Auenwäldchen an einer Stelle, wo das Unterholz in einer Höhe von 2 bis 4 Fuß mit zahlreichen Reſten der oben beſchriebenen Ueber⸗ ſchwemmungsproducte verunziert iſt. Da ich den feinen Schlau⸗ kopf ſchon ein wenig kenne, ſo vermuthete ich alsbald nach Ueberblick des Terrains, daß er einen dieſer häufigen, ſchlammbedeckten, und deshalb wenig auffallenden Blätterballen als recht ſicher ausgewählt und zur Kinderſtube hergerichtet habe. Meine Vermuthung beſtätigte ſich bald. Nach einigen Minuten ſtillen Beobachtens bemerkte ich Frau Zaunſchlüpfer, wie ſie ſich äußerſt vorſichtig einem ſolchem Wuſt⸗ ballen näherte und endlich darin verſchwand.
Als ich nach einigen Wochen das Neſt verlaſſen, aber wohlbe⸗ halten wiederfand, nahm ich es mit— und hier iſt es.
In den von dem Weißdorngebüſch aufgefangenen Blätterballen hat die kleine Baumeiſterin zunächſt eine Höhlung gemacht und dieſe mit dem feſtverbundenen gleichen Material— dürren Baum⸗ und Grasblättern— ausgefüllt, den ſo gewonnenen Raum mit elaſtiſchen, künſtlich verwebten Grasblättern und Halmen allſeitig ausgewölbt und den Boden mit zartem Mooſe und Federn weich und warm ge⸗ polſtert. Am oberen Drittheil des Neſtes befindet ſich ſeitlich der enge, beſonders feſt und glatt gewölbte Eingang, unter überhangen⸗ dem Wuſte wohl verſteckt. Er allein verräth äußerlich das Kunſt⸗ product; ohne ihn würde man das Ganze für das halten, was die äußere Umhüllung ja wirklich iſt: für einen Ballen vom Hochwaſſer zu⸗ ſammengeſchwemmten, dürren, ſchmutzigen Laubwerks.
Ein Paar Tage nach dieſer Entdeckung fand ich auch das Neſt des zweiten hier wohnenden Paares, mit dem eben beſchriebenen voll⸗ kommen übereinſtimmend. Ich wüßte nicht, wie dieſe Neſter rings in der ganzen Umgebung beſſer hätten verſteckt werden mögen.
Und nun legen wir das Neſt zu den beiden andern in dieſen Schrein.
Wie, das wären Neſter deſſelben Vogels? Dieſer faſt kugelrunde Moosball’ Und dieſer weiße Holzwürfel mit der von grünem Mooſe ſo reizend, ſo zart einge⸗ faßten Oeffnung?
O ſicher! Unſer Zaunſchlüpfer— aber ich habe noch nicht einmal ſeinen Weltnamen genannt: Troglodytes parvulus oder europaeus heißt er zum Unterſchiede von ſeiner namentlich in beiden Amerika zahlreich verzweigten Vetternſchaft— unſer Zaunſchlüpfer findet an zu verſchiedenen Orten ſeine Tafel gedeckt, als daß er ſich nicht überall den Umſtänden entſprechend häuslich einrichten ſollte. Wo nur immer noch Spinnen, kleine kriechende Inſecten und deren Larven ſich finden, nahezu von der verticalen und horizontalen Schneegrenze bis in die tiefſten Thalſohlen und Tiefebenen Europas hinab, in Nadelholzſchlägen quelliger Berglehnen, wie in den feuchten Auenwäldern, Feldhölzern und Gärten von Dorf und Stadt: ubi bene, ibi patria, wo's ihm wohlgeht, da iſt ſeine Heimat. Und ſeiner Heimat entſprechend iſt denn auch Standort, Anlage und Material des Neſtes.
