mußte. Dabei genügte mir eine ungefähre Bezeichnung zum Anhalt für das Gedächtniß. Zugleich aber fand ich die Stenographie für eine allgemeinere Anwendung durchaus nicht geeignet, weil das Leſen des Geſchriebenen nach Verlauf einiger Zeit zu ſchwierig war. In⸗ deſſen war ich von dem großen Nutzen, den eine für jeden Gebildeten brauchbare deutſche Stenographie haben würde, ſo feſt überzeugt worden, daß ich nicht nur die neuen Entſcheidungen in dieſem Gebiet aufmerkſam verfolgte, ſondern auch in meinen Mußeſtunden ſelbſt etwas Brauchbares aufzufinden verſuchte. Es erſchienen von Zeit zu Zeit neue Anleitungen zur Stenographie: einige derſelben brachten Neues, wenige Beſſeres, keine allgemein Brauchbares. In meinen eigenen Verſuchen war ich auch nicht ſehr glücklich. Sie dienten lange nur dazu, mich erkennen zu laſſen, auf welchen Wegen das Ziel nicht zu erreichen ſei. Nach 18jährigen vergeblichen Bemühungen fand ich endlich im Jahre 1838 einen Weg, der mich, ausdauernd verfolgt, zum erwünſchten Ziele führen mußte. Dies beſtimmte mich, jede andere Beſchäftigung aufzugeben und mich auf eigene Gefahr ganz der Stenographie zu widmen. Nach zweijähriger angeſtrengter Arbeit kann ich nun das Ergebniß derſelben, ein vollſtändig durchgeführtes Syſtem der deutſchen Stenographie, zur geneigten Beurtheilung öffent⸗ lich mittheilen.——“
Stolze fand bereits ein abgeſchloſſenes, im ſüdlichen Deutſchland verbreitetes und noch heute dort herrſchendes Syſtem der deutſchen Stenographie vor, das von Franz Gabelsberger. Dieſer, geboren 1789 zu München, iſt der eigentliche Erſinder und Begründer der deutſchen Stenographie oder, wie er ſie nannte,„Redezeichen⸗ kunſt“. Schon ſeit 1819 ſtenegraphirten er und ſeine Schüler nach dem von ihm aufgeſtellten faſt ganz originellen Syſtem die Verhand⸗ lungen der baieriſchen Kammern; 1829 wurde es von der königlichen Akademie der Wiſſenſchaften zu München geprüft und anerkannt; 1831 ihm von der Staatsregierung eine Penſion von 500 Gulden jährlich und ebenſoviel zur Ausbildung von Kammerſtenographen bewilligt; worauf er 1834 ſeine„Anleitung zur deutſchen Rede⸗ zeichenkunſt“ herausgab. Gleichzeitig wurde auch das Gabelsbergerſche Syſtem in Sachſen, ſpäter auch in Oeſterreich und über andere Theile von Süd⸗ und Mitteldeutſchland eingeführt und verbreitet, 1839 ſogar das ſtenographiſche Inſtitut zu Dresden von der ſächſiſchen Re⸗ gierung zur Staatsanſtalt erhoben. In Norddeutſchland dagegen war die Stenographie bis zum Auftreten Stolzes ſo gut wie un⸗ bekannt.
