der ſein Alles an die Erreichung hoher Zwecke ſetzt, und der große Jünger Loyolas bleibt ſicherlich keine Stunde unthätig. Er iſt überall zu finden— er iſt auf den Poſtwagen, auf Schiffen, heut in Cavalierskleidung, morgen als Handwerker oder Bauer gekleidet— ſo eilte er ſchon oft durch die Länder. Er donnert eben ſo beredt von der Kanzel, als er ſcharf vom Katheder lehrt, und im Feuer der türkiſchen Batterie vor Wien focht der Pater trotz des beſten Sol⸗ daten, über ſeiner Kutte trug er den Harniſch. Er wird nicht inne⸗ halten im größeren Kampfe. Für ſeine Thätigkeit eröffnet ſich hier ein weites Feld.“
„Es iſt ein gefährlicher Mann,“ ſagte der Kurfürſt.„Wo mag er weilen? man muß ſeine Schritte bewachen. Ich kann aber doch nicht die Stockmeiſter und den Polizeihauptmann gegen ihn ausſen⸗ den— er iſt ein Freund des Kaiſers, er war am Hofe meines Vaters gern geſehen.“
„Man müßte einen ſicheren Mann finden,“ ſagte Danckelmann, „der dem Pater nachſpürte, ſeine Schritte bewachte und beſonders die Perſonen ausfindig machte, uit denen er verkehrt— wer kann dazu benutzt werden?— Halt, ich habe jemand,“ ſagte er,„über⸗ laſſen Sie mir die Sache, gnädigſter Herr, wir müſſen dem Treiben auf die Spur kommen, vielleicht führt uns dieſelbe bis an die
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Schränke des Archives zurück, und wir ſtehen neben dem Geheimniß⸗ vollen, der jene Schrift in die Fächer zu ſchieben vermochte.“
„Thu, was Du willſt,“ ſagte der Kurfürſt,„ich gebe Dir Voll⸗ macht.“
Danckelmann verbeugte ſich und ſchritt dem Ausgange zu, hier wendete er ſich noch einmal zu dem Kurfürſten.„Sie haben Ihre Reiſepläne ſchon entworfen, gnädigſter Herr,“ ſagte er. ich fragen, in welcher Eigenſchaft der Freiherr von Kolbe Sie begleiten wird?“
Der Kurfürſt lächelte.„Ich werde ihm eine Anſtellung als Reiſejunker oder Wagenmarſchall geben— es iſt durchaus keine po⸗ litiſche oder ſerieuſe Stellung, wie Du ſiehſt.“
„Aber es iſt eine Stellung,“ ſagte Danckelmann beſtimmt und langſam.„Er wird höher ſteigen, er wird einen Sitz in dieſem Schloſſe einnehmen, er wird Verderben bringen.“
„Du biſt ein Grillenfänger,“ entgegnete lachend der Kurfürſt, „Du mußt einmal Ader laſſen— geh, Du alter, treuer Bär.“ Er ſchob ſanft den Rath zum Zimmer hinaus und ließ den ſchweren Vorhang hinter ihm fallen, den er emporgehoben hatte, um dem Freunde und Lehrer zuvorkommend die Thür zu öffnen.
(Fortſetzung folgt.)
Hundecharaktere.
Von Oberförſter Adolf Müller.
Wenn irgend ein Thier eine beſonders geiſtige Ausprägung, einen Charakter, beſitzt, ſo iſt es der Hund, und zwar der gezähmte bei weitem vor dem wilden. Er entwickelt die höchſten intellectuellen Kräfte im Thierreiche. Verſtand und Gemüth ſind gleich ſtark, gleich bildungsfähig bei ihm. Anhänglichkeit und Auf⸗ opferung, Muth und Ausdauer, Aufmerkſamkeit und Gelehrigkeit, Ueberlegung und Liſt, wie Sanftmuth und Geduld kennzeichnen ihn ebenſo ſehr als einen vorzugsweis ſeeliſch Begabken, wie ihm die meh⸗ rere oder mindere Vereinigung dieſer Eigenſchaften die beſondere Charakterausprägung des vollkommenen Hundes verleihen. Ich ſagte, daß dem zahmen Hunde vor dem wilden jene geiſtige Ausprägung zukomme. Dies führt uns zu der ſprechenden Thatſache, daß die Thierſeele, wenn auch in einem viel geringeren Grade als die menſch⸗ liche, bildungsfähig iſt. Durch den Umgang mit dem Menſchenge⸗ ſchlecht und unter deſſen Leitung von den urdenklichſten Zeiten an bis auf heute hat ſich das in unſerem Thiere völlig ausgebildet, was wir an ihm werth halten und bewundern müſſen. Vom Nordpol bis über den Gleicher weit zur anderen Erdhälfte hinaus, vom tiefſten Flachlande bis zu den höchſten Regionen, in jedes neu entdeckte und betretene Land der Erde iſt er dem Menſchen als der treueſte Be⸗ gleiter gefolgt; überall hat er ſich eingelebt, in alle Lagen ſich gefun⸗ den, überall ſich als das unverwüſtlichſte und zugleich unentbehrlichſte Hausthier bewährt. Mit dem Leben des Gebieters der Erde iſt ſonach das ſeinige innig verwachſen: er iſt ſein beſter, nächſter Freund unter den Vertretern des großen Thierreichs geworden. Keinen ſchlagen⸗ deren Beweis für die Vervollkommnung des Thiergeiſtes und gegen die ſinnloſe Erklärung jener, die den„Inſtinct“ allem dem entgegen⸗ ſetzen, was wir mit Seele bezeichnen, hätte der Schöpfer geben können, als durch die Heranbildung dieſes höchſten Thiercharakters. Wer dieſen nicht erkennt und würdigt, verſteht überhaupt niemals ein Thierleben.
