Jahrgang 
13-26 (1867)
Seite
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Ein Gamin klimmt einen Haufen von Pflaſterſteinen empor, der eine enge Straße verſperrt da bemerkt er einen Garde Mobile auf ſeinem Poſten, hinter dem ein bewaffneter Inſurgent ſich leiſe heranſchleicht. Schon hat der letztere auf ſein nichtsahnendes Opfer angelegt noch ein Augen⸗ blick und er war ein Kind des Todes. Da flüſtert dem Heranſchleichenden der Gamin mit vertraulichem Tone zu:Und Deine Flinte, Du Dummkopf, iſt ſie denn auch geladen? Erſchrocken hält der Mörder inne unterſucht ſein Gewehr da trifft ihn eine Kugel aus der Piſtole des Gamins, die der⸗ ſelbe geſpannt bereit gehalten, und.. todt fällt er zu Boden.

Ein anderercoup de gamin von größerem Umfange war die Er⸗ ftürmung des Gefängniſſes von St. Lazare und die Befreiung ſämmtlicher darin eingeſchloſſener Verbrecher, die eine der merkwürdigſten Epiſoden jener Revolution bildet. Eine beträchtliche Zahl dieſer jugendlichen und ſelbſter⸗ wählten Soldaten, mit Kieſelſteinen und anderen improviſirten Wurfgeſchoſſen bewaffnet, ſammelten ſich an den Thoren der Veſte und begannen damit, die Schildwache anzugreifen dieſe machte Alarm, alle innerhalb des Gefäng⸗ niſſes befindlichen Soldaten concentrirten ſich auf dieſem Punkte und be⸗ mühten ſich, den Eingang zu vertheidigen. Inzwiſchen hatten die ſchlauen Burſchen ihren Operationsplan mit großer Gewandtheit gemacht; eine gleich zahlreiche Schar von ihnen griff zu derſelben Zeit einen andern Theil des Gefängniſſes auf andere Weiſe an. Sie bilden eine Leiter und indem einer auf der Schulter des andern emporklimmt, gelangen ſie ſchnell innerhalb der Mauern. Die Ausgänge ſind alle von ihren Genoſſen bewacht die Hinein⸗ gelangten erzwingen die Uebergabe der Schlüſſel die Thüren öffnen ſich, eine nach der andern ein allgemeines sauve qui peut ertönt; mit dem Beiſtande der Gefangenen ſelbſt geſchieht die vollſtändige Ueberrumplung der Beſatzung, und in unglaublich ſchneller Zeit ſind ſämmtliche Inſaſſen auf freien Füßen.

Ganz kürzlich iſt ein ähnlicher Fall vorgekommen, auf der Ile de Levant (Toulon), wo 300 Burſche, von 9 bis 14 Jahren, aus dem Gefängniſſe brachen, nachdem ſie 14 ihrer eigenen Kameraden, die ſich geweigert, ſich ihnen anzuſchließen, ſchändlicherweiſe verbrantkt hatten. Einen erfreulichen Gegenſatz hiezu bildet das Verhalten der jugendlichen Verbrecher in der Colonie de Val d'Yévre, aus denen ſchon mancher tüchtiger Mann hervorge⸗ gangen iſt. Bei der letzten Firmelung, die der Biſchof dort vornahm, ſprach er ſich auf das gerührteſte über ihr Benehmen dabei aus. Nachdem die Feierlichkeit beendigt war, las er einen an die Knaben gerichteten Brief eines früheren Kameraden vor, der nach dem Ablaufe ſeiner Strafzeit ein höchſt muſterhaftes Leben geführt und Sous⸗Officier geworden war. Später hatte er eine gute Anſtellung bei der Eiſenbahn erlangt und drückte in dem Briefe ſeine Dankbarkeit für die Erziehung aus, die er in der Colonie erhalten hatte. Ueberdem fügte er eine kleine Summe Geldes bei, die der nächſte ſeiner Kameraden als Belohnung erhalten ſollte, der durch ſein gutes Benehmen die Freiheit verdienen würde.

Es iſt bekannt, daß die tapferen Zuavenregimenter meiſt aus den Reihen der Gamins ſich füllen. Wer hätte nicht von Eugéne Libaut, einem Officier dieſes braven Corps, gehört, dem erſten, der die Höhen von Sewaſtopol erſtieg und Frankreichs Flagge auf ihren bis dahin unüberwindlichen Gipfel pflanzte. Sein General hatte ihn wohl erkannt; er gab die franzöſiſche Standarte in ſeine Hände, indem er einfach ſagte:C'est le drapeau partez.(Hier iſt die Fahne gehet!) Das genügte: Libaut brach aus den Schanzen hervor, indem er die ganze Colonne mit ſich fortriß. Auf dem Kopfe getroffen von einem ſchweren Steine, als er den Graben erreichte, ſchritt der unerſchrockene junge Burſche doch unbeirrt vorwärts, ſetzte ſeinen Weg die Höhen empor fort, unbekümmert um den Schauer von Wurfgeſchoſſen, die auf ihn gerichtet waren, und erreichte glücklich ſein Ziel bald wehten die Fahnen der erſten Diviſion vom Malakoff.

