Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
306
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kein Unfug, keine Zauberei im Spiele war, dafür bürgten ihm die heiligen Zeichen auf dem Käſtchen, auch ſchien der Fremde ein ehr⸗ ſamer Mann, da er mit Biedekap, dem kurfürſtlichen Kammerdiener verkehrte. Am Fuße des Thurmes angekommen, ſagte Flöricke zu den beiden:Wartet einen Augenblick, bis ich die Werkzeuge geholt habe. Er ging in einen nahegelegenen Schuppen und kam bald mit einem Grabſcheit, einer Hacke und einem Hebel zurück.Jetzt laßt uns gehen, ſagte er,die Zeit verſtreicht ſonſt unnütz. Er ſchloß die Kirchthüre auf und verſchwand, mit den beiden Männern durch den Eingang in das Schiff tretend. Die Tritte der drei hallten dumpf durch den großen gewölbten Raum. Lange Schatten warfen die Pfeiler, die Umriſſe der Chorſtühle, der Kanzel und des Altares, die vom Monde erleuchteten Scheiben tanzten und flimmerten, als wären ſie lebendig und bewegten ſich auf und nieder.

Der Küſter wendete ſich in ein Seitenſchiff, wo der Eingang zu dem Gewölbe befindlich war. Hier ſchloß er unter großem Ge⸗ räuſch, welches gleich Schüſſen in der Kirche wiederhallte, eine mächtige, eiſerne Pforte auf. Ein pechſchwarzer Abgrund ſtarrte den dreien entgegen, eine Grabesluft wehte von unten herauf, dicke Motten wirbelten ſich vor dem Lichte der Laterne umher, welche der Küſter trug, und eine ſilbern ſtrahlende Feuchtigkeit glitzerte von den Wänden herab.

Bleibet beide dicht hinter mir, ſagte Flöricke,damit Ihr auf dem feuchten Geſtein nicht ausgleitet. Man trat in das düſtere Ge⸗ wölbe, deſſen niedrige Bogen, mit dicken Gewölbrippen verſehen, ſich kaum mannshoch ſpannten, ſo daß die nächtlichen Wanderer ſich bücken mußten. In der ſchwarzen Tiefe, welche unter den Bogengängen wie ein aus dunkler Luft gewobener Mantel zu ſchweben ſchien, er⸗ blickte man beim Schimmer der Laterne zuweilen den röthlich blitzenden Beſchlag eines Sarges, deſſen Politur die Feuchtigkeit übernommen hatte, dann kam ein Epitaphium an der Wand zum Vorſchein, eine Tafel mit alten Schriftzügen, darunter der Knochenmann mit Hippe und Sanduh. dann ſtolperten die Beſucher der Gruft wieder über einige Sargtrümmer, oder ihr Fuß zertrat knirſchend einen morſchen Knochen, der aus der zerfallenen Behauſung in den Weg gerollt war. Je weiter man kam, deſto höher wurde das Gewölbe, endlich nahm es die Geſtalt eines Hnn an, und man konnte ſich nicht nur voll⸗ kommen aufrichten, ſondern gewahrte noch über dem Haupte eine ziemliche Höhe bis zur Wölbung.Wir ſind an der Stelle, ſagte Flöricke. In dieſem Augenblicke ließ ſich über den Häuptern der dreie ein dumpfer Ton hören. Sie horchten auf.Was war das? fragte der über die Nachtfahrt nicht beſonders erbaute Biedekap. Ich weiß es nicht, entgegnete der Küſter.Zuweilen ſtören die Geſpenſter ſolche Beſuche, wie der unſerige iſt. Es kann aber auch etwas Körperliches geweſen ſein. Habe ich etwa vergeſſen, die Kirch⸗ thüre zu ſchließen? der Zugwind kann ſie bewegt und ins Schloß ge⸗ worfen haben. Es thut nichts. Wir ſind ganz ungeſtört; beginnen wir die Arbeit. Noch ein Mal vorhex! Herr, Ihr habt doch kein geheimes Zauberwerk im Sinne?Ihr könnt beten bei der Arbeit, ſagte Wolff. Der alte Küſter ſprach ein Vaterunſer, dann leuchtele er mit der Laterne an den Grabſteinen umher.Dieſer iſt es, ſagte er. Es war ein in den dicken Pfeiler gemauertes Steinbild; die Geſtalt in Relief auf der Platte gehauen, zeigte einen Ritter, deſſen gefaltete Hände eine Blume hielten. Die ausgeſpreizten Füße ruhten auf zwei ſich krümmenden Hunden, unter dem mit einer Sturmhaube bedeckten Kopfe war ein Kiſſen aus Stein gemeißelt ſichtbar. Schrift⸗ züge und Jahreszahlen waren vollkommen verwiſcht; nur unten las man noch die Worte: Oremus pro. Der Pfeiler befand ſich genau unter dem Hochaltare und war eine der Hauptſtützen des Ge⸗ wölbes.Wir müſſen jetzt hinter den Stein zu kommen ſuchen, ſagte Wolff, die Hacke ergreifend.Verſuchen wir⸗ einige Steine des Gemäuers loszubrechen. Er führte einen Schlag gegen den Pfeiler, das Gewölbe dröhnte dumpf, die alten Steine hielten feſt zuſammen und einzelne Splitter ſprangen umher, als habe der Schlag einen Felſen getroffen. Nachdem Wolff einige Schläge gethan, löſte der Alte ihn ab, auch er führte das Eiſen gegen den Pfeiler, nachdem es ihm gelungen war, einige Stücke abzuſprengen, hielt er erſchöpft inne. Gerade jetzt erſchallte wieder der dumpfe Ton, aber dieſes Mal in dem Gewölbe ſelbſt. Es war, als poltere es zwiſchen den Särgen und rücke ſie von einander.Das iſt ſeltſam, flüſterte der Küſter.Es geht um in dieſem Gewölbe, verlaßt Euch darauf. Es iſt

