknüpfen. Maria erſchien auch bald wieder am Fuße des Thurmes. Sie ſchien bereits daran gewöhnt, Deffrung an Delven nicht weit von ſich zu ſehen, denn unwillkürlich blickte ſie

* 1 zum Hauſe hinauf, welches über die Mauer hinwegragte, und ſogleich

das pi ari Dffri 3 erſchallte der Ruf:Herzlichſten guten Abend, ſchöne Maria. Das r das es ſe Mädchen erwiderte den Gruß nur halblaut.Aber weshalb heute n der dählun ſo ernſt und förmlich? ſagte Oelven, ſich weit aus dem Fenſter legend. teine zuſammIch ſollte gar nicht mit Euch reden, ſagte Maria.Man hat mich ler gegan 5 vor Euch gewarnt, Ihr ſollt ein Ausbund ſein ich werde ins Ge⸗ bereit ſetende rede kommen.Das iſt ſtark, ſagte der Fenſterinhaber,und ich holen. Rre muß Euch doch um eine Erklärung bitten, Jungfer Maria ich kann Nadden das nicht ſo hinnehmen da aber die Auseinanderſetzung lange an⸗ n des Krenin halten wird, ſo bitte ich, mir zu geſtatten, die hindernde Mauer über⸗ därt mir des ſchreiten und in den Hof kommen zu dürfen.Wo denkt Ihr rut, nicht hin? rief Marie,nimmermehr.Es hilft Euch nichts. Wenn

ſonde, bis zu mir dieſe Unterredung nicht gewährt werden ſollte ſo bin ich ge⸗

(ne er,und vöthigt, laut zu ſchreien. Ich heule meine Klagen in die Nacht hin⸗

rehre hier aus das werdet Ihr nicht wollen das¹ die letzten denthnc in Worte erſtarrten in der Tiefe des Zimmers, Oelven hatte ſich vom derrenftir Fenſter hinwegbegeben, und wenige Augenblicke ſpäter ſah die er⸗ Aberra t, die

ſchreckte Maria ihn an den Gitterſtäben rütteln, welche das Eingangs⸗ Beſorgt, daß der kecke Burſch Lärmen verurſachen werde, blieb dem armen Kinde nichts übrig, als das Gitter zu öffnen, Oelven ſpazierte wohlgemuth hinein. Er befand ſich in der feindlichen Feſtung.Da wäre ich, allerſchönſte und be⸗

des Gewölbes uſchte durch die Es eilt

thor zum Hofe bildeten.

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3 Küſter lobteſte Jungfrau, begann er.Nun laſſet uns plaudern und klagt Wirklich eilte mir Eure Noth. Maria entzog ihm ſchüchtern ihre Hand, welche on umher, er er ergriffen hatte.Laßt mich, Herr Oelven, flüſterte ſie.Wenn

Treppe zu

man uns ſähe ich wäre des Todes. Unwillkürlich barg ſie das uf dem kürzeren

Licht der Laterne hinter dem Vorſprung der Mauer.Schönſte Maria, ſagte Oelven.Ich bitte jetzt mir eine Strafpredigt zu halten beim Monden ſcheine. Was hat, was kann man von mir Böſes reden? ich ahne, wer mir wieder einen Liebesdienſt erwieſen hat. Maria begann nun mit Zagen die Warnungen zu wiederholen, welche die Freundin ihr zugeflüſtert hatte. Sie erzählte getkeulich den Zwiſt, den beide gehabt und war grade mit der Schilderung des⸗ ſelben zu Ende, als knarrend die Thurmthüre aufging und der alte Küſter mit den beiden Fremden erſchien.Mein Vater, flüſterte erſchrocken das Mädchen.Wenn er uns ſähe!Zieht Euch zurück, ſagte Oelven leiſe,hier in den Schatten des Vorſprunges ſo. Beide ſtanden im Dunkel und vermochten von dort aus, ohne geſehen zu werden, die Vorgänge zu beobachten.

Die beiden Männer blieben an der Thüre ſtehen, während der Küſter in den Schuppen ging, ſeine Werkzeuge zu holen. Als er um die Ecke des Thurmes bog, fiel der Schein der Laterne auf das Geſicht des einen.Biedekap? ſagte Oelven leiſe.Was will der hier? ſein Hals verlängerte ſich, er zog ſeine Stirne kraus, um ſchärfer ſehen zu können. Flöricke kam zurück. Da er die Schlüſſel hervor⸗ zog, die Kixchthüre zu öffnen, reichte er Biedekap die Laterne, wodurch

t verſchwand. und Bein? , und das t worden.