Dieſe Moosballons, zuweilen mit einigen Grasblättern oder Flechten verfeſtigt, genügen ihm in den Nadelwäldern, wo der grüne Moosklumpen in dichten Tannen⸗ und Fichtenbäumchen verſteckt genug erſcheint. In Laubwäldern und Gärten iſt das aus dem Material der nächſten Umgebung erbaute Neſt an gar ver⸗ ſchiedenen, meiſt ſehr ſchwer zu entdeckenden Orten angebracht. Ich ſelber habe es bis über Mannshöhe an einem krausbelaubten Baum⸗ ſtamme, in deſſen Wurzeln, nahe am und über dem Waſſer, unter Brücken, in Gemäuerſpalten oder zwiſchen und auf den Balken, ja in und an Häuſern aller Art, beſonders häufig in Stroh⸗, Schilf⸗ und Reiſig⸗Dächern und Wänden aller möglichen Hütten, in Wald und Garten häufig genug gefunden, und man muß die kleinen Paſſionen und Launen des Ueberallundnirgends recht genau kennen, um an einem gegebenen Orte das Neſt bald zu entdecken. Legte doch im vorigen Jahr ein Pärchen ſein überaus großes Neſt auf einem von der Straße aus ſichtbaren Balken des alten Glockenhauſes in Bad Liebenſtein(Thüringen) an, dicht vor meinem Fenſter, holte das ihm
hingelegte Niſtmaterial weg und verließ dennoch das fertige Neſt, als ich es nur einmal in der Nähe betrachtete, ohne es zu berühren.
Das eigenthümlichſte und ſchönſte aller von mir geſehenen Neſter unſeres Vogels bleibt freilich dies in den ſchönen, weißen Holz⸗ würfel eingebaute. Dieſer gehörte urſprünglich einer„weißfaulen“ Kopfweide an, aus der ich ihn mittelſt eines ſcharfen Meſſers ohne
— 256 Mühe ausgeſchnitten habe. Ob dieſe 4 ½ Zoll hohe und 3 ¼ Zoll
weite Höhlung von dem Zaunſchlüpfer ſelber oder etwa von einem
Kleinſpechte, einer Hauben- oder Sumpfmeiſe ausgemeißelt worden, Doch war das ganze Holz der über 2 Fuß ſtarken, weißfaulen Weide ſo weich, daß auch unſer rühriger
wage ich nicht zu entſcheiden.
Freund dieſe Zimmerarbeit gefertigt haben könnte. Jedenfalls rührt die innere Einrichtung von ihm her: die Tapezierung, beziehentlich Auspolſterung der Wohnung ſammt dem engen, ſeitlichen Ei ge mit feinem grünen Mooſe. Die kreisrunde Oeffnung iſt auch außen in einer Breite von drei bis vier Linien mit Moos belegt, das ſich noch heute von dem ſchönweißen Weidenholze prächtig abhebt und mich zur Entdeckung des ſeltſam angelegten Neſtes führte.
So viel Bewundernswürdiges die reiche Gottesnatur aber auch bietet, und ſo ſtaunenswerth in ihrer großartigen Mannigfaltigkeit ſich Körperkraft und Geſchicklichkeit und Inſtinct und ſeeliſche Thätig⸗ keit der Vogelwelt überhaupt, beſonders aber im Neſtbau offenbaren; eins iſt mir unbegreiflich: wie iſt es möglich, daß die Spechte dieſe Niſthöhlen fertig bringen?
Hier iſt der Abſchnitt eines wilden Apfelbaumes, der die Niſt⸗
höhle eines Grünſpechtes enthält. Dies kreisrunde horizontal in den Stamm gemeißelte Loch geht durch das kerngeſunde, zähe, über zwei Zoll ſtarke Holz des Stammes; dann erſtreckt es ſich, etwas ſpitz⸗ bogenartig gewölbt, noch fünf Zoll wagerecht nach dem freilich etwas angefaulten Mittelpunkte des Stammes hin, und, im rechten Winkel abfallend, erweitert es ſich zu der eigentlichen 2 ½ Fuß tiefen und 4 bis 5 Zoll weiten Niſthöhle. Wie geſagt, es bleibt mir unbegreif⸗ lich, wie der Vogel eine ſolche Höhle fertigt bringt. Der Schnabel iſt ja allerdings meißelförmig und von harter Hornmaſſe; aber doch eben von Hornmaſſe, und ich möchte wol wiſſen, ob es überhaupt der Menſchenhand möglich wäre, mittelſt eines etwa getrockneten Specht⸗ ſchnabels auch nur den horizontalen Theil der Höhle durch zwei Zoll
ſtarkes geſundes Eichen-, Buchen-, Eſchen⸗ oder Birnbaumholz zu
meißeln! Ferner haben ja die Spechte, beſonders die größeren, ihrer ganzen Lebensweiſe gemäß, auffallend ſtark entwickelte Hals⸗ und Kopf⸗
muskeln und den entſprechenden Knochenbau, und einen beneidenswerth feſten Schädel, erſcheinen auch für Gehirnerſchütterungen und Kopf⸗ nervenleiden äußerſt wenig disponirt, und die kräftigen Hiebe fallen
blitzſchnell und hageldicht, ſo lange ſie, außen am Stamme feſtgekrallt und auf die ſteifelaſtiſchen Schwanzfedern geſtützt, an dem horizontalen Eingange arbeiten. Aber wie denn nun, wenn ſie innerhalb der genau vom Körper ausgefüllten, zunächſt noch horizontal verlaufenden, dann aber ſenkrecht abfallenden Höhle weiter arbeiten? Da iſt kein Raum für das gewaltige Ausholen zum Hiebe, das dieſen außen ſo nach⸗ drücklich macht. Und in der unbegreiflich ſchwierigen Lage haben ſie die noch ſchwierigere Aufgabe, die Späne ſenkrecht auszumeißeln.