Wolff horchte noch ein Mal ſcharf auf alles blieb ſtill.

nichts arbeitet weiter, ſagte er. Aufs neue dröhnten die Schläge des Eiſens durch den Keller, allmählich erweiterte ſich die Lücke neben den Grabſteinen, Wolff löſte nun den Alten ab und brach ein Stück Geſtein heraus, ſo groß, daß man von der Oeffnung aus unter den Stein zu faſſen vermochte.Genug, ſagte er,das wird groß genug für den Kaſten ſein. Er ſetzte das Käſtchen in die Oeffnung, welche in der That groß genug war, um den Schatz, oder was es ſein mochte, aufnehmen zu können. Sobald der Kaſten in der Höhlung verſchwunden war, fügte Wolff die ausgebrochenen Steine zuſammen und paßte ſie in die Lücke. Flöricke war hinter den Pfeiler gegangen, um aus dem für die Reparatur der Kirche dort immer bereit ſtehenden

Kalkfaſſe Mörtel für die Verkittung des Ausbruches zu holen. Beim

Scheine der Laterne überſtrich man ſorgfältig die Stelle. Nachdem dies geſchehen war, machte der Pater Wolff das Zeichen des Kreuzes und ergriff die Hände ſeiner beiden Gefährten.Schwört mir, nicht von dem, was hier vorgegangen, zu ſprechen oder zu ſchreiben, bis zu dem Tage, wo ich Euch die Erlaubniß geben werde, ſagte er,und es ſoll Euch gelohnt werden. Es iſt ein dunkles Geſchick, das hier ſeinen Ausgang und Endpunkt gefunden hat ich nehme Euch in Eid. Die beiden Männer leiſteten den Schwur auf den Grabſtein. Gehen wir jetzt, ſagte der Küſter,ehe man uns überraſcht, die Nacht iſt im Scheiden. Als ſie durch den Gang des Gewölbes ſchritten, ertönte wieder das Gepolter, ein Schatten huſchte durch die Finſterniß, er war oft vor, dann hinter ihnen.Dort iſt es, rief Wolff, ſein Jagdmeſſer ziehend,da ſeht, dort huſcht es. Es eilt uns voraus. Wir müſſen ſehen, was es iſt. Er entriß dem Küſter die Laterne und lief, ſich bückend, den Gang entlang. Wirklich eilte ein Gegenſtand zwiſchen den Särgen und Holztrümmern umher, er ſuchte vor dem Verfolger zu fliehen und augenſcheinlich die Treppe zu gewinnen; ſo ſchnell auch Wolff und ſeine Begleiter auf dem kürzeren Wege ihm zuvorkommen wollten, das Weſen ſchien dennoch mit Schwingen verſehen. Es verſchwand hinter den Pfeilern und tauchte in einiger Entfernung vor den dreien auf nur ſpärlich erleuchtete die Laterne die Umriſſe einer Geſtalt, welche dann blitzſchnell die Treppe des Gewölbes hinaufeilte und in der Nacht verſchwand. War es ein Geſpenſt? war es ein Weſen von Fleiſch und Bein? fragte Wolff.Es war wohl das letztere, ſetzte er hinzu, und das iſt ſchlimmer, als wären wir durch Geiſterbeſuch erſchreckt worden. Man hat unſer Treiben beobachtet.Ich werde genau Wache halten, beruhigte der Küſter.Niemand ſoll in dieſe Gewölbe zu der Stelle gelangen. Sie ſtiegen hinauf und traten in die Kirche.