Zeitpunkte, Man wird nannte Oelven Dieſe Straße pftaaſſe hinlief, er getrennt.

waren, ſo ver⸗ 4 3

e uee ſ das Antlitz des zweiten Mannes beleuchtet ward. Als ſei ein Blitz 1 8 ohtung nit voor ihm niedergefahren, ſo ſchnell beugte ſich Oelven in den Schatten terha 3 7

der Mauer zurück, aus dem er, ſich mit den Händen an dem Geſtein haltend, weit hervorgeſchaut hatte.Er iſt es, murmelte er.Es iſt der Fremde. Ich bin wohl zu rechter Zeit hierhergekommen. Die Männer gingen in die Kirche. Oelven that einen Schritt vor⸗ wärts.Was wollt Ihr? ſagte die ängſtliche Marie, ihn aufhaltend. Laßt mich ich muß wiſſen, um was es ſich handelt.Um Gottes willen bleibt zurück Ihr ſtört vielleicht ein frommes Werk.

, und da er Minute die

eine beſondere fe ſic bemerk⸗ dauſe des K⸗

zu thun, alsLiebſte Jungfer, laßt mich ich muß den dreien nach. Kennt Hauſe befind⸗ Ihr den hageren finſteren Mann?Nein, nein.Alſo, ſtine Abſchied weer weiß, ob ich Euch und dem Vater nicht nutzen kann. Er machte orte und be ſich ſchnell von der Kleinen los, und bevor dieſe ihn noch halten konnte, zwei Dumm befand er ſich ſchon an der Kirchthüre. Da er die Männer gehen und

um ſich Al⸗ Blörſinnige Gunderhof da 8 2 Oelven 8n

ſprechen hörte, blieb er draußen ſtehen, der zitternden Maria Schweigen zuwinkend.

Endlich, als es ſtille geworden, öffnete er die erſte Thür, dann leiſe die zweite ſie war nicht verſchloſſen Flöricke hatte vergeſſen, die Pforte zu ſperren. Oelven gelangte in die Kirche. Um nicht

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Was mag das bedeuten? Wieder wartete er eine geraume Zeit, dann ging er auf den Zehen vorwärts, ſo leiſe wie möglich, obſchon der Sand unter ſeinen Füßen knirſchte und ein Echo erweckte. Ohne beſondere Unterbrechung kam er, vom Mondlichte geleitet, bis an den Eingang des Gewölbes, als plötzlich mit lautem Gepraſſel der Wind die Thüre zuwarf. Ein Donner rollte durch die Kirche. Oelven glaubte einen der dreie hervorkommen zu ſehen, aber es geſchah nicht, dagegen tönten Schläge von unten herauf.Schatzgräber? ſagte der junge Mann.Wir wollen ſehen.

Sich gegen die feuchte Wand drückend, gelangte er glücklich unten beim Fuße der Treppe an. Ganz hinten, in dem Dunſtkreiſe der Feuchtigkeit und des Moders faſt erſtickend, ſah er einen Licht⸗ ſchimmer. Da eine unmittelbare Annäherung ihm gewagt ſchien, be⸗ ſchloß er, zwiſchen den Todtenſchreinen weiter gehend, bis in die Nähe der nächtlichen Arbeiter zu gelangen. Er verurſachte das Gepolter, welches die dreie erſchreckte; dann drückte er ſich hinter einen großen Metallſarg und war von hier aus Zeuge der oben beſchriebenen Scene. Was barg jenes Käſtchen? wer iſt der Mann, der in ſo ge⸗ heimnißvoller Weiſe hier auftritt? wie kommt er in die Geſellſchaft des kurfürſtlichen Kammer⸗ und Leibdieners? das waren die Fragen, welche Oelven ſich ſelbſt vorlegte und deren Beantwortung ihn ſo ſehr beſchäftigte, daß er vergaß, ſich vor den Arbeitenden aus dem Gewölbe zu entfernen, daher geſchah es denn, daß er mit ihnen zugleich aufbrach und in größter Haſt zwiſchen alles Gerümpel hin⸗ durch an den Ausgang zu kommen ſuchte, was ihm beinahe mißglückt wäre. In drei Sprüngen war er durch die Kirche bis zur Thüre ge⸗ kommen dann öffnete er dieſe ſchnell und ſtürmte ins Freie. Maria war verſchwunden, das Gitterthor geſchloſſen, Oelven über⸗

