Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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gemildert und beſeitigt, aber von da bis zum Heilen der wirklichen Schwindſucht iſt noch ein gar großer Schritt. Wenn wir daher hören, daß mancher ſeine Schwindſucht mit Leinſamenthee curirt habe, ſo iſt das ein ebenſolcher Schwindel, wie wenn vom Hoff'ſchen Malzextract in langen Zeitungsmarktſchreiereien ſeine großartige Wirkung gegen die unſelige Krankheit angeprieſen wird. Den Tuberkel kriegt leider weder der Leinſamen noch das Malzextract klein. Die Wirkſamkeit des ſanften, unſchuldigen Hausmittels nimmt kein ſo großes Feld ein; es übt ſeinen Nutzen auf dem beſchränkten Gebiet des katarrhaliſchen Huſtens. Schade nur, daß ſeiner allgemeinen An⸗ wendung ſein widriger, vielen Perſonen wahrhaft odiöſer Geſchmack entgegenſteht. Um dieſem Uebelſtand abzuhelfen, nimmt der Lein⸗ ſamen dann für gewöhnlich die Hilfe ſeines treuen unzertrennlichen Kumpans, des Zuckerkands in Anſpruch. Auch der Lakritzenſaft em⸗ pfiehlt ſich zur Verbeſſerung ſeines faden Geſchmacks.

Man bereitet

ſich den Leinſamenthee durch gelindes Abkochen von zwei bis drei Loth

Samen mit einem halben Quart Waſſer oder Milch, worauf man die Flüſſigkeit durchſeiht, das geſchmackändernde Mittel zuſetzt und den Thee taſſenweiſe verbraucht.

Sehr häufig bedient man ſich des Leinſamens entweder in un

zerkleinertem Zuſtand oder zerſtoßen und gröblich gepulvert(als Lein⸗

ſamenmehl) äußerlich zu warmen Umſchlägen, um in Eiterung übergehende Entzündungsgeſchwülſte zu reifen. Eine Eiterbeule erregt bekanntlich, wenn ſich der Eiter zu bilden anfängt, heilloſe Schmerzen. Dieſe Schmerzen zu lindern und zugleich die Eiterung zu befördern, eignet ſich am beſten der warme Breiumſchlag. Hafer⸗ grützumſchläge werden nach einigemal wiederholtem Kochen durch hren ſauern Geruch bald widerlich; deshalb ſind Leinſamenumſchläge vorzuziehen. Man muß nur den Umſchlag nicht unmittelbar auf den kranken Körpertheil auflegen, ſondern, nachdem man den Brei

iinngerdick auf Leinwand geſtrichen hat, dieſelbe zuſammenſchlagen,

ſo daß die feuchte Wärme, und dieſer bedarf es ja nur erſt durch

die Leinwand auf die kranke Stelle einwirkt. Oft verſieht man es mit dem Umſchlag, indem man ihn entweder brühheiß aufträgt oder in das entgegengeſetzte Extrem verfällt. Beides iſt ſchädlich. Eine angenehme Wärme iſt erforderlich, und von dieſer überzeugt man ſich, indem man den Umiſchlag mit Vorſicht an die Schläfe bringt, und denſelben lieber ein Weilchen auskühlen läßt, bevor man den Kranken verbrüht. Wie lange ein ſolcher Umſchlag zu liegen habe, bevor er gewechſelt wird, hängt von dem Schmerz und Entzündungszuſtande ab; bei großem, klopfendem Schmerz wird eine Erneuerung je nach 5 10 Minuten, bei geringerem alle halbe Stunde erforderlich ſein. Oft wird vom Publicum ein großes Gewicht darauf gelegt und der Arzt ängſtlich befragt, womit der Leinſamen behufs äußeren Gebrauchs zu kochen ſei, ob mit Waſſer oder Milch! In Wahrheit iſt dies ſehr gleichgültig, da es beim erweichenden Umſchlag nur auf die feuchte Wärme ankommt.

Auch das Leinöl wird ſowohl innerlich, wie äußerlich zu Heilzwecken gebraucht. Ein bis zwei Eßlöffel voll eingenommen, verdient es als Stuhlgang beförderndes Mittel bei hartnäckigen Verſtopfungen großes Lob. Noch gewöhnlicher wird es in Form des Klyſtiers, zwei bis drei Eßlöffel voll mit einem Eßlöffel voll Kochſalz und drei bis vier Taſſen Kamillenthees vermiſcht, angewendet und zeigt ſich in dieſer Geſtalt, wie wir ſpäter noch ſehen werden, als eins der hilfreichſten Mittel.