Um zu erfahren, was die drei geheimnißvollen Arbeiter ſoerſchreckte, müſſen wir einige Zeit zurückgehen und zwar bis zu dem Zeitpunkte, wo Maria, die Tochter des Küſters, den Thurm verließ. Man wird ſich erinnern, daß nach Marias Angabe der vielgenannte Oelven ſeine Wohnung in der Kannengießerſtraße hatte. Dieſe Straße oder Gaſſe, welche in der Richtung der heutigen Propſtgaſſe hinlief, war von der Kirche und dem Kirchhof durch eine Mauer getrennt. Allein da die Fenſter des Herrn Oelven hochgelegen waren, ſo ver⸗ mochte derſelbe über die Mauer hinweg und auf den Kirchhof zu ſchauen, weshalb er denn auch zu jeder Zeit ſeine Unterhaltung mit Marie führen konnte. Herr Oelven war äußerſt galant, und da er eine Bekanntſchaft angeknüpft hatte, verſäumte er keine Minute die Annehmlichkeiten derſelben zu genießen; war er daher zu Hauſe, ſo erſchien ſein Kopf ſogleich am Fenſter, wenn irgend eine beſondere Bewegung im Hauſe des Küſters oder auf dem Kirchhofe ſich bemerk⸗ bar machte. Als daher Wolff und Biedekap am Hauſe des Kü⸗ ſters ſchellten, hatte Herr Oelven nichts Eiligeres zu thun, als ſeinen Kopf zum Fenſter hinaus und nach den vor dem Hauſe befind⸗ lichen Perſonen zu ſtrecken. Er ſah Maria von Chriſtine Abſchied nehmen, ſah, wie ſie die beiden Männer zum Thurme führte und be⸗ gnügte ſich in halblauten Tone zu murmeln:Wieder zwei Dumm⸗ köpfe, die zu dem alten Narren auf den Thurm klettern, um ſich Al⸗ bernheiten weiſſagen zu laſſen. Oh wenn der alte Blödſinnige nicht die hübſche Tochter hätte ich wollte dieſen Wunderhof da drüben bald zu nichte machen aber die hübſche Maria. Oelven glaubte nun ein Mal nicht an die Sehergabe des alten Küſters und war wie die meiſten jungen Leute in Berlin ein Freigeiſt, wes⸗ halb auch die jüngere Einwohnerſchaft der Reſidenz bei den ernſten Männern jener Zeit in keiner beſonderen Gunſt ſtand. Da der Abend ſchön war, hielt Oelven es für angemeſſen, am Fenſter zu

verweilen. Vielleicht bot ſich Gelegenheit, mit der hübſchen Küſters⸗

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