kletterte es mit der Geſchicklichkeit einer Katze und mußte ſogar hören,

wie der Nachtwächter von der Heiligen Geiſtſtraße, um die Ecke bie⸗ gend, ihm ein Werda zurief. Ohne ſich aufzuhalten, rannte er in ſein Haus und dann an das Fenſter. Er ſah von hier aus die dreie aus der Kirche kommen, dann öffnete Flöricke das Gitter und entließ die Fremden. Sie verſchwanden in der Richtung nach dem Molken⸗ markte zu. Oelvens Kopf glühte. Er hatte anfangs Luſt, die beiden zu verfolgen, allein er ſagte ſich, daß ſie, durch ſein Lauſchen ſchon aufmerkſam gemacht, jetzt noch vorſichtiger ſein und ihren Lauf ver⸗ ändern würden. Er warf ſich auf ſein Lager, aber er vermochte nicht zu ſchlafen was war der Grund, die Urſache dieſer Einmauerung des Käftchens? Eine Geiſterbeſchwörung? dazu erſchien der geheimniß⸗ volle Mann Oelven nicht einfach genug. Das intelligente Geſicht ſchien nicht dem Glauben an Spuk in ſeinen Gedanken Raum geben zu können; daß er den alten, für einen höher Begabten geltenden Küſter aufgeſucht, mußte eine beſondere Bewandtniß haben. Oelven wälzte ſich noch unruhig auf dem Lager umher, als die Morgenſonne ſchon in ſeine Fenſter ſchien.

Als der Pater Wolff am folgenden Abende dem Baron Freytag einen Beſuch machte, ſagte er:Ich habe eine neue Mine gelegt. Sie wird ganz erſchütternd wirken und das, was ich einſt zu Tage bringen werde, wird die Geiſter noch Jahrhunderte nach uns beſchäf⸗ tigen. Er rieb leiſe ſeine Hände und lächelte.

Herr von Danckelmann und ſein Secretarius.

Die fürfllice Kanzlei lag im Erdgeſchoſſe des Quergebäudes, welches die beiden Höfe des Schloſſes zu Berlin von einander ſcheidet. Hier waren im Jahre 1688 noch nicht ſo viele große Pulte und Re⸗ poſitorien, die Schreiber ſaßen auf Lederſtühlen vor kleinen Tiſchen, und die Wände bedeckten die Actenſchränke oder man ſah hin und wieder einen Kupferſtich in holländiſcher Manier, oder eine Landkarte von Merian. Das Beamtenperſonal beſtand aus drei Räthen, zwei Oberſchreibern und vier Schreibgehilfen. Zu den letzteren gehörte Oelven, der ſich ſehr großartigSecretär des Herrn von Danckelmann tituliren ließ. Am Morgen nach der ſo eben geſchilderten unruhigen Nacht ſaß der Schreiber an ſeinem Platze und kaute an ſeiner Feder. Vor ihm lagen einige Haufen von Rechnungen, welche copirt werden ſollten, aber Oelven vermochte nicht, ſeine Gedanken von den Erleb⸗ niſſen der Nacht zu wenden. Er ſah immer wieder die Scene im

reigeiſ⸗ wes⸗ uauuützen Läarm zu machen, hatte er die Thüre nicht ins Schloß ge⸗ Grabgewölbe vor ſich und malte mechaniſch einen Ritter an den Rand

i den enſtenwoorfen. Er ſtand im Dunkel des Seitenſchiffes und ſah gerade noch, des Papieres, das ihm zur Unterlage diente. Es war ihm zu Muthe,

Da der wie die dreie in dem gegenüberliegenden Gange, in der Tiefe des als müſſe heut etwas Beſonderes mit ihm vorgehen und er ſchien

Fuſf 1 Gewölbes verſchwanden.Sie ſteigen in die Gruft, ſagte er. geneigt Schlimmes zu fürchten, denn die Ereigniſſe hüllten ſich in einen aſters⸗.

ſcen Küſter 8