Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
281
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in die Zukunft hinausblickte und vor allem bittere Reue fühlte. Aber Und nun auf einem Schiff mit Auswanderern, ſind Sie einmal an Bord eines Auswandererſchiffes geweſen?

Ich geſtehe, daß ich eben nur ja ſagen konnte! Jedermann, der einmal auf ſolchem Schiff geweſen iſt, und all der kleinen und großen Leiden gedenkt, die dort vorkommen, mag auch des menſchen⸗ freundlichſten Capitäns Sorge und des größten Schiffes Räumlich⸗ keit all ſolche Leiden zu mindern verſtehen, Jedermann wird mit einer jungen Dame auf einem Auswanderungsſchiffe das tiefſte, innigſte Mitleid fühlen. Solch Mitleid hatte ich noch in dem Augenblick mit der Coloniemutter, obgleich ſie ſeit Jahren glücklich angekommen, glücklich verheirathet, glücklich ſituirt war, und bat ſie demnach, mir ſchnell ihre Ankunft und ihr erſtes Debüt in Donna Francisca zu erzählen.

Land, Land! rief ſie mit ſichtlicher Erregung, als ob ſie noch auf dem Auswanderungsſchiffe ſtände,Land, Land hieß es eines Morgens auf unſerm Schiff. Alles Leiden, alle Qual, alle Angſt war überſtanden; die gute Laune aller war wieder hergeſtellt, alle kleinen und großen Zwieſpalte, Parteiungen und Feindſeligkeiten, die da und dort entſtanden waren, ſchienen bei dem einen Worte Land wie weggehaucht zu ſein. Alles freute ſich, alles wünſchte einander Glück und verſprach ſich in der neuen Welt unerſchütter⸗ liche Freundſchaft, Anhänglichkeit, Treue und Liebe. Und immer deutlicher trat ein Küſtenſaum aus dem Meer hervor, immer höher ſtiegen die kühnen Spitzen der Sierra von tres Barras zum Himmel auf, immer näher kam das Ufer, eine prachtvolle Bucht nahm uns auf, nieder donnerte der Anker in die Tiefe, feſt ſtand das Schiff, feſt war bald der Boden unter unſern Füßen, und wir waren der

menſchlichen Geſellſchaft zurückgegeben.

Allerdings hatten wir alle eine unendliche Freude an der wundervollen Natur, die vor uns lag! Doch ſtill davon, Sie haben ja eben erſt dieſelbe Scenerie vor ſich gehabt, und ich würde Sie er⸗ müden, wenn ich Ihnen von meiner Herzensfreude erzählen wollte. Mein Jubel ward bald gedämpft. Wir beſtiegen ein Boot, durch⸗ ſegelten die Bai von St. Francisco und die Lagune von Saguaſſu und kamen nach Donna Francisca.

Das war aber ſchrecklich! Unſer Boot blieb im Moraſt des Ufers ſtecken. In einiger Entfernung ſtanden auf etwas feſterem Grunde einige Herren, die uns zum Ausſteigen aufforderten und uns riethen, Schuhe und Strümpfe auszuziehen, der Moraſt wäre nicht tief und nach einigen Schritten ſchon wäre der Boden feſt. Der Unterſteuermann unſeres Schiffes wußte indes beſſeren Rath; er nahm die Bretter aus dem Boden des Bootes, welches er ſelbſt geſteuert hatte und improviſirte damit eine Landungsbrücke; wir balancirten glücklich über den Moraſt hinweg; einer der Herren, die auf feſterem Grunde ſtanden, reichte mir die Hand, um mich zu der kleinen Ufererhöhung emporzuziehen, worauf er ſelbſt ſich be⸗ fand; als er meine, mit dem Handſchuh bedeckte Hand in der ſeinen liegen fühlte, ſagte er freundlich, aber doch kopfſchüttelnd und mit Nachdruck: Aber mein Fräulein, junge Damen mit Glacéhandſchuhen können wir hier nicht gebrauchen! Nie in meinem Leben hatte mich bis dahin ein Wort ſo tief verwundet! Mit dem Auswandern hatten wir alles in der Heimat verlaſſen, um uns ein Aſyl ſelbſt zu grün⸗ den und nun war der erſte Gruß an mich der: Wir können Sie zu gar nichts gebrauchen! Ich fing an bitterlich zu weinen.

Sie ſchwieg einige Augenblicke ſtille, mit einem Ausdruck im Geſicht, als ob ſie noch einmal bitterlich weinen könnte. Dann aber fuhr ſie heiter und fröhlich fort:

Damals ſtand unſer liebes Joinville noch nicht. Man hatte einige Empfangslocalitäten eingerichtet, hinreichend für die aller⸗ dürftigſten Dringlichkeiten des Auswanderungslebens; nur hie und dort erhob ſich ein kleiner urzuſtändlicher Häuſercomplex, den man damals Schrödersort zu nennen ſich entſchloſſen hatte, denn ein Ort war es allerdings, keine Stadt, kein Flecken, kein Dorf. Ringsum war ein Gräuel der Verwüſtung. Rieſige Waldbäume vielfach um⸗ ſchlungen von Paraſiten und mittelſt derſelben noch verwachſen mit ihren Nachbaren lagen chaotiſch übereinandergeworfen am Boden; ferne hörte man da und dort eine von kräftiger Fauſt geſchwungene Axt klirren, ſah man einen mächtigen Stamm erſt leiſe kniſternd, dann lauter und lauter mit der ausgebreiteten Krone ſauſend um⸗ ſtürzen und die ihn umſtehenden kleineren und nur leicht angehauenen III. Jahrgang.