Wir können dieſen Artikel nicht ſchließen, bevor wir nicht die große Wirkſamkeit des Leinöls bei Verbrennungen mit blaſig erhobener oder ſchon abgelöſter Haut hervorgehoben haben. Es iſt aber darauf zu ſehen, daß das Oel friſch ſei, altes, ranziges iſt eher nachtheilig, wie nützlich. Man empfiehlt und benutzt noch verſchiedene Zuſätze, 3. B. 5 6 Eidottern auf ein Pfund Leinöl, oder 8 Theile Leinöl auf 6 Theile ſüßen Milchrahm. Sehr bekannt iſt auch die Ruſtſche Miſchung von gleichen Theilen Leinöl und Kalkwaſſer. Alle dieſe Zuſammenſtellungen haben ſich bewährt.

Km Jamilientiſche.

Der kranke Gutsherr.

Ein erquickliches Bild aus alter gemüthlicher Zeit bietet uns unſer Künſtler. Da athmet alles Ruhe und häusliche Gen üthlichkeit bis auf die beiden Jagd unde und den Papagei im Käfig herab. Ungemüthlich befindet ſich vielleicht rur der Schulmeiſter, der dem gnädigen Herrn gegenüber ſitzen und mit ihm Schach ſpielen muß. Er hat die große Lehre von der Gleichheit aller Stände offenbar noch nicht in ſich aufgenommen, die Pracht des Gemaches und die Würde ſeines Gebieters imponirt ihm ſo, daß er ſcheu und ehrfurchtsvoll in nöglichſt weiter Entfernung von ihm ſich zurückgezogen hat. Weniger klar iſt uns, was die am Fenſter ſitzende junge Dame, jedenfalls die Tochter des Hauſes, denkt und treibt. Ob ſie ein wenig verſtimmt iſt und im Stillen Be rachtungen anſtellt über den Unterſchied zwiſchen dem einförmigen, lang⸗ veiligen Landleben und dem intereſſanten luſtigen Treiben der Hauptſtadt, zus der ſie ſoeben nach froh verlebten Tagen zurückgekehrt? Leider hat uns her Maler hierüber keine Aufklärung gegeben vielleicht weil er cs ſelbſt nicht genau wußte. Die Hauptfigur des Bildes iſt unverkennbar charakteriſirt; s iſt der an Podagra und Gicht leidende Gutsbeſitzer, offenbar ein reicher Nann, er hat die ritterlichen Paſſionen der Zeit geübt und das Leben durch oſtet jetzt iſt er, vielleicht in Folge dieſes Lebens, ſchwach und alt geworden, ein trüber, reſignirter Blick gilt der Erinnerung an die ſchöne Zeit, da er mit einen durch den Müßiggang nun träg und ſchläfrig gewordenen Rüden dem ſtterlichen Waidwerk obliegen konnte. Wünſchen wir dem armen Herrn ſoch baldige Erlöſung von ſeinen ſchmerzhaften Leiden und dem armen Schul⸗ neiſter nicht weniger Befreiung aus dieſer ungemüthlichen Situation, in der er ſchwerlich jemals ſeinen Gebieter matt ſetzen wird; der geneigte Leſer aber möge ſich recht oft und lange an dieſem meiſterhaften Bilde erfreuen und ihm die Anerkennung nicht verſagen, die es verdient.

Der Straßenjunge von Paris.

Unter dem Geſchlecht der Straßenjungen hat von jeher der Pariſer Gamin eine hervorragende Stelle eingenommen. Er iſt eigentlich kein Funge mehr denn zehn Jahre alt ſieht er aus wie ein fünfzehnjähriger und ſpricht wie ein fünf und zwanzigjähriger, und kennt alles, was er eigent lich nicht kennen ſollte, aufs allergenaueſte. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß er raucht, trinkt und ſpielt freilich iſt es nicht zu leugnen, daß, wenn er ſch den Neigungen eines Mannes hingibt, er oft auch wie ein ſolcher arbeiten und wirken muß. So mancher Gamin iſt dieStütze des Hauſes: en kranker Vater, eine verwittwete Mutter und mehrere jüngere Geſchwiſter lben von dem, was er verdient.