Eugéne Libaut, der jugendliche Held von Malakeoff, hatte ſein Leben als Pariſer Gamin begonnen. O. a. W.

Eine Taucherjagd auf Schwümme.

Die Oſtküſte der Inſel Kreta iſt wegen ihrer ausgezeichneten Schwämme berühmt. Dieſelben werden auf eine äußerſt beſchwerliche Weiſe aus dem dunkeln Schooße der Tiefe an das Licht gefördert; denn gewöhnlich wächſt der Schwamm 40 Klafter tief, wohin der Taucher nur gelangen kann, wenn er ſtark beladen iſt und wo die ungeheure Waſſermaſſe im Verhältniß von 75 Pfund per Quadratzoll ſeines Körpers auf ihm laſtet und ihm den Athem faſt benimmt.

Der Taucher verfährt dabei folgendermaßen. Auf dem Boote entkleidet er ſich zuerſt und bindet einen ungefähr 25 Pfund ſchweren Marmorblock an

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einer Leine um ſeinen Körper, dann athmet er lange und tief, um die Lungen möglichſt ſtark mit Luft zu füllen. Niemand darf zu ihm ſprechen und ihn ſtören. Dann macht er das Zeichen des Kreuzes, ſpricht ein Gebet, wirft ſeinen Marmorblock in die Fluten, ſpringt ihm nach und legt, ſobald er den Grund erreicht, den Stein unter ſeinen Arm, um ſich unter dem Waſſer er⸗ halten zu können, dann geht er an ſein Geſchäft. Er löſt die Schwämme von dem Felſen und packt ſie eilig in ein Netz, das er um den Hals hängen hat. Mit ſeinem zurückgebliebenen Kameraden verkehrt er vermittelſt eines um ſeinen Leib befeſtigten Taues; beim erſten Zeichen, das er mit demſelben gibt, zieht man ihn ſo ſchnell als möglich mit ſeiner Ladung hinauf, denn ſein Leben hängt meiſt von einigen Secunden ab. Endlich gelangt ſo der ganz erſchöpfte Mann an die freie Luft und athmet neu auf. Der Ton der menſchlichen Stimme ſoll ihn wunderbar beleben, wenn er ſo, faſt aller thie⸗ riſchen Wärme beraubt, aus der Tiefe der Fluten zurückkehrt. Oft kehrt er freilich gar nicht wieder; denn trotz aller angewandten Vorſicht wird er nicht ſelten von einem Hai gepackt undverſchlungen.

Das öſtliche Kreta zählt 80 100 Böte zum Fiſchen der Schwämme, deren jedes gewöhnlich mit 78 Tauchern bemannt iſt. Dieſe armen Leute führen das elendeſte Leben, das man ſich vorſtellen kann, während ihre Herren durch ſie zu großem Reichthum gelangen, der noch auf betrügeriſche Weiſe vermehrt wird, indem die Verkäufer Sand in die Poren der Schwämme ſchütten, wodurch das Gewicht derſelben und folglich ihr Preis beträchtlich erhöht wird. L. F.

Briefkaſten.