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Baumnachbarn im zerſchmetternden Sturz mit umreißen. Nah und ferne loderten hohe Flammen, welche den ungeheuren Holzreichthum zwar gierig und doch nur mühſam aufzuzehren ſuchten; jeder leichte Wind trieb Aſchenwirbel hoch in die Luft; die ſchweißtriefenden Ge⸗ ſichter einzelner Anbauer, denen wir nahe kamen, ſahen aus wie Negergeſichter. Friſch und fröhlich ſchien den Männern die Arbeit von Statten zu gehen, doch ließ ſich bald mehr als ein Frauenantlitz gewahren, von dem alle Lebensluſt für immer gewichen zu ſein ſchien. Noch hatte ihnen die Auswanderung keine Gunſt erwieſen, aber mehreren Müttern waren ſchon aus Mangel an aller Pflege kleine Kinder geſtorben, und entſchieden zeigte ſich der nächſte Flußrand un⸗ geſund. Das waren trübe, finſtere, abſchreckende Ausſichten.

Nach einigen Tagen, in welchen wir uns eingerichtet hatten, ſo gut oder ſchlecht das möglich war, mußte an das Arbeiten gedacht: werden. Bäume fällen konnten wir nicht; ſo war das nächſte, daß wir an Säuberung des zum Ackerbau beſtimmten Bodens dachten. Herr Doctor, der ſchrecklichſte Augenblick meines Lebens war der, als ich eines Morgens zuerſt eine Hacke nehmen ſollte, um eine Arbeit zu beginnen, in welcher mich jede Magd, jede Tagelöhnertochter übertraf. Feinere Frauenarbeit gab es dermalen noch nicht und ward auch für nichts geachtet! Ja, jene Worte waren ſchrecklich wahr: Junge Damen mit Glacéhandſchuhen können wir hier nicht gebrauchen.

Nein, nein, nein, rief ich etwas heftig aus,jener Mann, der Ihnen dieſe Worte unbarmherzig zurief, als Sie ankamen, hat ſich vollkommen geirrt und ſchon lange ſeinen Irrthum erkannt und offen bekannt, denn Sie ſind ſeine Gemahlin geworden. Und nun will ich Ihnen auch meinerſeits ein Bekenntniß ablegen, was ſich ebenfalls etwas um Ihre Glacéhandſchuhe dreht.

Ich habe unſere coloniſirenden Landsleute in ziemlich weiten Entfernungen aufgeſucht. Ihre letzten verſprengten Vorpoſten fand ich am Uruguay; einen ſtattlichen Kern lernte ich kennen in Santa Maria und ſeinem urwüchſigenFichtelgebirg; kräftige Anfänge traf ich in S. Angelo am Jacuhy; mächtig heran wächſt die Colonie von Santa Cruz am Rio Pardo und wirklich eine kleine deutſche Provinz in einer braſilianiſchen Provinz bildet S. Leo⸗ poldo; ja die Stadt Porto Alegre hat eine Art von deutſchem Ty⸗ pus gewonnen alle dieſe Punkte ſind, wie Sie wiſſen, in Rio grande. Aber auch in Ihrer Provinz S. Catharina habe ich des deutſchen Lebens und Coloniſirens gar viel getroffen, wackere rüſtig arbeitende Bauern ächt germaniſcher Art, manche von ihnen auch im Landbau weit gediehen, wohlhabend, ſelbſt reich, und doch habe ich bei ihnen allen etwas vermißt, mehr oder minder vermißt, oft höchſt ſchmerzlich vermißt, etwas, was im großartigen Getümmel des deutſchen Auswanderungslebens und ſeinem Koloniſationstreiben recht überflüſſig erſcheint, und ſogar bitter getadelt worden iſt, wenn es auftauchen wollte....

Und das wäre? fragte mich die Coloniemutter.

Nun Glacéhandſchuhe! erwiderte ich.Aber bitte, nehmen Sie mein Wort für keinen ſchlechten Scherz, ſondern für einen bittern Ernſt. Sie ſehen freilich an meinen vom Reiſen zu Meer und Land auf dem Sattel und im Canot etwas braun geröſteten Händen, daß ſie ſeit längerer Zeit den Glacéhandſchuh abgeworfen haben. Ab⸗ geworfen freilich, aber nicht verworfen; vielmehr ſehnt ſich auch meine Hand immer nach der Zeit zurück, nach den Orten, den Verſamm⸗ lungen zurück, in denen der weiße Handſchuh die Etikette iſt. Vor einigen Jahren ſchon ſagte mir Herr S., der von Ihrer Colonie kommend, Profeſſor der griechiſchen Sprache am kaiſerlichen Gym⸗ naſium Collegio de Pedro II. in Rio de Janeiro geworden iſt, daß es wohl ſchwerlich irgendwo in der Welt eine ſo beſchränkte Anzahl von Deutſchen mit ſo viel guter Erziehung in einem Ort gäbe, wie in Donna Francisca. Und er fand den Grund dazu ganz beſonders in einer Reihe von jungen Frauen, die, vielleicht von einiger Romantik getrieben, nach Donna Francisca gewandert waren, bald mit den Eltern, bald mit einem Bruder, bald eben kaum verheirathet mit einem jungen wackeren Manne ohne Stellung und Brot, und die inmitten einiger Enttäuſchung, inmitten des draſtiſchen Coloni⸗ ſationstreibens auch nicht das leiſeſte Pünktchen ihrer guten Erziehung aufgegeben haben. Unbedingt ſtehen Sie, gnädige Frau, mit Ihren Schweſtern obenan in der Zahl dieſer Frauen, die zu dem Guten das Beſte, zum Cultiviren des Bodens von Seiten der Männer die Cultur der ganzen menſchlichen Geſellſchaft hinzubrachten und jegliche Geſittung feſtzuhalten verſtanden.