Wie er Brot für ſich und die Seinigen ſchafft, wer kann es ſagen?

Neiſt doch auf rechtſchaffene Art, nur in keine feſte Ordnung und Stellung

lßt er ſich zwängen. Einem guten Pariſer Bourgeois fiel es eines Tages enn, einen ſtattlichen Gamin von der Straße aufzuleſen, in der edlen Abſicht, ihn Carriere machen zu laſſen. Es gelang ihm auch, ſeinem Schützling von

r Straße zum valéet de pied bei der Frau Marquiſe de Raiſiné zu be⸗

fördern. Bald ſtak der Gamin in einer eleganten Livree, in welcher er hinter ſeiner Herrin herzugehen hatte, wenn ſie ihre Equipage verließ, um im Bois de Boulogne ſich Bewegung zu machen. Doch was vermag ſelbſt die feinſte Livree gegen die Macht der Natur! Am erſten Tage, als der neu⸗ gebackene Valet dieſen Theil ſeiner Pflicht zu erfüllen hatte, war die Frau Marquiſe ſehr überraſcht, als alle Blicke der Spaziergänger ſich auf ſie richteten, zum Theil ironiſch, zum Theil voller Entrüſtung was konnte die Urſache ſein? unmöglich doch Hyppolit, der ſo gründlich einexercirt war, ehe ſie aufbrachen. Endlich konnte ſie es nicht länger aushalten.. ſie wandte ihren Kopf... und, o Entſetzen!.. ſie erblickt den ſchrecklichen Jungen, ihren Valet, wie er einen Burzelbaum macht, den letzten einer Reihe, die bei dem Eingange der Grande Allée begonnen hat!

Einen ſchneidenden Contraſt mit dieſer ſchwer auszutreibenden Jungen⸗ haftigkeit des Gamins bildet ſeine Frühreife.Wie alt biſt Du? fragten wir eines Tages einen ganz kleinen Burſchen, der an einer Boulevarecke Zeitungen verkaufte, ſeine Einnahme genau zählte und mit geübter Hand kleines Geld herausgab.

Sechs, war die lakoniſche Antwort.

Und wie lange treibſt Du Dein Geſchäft!

Mit einem ſchelmiſchen Blicke und ſich zu ſeiner Waare auf dem Straßen⸗ pflaſter herabbeugend, als wolle er zeigen, wie er ganz gut zwei Sachen auf einmal beſorgen könne, antwortete er:

Wie lange? O, immer ſeitdem ich ein Kind war?

Ob er wohl jemals eines geweſen war?

Gib mir den Moniteur von morgen, Kleiner, ſagten wir ein anderes Mal zu einem ſeiner Kameraden, der nicht viel älter war.

Thut mir leid, Monſieur, kann Ihnen nicht dienen; verkaufte ſie alle vergangene Woche, erwiderte der Burſche, der ſich nicht ſo leicht fangen ließ.

Durchgehend findet ſich dieſe Miſchung von Jugendübermuth und früh⸗ reifer Ueberlegung. Bald unterhält ſich der Gamin damit, einem Haus⸗ mann, der bequem in ſeinem Armſtuhl ſitzt, das Fenſter mit einem Steine einzuwerfen und ſich aus dem Staube zu machen, ehe der Geärgerte ſich noch erhoben; bald neckt er mit immer bereiten Wortſpielen Vorübergehende. Dann aber ſammelt en ſorgfältig ſeine Sous, und ſo ſehr er auch Süßigkeiten liebt, kauft er ſich d nur ein Brötchen oder geröſtete Kartoffeln u. dergl., die er dann behaglich auf den Treppenſtufen einer Kirche verzehrt. Leiden⸗ ſchaftlich gerne raucht er und läßt kein Cigarrenende liegen, das er noch zu verwerthen weiß.

Eine Hauptrolle hat der Gamin von jeher in den Revolutionen geſpielt, die in Frankreichs Geſchichte ſo zahlreich ſind. Während der Revolution von 1848 war er auf der Höhe ſeines Ruhmes; die allgemeine Verwirrung bot ihm die beſten Gelegenheiten, die er niemals verſäumte. Paris war der große Schauplatz ſeiner Thaten, und die Barrikaden die Scene ſeiner Triumphe. Folgender Fall iſt dafür charakteriſtiſch. 3