Dieſer hatte das Syſtem ſeines Vorgängers wohl ſtudirt, fand es aber, um die Stenographie nicht nur im parlamentariſchen Dienſte zu verwenden, ſondern, wie er es wollte, ſie auch ins allgemeinere Leben als Geſchäfts⸗ und Correſpondenzſchrift einzuführen— nicht einfach und zuverläſſig, organiſch und wiſſenſchaftlich genug. Darum ſtellte er, geſtützt auf ein gründliches Studium der Phyſiologie der Laute, auf ſeine umfaſſende Kenntniß alter und neuer Sprachen und ein ſorgfältiges Durchforſchen der bedeutendſten ſprachwiſſenſchaft⸗ lichen Werke, namentlich der von W. von Humboldt, C. F. Becker und Jacob Grimm, mit Benützung der vorhandenen ein neues Syſtem auf, welches er in dem 1841 veröffentlichten„Leſebuch der deutſchen Stenographie“ als ein ſolches nachzuweiſen ſuchte, das durch Kürze, Geläufigkeit, Zuverläſſigkeit und Lesbarkeit alle bis⸗ herigen ſtenographiſchen Syſteme übertreffe. Bei der Herausgabe dieſes Buches unterſtützte ihn das preußiſche Cultusminiſterium, dem er das Manuſcript zur Prüfung eingereicht hatte; nach dem Erſcheinen ſprach ſich indes der betreffende Decernent dahin aus, man müſſe die Stenographie als eine nutzloſe Liebhaberei von den Schulen ganz fern halten.
Schon vorher hatte ſich Stolze als Lehrer der Stenographie angekündigt, fand aber wenig Schüler. Die beiden erſten waren: der Regiſtrator Jaquet uad der Techniker Kreßler. Auch vereinigten ſich in Folge einer Empfehlung ſieben Officiere vom großen General⸗ ſtabe, darunter drei inzwiſchen berühmt gewordene Männer: der gegen⸗ wärtige Kriegsminiſter von Roon und die Generale Vogel von Falken⸗ ſtein und von Voigts⸗Rheetz, zu einem gemeinſchaftlichen Curſus der Stenographie unter Stolzes Leitung. Dieſer hatte ſeine kleinen Erſparniſſe theils an die Tilgung der Schulden ſeines Bruders ge⸗ wendet, wie er denn ſtets ſeiner Familie gegenüber eine wahrhafte Aufopferung bewieſen; theils bei der Herausgabe des Lehrbuchs zu⸗ geſetzt, und da letzteres ziemlich unbeachtet blieb und, wie ſchon erwähnt, auch die Schüler ausblieben, verſank er in bittere Noth.
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Da wurde er und ſein Werk ganz unerwartet vor dem ÜUntergange
geretttet.
18 war in der Berliner polytechniſchen Geſellſchaft, wo eines Abends der Vorfall zur Sprache kam, daß ein Oeſterreicher Schillers Gedichte mach Gabelsberger ſtenographiſch überſetzt und dem Kaiſer von Rußland überſandt hatte. Man rühmte die Kunſt der Steno⸗ graphie und das Gabelsbergerſche Syſtem invorfenen Da erhob ſich der Schriftfüährer der Geſellſchaft, welcher eben der vorhin ge⸗ nannte Kreßler we Ehren, aber wir hapen hier in Berlin einen Mann, der ein weit beſſeres Syſtem erfunden: es iſt ein gewißer Stolze, und ich bin ſein Schüler.“—„„Ich zebenfalls!““ rief ein anderes Mitglied, der Regiſtrator Jaquet; und ſo lernten ſich beide Männer als Steno⸗ graphen und aus Einer Seha kennen. Sie beſchloſſen, ihren Lehrer, von dem ſie lange nichts gehört, aufzuſuchen und fanden ihn nicht ohne Mühe in einer entlegenen Gegend, wo die Frau Stolze einen kleinen Poſamentierladen hielt, während der Mann in dem daran ſtoßenden Hinterſtübchen ſaß, den Kopf in beide Hände begraben, und ob ſeiner üblen Lage verzweifelt brütend. Sie verſchafften ihm ſofort einige Schüler und führten ihn in die polytechniſche Geſellſchaft, die fortan die ſorgſame Pflegerin und Verbreiterin des Stolzeſchen Syſtems wurde. Aus ihrer Mätte bildete ſich der erſte ſtenographiſche Verein Deutſchlands, im Juni 1844, dem ſich im nächſten Jahre ein zu Magdeburg gegründeter els Zweigverein anſchloß und allmäh⸗ lich einige andere nachfolgten. Jaquet brachte einen Curſus der Stenographie für Miniſterialheamte zu Stande, während Stolze ſelber einen ſolchen an Mitglaeder der polytechniſchen Geſellſchaft durch ſieben Winter ertheilte. 