Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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niederlegte. Wenn die Authenticität dieſer Bibeln durch vielfache Beweiſe, Nachforſchungen, ja ſogar chemiſche Analyſen nicht voll⸗ ſtändig dargelegt wäre, würde man es nicht glauben wollen, daß ein ſolches Geduldwerk im Bereiche der Möglichkeit läge. Der Leſer weiß vielleicht, daß während ſeiner neunjährigen Gefangenſchaft in den Caſematten der Feſtung Magdeburg ein menſchenfreundlicher Gefängnißwärter dem unglücklichen Opfer der Ungnade Friedrichs des Großen mehrere Bibeln brachte, in denen einige Dutzend weiße Blätter wie durch Zufall eingeheftet waren, und mit einem an ſeiner Kette ſpitz geriebenen Stücke Holz und mit einer Tinte, die er aus Blut und einer ſalzigen Flüſſigkeit bereitete, fing nun der Unglück⸗ liche an, nicht allein beſagte weiße Blätter, ſondern auch die nicht bedruckten Ränder und Zwiſchenräume der Bibel mit ſeiner Schrift auszufüllen. Man weiß, daß, als das Gerücht der Exiſtenz der erſten dieſer Bibeln durch die Zeitungen bekannt wurde, König Johann von Sachſen ſie für den Preis von 400 Thlr. erſtand und Herrn Schulz beauftragte, die beiden andern ausfindig zu machen. Ein Handwerker in den Rheinprovinzen beſaß diejenige, welche uns ge⸗ zeigt wurde, die andere iſt noch nicht aufgefunden worden. Der Frei⸗ herr von der Trenck muß nach dem, was wir in dieſer Bibel ſahen und mit unwillkürlicher Rührung laſen, ein höchſt begabter Mann geweſen ſein. Nicht allein was zu ſeiner Zeit noch nicht das Privilegium vieler war daß er die deutſche Sprache mit ſeltener⸗ Reinheit ſchrieb und daß ſeine Verſe, wenn auch oft zu leichten Inhalts, durch Anmuth der Form und Tiefe des Gedankens an⸗ ſprechen, ſondern er überſetzte ſogar dieſe ſelben Verſe ins Franzöſiſche, ja ſogar ins Lateiniſche und vice versa; und ſeine franzöſiſchen Poeſien können ſich ſicherlich mit denen ſeines königlichen Feindes meſſen. Wo mag die letzte der Bibeln verborgen ſein? von den Autographenhändlern und Antiquaren wird eine ordentliche Jagd darauf gemacht, wer weiß, vielleicht liegt in einer armen Bauern⸗ hütte dieſes ſeltene Werk, welches jetzt einen ſo hohen Preis hat, unbeachtet und könnte dennoch ein verhältnißmäßiges Wohlergehen in die arme Familie bringen.

Das Manuſcript des ſo berühmten Präludiums von Bach wurde uns danach gezeigt und ſein Preis auf 250 Thlr. geſtellt. Es wird den vielfachen Bewunderern des großen Componiſten intereſſant ſein, zu erfahren, daß in dieſem wunderbaren Werke die Noten am Anfange außerordentlich ſchön geſchrieben, am Ende jedoch ſo haſtig hingeworfen ſind, daß ſie kaum leſerlich erſcheinen. In demſelben Carton lagen einige Correcturen Beethovens, die den Preis von 10 Frsdr. haben ſollten. betiſcher Ordnung geöffnet, und hier fanden wir ſchon Preiſe, welche aus den hohen Regionen der hunderte bis in die einfachen Thaler und Groſchen herabſtiegen. Chriſtine von Schweden ſchreibt einen deutſchen Brief, der mit 4 Thlr. verkauft wird. Der Herzog von Sachſen⸗Lauenburg, den die Geſchichtsſchreiber noch nicht von dem Verdacht des Mordes Guſtav Adolphs gereinigt haben, wird mit 3 Thlr. 25 Sgr. bezahlt. Der unglückliche, unter dem Namen des Winterkönigs bekannte Kurfürſt von der Pfalz wird nur 3 Thlr. geſchätzt für eine ganze Seite, während Hugo Grotius für einen ausgebeſſerten Brief 12 Thlr. 20 Sgr. notirt iſt. Ein Brief Guſtav Adolphs koſtet 10 Thlr. 15 Sgr. und ein Brief des berühmten Croatengenerals Iſolano an Octavio Piccolomini 6 Thlr. Pappen⸗ heim wird 9 Thlr. 15 Sgr. bezahlt, während Wallenſtein nur 6 Thlr. ggr. werth iſt. Der ſchwediſche General Wrangel,ſo man den Sollen nennt, der Verheerer Weſtfalens, der Ahnherr des preußi⸗ ſchen Feldmarſchalls und des Generalmajors, der eine Brigade der