Wenn auch das Holz in der Mitte des Stammes angefault, ſo iſt es
doch immerhin und häufig feſt genug, um mir eine und die andre Meſſerklinge zu koſten. Arbeit unbegreiflich, die in ihrer Wirklichkeit vor meinen Augen ſteht.
Das Allerunbegreiflichſte aber iſt, daß Freund„Picus der Specht“
ſich gar nichts aus meinen Unbegreiflichkeiten zu machen ſcheint, ſon⸗
dern ihnen zum Trotz von früh bis Abend hämmert und meißelt, daß es weithin durch den Wald ſchallt, und in jedem Frühjahr für
ſich und andere ungebetene Gäſte oft zwei, ſogar drei ſolcher feſten Plätze in Holz minirt.
Beim„Miniren“ fällt mir aber ein, daß es unter meinen ge⸗ fiederten Lieblingen auch eigentliche, d. h. Erdminirer gibt, Stollen⸗ und Gangtreiber, deren Picke und ſonſtiges Schanzzeug ebenſo einfach als ſchwach erſcheint, und ich muß den verehrten Leſern des⸗ halb noch einige Neſter zeigen, die ich nicht habe, was übrigens keines⸗ wegs verwunderlicher iſt, als die Thatſache, daß jener alte, würdige Rector,„wieder einige ſah, die nicht da waren.“
Zwei von dieſen Erdminirern haben in ihrem kräftigen ſpechtartigen Schnabel allerdings eine recht förderliche Picke und zeichnen ſich außerdem durch die brillante, tropiſche Färbung ihres Gefieders aus, das ſie ſelbſt in den feuchten, oft ſchmutzigen Erd⸗ höhlen rein und glänzend zu erhalten wiſſen. Ich meine die beiden
europäiſchen Repräſentanten der prächtig gefärbten Familie der Eis⸗
vögel und Bienenfreſſer. Der grüne Goldglanz unſeres heimi⸗ ſchen Eisvogels läßt kaum erwarten, daß er— mittelſt des Schnabels und der ſehr ſchwachen Füßchen— 3 bis 4 Fuß lange Niſtröhren in
abt We bufer gräb Tächuf 8
ngrr Hält den unſetee ſainem ſehr ſ tis uher zon lfegfäll uen
Ueberall lacſend Reiſe iiſches Vaterlar Burſchen von fährer, Träger, trot aller Geſet
Kurz, mir iſt und bleibt die Möglichkeit dieſer
welt geworden 1 durch derhe Abw neiſtens veſſirte und franzüſſſchen geſceeid auf eine
um ſo frecher d
achten Sinne des
Männer, die in;
heldenmüthigen;
tere und eiſenge Reiſenden nicht Schon als Knab ſind ſie Gemsjäg Hachalpen iſt ihr Dort in den Ein bedarf es Geſſtes mannigfach drog erwerb allein fü warme Sinn fiſ der Menſchenna freier, männliche Selbſtewußtſein materiellen Wert alle die Entbehru gleſhrfhrten Wiſenſchft, die der enſte Trieh ſinauf in die un ſch auch in dem gfühl,dem undh niß des inneren deutungsbolle
den meiſt ziemlich feſten und oft feuchten Lehmboden der Fluß⸗ und n n
Führers Nfer,J ren welklg en war