An die vielen Freunde des Pfarrers von Triſtan da Cunha. Das StückAus vielen Meeren Nr. V:Der deutſche Pfarrer auf Triſtan da Cunha unſeres Mit⸗ arbeiters, des deutſchen Seeofficiers, in Nr. 3 und 4 dieſes Jahrgangs ſcheint weit und breit eine ungewöhnliche Theilnahme hervorgerufen zu haben. Die vielen Anfragen über die Wahrheit oder Unwahrheit der Thatſachen, über die näheren Umſtände ꝛc. bezeigen dies. Und in der That iſt das Abenteuer ſo phantaſtiſch und für die Gegenwart ſo märchenhaft, das wir ſelbſt geneigt waren, an ein Stück Wahrheit und Dichtung zu glauben, zumal wir uns bei unſerem Mitarbeiter nicht nach dem Näheren erkundigen konnten, da wir nicht wiſſen, auf welchem dervielen Meere unſer Weltumſegler augenblicklich ſchwimmt. Da erhalten wir von der Hand des auf dem Gebiete der Geographie beinahe Alles wiſſenden Peter⸗ mann, des Herausgebers der Perthes'ſchen Geogrph. Mittheilungen in Gotha, die Nachricht, daß ihm ſowohl die Inſel Triſtan da Cunha, als die Exiſtenz des deutſchen Pfarrers bekannt geweſen ſei. Unſers deutſchen Seeofficiers intereſſante und rührende Schilderung wird alſo vollſten Maßes beſtätigt. Petermann ſchreibt:In der WochenſchriftDaheim ſchildert ein deutſcher Seeofficier ſeinen mehrtägigen Aufenthalt auf der im ſüdatlantiſchen Ocean, 1320 Seemeilen ſüdlich von St. Helena, gelegenen Inſel Triſtan da Cunha, die mit den beiden kleineren Inſeln Inacceſſible und Nightingale eine einſame vulkaniſche Gruppe bildet. Sie beſteht faſt ganz aus einem Vulkankegel, deſſen Höhe auf engliſchen Karten zu ungefähr 8300 engl. Fuß angegeben wird; nur an der Nordweſtküſte findet man zwiſchen dem Meeres⸗ ſaum und dem ſchroffen Felſenabſturz des Berges eine beſchränkte Ebene mit einer kleinen Anſiedelung. Der Flächeninhält der ganzen Inſel beträgt nach unſerer planimetriſchen Berech⸗ nung(ſiehe Behm's Geogr. Jahrbuch, 1866, S. 103) nicht mehr als 2,1 deutſche Qu.⸗Meilen.

DieGeogr. Mittheilungen enthalten im Jahrgang 1855(Tafel 7) eine Spezialkarte der Inſel nach der Aufnahme des Capitän Denham vom Jahre 1852 und(auf S. 79 bia et die Denham'ſche Beſchreibung, die ausführlich über die intereſſante, damals aus 85 Köpfen beſtehende Anſiedelung berichtet, auch brachten ſie im Jahrgang 1862(S. 436) einige weitere Notizen nach Capitän Pullen, welcher zu Weihnachten 1857 auf Triſtan da Cunha war, die Anſiedelung durch den häufigeren Beſuch amerikaniſcher Walfiſchfänger herabgekommen fand und den von Denham erwähnten Geiſtlichen Taylor nicht mehr antraf. Dieſer Geiſtliche ein ehrlicher Kurheſſe Namens Georg Schneider, der nach mannigfaltigen Schickſalen auf jenem einſamen Fels im Meer verſchlagen war und unter der engliſchen Gemeinde einen engliſchen Namen angenommen hatte, bildet aber die Hauptfigur in der Schilderung des deutſchen Officiers, die Anweſenheit des letztern auf der Inſel muß alſo zwiſchen die Jahre 1852 und 1857 fallen. Dies den vielen Freunden des Pfarrers von Triſtan da Cunha zur Nachricht, ob der Greis noch lebt, wiſſen wir nicht.

Redaction der H. Zeitung zu H. Sie waren ſeiner Zeit eine der lauteſten Stimmen unter der Meute, die da glaubte, das Daheim zu Tode hetzen zu können, und nicht gerade eine der loyalſten; heute bitten Sie darum, aus dem Daheim verſchiedene Artikel nach⸗ drucken zu dürfen. Wir können uns die Genugthuung nicht verſagen, Ihnen hiermit den Abdruck zu geſtatten.

An denſächſiſchen Leſer zu Leipzig. ſtimmung nur kurze Zeit dauern könne.

A. L. Mitarbeiter in Lübeck. Bis dat, qui cito dat, Verehrteſter! 7

C. R. F. in R. Am erſten werden Sie ſich auf antiquariſchem Wege das I. Quartal des zweiten Jahrgangs verſchaffen können, wenn auch zu höherem Preiſe. Im Buchhandel iſt es vergriffen. Den erſten Jahrgang werden Sie jedoch auch ſpäter noch haben können.

Heuerling H. W. in Neuſchönefeld. Schönen Dank für die botaniſche Berichtigung zur Novelle. Wir wollen die Leſer aber lieber nicht auf den kleinen Lapſus aufmerkſam machen.

Wir wußten wohl, daß eine ſo künſtliche Ver⸗

Inhalt: Das Geheimniß des Fürſtenhauſes. Nodelle von Georg Hiltl.(Fortſetzung.) Ein deutſcher Officier. Lebensſeizze von einem Kameraden. Mit Porträt. Bürgers Lenore und der Hainbund. Literarhiſt. Charakterb.(Fortſ.) Schneiderphilipp. Ein Nachtſtück aus dem ehemaligen Naſſau. Meine kleine Hausapotheke. III. Die Kamille. IV. Leinſamen und Leinöl. Von Dr. Dyrenfurth. Am Familientiſche.

ttion des D r. 17.

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Jarttale in au Müſeferm, a Mnige glänzend nihien in Ge- ſeinige ſhn ddel der Eand an ſchuutt zu werg zu nahen.