Diviſion Goeben im letzten Feldzuge commandirte, kann für 2 Thlr.

gekauft werden. Und ſo über 300 Pidcen, welche eine gar merk⸗ und zuletzt ein ſiebenſeitiger Brief Schillers an Körner über das Drama Wallenſtein und die vierſeitige Antwort Körners für.... 20 Thlr.

Gegen 400 Autographen bietet der Befreiungskrieg, die alle, da ſie von Perſonen der neueſten Geſchichte herrühren, ziemlich niedrige Preiſe haben. Man kann einen Brief Blüchers für 1 Thlr. 25 Sgr. haben, während ein Brief Fouchés 2 Thlr. 20 Sgr. koſtet. Ein Brief Friedrich Wilhelms III., welcher den Tod der Königin Luiſe meldet, koſtet 1 Thlr.; während einige faſt unverſtändliche Zeilen Andreas Hofers 3 Thlr. koſten; ein Brief Theodor Körners an ſeine

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Eltern 4 Thlr. 15 Sgr. und ein Brief der Königin Luiſe 3 Thlr. 15 Sgr. Ein Brief Lützows an Körners Vater, in welchem er ſeine Befriedigung ausdrückt, den heldenmüthigen Jüngling in ſeinen Scharen zu haben, koſtet 5 Thlr. Autographen Napoleons I. variiren ihres Inhalts halber von 1 zu 10 Thlru. Ein intereſſanter Brief, welchen der jüngſtverſtorbene preußiſche General von Pfuel vom Schlachtfelde von Waterloo aus an Körners Vater ſchrieb, 2 Thlr. Ein ſeltener Brief Poniatowskis 11 Thlr.; Scharnhorſts 5 Thlr. und Schills Unterſchrift auf einer Quittung 3 Thlr. Wellington iſt von 20 Thlrn., die er früher werth war, bis zu 2 Thlr. 25 Sgr. geſunken, während York noch immer zu 9 Thlrn. geſucht wird. Mehrere hunderte von Autographen der Fürſtenhäuſer ſämmt⸗ licher europäiſcher Länder gingen jetzt vor unſern Augen vorüber Fürſten aller Epochen, in denen die Berühmtheit und Mittelmäßigkeit und ſogar die Berüchtigtheit in gleichem Maße vertreten waren. Wie weit dieMethode es in der Claſſification bringen kann, ſahen wir hier recht deutlich. Bei einer in Wien auf einer Auction erſtandenen Autographenſammlung vieler deutſchen Celebritäten war die Ordnung ſo weit getrieben, daß jede Pièce einen eigenen Umſchlag von Pappe hatte, auf welchen die Claſſificationen der Perſönlichkeit, die das in⸗ liegende Schriftſtück verfertigt hatte, gedruckt und dann mit der Feder ausgefüllt waren. Und nun laſen wir folgende merkwürdige

Ausfüllung: Nr.: T Vorname: Friedrich Zuname: Oeſtreich Charakter: Erzherzog Gewerbe ſ Geſchäft deutſcher Kaiſer. Beſchäftigung 2c. 2c. 2c.