1842 war ihm ein königliches Gnaden⸗ geſchenk von 100 Thlr. geworden, im December 1844 erhielt er ein zweites von 200 Thlr.„in Anerkennung ſeiner Verdienſte um die Stenographie.“ 1845 gab er ſeine„Anleitung zur deut⸗ ſchen Stenographie“ heraus, von der inzwiſchen 17 Auflagen er⸗ ſchienen ſind. 5
Gleich nach dem Auftreſen Stolzes erwirkte Gabelsberger eine Miniſterialentſchließung, dureh welche ſein Syſtem für Baiern mono⸗ poliſirt und jeder Unterricht in einem andern verboten ward. Nach ſeinem 1849 erfolgten Tode wurde es dort in die höhern Lehr⸗ anſtalten als facultativer Unterrichtsgegenſtand eingeführt. Stolze dagegen erhielt auf ſeine Geſuche wegen Errichtung einer ſteno⸗ graphiſchen Anſtalt zum Unterricht für Gymnaſiaſten und Lehrer und zur praktiſchen Ausbildung von Stenographen für die damals noch allein beſtehenden Provinziallandtage vom preußiſchen Cultusminiſterium wiederholt abſchlägigen Beſcheid.
Mit dem Eintreten Preußens in die Reihe der conſtitutionellen Staaten beginnt auch für die Stolzeſche Stenographie eine neue Aera, nämlich ihre Heranziehung zur Wiedergabe der parlamentariſchen Verhandlungen. Schon 1845 hatte Jaquet in Gemeinſchaft mit einem anderen Stolzianer die Sitzungen des 8. Rheiniſchen Provinzial⸗ landtages zur vollen Zufriedenheit deſſelben aufgenommen. Als im April 1847 der Vereinigte Landtag zuſammentrat, wurde Jaquet wieder mit der Bildung des ſtenographiſchen Bureaus beauftragt, als deſſen Vorſtand er auch 1848 während der Diät des zweiten Vereinigten Landtages und der darauf folgenden Nationalverſammlung, ſowie 1849 bei der damaligen zweiten Kammer fungirte. In dieſen von Jaquet geleiteten Bureaux arbeiteten, zeitweiſe neben Gabels⸗ bergianern, meiſtens ausſchließlich Stolzianer, und ihre präciſen und correcten Leiſtungen, ſelbſt bei ſtürmiſchen Debatten und den ſchnellſten Rednern gegenüber fanden allſeitigen Beifall. Namentlich wurden ſie von Georg v. Vincke, Dr. Simſon, General von Ra⸗ dowitz und dem jetzigen Miniſterpräſidenten von Bismarck, alſo von den erſten Autoritäten, wiederholt belobt und beglückwünſcht, auch ihre(der Stolzianer) Leiſtungen gegen die der Gabelsbergianer beim Frankfurter Parlament von denſelben Männern ausdrücklich hervor⸗ gehoben. Gleich nachdem im November 1850 der Landtag wieder zuſammengekommen war, legte Jaquet ſeine Stelle als Vorſtand des ſtenographiſchen Bureaus bei der zweiten Kammer nieder und über⸗ ließ dieſen Poſten ſeinem Lehrer Stolze, der anfangs, wie ſein Vor⸗ gänger, Diäten bezog. Vom 1. Januar 1852 ab wurde er endlich mit einem jährlichen Gehalt von 1000 Thlr. angeſtellt, mit der Ver⸗ pflichtung, in der Zeit, wo die Kammer nicht verſammelt iſt, neue Kräfte für den parlamentariſchen Dienſt auszubilden und ſſeine Kunſt. überhaupt beſtens zu fördern; eine Verpflichtung, der er mit der ihn
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und ſprach:„Meine Herren, Gabelsberger in
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