Das Nachfolgende ſei ein kleiner Beitrag in das Gedenkbuch für einige Charaktere jener begabten Thierſippe. Und wenn bei dieſen Skizzen vorzugsweiſe diejenigen Racen ins Auge gefaßt werden, welche dem Waidmanne unſerer Zeit, ſowie der modernen civi⸗ liſirten Geſellſchaft die unentbehrlichſten Dienſte leiſten, ſo wolle man den Grund darin ſuchen, daß mich mein Beruf ganz beſonders zur Kenntniß gerade dieſer Arten führte.
I. Der Hühnerhund.
Da ſteht ein mittelgroßes, nicht viel über 2 Fuß hohes Thier vor uns auf kerzengeraden Läufen, welche den wohlgebauten, mittel⸗ ſchlanken Leib tragen, aus deſſen kurzer, glänzender Behaarung die kräftigen Muskeln an Schenkeln, Schultern und Hüften deutlich her⸗
vortreten. Dieſen Anblick und die abſchüſſige Gruppe(Kreuz) mit der tief am Kreuzbein angeſetzten dünnen geraden Ruthe(Schwanz) zeugen von Schnelligkeit und Ausdauer, beſtätigt auch die breite Bruſt, mit den charakteriſtiſchen tiefen Einſchnitten zu beiden Seiten des Bruſtbeines, welche den nöthigen Raum bei der Ausdehnung der Lungen im Laufe gewähren, nicht minder der frei herausgewachſene, hochangeſetzte, ſchlanke aber musculöſe Hals; beide bekundet das Feuer in ſeinen großen Augen und die weitgeöffneten Nüſtern ſeiner etwas aufgeworfenen Schnauze. Die große Naſe und die ſehr breite,
gewölbte Stirne mit dem eigenthümlichen tiefen Einſchnitte zwiſchen
ihr und dem Naſenbein deuten auf ausgezeichnete Geruchsorgane; denn in ſolchem Schädelraume finden die Geruchsnerven allſeitige Verbreitung. Der ſtarke Kopf iſt bedeutſamen Ausdrucks und zeigt breiten dünnen Behang(Ohren), wie alle Gliedmaßen des Körpers ſchöne Ebenmäßigkeit.
Wir müſſen geſtehen, ſeinem Aeußeren nach hat das Thier— der glatthaarige engliſche Hühnerhund oder Pointer— ſich bei uns ſchon vortheilhaft eingeführt. Prüfen wir ſeine inneren Eigenſchaften. Wir führen ihn zu Feld. Da ſtürmt der ungeſtüme „Reno“ hinaus; in beſtändigem Galopp mit der Ruthe arbeitend, die Naſe hoch in der Luft, nimmt er, unbekümmert um ſeinen Herrn viel Feld in weiten Kreiſen. Das iſt ein rechter Hetzer, denkt unſere Bedächtigkeit. Doch halt! Da fährt mitten im geſtreckten Galopp urplötzlich der Hund herum und ſteht feſt wie eine Mauer. Welch ein prächtiger, ſprechender Anblick! Mit hochaufgerichtetem Vorder⸗ theile und einer Seitenwendung des ausdrucksvollen Kopfes, den einen Vorderlauf gehoben, die Ruthe etwas aufgerichtet, jede Sehne und alle Nerven geſpannt, ſteht der Hund in einem Kleeacker. Es ſteht eine„Kette“ oder ein„Volk“ Rebhühner auf, wovon zwei ge⸗ troffen herunterſtürzen. Der Hund bringt, dem Rufe„Apport!“ folgend, auch bald eines der erlegten Hühner, jedoch mit keinem be⸗ ſonderen Geſchick, er hat es ſchlecht gefaßt, läßt es mehrmals zur Erde fallen und bringt es endlich mit Widerſtreben, wirft es auch in unſerer Nähe ſofort zu Boden. Das zweite müſſen wir uns ſelbſt holen. Das iſt der erſte Fehler an dem Hunde in des deut⸗ ſchen Jägers Augen, nicht aber in denjenigen des reichen und be⸗ quemen engliſchen Lords, der zum Bringen des erlegten Federwildes beſondere Hunde dreſſiren und neben dem Hühnerhunde im Felde mitführen läßt.
Mit erneutem Eifer gehen wir an die Suche der nach allen Richtungen auseinandergeſtobenen Hühner. Reno galoppirt wieder wie zuvor, ja noch feuriger. Hin und wieder bekommt er ein Huhn in die Naſe und ſteht es zuverläſſig feſt. Aber das Auffinden der meiſten andern gelingt ihm nicht. Wir überzeugen uns nun davon, daß der Hund bei der beſten Naſe vermögé ſeiner ungeſtümen Suche
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