Nachdem wir nun die großen Kriegsherren und Politiker in Be⸗ tracht gezogen, wollten wir auch die Preiſe kennen lernen, in denen Gelehrte, Schriftſteller und andere berühmte Perſönlichkeiten bei Herrn Schulz notirt ſind, und da fanden wir zuerſt des alten Arndt Gedicht: Der Gott, der Eiſen wachſen ließ im Manuſcript für 3 Thlr. feil. Berthold Auerbach wird mit 15 Sgr. bezahlt, Bodenſtedt mit 10 Sgr.; Bürger jedoch mit 4 Thlr. Cooper kann man mit 1 Thlr. 10 Sgr. haben, während man für Diderot in einem ziemlich ſchlechten Exem⸗ plare 7 Thlr. bezahlen muß. Sechsundſiebenzig Seiten eines Manu⸗ ſeriptes des Philoſophen Fichte werden mit 15 Thlr. bezahlt und vier Seiten Auguſt Hermann Frankes, des Stifters des Waiſen⸗ hauſes in Halle, mit 3 Thlr. Ein Brief Freiligraths an Frau Grabbe koſtet 1 Thlr. Drei Seiten Gellerts über einen religiöſen Gegenſtand 4 Thlr., ein Empfehlungsſchreiben Goethes 7 Thlr. 15 Sgr. und ein Brief ſeiner Mutter an ihren Gevatter Unzelmann 8 Thlr. Börne koſtet 2 Thlr. und Heine 3 Thlr., während Herwegh nur 15 Sgr. für vier Seiten. Briefe Hegels koſten 4 Thlr. Alexander von Humboldts dagegen nur 1 Thlr. Eine Seite von der Hand des Königs Johann von Sachſen koſtet 1 Thlr. 15 Sgr. und eine Seite Kants 8 Thlr. Die Unterſchrift einer Quittung von Charlotte Käſtner(Goethes Lotte) iſt 4 Thlr. werth; denſelben Preis hat ein Sonett der Handſchrift Theodor Körners. Klopſtock kann man nur für 10 Thlr. haben und Heinrich von Kleiſt nur für 13 Thlr., während Kotzebue in Maſſe für 1 Thlr. und Heinrich Laube für 10 Sgr. da iſt. Der unglückliche Dichter Lenau ſchreibt einen herzlichen Brief an Juſtinus Kerner, welcher für 5 Thlr. erſtanden werden kann, und Leſſing einen gleichen an einen Unbekannten, der ſchon 20 Thlr. werth iſt. Jetzt kommt nach der alphabetiſchen Ord⸗ nung, in die die Cartons getheilt ſind, die gewaltige Handſchrift Luthers, deſſen Brief an den Kurfürſten Johann über Glaubens⸗ ſachen und Toleranz vier große Folioſeiten füllt und 175 Thlr. werth ſein ſoll; ein anderer Brief des Reformators koſtet 30 Thlr.; ein gleicher Melanchthons nur 18 Thlr. und eine Seite der Handſchrift Moſes Mendelſohns 12 Thlr. 15 Sgr. Acht Zeilen Silvio Pellicos, des Märtyrers vom Spielberg koſten 5 Thlr., während zwei Seiten des Herrn Oscar von Redwitz nur 12 Sgr. koſten. Ein Brief Friedrich Rückerts koſtete im vorigen Jahre 20 Sgr., jetzt 2 Thlr. Ein Brief Schillers, einige Monate vor ſeinem Tode geſchrieben, koſtet 10 Thlr., während ein gleicher ſeines durch nichts berühmten Vaters 12 Thlr. 15 Sgr. koſtet. Die höchſt ſeltene Unterſchrift Hofrath Fr. von Schiller wird mit 9 Thlr. bezahlt, während

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